Nr. 288.- 31. Jahrg.
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,, Sozialdemokrat Berlin",
Mittwoch, den 21. Oftober 1914.
Die Kämpfe in Nordfrankreich und Nordbelgien.
Kämpfe bei Nieuport und Lille .
Amtlich. Großes Hauptquartier, 20. Oktober, vormittags.( W. T. B.) Die deutschen
Westlicher Kriegsschauplah. Millionenschlacht und Festungskrieg. Einem Artikel des Generals v. Blume bom 19. Oktober von Ostende längs der Küste vorentnehmen wir folgende Darlegungen: gehenden Truppen stießen am Vserab- in heißer Schlacht der französisch - englischen Gesamtstreitmacht Noch immer, seit nunmehr fünf Wochen, steht unser Westheer schnitt bei Nieuport auf feindliche Kräfte. Mit diesen stehen sie seit vorgestern im Gefecht.
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Die Vereinigten
Vereinigten Staaten von Amerika und der Weltkrieg.
In mannigfaltiger Beziehung macht sich der Krieg im Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten fühlbar. Zunächst ist das Geld- und Kreditgeschäft völlig zerrüttet. Für tägliches Geld zahlt man auch heute noch 8 Proz. Die Börse
gegenüber, die, unterſtüßt durch ein buntes Gemisch zuhilfe ge- bleibt geschlossen und infolgedessen ist nicht nur das Effekten
rufener fremder, auch wilder Völkerschaften, verzweifelte Anstren gungen macht, den geheiligten Boden Frankreichs von den Bar baren zu befreien. Unter Umfassungsversuchen hat sich der nordwestAuch gestern wurden Angriffe des Geg liche Flügel der Schlachtlinie nach und nach bis nahe an die ners westlich Lille unter starken Ver- 350 Stilometern- gleicht der Entfernung von Berlin bis zur Gestade der Nordsee ausgedehnt, die ganze Linie eine Länge von lusten für den Angreifer abgewiesen. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Die Kriegslage.
Infolgedessen leidet aber auch das Import. und Erportgeschäft, weil das internationale Zahlungs. mittel jekt verjagt. Immerhin macht sich in den Bereinigten Saaten ein gewiffes Aufleben des Exports bemerkbar. Insdie„ New Yorker Handelszeitung" vom 26. September: besondere ist die Nachfrage nach Getreide groß. So schreibt
In der lezten Woche sind Produkte im Werte von 17,21 Millionen Dollar zum Erport gelangt gegenüber einer vorjährigen Ausfuhr von 12,8 Millionen Dollar.. Neben wöchige Export auch große Verladungen von rohem und raffi Weizen und Weizenmehl, Roggen und Hafer schließt der vorNeben England treten niertem Zucker nach England ein. auch Frankreich , Holland , Südamerika usw. als Käufer auf. The Evening Post" vom 26. September meldet, daß auch Deutschland große Weizenfäufe gemacht hat, die über Nor wegen und Holland gegangen sind.
