Einzelbild herunterladen
 

Nr. 260.

5 Pfennig

Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerandes Bierteljährl. 8,30 ML, monatl 1.10 wöchentlich 25 Bfg frei ins Haus Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost Beitungs Breisliste Unter Rreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mark pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien , Dänemark , Holland , Italien , Buremburg, Bortugal, Rumänien , Schweden und die Schweiz

ideint täglich.

Montagsausgabe

5 Pfennig

Vorwärts

32.Jahrg.

Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 60 Bfg. für politische und gemertschaftliche Bereins. und Berjamminungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte Bort 20 fg.( zulaffig 2 fettgedruckte Borte), jebes writere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan geigen bas erste Wort 10 Bfg. jedes meitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buch­staben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet.

Telegramm- breffe: Sozialdemokrat Berlin .

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morisplat, Nr. 151 90-151 97.

Montag, den 20. September 1915.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Str. 151 90-151 97.

Wilna in deutschem Besitz.

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, den 19. Sep­tember 1915.( W. T. B.)

Weftlicher Kriegsschauplah.

Südöstlich von Bray( a d. Somme*) gelang eine ausgedehnte Sprengung in und hinter der feindlichen Stellung. In dem anschließenden, für uns günstigen Gefecht hatten die Franzosen erhebliche blutige Verluste. Es wurden einige Gefangene gemacht.

Hart westlich der Argonnen wurden schanzende feinliche Abteilungen durch Artilleriefeuer unter schweren Berlusten zersprengt.

Das lebhafte Artilleriefener dauert auf einem großen Teile der Front an.

Deftlicher Kriegsschauplah.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg . Der umfassende Angriff der Armee des General­obersten v. Eichhorn gegen Wilna hat zu vollem Er. folge geführt. Unser linker Flügel erreichte Molodeczno, Smorgon und Bornjany. Versuche des Feindes, mit cilig zusammengerafften starten Kräften unsere Linien in Richtung auf Michalisti zu durchbrechen, schei­terten völlig. Durch die unaushaltsam vorschreitende Umfaffungsbewegung und den gleichzeitigen scharfen Angriff der Armeen der Generale v. Scholz und v. Gall wis gegen die Front des Feindes ist der Gegner seit gestern zum eiligen Rüdzug auf der ganzen Front ge­zwungen; das starkbefestigte Wilna fiel in unsere Hand. Der Gegner wird auf der ganzen Linie verfolgt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Auch hier wird der zurückgehende Feind verfolgt. Die Heeresgruppe erreichte die Linie Nienadowicze Derewnoje Dobromysl . Feindliche Nachhuten wurden geworfen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackenfen. Nördlich von Pinst ist die Wisliza erreicht. Süd­lich der Stadt ist der Strumen überschritten.

Südöstlicher Kriegsschauplah.

Die Lage ist unverändert.

Im englischen Unterhause hat nach Zeitungsberich. ten der Marineminister Balfour behauptet, London sei, wie jedermann wisse, und wie auch die Deutschen wohl wüßten, ein unbefestigter Ort, der nach den Regeln des

*) Brah liegt an der Somme, 7 kilometer füblich Albert.

zibilisierten Krieges Luftangriffen nicht ausgefekt sein sollte.sdation

Da es dem Minister unmöglich verborgen sein kann, bak London durch eine große Anzahl ständiger Befesti­gungswerke und eine noch größere Zahl von Feldwerken befestigt ist, handelt es sich hier um eine bewußt falsche Darstellung. Der Minister hat außerdem anzuführen vergessen, daß die deutschen Luftfahrzeuge bei ihrem Er. scheinen über London stets zuerst von englischer Seite beschossen worden sind. Auch erwähnt er nicht die für die Beurteilung der Sachlage recht wichtige Tatsache der fortgefekten Angriffe durch Flugzeuge der Verbündeten auf offene und weit außerhalb des Operationsgebiets gelegene deutsche Ortschaften, ja sogar auch auf harmlose Reisende in Personenzügen, die natürlich außerstande find, sich zu wehren.

Oberste Heeresleitung

Der öfterreichische Generalstabsbericht.

Bien, 19. September. ( W. Z. 8.) Amtlich wird ver. Lautbart: 19. September:

Russischer Kriegsschauplas.

Ju Ogalizien verlief ber geftrige Tag ruhig. Gegen über unseren Linien an der Jiwa entwidelte der Feind stärkere Artillerietätigkeit. Im wolhyuifchen Feftungsbreied ging die Besehung unserer neuen Stellung ohne Störung burch den Gegner vonstatten. Der aus Litauen zurückweichende Feind wird von den bort inmitten deutscher Armeen vordringenden L. n. L. Streita fräften verfolgt.

Italienischer Kriegsschauplah.

