Nr.48.- 33. Jahrg.
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Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.
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Freitag, den 18. Februar 1916.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97.
Erzerum in den Händen der Ruffen.
Erzerum von den Russen
Das Reutersche
Bureau meldet aus Petersburg vom 16. Februar: Erzerum ist eingenommen.
Aus der Praxis
des Rohstoffbezuges.
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Seiner Besprechung des Buches der 16"( Vorwärts" bom 15. Dezember 1915, erfte Beilage) hat der Genosse Dr. Gustav Eckstein noch zwei Leitartikel über dasselbe Thema folgen lassen(„ Vorwärts" vom 1. und 2. Februar 1916). Er wendet sich zwar jekt meist polemisch gegen eine vom Genossen Kalisti in der„ Chemnizer Volksstimme"( 18. Dezember 1915) veröffentlichte antikritische Betrachtung, kommt aber auch wieder auf das Buch der 16", namentlich auf meine Abhandlung über die Bergwerts- und Hüttenindustrie in dem Sammelwerk( Arbeiterinteressen und Kriegsergebnis) zurüd. Nun gehöre ich sicher nicht zu den empfindsamen Leuten, die die Ausübung des Kritikeramtes mit dem„ Totschlag" des Kritikers geahndet wissen möchten. Aber hier stehen, wie Eckstein zutreffend fagt, die wichtigsten Interessen der Arbeiter" zur Debatte und da wird es mir wohl gestattet sein, auch die Ausführungen Ecksteins gegen mich kritisch zu untersuchen, ohne in den Verdacht zu geraten, getränkt" zu sein. Ich bin im Gegenteil gar nicht " gefränft", sondern möchte nur verhüten, daß geradezu trasse bolkswirtschaftliche und technisch- wirtschaftliche Irrtümer als einwandsfreie Untersuchungsergebnisse unter unseren Genossen Surs gewinnen.
Eckstein hat besonderen Anstoß an folgenden Sah in meiner Abhandlung genommen:
Selbstverständlich ist eine Industrie in der Regel am günstigsten gestellt, die ihren Bedarf an Rohstoffen und halbfertigen tann im reichlichsten Maße aus dem Inlande decken...."
Hierzu schreibt Eckstein( ,, Vortvärts" vom 15. Dezember 1915), das sei feineswegs(!)... felbstverständlich" und führt dann Lehrbeispiele aus dem Gebiete an, auf dem ich zu Hause" fei. Vorher urteilt Edfstein über die fachmännischen Mitarbeiter an den Buch der 16" schlechtweg:
Meldung des Großen Hauptquartiers. Babes Wortes-Jutland" hatte alſo auch einen befitmunten
gebietes tvirtschaftspolitich tätlich treffen. Die Wahl
Amtlich. Großes Hauptquartier, den 17. Februar 1916.( W. Z. B.)
Westlicher Kriegsschauplah.
Keine Ereignisse von besonderer Dedentung.
Bei den Aufräumungsarbeiten in der neuen Stellung bei Obersept wurden noch acht französische Minenwerfer gefunden.
Deftlicher Kriegsschauplah.
Auf dem nördlichen Teile der Front lebhafte Artillerietätigkeit.
Unsere Flieger griffen Dünaburg und die Bahnanlagen von Wilejka an.
Oberste Heeresleitung.
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Der österreichische Generalstabsbericht.
23ien, 17. Februar.( W. T. 8.) Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplas. Rächtliche Fliegerangriffe gegen unsere Front an ber Strypa Am Kormyn Bach, fütlich von verliefen ergebnislos. Berestiany, wurden Angriffe russischer Abteilungen leicht ab gewiesen.
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Italienischer Kriegsschauplas.
Das italienische Geschüßfeuer war gestern vornehmlich gegen Ortschaften im Cerelltal, im Rombon- Gebiet und die Brückenköpfe von Tolmein und Görz gerichtet. Ein feindlicher Angriffsversuch gegen den Monte San Michele wurde abgewiesen.
Bei Bola holten die Abwehrbatterien des äußeren Kriegshafenviertels ein italienisches Flugzeug herab. Pilot und Beobachter wurden gefangen genommen.
Südöstlicher Kriegsschauplak.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: bon Hoefer. Feldmarschalleutnant.
Bedarf an solchen metallischen Roh- und Halbrohstoffen( Kupfer, Mangan, Zinn usw.), die wir vom Auslande beziehen müssen, decken könnten.
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politischen Zweck, und daß gerade ein Sozialist diesen Zwed verkennt, ist erstaunlich.
Die zu behandelnden Wirtschaftsfragen sind so mannig faltig und umfassend, daß meine Darstellung nur sehr kompres gehalten werden konnte. Daraus konnte leicht die Möglichkeit von Mißverständnissen entstehen und ich mußte auf fach. männische Einwendungen gefaßt sein. Daß aber ausgerechnet jener Satz, der noch dazu sehr vorsichtig( in der Regel..") formuliert und weiterhin erläutert worden ist, als keineswegs felbstverständlich" angefochten würde, darauf war ich in der Tat nicht gefaßt. Keine Regel ohne Ausnahme- daran dachte ich auch, als ich über die Rohstoffbedarfdeckung der Montanindustrie schrieb. Dabei handelt es sich bei den Ausnahmen nur um relativ unbeträchtliche Unternehmungen, deren Existenzbedingungen ich aber wegen der Knappheit des mir zur Verfügung stehenden Raumes nicht erörtern konnte, daher formulierte ich meinen Vordersah etwas einschränkend.