geschäft ins Stocken geraten, sondern auch der internationale Geldverkehr höchst erschwert. Die Vereinigten Staaten sind aber an das Ausland verschuldet und leiden daher unter Entwertung ihrer Valuta. Für den Pfund- Sterling- Wechsel 4,98 Dollar, während er normalerweise zu 4,855 zu haben war. zahlte man bis unlängst über 5 Dollar, heute zahlt man noch Weichsel bei Thorn - erlangt. Weder auf einem der Flügel noch Da Amerika große Schulden an das Ausland zu regulieren in der Mitte dieser gewaltigen Front hat bisher, trotz ununterbrochenen blutigen Ringens, eine von beiden Barteien einen für hat, so muß diese Entwertung des amerikanischen Wechsels das Ganze entscheidenden Erfolg erzielt. Kaum daß hier und auf dem Wirtschaftsleben schwer lasten. Daher haben die da ein geringes Vor- oder Zurückdrängen der Linie stattgefunden amerikanischen Banken mit der Genehmigung der Federal hat, das überdies oft nur vorübergehender Art war. Reserve Board einen 100- Millionen- Fonds gebildet, um Unter den bereits mehrfach erwähnten Veränderungen der das Devisengeschäft zu regulieren. Bevor indes die Börsen Kriegskunst, die aus diesen Tatsachen zu uns sprechen, nimmt die nicht geöffnet werden, können auch auf dem Geldmarkte keine Vervollkommnung und ausgebreitete Anwendung der Feldbefesti- normalen Zustände eintreten. gungskunst an und für sich sowie wegen der erschwerenden Wirkung, die sie auf das Angriffsverfahren ausübt, einen wichtigen Plaß ein. Daß diese Erscheinung zeitlich mit einer Verminderung Wesentliche Veränderungen sind auf den Strtes chauder Widerstandsfähigkeit, baber der Bedeutung von Festungen zu plätzen seit der Einnahme von Antwerpen und der Be- fammenfällt, ist nur ein scheinbarer, innerer Widerspruch, der seine segung von Brügge und Ostende nicht eingetreten, trog- griffe auf Festungen wesentlich einer beim Bau der letteren nicht Aufklärung darin findet, daß der schnelle Erfolg der neuesten Andem an verschiedenen Stellen heftige Stämpfe stattgefunden vorausgesehenen Vervollkommnung der schwersten Geschüße guzuhaben. schreiben ist, die jedoch im Feldkrieg nicht verwendbar sind. So bei ille und südlich von Ostende . Dort Eine Festung gewährt dem Verteidiger weithin freies Schuß stehen starken deutschen Truppen zahlreiche englisch- französisch- heit gegen überraschenden Sturmangriff( Sturmfreiheit). Da feld, beträchtlichen Schuß gegen das feindliche Feuer und Sicher belgische Streitkräfte gegenüber. überdies in ihr Vorsorge für gute Unterkunft, geregelte VerpfleBekanntlich hatten unsere Gegner schon vor dem Fall gung usw. der Besagung gesorgt sein wird, so kann sie unter Antwerpens die größten Anstrengungen gemacht, ihren äußersten wertvoller Schonung der menschlichen Sträfte verteidigt werden. linken Flügel bis nach Belgien hinauf zu verlängern. Teils, Gleich großen Vorteil fann freilich die Feldbefestigung selbst da, wo sie auf hoher Stufe steht, nicht bieten. Immerhin aber ist um den deutschen rechten Flügel durch eine Umklammerung es mit ihrer Hilfe möglich, die Wirkung des feindlichen Feuers zum Zurückweichen zu bringen, teils um mit den belgischen erheblich abzuschwächen, die des eigenen Feuers zu erhöhen und Truppen in West- Belgien und in Antwerpen Fühlung zu ge- feindlichen Sturmangriff zu erschweren, somit Truppenkräfte zu winnen. Man hoffte so eine einheitliche Stampfesfront bis schonen und zu ersparen. Und einen wichtigen Vorzug hat sie nach Antwerpen herzustellen, diese wichtige Festung im Rücken vor den Festungen: den, daß sie nicht örtlich gebunden ist, sondern überall da angewandt werden kann, wo die Beschaffenheit des bon Brüssel zu halten und die belgische und französische See- Bodens und dessen Bebauung nicht hindernd im Wege stehen. Das füfte gegen die Deutschen zu schützen. Maß des Nuzens, der aus ihr gezogen werden kann, ist jedoch beDer rasche Fall Antwerpens durchkreuzte