Nr. 119.
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Da es uns selbst unmöglich gemacht worden ist, einen eigenen Maiartikel zu bringen, geben wir die Maibetrach tungen und Maihoffnungen wieder, die Genosse Adolf Braun in einem von der Stuttgarter Zensur zugelassenen Artikel der„ Neuen Zeit" niedergelegt hat:
Montag, den 1. Mai 1916.
1. Mai 1916.
Die Bedeutung der internationalen Gesichtspunkte iff in Deutschland auch während des Krieges niemals so weit unterschätzt worden, daß eine der internationalen Unionen oder internationale Sekretariate, die in Deutschland ihren Sit haben, ihre Tätigkeit ein gestellt haben. In dem sehr bemerkenswerten Bericht, den Genosse
während des Krieges in deren Bulletin( 18. Jahrgang[ 1916], Nr. 2,
G. 1 ff.) gibt, heißt es:
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 151 90-151 97.
aufstellen, während die Unternehmer jebe Berechtigung hierzu be streiten wollen.
Ueberall werden die Steuern sehr hoch sein, überall werden die Arbeiter schon um deswillen bemüht sein müssen, zur Sicherung der in Friedenszeiten in opferreichen Kämpfen errungenen Lebenspolitischen Mitteln durchzusehen. In allen triegführenden Staaten hat der Krieg Kraft und Gesundheit der Menschen den höchsten Proben unterworfen. Im Interesse der Erhaltung der Volksgesundheit und vor allem der Leistungsfähigkeit der Arbeiterklasse, auch in dem einer ausreichenden und gesunden Volsernährung werden sozial politische Maßnahmen von den Arbeitern gefordert werden. Unternehmer haben schon vor dem Kriege überall behauptet, daß sie durch sozialpolitische Raften erdrückt werden. Man wird den Verdacht nicht beiseite schieben können, daß sie auch nach dem Kriege diese Einwendungen fräftig betonen werden. So muß man domit rechnen, daß der Widerstreit zwischen Arbeitern und Unternehmern nach dem Kriege überall ausbrechen wird.
Der 642. Kriegstag, wenn wir von der Kriegserklärung Defter Theodor Reipart über die internationale Union der Holzarbeiter Haltung Forderungen zu stellen und sie mit gewerkschaftlichen und reich- Ungarns an Serbien redjnen, bezeichnet uns im Kalender den 1. Mai 1916. Ein 1. Maitag und doch ein Tag des verwüstendsten Völkerkrieges, der gründlichsten Mißverständnisse der Völker, der tiefften Uneinigkeit, der scheinbar unüberbrüdbaren Gegensäße! Ale Versuche der Kennzeichnung verlieren an Kraft gegenüber der weit mehr sagenden: der 642. Tag des Krieges. Unabsehbar reihen sich in der Phantasie all der Menschen, die sich vor drei Jahren zum Feste des Proletariats bereiteten, weitere ungezählte Tage des Krieges.
" Nicht nur in den am Kriege beteiligten, sondern auch in den neutralen Bändern haben die Verbände unter den Folgen des Krieges zum Teil recht stark zu leiden. Die Mitgliederzahlen sind durch die Einberufungen zum Heere und durch andere Verluste zumeist sehr zurückgegangen. Indeffen kann zu aller Freude doch fonstatiert werden, daß jämtliche Verbände in allen Ländern, wenn auch natürlich geschwächt, so aber in ihrem Bestand bisher durch aus erhalten geblieben sind. Das wird hoffentlich auch für die weitere Dauer des Krieges und darüber hinaus der Fall sein. Diese Hoffnung ist um so berechtigter, als unzweifelhaft nach dem Kriege in allen Ländern sehr große und schwere Aufgaben an die Gewerkschaften herantreten, deren Erfüllung im Interesse der Arbeiterschaft mur stacken und geschlossenen Organisationen gelingen
fann.'
wurden.
