Nr. 265.- 32. Jahrg.
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Telegramm Adresse:
,, Sozialdemokrat Berlin".
Sonnabend, den 25. September 1915.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Mr. 151 90-151 97.
Heftige Kämpfe bei Wilejka und an der Ikwa.
Ueber 12 Milliarden Kriegs- Meldung des Großen Hauptquartiers.
anleihe gezeichnet.
Berlin , 24. September. ( W. T. B.) Die Zeichnungen auf die dritte deutsche Kriegsanleihe haben nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen eine Summe von 12 030 Millionen Mark erbracht. Einzelne kleine Teilergebuisse stehen noch ans.
Helfferich über das Ergebnis der Anleihe.
Berlin , 24. September. ( W. T. B.) Der Staatssekretär bes Reichsschaamts Dr. Helfferich hat sich gegenüber Vertretern der amerikanischen Bresse über das Ergebnis der britten Kriegsanleihe ausgesprochen, die nachstehende Aeußerungen des Staatssekretärs nach den Vereinigten Staaten gelabelt haben: Das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe ist rund 12 Milliarden Mark. Zusammen mit der ersten Kriegsanleihe( September 1914: 4%, Milliarden Mark) und der zweiten Kriegsanleihe( März 1915: 9,1 Milliarden Mark) hat also das deutsche Volk rund 25%, Milliarden Mark in Form langfristiger Anleihen endgültig für den Krieg zur Verfügung gestellt.
Damit find alle bisher aufgelaufenen Kriegstoften abgebedt und darüber hinaus ist neues Geld und unser kurzfristiger Kredit berfügbar für die weitere Kriegführung. Wir haben nicht nur neue Heere, wie der Reichskanzler im Reichstag sagte, sondern auch neue Milliarden frei zu neuen Schlägen. Die Finanzierung des Winterfeldzuges bis in das Frühjahr hinein ist gesichert.
Die auf die dritte deutsche Kriegsanleihe gezeichnete Summe übertrifft noch die über die ganze Welt als unerreichbare Leistung gerühmte zweite englische Striegsanleihe. Die dritte deutsche Kriegsanleihe ist mithin die größte Finanzoperation der Weltgeschichte.
Jm Wege langfristiger Anleihen hat England bisher insgesamt 18 Milliarden Mart, Deutschland 25%, Milliarden Mark aufgebracht. Dabei find die bisher aufgelaufenen Kriegsloften Englands faum geringer als diejenigen Deutschlands und werden bald größer sein, da England heute fast 100 Millionen Mart, Deutschland nicht viel mehr als 60 Millionen Mark täglich für den Krieg ausgibt. Das find in Deutschland 1 M., in England mehr als 2 M. täglich pro Kopf der Bevölkerung. Ich zweifle, ob die englischen Finanzieute heute noch glauben, daß sie den längeren Atem haben werden. In diesem Zweifel werde ich durch folgende Erwägungen bestärkt:
Deutschland hat seine drei Kriegsanleihen bei gleichem Zinssatz der Reihe nach zu steigendem Preise begeben, England hat den Zins fuß seiner Kriegsanleihen von 8% auf 4% Proz. erhöhen müssen und ist aller Voraussicht nach jezt gezwungen, für seine neue Kriegsanleihe, sei es im Inlande, sei es in Amerika , 5 Proz. zuzugestehen.
Deutschland hat seine Kriegsanleihen ausgezeichnet placiert, wie fich darin zeigt, daß ihr Kurs stets höher als der Ausgabekurs notiert worden ist. England hat seine Kriegsanleihen schlecht placiert, ihre Notierung steht um mehrere Prozente unter dem Ausgabelure.
England hat, um für seine zweite Kriegsanleihe einen großen Erfolg zu erzielen, die Titres mit Konversionsrechten für die 2 prozentigen Konsols und die erste 31½ prozentige Kriegsanleihe ausgestattet und andere Inducements" gewährt. Deutschland hat einen größeren Erfolg ohne alle fünstlichen Reizmittel erzielt. Alles, was im Auslande über Drud und Zwang verbreitet wird, ist reine Fabel. Wir haben uns lediglich an die finanzielle Kraft und den Patriotismus unserer Mitbürger gewendet. Der Erfolg muß der Welt die Augen öffnen, wie stark Deutschlands Finanzkraft und wie start sein Wille ist. England hat die Vereinigten Staaten bei Ausbruch des Krieges durch rüdsichtslose 8unüdziebung seiner Guthaben bedroht. Heute sind die Rollen vertauscht: England sucht Geld in Amerika , Deutschland dagegen findet die Mittel zur Kriegführung bei sich selbst und braucht keine fremde Hilfe.
Wall Street scheint allerdings im Begriff zu sein, auf das falsche Pferd zu setzen. Das mag Wall Street im Verlauf des Krieges mehr Schaden tun als Deutschland . Wer die Wette verliert, ist schlimmer daran, als wer das Rennen gewinnt.