diese strategische dingt durch die Geschicklichkeit der Truppen, ihre Ausstattung mit Berechnung. Die vor Antwerpen freigewordenen deutschen geeigneten Werkzeugen und Material und besonders durch die verfügbare Zeit. Truppen rückten in Verfolgung der fliehenden Antwerpener Zeit für den Zwed haben nun beide Parteien reichlich in einer Besayung über Brügge und Gent hinaus rasch auf Ostende Kriegslage, wie der gegenwärtig in Frankreich bestehenden. Und bor, brachten diesen wichtigen Hafenplatz in ihre Hand und da sich aus dieser Kriegslage für beide die Aufgabe ergibt, den drangen sowohl an der Küste wie südlich von Brüssel gegen ist es nur natürlich, daß dort auf beiden Seiten von der Feld Gegner unter Verdrängung aus seiner Stellung zu besiegen, so die französische Grenze vor. Die letzten Kämpfe werden von befestigungskunst der ausgiebigste Gebrauch gemacht wird, und zwar Nieuport, am Kanal, unweit der Grenze gelegen, ge- nicht nur zu Verteidigungszweden, sondern auch zu dem Zived, meldet. pern, weiter landwärts gelegen, ist zwar von den Angriff mit möglichst geringen Verlusten näher an den Feind feindlichen Truppen besetzt, aber scheinbar von den deutschen auf der ganzen langen Front tief verschanzt nahe, viefach auf furze heranzuführen. Die Folge davon ist, daß sich jetzt die Gegner Truppen umschlossen und isoliert. Gewehrschußweite gegenüberstehen, die vorderen Schüßengräben Die beiderseitigen Heeresfräfte ringen auf der Linie und Stübpunkte Tag und Nacht von schußbereiten Schüßen dicht Nieuport- Lille heftig miteinander. Es handelt sich dabei besetzt haltend, und daß das Geschüß- und Gewehrfeuer, hier und offenbar um Ueberflügelung auf dieser äußersten, an die Küste trotz der Schuhwehren auf der ganzen Front beständig namhafte da durch Angriffsunternehmungen zu großer Heftigkeit gesteigert, gelehnten Flanke der ausgedehnten Kampfeslinie. Gelingt es Opfer fordert. den deutschen Truppen, die Gegner zurück zu drängen, so ist Bei dieser Sachlage kann, wenn nicht noch die Durchführung das nächste Ziel der deutschen Offensive vermutlich der eines umfassenden Flügelangriffs gelingt, die Entscheidung nur französische Hafen Dünkirchen , von wo aus es bis nach davon abhängen, welche Partei Strapazen, Entbehrungen und Verluste am längsten aushält und hierdurch oder durch Zuführung Calais nicht mehr weit ist. tüchtiger frischer Truppen einen Ueberschuß an Kraft gewinnt, der ausreicht, um die Front des ermatteten Gegners zu durchbrechen und dadurch das Ganze in Fluß zu bringen. An Ausdauer aber dürfen wir hoffen, uns unseren Gegnern überlegen zu erweisen und auch am längsten über frische Truppen zu verfügen.
An der ost preußischen Grenze, wo bis jetzt alle erneuten russischen Invasionsversuche zurückgewiesen wurden, scheint der Kampf zurzeit keine größeren Dimensionen angenommen zu haben.
,, Unferen Getreidefarmern," meint die ,, New Yorker Handelszeitung",„ bringt der europäische Krieg die Sicherheit hoher Preise für ihre Produkte auch noch für das kommende Jahr, und dadurch gesteigerte Wohlhabenheit unserer westlichen Landwirte muß notwendigerweise das Gesamtgeschäft günstig beeinflussen."
Daraus müssen in erster Linie die Bahngesellschaften profitieren, die in den letzten Wochen unter bedeutendem Verfehrsmangel gelitten haben.
Viel ungünstiger liegt das Baumwollgeschäft des Süden. Die Baumwollindustrie befindet sich überall in einer Krise, die Nachfrage nach Baumwolle hat sich stark ver13 Cents auf 81 Cents pro Pfund gesunken ist, was einer mindert, so daß der Baumwollpreis in wenigen Wochen von Entwertung der Baumwollernte von 400 Millionen gleichfommt. Bereits sehen sich bedeutende Firmen genötigt, um Bewegung eingeleitet worden, die bezweckt, den Farmen die Zahlungsaufschub zu bitten. Zur Abhilfe der Not ist eine Baumwolle zu 10 Cents abzukaufen. Ob mit Erfolg, läßt sic vorläufig nicht voraussagen.