-

Gestern eröffnete die italienische schwere Artillerie neuer. bings ein lebhaftes Feuer gegen unsere Werte auf ben Hoch­flächen von Bi elgerenth und Lafrann. Im übrigen ist die Lage im Tiroler und Kärtner Grenzgebiet un­verändert. Der gegen den Raum von Flitsch angefeßte Angriff, der dem Feind im Talbeden allein über tausend Mann kostete, ist gescheitert. Heute früh waren die vordersten Gräben bereits von den Italienern verlassen. Im Vrsic­Gebiete verfuchte der Gegner unter dem Schuße des Abend. nebels eine unferer Borstellungen zu überfallen. Diese Unter­nehmung scheiterte vollständig. Gegen Mitternacht sprengten unsere Truppen die dort von den Italienern errichtete Mauer aus Sandfäden samt den bahinter befindlichen Feinden in bie Luft. Jm Südweftabschnitt ber Karfthochfläche von Dober­bs wurde die vergangene Nacht zur Sprengung feindlicher Sappen ansgenüßt.

Der Stellvertreter des Chefs bes Generalstabes:

b. oefer, Feldmarschalleutnant.

Widerlegung einer englischen Falschmeldung. deutschen Divifionen betrugen am

Die Berlufte der beiden in der englischen Meldung erwähnten deutschen Divifionen betrugen am 7. September: 1 Offizier, 65 Mann tot, 3 Offiziere, 295 Mann verwundet, 32 Mann ver­mißt.

Aus dem Großen Berlin , 19. September( 2. T. B.) Hauptquartier wird uns geschrieben: So bebauerlich diese Berlufte an fich find, fo fann man fie Die Morning poft" vom 11. September bringt in einem Sigen- Telegramm aus Petersburg die Nachricht, daß in den doch nicht als übertrieben hoch ansehen für eine Schlacht, der die festägigen Sämpfen an der Sereth- 2inie eine Russen selbst entscheidende Bedeutung beilegen.

ganze Armee vernichtet sei. Ein deutsches Armeekorps von zwei Deutsch - französischer Gefangenen­

Austausch.

Teuerung und Surrogat wirtschaft.

In der tapitalistischen Wirtschaft war bon jeher bie Grenze fchwer zu ziehen, wo das reelle Geschäft aufhört und der Schwindel beginnt. Die Konkurrenz zwingt die Produzenten, billige Ware auf den Markt zu bringen, und das geschieht zum Teil auf Kosten der Qualität. Der Konsument tann unmöglich eine so umfassende Kenntnis aller Güter, die er braucht, befizen, daß er fie richtig ein­schätzen könnte, und das bildet den Anreiz, ihn systematisch übers Ohr zu hauen. Freilich, soweit die Fabrikanten und Kaufleute untereinander Handel treiben, wird auf Neellität gehalten, ein­fach, weil man sich gegenseitig auf die Finger sieht. Jede gutgeleitete größere Fabrit hat Fachmänner, die die Beschaffenheit der ge­tauften Rohstoffe und Halbfabrikate ganz genau prüfen; wenn erforderlich, richtet sie ein chemisches Laboratorium ein, in dem Stichproben der angelieferten Produkte vorgenommen werden. Der Großhändler hält es ebenso. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Großhändler Produkte von schlechter Qualität nicht lauft, sondern nur, daß er fie eben nach ihrem reellen Wert bezahlt. Um ein Beispiel unter Tausenden Herauszugreifen: Fabrikanten und Händler missen genau, daß ein aus frischgesponnener Schafwolle bergestelltes wollenes Gewebe dauerhafter ist, als ein Gewebe, das aus alten Mollenlumpen fabriziert wurde, wobei man die Lumpen zerfafert und die Fasern zu neuem Garn verspinnt. Der Wit ist, daß man diesen Stoff durch entsprechende Behandlung beim Färben und Appretieren so behandelt, daß der Nichtfachmann ihn bon solidem Euch nicht mehr unterscheiden tann, ja selbst der Fach­mann wird nicht immer in der Lage sein, solche Lumpentvolle oder Shoddy, wie die Engländer es nennen, genau zu erkennen. Das liebe Publikum freut sich über das billige" Kleidungsstüd, um dann zu merken, daß der Sonntagsrod in verblüffend kurzer Zeit verschliffen ist. Diese systematische Warenfälschung ist der­art verbreitet, daß fie in der kapitalistischen Wirtschaft überhaupt nicht mehr auszurotten ist, und ganz boshafte Leute behaupten, das Wesen des technischen Fortschritts bestehe darin, Dred so herzu­richten, daß man ihn nicht mehr vom soliden Produkt unterscheiden Lann.

-w

Der Kriegstapitalismus, beffen Anpassungsfähigkeit bielfach so laut gerühmt wird, scheint mun diese Kunst ganz besonders zu pflegen. Die Rohstoffe werden knapp, da macht man aus der Not eine Tugend und stredt", was auf gut deutsch bedeutet, man erfekt solide, vollwertige Stoffe durch Surrogate.