Ich vertraue aber, tros des Zwischenspiels Morgan- Holden, daß der Erfolg unserer Anleihe, der von neuem zeigt, daß wir fest auf unseren eigenen Füßen stehen, zu guten Beziehungen zwischen unsern beiden Ländern beitragen wird. Denn Unabhängigkeit ist das erste Wort der amerikanischen Geschichte, und Selbständigkeit ist das erste Unterpfand wahrer Freundschaft.
Amtlich. Großes Hauptquartier, den 24. September 1915.( W. Z. B.) T.
Westlicher Kriegsschauplah.
Die Artillerie- und Fliegertätigkeit auf der ganzen Front steigerte sich im Laufe des gestrigen Tages.
Ein südlich des Kanals von La Baffée angesetzter Augriff weißer und farbiger Engländer scheiterte bereits in unserem Artilleriefeuer.
An der Küste wurde ein englisches Flugzeng abgeschossen. Der Führer ist gefangen genommen.
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Deftlicher Kriegsschauplah. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg . Südwestlich von Lennewaden sind die Orte Rose und Strigge, die vorübergehend geräumt waren, wieder genommen. Vor Dinaburg wurden nordöstlich von Smelina weitere russische Stellungen gestürmt und dabei etwa tausend Gefangene gemacht. Unsere bei Wilejka in der Flanke der zurückgehenden Russen befindlichen Kräfte stehen in hartnäckigem Kampfe. Starke russische Angriffe hatten an einer Stelle vorübergehend Erfolg; dabei gingen mehrere Geschüße, deren Bedienung bis zuletzt ausharrte, verloren. Die dem weichenden Gegner scharf nachdrängende Front hat die Linie SolyOlschany- Traby- Jwje- Nowogrodek überschritten. Heeresgruppe des Generalfeldmarichalls Prinz Leopold von Bayern.
Zur Vertagung der Duma.
Die ausführlichen Berichte über die letzten Dumasizungen und die Aufnahme, die die Vertagung der Duma bei den führenden Parteien und in der Presse gefunden hat, lassen es nun deutlicher übersehen, wie sich die dramatischen Vorgänge im Mittelpunkt des russischen politischen Lebens abgespielt haben. Schon einige Wochen vor der Vertagung der Duma machte sich bei den Rechtsparteien, die mit dem Hof und der herrschenden Bureaukratie eng liiert sind, eine fieberhafte Tätigkeit bemerkbar, die darauf hinauslief, die Duma, wenn auch nur zeitweilig, aus dem Wege zu räumen. Ob hierbei neben den innerpolitischen Momenten auch bestimmte Bestrebungen auf dem Gebiete der äußeren Politik in Betracht kamen, entzieht sich vorläufig der Beurteilung. Tatsache ist aber jedenfalls, daß die echtrussischen Elemente der Duma und des Reichsrates mit ihrem starken Anhang in den höheren Sphären" die zaudernde Taktik der liberalen Opposition geschickt ausnutzen, um die Vertagung der Duma vorzubereiten. Sie erklärten offen, die Duma habe bereits die Aufgabe erfüllt, die ihre Einberufung notwendig gemacht hatte; sie habe eine so radikale Maßnahme wie die Annahme der Einkommensteuernovelle durchgesetzt; die Kommission für Militär- und Marineangelegenheiten habe vollauf Gelegenheit gefunden, sich mit den dringendsten Mißständen auf dem Gebiete der Heeresversorgung zu beschäftigen; die Mitwirkung der Dumaabgeordneten in den verschiedenen Kriegshilfsfommissionen sichere diesen eine ununterbrochene Verbindung mit den gesellschaftlichen Kräften. Es sei deshalb absolut kein Grund vorhanden, die Session der Duma weiter auszudehnen, zumal politische Reformen zur Zeit des Krieges undurchführbar seien und der Kampf der Opposition um die politische Macht auf dem Boden der Reformforderungen nur die bestehende Regierung desorganisiere und eine künstliche Erregung im Lande wachrufe. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese offen vorgetragenen Anschauungen der Vertreter der Rechten als mit denen der Regierung gleichlautend bezeichnet und in ihnen die Erklärung findet, daß Goremyfin mit seiner Forderung der Dumavertagung so leicht durchdrang. Die von den Vertretern der äußersten Linken fortgesetzt kritisierte Haltung der bürgerlichen Parteien hatte der Regierung diese Aufgabe sehr leicht gemacht. Anstatt ihren politischen Einfluß geltend zu machen, als die Regierung ihrer be durfte, erledigten sie zuerst die zur Fortführung des Krieges notwendigen Angelegenheiten, um hernach durch Bildung eines Blocks das Ministerium zur Abdankung zu zwingen und die Macht in ihre Hand zu nehmen. Oberste Heeresleitung. Die Abwehr dieses Attentats" auf die geheiligten Rechte der Bureaukratie erwies sich unter den geschilderten Verhältnissen als nicht schwer, zumal so geübte Leute, wie Goremykin, der die Auflösung der ersten Duma herbeigeführt, und Kryshanowsky, der Adlatus Stolypins, der hinter dem Staatsstreich vom vom 16. Juni 1907 stand, sich der Sache angenommen hatten. Wie es scheint, liefen die Fäden dieser neuen Verschwörung gegen die Volksvertretung in den Händen Kryshanowskys zusammen, den die rechtsstehenden Kreise auf ihr Schild gehoben haben und dessen Ernennung zum Minister des Innern sie nachdrücklich fordern.