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Nun fürchten aber freilich manche, daß die während des Krieges
werden. Aber wir wollen die Arbeiterbewegung nicht schrärger fehen als sie es verdient. Verglichen mit den Zügellosigkeiten der Gelehrten und Publizisten aller Nationen waren die bedauerlichen Worte gegen die Internationale oder gegen die Parteien, Gemertschaftszentralen und Gewerkschaften anderer Bänder lange nicht so vergiftet. Es ist zu hoffen, daß nach dem Striege Deutsche und Nichtdeutsche, soweit sie von Liebe und Treue für die Arbeiterbewegung erffillt find, soiveit fie einigend und nicht entzweiend pirten wollen, bergessen werden, was besser auch während des Serieges nicht gebrudt worden wäre.
Der Krieg hat nicht nur für den Augenblid entfremdet, er hat wohl auch für die Dauer zusammengeführt, wenn man das auch heute noch nicht wirken sieht und erst im Frieden empfinden wird. Gerade für die Gewerkschaften ben sich viele ähnliche Tatsachen augenfällig gemacht, die vor dem Siege nicht in Erscheinung traten. wir alle haben schmerzhaft empfunden, daß die englische Arbeiterbewegung in ihren wichtigsten Gruppen mehr dem äußerlichent Scheine nach als aus innerem Streben zu den internationalen Verbindungen, sowohl den politischen als den gewerkschaftlichen, gehalten hat. Ich hoffe, daß es nach dem Kriege ganz anders sein wird. Der„ Monthly Report", das Organ des britischen Möbel. arbeiterverbandes, für Dezember 1915 veröffentlicht aus dem Bulletin der Internationalen Union der Holzarbeiter einige Aussüge aus den Berichten von Schweden und Deutschland und be merit dazu:
Trotz alledem wollen wir vom 1. Mai sprechen, mir bekennen uns zu ihm! Vermögen wir ihn nicht freudig zu feiern, fönnen wir uns nicht in die zukunftsfrohe Stimmung versenken, wie sonst am Man könnte beweisen, daß diefer Krieg, wie er bie Notwendigkeit Maientage, so bleiben uns doch unvergessen all die Tage seit 1890, der Weltwirtschaft bewiesen hat, auch die Notwendigkeit gleichbahniger an denen toir im Kreise von Parteigenossen den Weltfeiertag der Entwicklung in verschiedenen Wirtschaftsgebieten Klargestellt hat. Arbeit begangen haben. Wenn ich diesen Saz niederschreibe, steigen Kräftigung und Ausbau der internationalen Organisation bor meinem geistigen Auge die Millionen auf, die gleichzeitig mit verlangt Beipart, er will nichts aufgeben von ihr, er meint, daß bald wir wissen auch, daß nicht nur in den Methoden der Kriegführung, überziehung die einzelnen kriegführenden Staaten während des Strieges mir die Maifeier begangen haben in Lissabon und in Sibirien , am nach Beendigung des Arieges ein internationaler Solzarbeiterkongres sondern auch in finanzpolitischer, handelspolitischer, industrieller Veziehung die einzelnen friegführenden Staaten während des Krieges Trafalgar Square und im Wiener Prater , in Paris und in Berlin , stattfinden solle, der die notwendigen Klärungen schaffen werde über ununterbrochen voneinander gelernt haben, und daß manche int in Amsterdam und Antwerpen , in allen Großstädten und zahllosen die Mißverständnisse, die zwischen den einzelnen Zweigen der Holz- Frieden tiefgehenden Unterschiede in den Einrichtungeit dieser fleinen Orten. Was uns eniflanimi hat am 1. Mai, was sich tief arbeiterbewegung infolge des Krieges Plah gegriffen haben. Wir Staaten während ihrer gegenseitigen Kriegführung ausgeglichen eingegraben hat in unsere Ueberzeugung wie in unser Gemütsleben, zweifeln nicht, daß es zu diesem internationalen Holzarbeiterkongreg toas vereinigendes Band war zwischen dem Proletariat aller kommen wird, und daß sich seine Verhandlungen viel fameradschaftNationen und Zielsetzung für sie alle, ist nicht ausgelöscht aus den licher und freundlicher gestalten