Mit dem Brot fing es an. Weil die Regierung auf die sozial­demokratischen Warnungen nicht hörte und zu spät sich des Ernstes der Lage bewußt wurde, stellte sich Snappheit an Getreide ein, und wir bekamen das Kriegsbrot", das eine Beimischung von Kar­toffeln hat, dadurch um die Hälfte mehr Wasser enthält, als gutes Brot enthalten soll und infolgedessen erheblich geringeren Nährwert befigt. Gewiegte Geschäftsleute haben denn gar balb heraus­gefunden, wie lukrativ die Anwendung dieses Prinzips der Stredung sein kann. Ein Mordsterl zum Beispiel ist der Wurst­fabrikant, der sich sagte: wenn man Brot streden kann, warum nicht auch Wurst; darauf tat er Kartoffeln in den Wurstbrei und fabrizierte erstklassige" Leberwurst. Die Geschichte tam ans Tages­licht, weil er Streit mit seinem Werkführer bekam und das Ge­werbegericht sich mit der Angelegenheit befassen mußte.

N

Bekannt ist auch, welcher geradezu unerhörte Schwindel mit den für Biebesgaben" bestimmten Produkten getrieben wurde. Einige Lebensmittelchemiker haben sich das Verdienst erworben, vor den famosen Kaffeepräparaten, deren wichtigster Bestandteil Anilinfarbe ist, zu warnen, vor den Teebomben, mit denen es sich ähnlich verhält, vor der haltbaren" Butter, die aus Rindertalg be­steht, vor dem Kakao, der nur gemahlene Schalen enthält, vor dem Divisionen habe die Russen mit den wertvollsten Trophäen und famosen Grog", den die Schweine nicht mögen, und was sonst der der größten Zahl von Gefangenen versorgt. Eine dieser Divi­fionen sei bei Tarnopol vernichtet worden. Von den sechzehn Herrlichkeiten mehr sind. Ein ganz Gescheiter ist auch ein gewisser. Konstanz , 19. September. ( W. T. B.) Im Laufe des gestrigen Herr Sauer, der die Butter strecken" will. Als die Polizei vor schweren Geschüßen eines deutschen Korps feien bierzehn in Tages ist wieder eine größere Anzahl französischer Schwerberwun- feinem Butter- Bulber" warnte und unser Breslauer Barteiblatt russische Hände gefallen. deter hier eingetroffen. Bis jetzt sind gegen tausend französische das zur Kenntnis der Leser brachte, machte er seinem Herzen in Diese lügenhaften Behauptungen über deutsche Truppen können Austauschgefangene nach der hiesigen Sammelstelle verbracht einer 3uschrift an die Redaktion Luft: sein Pulver bestche aus fich nur auf die Schlacht bei Tarnopol am 7. September beziehen, worden. Insgesamt werden 1280 Franzosen gegen 400 bis 500 Stärkemehl, das mit Natriumkarbonat versetzt ist; es hat die Auf­deren irrtümliche Darstellung in dem Bericht der russischen Heeres- Deutsche ausgetauscht werden. Der erste Zug nach Lyon geht am gabe, Butter zu emulgieren, d. h. zu binden, wobei einerseits das leitung vom 8. September bereits im deutschen amtlichen Tages 20. September abends von Konstanz ab. Für den Heimtransport bericht vom 8. September widerlegt worden ist. Die russische der deutschen Invaliden sind nur zwei Züge vorgesehen. Heeresleitung selbst hält nach ihrer gewundenen Erklärung im amtlichen Bericht vom 11. September ihre Angaben vom 8. Sep­Nach der Duma- Auflösung. tember nicht mehr aufrecht und gibt deren Unrichtigkeit im amt­Kopenhagen, 19. September. ( 2. U.) Rietsch" meldet lichen Bericht vom 18. September mit bemerkenswerter Offenheit zu. aus Petersburg : Der Bolizeimeister von Moskau berbot Gegenüber der Nachricht der" Morning Post" sei nochmals die Abhaltung jeder Versammlung, sogar die Sigungen der ausdrücklich festgestellt, daß die deutschen Truppen bei Tarnopol Krankenkassen. Im gemeinsamen Geschäftslokal der koope­unter feindlichem Drud feinen Schritt zurüdgegangen find, teiner- rativen Vereine wurde eine Untersuchung vorgenommen, wo lei Trophäen, kein Maschinengewehr, kein Geschüz verloren haben, rauf fünf Mitglieder verhaftet und wegen politischer Ver­Dagegen alle Angriffe der Ruffen blutig abwiesen. gehen angeklagt wurden.

föstliche Aroma der Naturbutter erhalten bleibt, andererseits eine streichfähige Masse entsteht, die man wirklich gut als Brotaufstrich gebrauchen kann, d. h. als Brotaufstrich für diejenigen, welche den Buttergeschmad haben wollen und hierzu Käse und Aufschnitt effen fönnen. Mit einem Worte, das Zeug riecht nach Butter und ist sonst Schund. Wenn dann Händler die Butter strecken", indem sie dieses Beug hineintun, so hat Sauer damit nichts zu schaffen, sein Vorteil ist nur, daß er Stärkemehl mit Natriumkarbonat versezi zu Apothekerpreisen verkauft. Aber der gute Mann plaudert nun aus der Schule: seine herrliche Erfindung wird mißbraucht von ganz gemeinen Serlen, die einfach Kartoffelmehl mit Salz chne