Der Widerstand des Feindes ist auf der ganzen Front gebrochen. In der Verfolgung ist der Serwetsch- Abschnitt oberhalb von Korelitschi, sowie der Szczara- Abschnitt nordwestlich von Kraschin erreicht. Weiter südlich fanden noch Kämpfe mit feindlichen Nachhuten statt. Hundert Gefangene und drei Maschinengewehre fielen in unsere Hand.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackenfen.
Die vorgeschobenen Abteilungen nordöstlich und öftlich von Logischin wurden vor einem umfassenden russischen Angriff hinter den Oginski- Kanal und die Jafiolda zurückgenommen. Sie führten dabei zwei Offiziere und hundert Mann Gefangene mit sich.
Südöstlicher Kriegsschauplah.
Reine Veränderung.
Der österreichische Generalstabsbericht.
Wien , 24. September. ( W. Z. B.) Amtlich wird ver lautbart: Wien , 24. September 1915.
Russischer Kriegsschanplay.
Jm Nordosten trat gestern feine Aenderung ein. Während in Oftgalizien Ruhe herrschte, kam es im Raume von NowoAleksiniec und an der unteren Ikwa zu heftigen Kämpfen. In bem erftgenannten Abschnitte griffen die Russen unter starkem Artillerieaufgebot elf Glieder tief unsere Linien an. Sie wurden überall unter den schwersten Berlusten zurückgeworfen, worauf ihnen unsere im Gegenangriff nachdrängenden Truppen noch eine Höhenstellung entrissen. Eine russische Batterie wurde durch unser Artilleriefeuer zersprengt. Bei Rydoml fielen auf verhältnismäßig engem Gefechtsfeld elf Offiziere und 300 Mann in unsere Hände. Auch die Uebergangsversuche des Feindes über die untere Itwa scheiterten.
In der Gegend nordwestlich von Kolti am Styr vertrieb unsere Reiterei den Feind aus einigen Ortschaften.
Die in Litauen fämpfenden österreichisch - ungarischen Kräfte haben in der Verfolgung des Gegners weiteren Raum gewonnen. Italienischer Kriegsschauplas.
An der Tiroler Westfront vertrieben unsere Landesschützen die feindlichen Alpini von der Albiolo- Spike( nördlich des Tonalepaffes). Auf der Hochfläche von Bielgereuth wurde ein Angriff einiger italienischer Kompagnien auf den Durer ( nordwestlich des Coston) abgewiesen. Etwa tausend Italiener, die sich auf den Osthängen des Monte Piano gegen unsere Stellungen in Bewegung setzten, wurden durch Artilleriefeuer zum Rückzuge gezwungen. Im Kaerntner Grenzgebiete scheiterte ein feindlicher Angriffsversuch auf die Cellon- Spike( öftlich des Bloedenpasses). An der füstenländischen Front kam es gestern nur zu Geschükkämpfen. Die Gesamtlage tst unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplah.
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Im Südosten verlief der gestrige Tag ohne wesentliche Be gebenheit. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: b. Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Die ganze Woche vor der Vertagung der Duma zeichnete sich durch völlige Ratlosigkeit der Blockparteien aus, deren Hoffnungen von einer friedlichen" Eroberung der politischen Macht wie Seifenblasen zerrannen. Vergebens wies das Hauptorgan der Liberalen,„ Retsch", einen Tag vor der Vertagung darauf hin, die Ausschaltung der Duma könne dahin führen, daß die Stimmung der Massen bei dem Wiederzusammentritt der Duma eine solche sein könne, daß der mit solcher Mühe geschaffene parlamentarische Block mit. seinem Programm ihr kaum entsprechen würde. Die Bureaufratie fehrte sich nicht an diese Drohung mit den Massen, denn die Kadetten hatten selbst in dieser kritischen Zeit alles getan, um die Verbindung nach unten zu lodern, damit ihnen der Anschluß nach oben hin nicht wieder verloren gehen sollte.
Aeußerst charakteristisch ist es in dieser Beziehung, daß die Kadetten bei der Vertagung der Duma selbst von der Drohung, sofort nach der Vertagung ihre Mandate in den verschiedenen Kriegshilfsausschüssen niederzulegen, Abstand nahmen und sich dem Beschluß des Blocks unterordneten, mit der Verwirklichung dieser Maßnahme zu warten, bis die politische Lage sich geklärt haben würde. Kann man nicht umhin, die Bildung des Blocks als einen wichtigen Schritt auf dem Wege der Konsolidierung der bürgerlichen Parteien Ruß lands zu bezeichnen, so zeigt doch schon dieser Vorgang, daß er selbst die geringe Kampfenergie der Kadetten zunächst eher gelähmt als gefördert hat. Es ist freilich leicht möglich, daß die Dinge eine andere Wendung nehmen, wenn die Schwierigkeiten der Regierung zunehmen, und die politischen Forderungen des oppositionellen Blocks bei den breiten Schich