werden, als man während der Kriegs- vergossene Linte und leichtfertig verbrauchte Druckerschwärze mehr Köpfen und Herzen der Menschen, mögen sie auch, statt am 1. Mai zeit annehmen kann. Es wird wohl nicht schwer sein, die Arbeiter Bitternis zwischen den Nationen zurüdlassen werde als die Anzu feiern, in den Munitionswerkstätten Ueberstunden machen, um der verschiedenen Länder über vieles aufzuklären, was ihnen heute wendung der Sprengstoffe zu Lande und zu Wasser. Dieser Ginmöglichst viel todbringende Geschosse zu erzeugen, die ihre Brüder unverständlich ist, ja unverständlich sein muß, weil eben die Mög mand hat unzweifelhaft viel für sich. Er soll nicht leicht genommen" ununterbrochen in unabsehbarer Menge verbrauchen, ihre Arbeits- lichkeit, auch nur die Mißverständnisse zu kennen, die über die Arbeiterbewegung der einzelnen Bänder verbreitet werden, vielfach fehlt, brüder in allen großen Nationen. Die Internationale macht eine schwere Krise durch: ein Teil weil die Kanäle, durch die die Nachrichten kommen sollen, verstopft fühlt sich gelähmt an Haupt und Gliedern, ein anderer phantastert, sind, viele Tatsachen heute gar nicht festgestellt werden können, und im Fieberwahn ganz anders redend als im Zustand der Gesundheit. soweit das möglich ist, diese Feststellungen nicht veröffentlicht werden So manche sind aus unseren Reihen geflohen, vielleicht warten sollen. Wird der Friede wieder herrschen, so werden die meisten andere den günstigen Augenblid hierfür ab. Die sozialdemokratischen dieser Rücksichten fallen! Wer kein bewußter und gehässiger Feind Barteien aller Länder sind geschwächt und innerlich zerflüstet. Auch der Arbeiterbewegung ist. wird nichts dagegen einwenden können, bie Gewerkschaften haben schwere Mitgliederverluste in allen Län- daß über die zugeschütteten Schüßengräben hinweg erzählt wird, wie bern zu verzeichnen. Diese Verluste find nur aum Teil verursacht die Arbeiter und ihre Organisationen während des Krieges leben durch die Einziehung zum Heeresdienst. Unsicherheit herrscht, ob sich und wirken mußten, was sie gefördert, was sie gehemmt, was sie die heute soldatisch Wirkenden nach dem Kriege wieder in die Reihen getäuscht hat, was sie gläubig aufgenommen haben und wie sie das, der Organisationen der Partei und der Gewerkschaften stellen werden. was sich im Kriege auf ihrem gewerblichen Gebiet ereignet hat, und Gar lange dauert dieser Krieg, länger wohl, als irgend jemand, als was sie sonst bestimmt hat, nun in der Zeit des Friedens beurteilen. auch die Heerführer erwartet haben. Hoffnungen, die sich beim Be- Es werden nicht gar viele Beute so starrfinnig sein, auch in der Zeit ginn des Krieges sturmartig eingestellt haben, und auf die die Ar- des Friedens als unverrückbare Weisheit zu vertreten, was fie in der Beit des Krieges getan und unterlassen, gestützt und befämpft, bebeiterschaft einzuschwören eifriges Bemühen war, brödeln ab. Weil diese Hoffnungsfreudigkeit unter den ökonomischen Wir- ftritten und erhofft haben. Wir alle, welcher Maffe und welcher fungen des Krieges, bei der immer mehr erkennbaren Größe der Nation wir angehören, wir werden im Frieden flüger und einsichtiger, Steuerlasten nach dem Kriege, bei den offenkundigen Gegenfäßen auch ruhiger und nüchterner sein, als während des Krieges. Dabei zwischen Unternehmern und Arbeitern aus Anlaß der Verlängerung mag man dann beweisen, daß man im Kriege nicht anders denken ber Tarifverträge naturgemäß abnimmt, darum erkennt das Prole- und handeln konnte, als es geschah. Aber nicht auf dem, was vertariat in wachsendem Maße, wie notwendig es ist, sich auf seine gangen war, was in der Kriegszeit als notwendig empfunden wurde, eigene Kraft zu befinnen. Immer deutlicher betont es