Eine solche Ausnahme von der Regel ist, wenn man will, z. B. das Kraftwerk bei Stettin . Es ist basiert auf chwedischen Erzbezug und( wenigstens in den ersten Jahren völlig) auf englische Kohlenlieferungen, deckt also feine wichtigsten Rohstoffe nicht im Inlande, erzielt aber doch hohe Ueberschüsse. Da wäre ein Beweisstück für Eckstein; er hat es sich entgehen laffen zugunsten von Lehrbeispielen, mit denen er fich felbst widerlegt. Das Kraft. werk hat jedoch so außerordentlich günstige Bezugsbedingungen für seine Rohstoffe( billige eigene Erzgruben in Schweden , Wasserfrachten) und so vortreffliche Produktionsund Absatzbedingungen, wie fie in diefer Totalität kaum wieder in Deutschland vorkommen. Für die Gesamtindustrie liegen die Verhältnisse total anders und diese hatte ich zu betrachten. Immerhin dachte ich an jene Ausnahme.
Ueberdies habe ich meinen von Eckstein angefochtenen Bordersaz nach wirtschaftsgeographischen und technisch- wirtschaftlichen Gesichtspunkten hin erläutert. Eckstein hätte seinen Lesern auch meine folgenden Erläuterungen mitteilen müssen, wenn er dem Autor gerecht werden wollte:
Entscheidend für den Wert der Erge ist natürlich ihr Metallgehalt. Wenn aber die Erze nahe genügenden Rotstohlen vorkommen und namentlich wenn die Ge winnungstoften relativ gering sind, dann können auch geringhaltige Erze profitabel verhüttet werden. Je metall. reicher die Erze find, um so höhere Transportfosten bertragen sie. Infolgedessen werden nun die reichhaltigsten schwe dischen, spanischen, füdrussischen und indischen Erze tros des sehr weiten Transportweges den großen Verhüttungsgebieten in Deutschland , Belgien , Großbritannien , sogar in Nordamerika noch mit Nußen zugeführt, während man die geringwertigeren bis zu 25 Proz. Gifengehalt herab noch gut nugbaren Erze, wenn eben möglich, am Gewinnungsort verhüttet werden."
Warum nur greift Edstein ausgerechnet den Sag an: cine fie bewegen fich oft in fehr luftigen Höhen theore- Industrie stehe sich am besten, wenn sie ihre nötigen Rohstoffe tischer Abstraktion, freilich meist ohne fich deffen be- und Halbrohstoffe ausreichend im Inlande" besize? Damit wußt zu werden; denn es sind nicht ihre eigenen oder von befindet sich Eckstein zu meinem Erstaunen in einer gewissen ihnen beruft durchdachten und geprüften Theorien, sondern merkwürdigen Uebereinstimmung mit einer Gruppe von Groß- Weiter legte ich dar, daß nicht schlechtweg Kohlen, sondern Schlagworte der bürgerlichen Preffe, bei deren unternehmern, die in allen möglichen Weltteilen nach Erzen usw. Stots tohlen für die Verhüttungsindustrie nötig sind, und daß Anwendung die meisten gar nicht mehr wissen, daß es sich hier eben nicht mehr um Tatiachen, sondern um Theorien suchen lassen, obgleich wir im Inlande über sehr reiche ferner durch moderne Anreicherungs- oder Brikettierungsber metallische usm. Bodenschäze verfügen. Daß diese Pro- fahren sonst minderwertige Erze brauchbar, auch durch das handelt, und die sie daher(!) unbeschen als richtig hinnehmen." spektors" zu den gefährlichsten imperialistischen Stimmungs- wahrscheinlich noch sehr entwicklungsfähige elektrolytische Ver Somit wären wir armen Hascherl glücklich als bewußt machern gehören, dürfte auch Eckstein bekannt fein. fahren geringhaltige Erze mutbar werden können. Also erLose Nachplapperer der bürgerlichen Presse stigmatisiert. Es Stonnte mich Edfstein vielleicht mißverstehen? Vielleicht läuterte ich, aber Eckstein hat vielleicht geglaubt, solche„ bemacht dem guten Herzen des Genossen Dr. Eckstein alle Ehre, hätte ich mich torrefter ausgedrückt, wenn ich schrieb: die wußtlosen Theorien" feinen Refern nicht vorfegen zu sollen. daß er immerhin schließlich bedauert, eine Reihe ernſter Produktionsbedingungen einer Industrie seien am günstigsten, Auch bei diesen Erläuterungen hatte ich Lehrbeispiele vor Männer" ein Gebiet betreten zu sehen, auf dem sie nicht zu wenn sie in der Lage sei, sich ihre Roh- und Halbrohstoffe in Augen, z. B. die Ilfeder(?)- Hütte. Sie liegt relativ Hause sind und wo sie daher nicht ihre Stärke zeigen fonnten, ausreichendem Maße zu erschwinglichen Selbst- meitab von den Rotstohlenbezirken und verhüttet Erz von foften aus nicht zu entfernt gelegenen Ge- im Mittel mur 80 Prozent Eisengehalt. Aber sie
sondern nur ihre Schwäche".