Umgekehrt hat sich die amerikanische BaumSie geschlossen waren, haben ihren Betrieb wiederum aufge wollindustrie etwas erholt. wollindustrie etwas erholt. Verschiedene Fabriken, nommen. Noch regeres Geschäft wird aus der Wollindustrie gemeldet; die Wollstoffpreise sind auch in den Vereinigten Staaten angezogen.
In der Eisen- und Stahlindustrie wird immer noch bloß mit 50 Proz. der Leistungsfähigkeit gearbeitet, obgleich die Aufträge etwas zugenommen haben. Da aber die Eisenbahngesellschaften sich noch zurückhalten, ist eine bedeutende Wendung auf diesem Gebiete vorläufig faum zu erwarten.
Amsterdam , 20. Oktober. ( T. U.) Ein heftiges Gefecht ist Das gleiche tut der Fruchttrust" mit seinen 25 Dampfern,
An der großen südpolnisch- galizischen Schlachtlinie dagegen dauern die Kämpfe mit Heftigkeit fort. Wenigstens werden von österreichisch- amtlicher Seite österreichische Erfolge vom galizischen Striegsschauplatz, im Gange bei Nieuwpoort südlich von Ostende . sowie die Zurückwerfung einer starken russischen Stavalleriemacht in Süd polen gemeldet. Doch hat sich die Schlachtlinie,
die durch Weichsel und San gebildet wird, im ganzen Von der Schweizerischen Grenze, 20. Oftober.( T. 11.) Die Zei noch nicht verschoben. Daß die Kämpfe der deutschen Truppen tung„ Etoil de l'Est" in Nanch erzählt, daß zwei deutsche Aeroplane sich bereits im Vorgelände von Warschau abspielen, ist am vergangenen Dienstag über Nanch flogen und folgende Botschaft bereits in den letzten Tagen gemeldet worden. fallen ließen: Zweitausend Meter über Nanch. Zu unserem großen Auch auf dem östlichen Kriegsschauplatz scheint eine Bedauern verhindert, Euch zu besuchen, bleibt uns nur übrig. Euch größere Entscheidung so bald nicht zu erwarten zu sein. Auch auf diesem ungewöhnlichen Wege unsere mit Liebenswürdig hier hat der Kriegsschauplatz, auf dem sich die Millionen- te it und Pulver gefüllten Grüße zu senden. heere gegenüberstehen, eine so kolossale Ausdehnung an- Anmerkung der Redaktion: Ob unsere Flieger nicht lieber auf genommen, daß sich die Schlachten in eine Unzahl von solch höhnende Begleitschreiben zu ihren Bomben verzichten sollten? Einzelgefechten auflösen dürften, deren Endergebnis sich erst Wir leben doch schließlich nicht mehr in der Zeit des Trojanischen Krieges!
in
geraumer Zeit wird feststellen lassen.
Sehr beachtenswert sind die Vorgänge in der Handelsschiffahrt. Der Stahltrust läßt seine 9 Dampfer, die bisher. unter englischer Flagge segelten, unter amerikanischer fahren. der Deltrust erweitert seine Flotte usw. Kurz, die Ber einigten Staaten suchen so rasch wie möglich sich einen: möglichst großen Anteil an dem Weltverkeh zu sichern, so daß die„ Times" die englischen Unternehmer at diese Gefahr aufmerksam zu machen für nötig gefunden habe Die Warenpreise in New York waren nach der T Evening Post" wie folat( in Dollar): 26. September 1913 Weizen Mais
Safer. Rindfleisch
•
1914
0,941
1,174
0,8012
0,8412
0,472
0,531
21,-
80,-
4,70
6,50
Roheisen.
16,25
15,0
Stahl. Kupfer.
25,0
21,0
15,4
12,5
Baumwolle
14,1
11,0
Buder.