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Liebenswürdig ist diese Stritit nicht; aber der Buch- winnungsbezirten zu verschaffen. Dann hätte ich den liegt unmittelbar bei einem großen Erzbesprecher hat auch nicht die Verpflichtung, liebenswürdig zu Ausdrud Inland" zwar vermieden, Edstein hätte zwar nicht vortommen, das in Tagesbauten ausnehmend billig fein. Er soll ungeschminkt die Wahrheit fagen und das von den Landesgrenzen" sprechen fönnen, aber das ausgebeutet wird; und dann enthalten die Ilfeder. Gebiet, welches er mit seiner Stritif betritt, fennen. Erfüllt 3iel meiner Untersuchung, nämlich die erze eine ausgezeichnete Mischung von Phosphor-, ManganEckstein diese Erfordernisse? Hat seine Stritit zur Stlärung und Rohstoffversorgung des deutschen Reichs- und Stallgehalt, die nicht nur eine felten billige und Belehrung beigetragen? Hin und her habe ich gefonnen, warum Edstein die gebietes zu beleuchten, wurde nicht scharf gute Verhüttung ermöglichen, sondern noch eine hohe Eriraherausgearbeitet. Wer wird auch so doktrinär einnahme für abfallende Nebenprodukte( Thomasphosphat Richtigkeit des eben zitierten Sages keineswegs" zugibt. verschroben sein, zu verlangen, wenn außerhalb unserer mehl einbringen. Dadurch werden die relativ hohen KohlenMeine Aufgabe als Mitarbeiter au dem Sammelwert war Landesgrenzen ein ein Rohstoff für uns rationeller und Rotspreise und die Transportkosten der Brennstoffe reich. es, ohne Rücksicht auf Kriegsursache, Kriegslage und Kriegsziele gewissenhaft zu untersuchen, ob die von bestimmter Seite gewonnen wurde, so müßten trogalledem eventuell viel lich wettgemacht. Hier haben wir also das Beispiel eines minderwertigere inländische Bodenschäze bevorzugt werden. bedeutenden binnenländischen Hüttenwerks, das viel höhere aufgestellte Behauptung, unsere Industrie bedürfe zu ihrer zu- Das habe ich nicht verlangt, das tut auch das industrielle Brennstofffoften als die westfälische und schlesische Stonkurrenz fünftigen Sicherstellung eine Aenderung der Reichsgrenzen, Unternehmertum nicht. Wenn ich aber zum Beispiel die hat, aber dafür reichlich entschädigt wird durch ein in Deutschrichtig sei. Meine Untersuchung der Eristenzbedingungen der montanindustriellen Wechselbeziehungen an der deutschland wohl beispiellos günstiges Erzvorkommen im engsten deutschen Bergwerks, Hütten, Eisen- und Stahlindustrie französischen Grenze so betrachtet hätte, wie es Eckstein nach Inlande". Wenn aber die Ilsedererze er. führten mich zu dem Ergebnis, daß wir mit guten Kohlen- feinen erstaunlichen Auslassungen tun würde, dann würde ich schöpft sind, sind auch die günstigen Eristenz. und Eisenerzvorräten im Reichsinlande reichlich und weit besser nicht zu dem Schluß gekommen sein, eine Aufrechterhaltung bedingungen der Jlfederhütte dahin, so wie versorgt seien als unsere europäischen Hauptkonkurrenten, und daß uns auch die Verwirklichung der phantastischsten Annexions- der durch den Frankfurter Frieden( 1871) geschaffenen sich die Verhältnisse der älteren oberschlesischen und weltdaß uns auch die Verwirklichung der phantastischsten Annexions. Landesgrenzen liege sowohl im Interesse der deutschen fälischen Hütten( Hörde- Phönir) zum Schlechten wandten, als pläne tein Inland" schaffen können, aus welchem wir unseren als auch der französischen Industrie. Gewiß bedeuten der an Ort und Stelle gewonnene billige Eisenstein meist oder oder gar sehr oft nicht ganz abgebaut war. " Diefe Artikel des Genoffen Sue fowie die Erwiderung des Landesgrenzen nicht immer Ecksteins Ausführungen( Vorwärts" vom 1. 2. 16) über Genossen Edstein find uns schon vor einiger Zeit zugegangen. zugleich auch natürliche wirtschaftsgeographische Grenzen. mußten aber aus Raumgründen zurückgestellt werden. Aber eine gewisse gewisse Landkartenveränderung kann doch die infolge der Kriegs ereignisse eingetretene Erschwerung Die Redaktion des Vorwärts". den übriggebliebenen Leil des amputierten Staats- der Rohstoffbedarfsdeckung z. B. Frankreichs( Erze und Kohlen)