wieder die wird die Bieljebung der proletarischen Organisation beruhen, sondern selbständige Vertretung seiner Interessen und die Gegenfäßlichkeiten, auf dem, was dann sein wird, was nachher sein soll, was mit der die vor dem Kriege als naturgemäße Erscheinungen der kapitalistischen eigenen Kraft des geeinten oder zu einigenden Proletariats ge Wirtschaftsordnung betrachtet wurden. Nach dem Kriege wird man schaffen werden soll unter Berücksichtigung der widerstreitenden meiner Ueberzeugung nach weit stärker mit ihnen rechnen müssen, Kräfte, die wir alle heute schon empfinden, und die nach dem Gnde als das jemals der Fall war, seitdem wir uns einer selbständigen der Kriegszeit noch kräftiger walten werden. Die Schwarzfeher, die die Internationale totgefagt haben, berArbeiterbewegung erfreuen. Nun wir uns der Vollendung des zweiten Kriegsjahres nähern, drängt sich immer kräftiger die wirt- kennen, daß der Krieg in so manchem auch die Arbeiter einander schaftliche Denkweise der Arbeiter vor, ergibt sich für sie immer nähergebracht hat. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der Kriegszeit ist die gleiche Richtung ökonomischer Maßregeln, die durch flarer, daß sie der eigenen Kraft vor allem zu vertrauen haben. In diese Gedankenwelt versenkt sich die Arbeiterschaft an dem die nämlichen Kriegsnotwendigkeiten erzwungen wurden oder von zweiten während der Kriegszeit gefeierten 1. Mai im Gegensatz zu den maßgebenden Stellen als notwendig erachtet wurden, die in allen ber Stimmung, die noch vor Jahresfrist bei ihr vorherrschte. Da- Bändern entweder gleichmäßig ausgedacht oder gegenseitig nachmale sah man den Frieden näher als heute. Damals erschienen die geahmt wurden. Eine ganze Reihe gleicher ökonomischer Probleme Koften des Krieges leichter abzuwälzen, die Verfrembung der Voffer wird sich erst recht für die Arbeiterklasse aller triegführenden und war noch nicht so weit gediehen, zur Hoffnung auf eine lange Blüte mancher neutralen Länder ergeben: das Bedürfnis nach einer staatzeit der Industrie nach dem Kriege war mehr Veranlassung als lichen Arbeitslosenversicherung, nach einer ben ganzen Arbeitsmartt heute. Und doch, so stark sich die Völker im Laufe der letzten zwölf regulierenden, von den Unternehmern unabhängigen ArbeitsvermittMonate in der Feindschaft verbittert hatten, so sehr empfindet man lung, die Anpassung der Löhne an die Geldentwertung, die Probleme, den Lichtblick wachsenden Verständnisses an der Haltung der anderen die das Eindringen zahlreicher Frauen in bisher den Männern ausArbeiterschaften zu der Arbeiterklasse jedes Landes. So sehr auch in schließlich vorbehaltene Berufe und Betätigungen in den einzelnen manchen Ländern das Bekenntnis zur Internationale zum Schweigen Berufen hervorgerufen hat, die großen Wirkungen der rasch fortberurteilt wurde, empfindet man doch stark, daß die Gefühle, die im geschrittenen Organisierung und Mechanisierung der den KriegsFrieden die Arbeiter am 1. Mai erfüllten, heute lebendiger und hoff industrien dienenden Betriebe, die nicht geringeren Wirkungen einer nungsfreudiger find als vor Jahresfrist. Ueberall sehen wir die Demobilisierung von Millionen arbeitsfähiger und rasch Arbeit proletarischen Forderungen neben den nationalen Bekenntnissen suchender Männer, die Fragen, die die Hunderttausende halb verwendgrößeren Raum gewinnen. Die Gewerkschaften erkennen, daß die barer Verwundeter und gesundheitlich geschädigter Männer berBetonung ihrer ökonomischen Forderungen, die sie ja niemals auf- anlaffen werden. All dis find Fragen, die in allen Ländern in gegeben haben, neben denen sie aber während der Kriegszeit auf gleicher Weise zu gleicher Zeit auftauchen werden. Arbeiterorganis andere stärkeres Gewicht gelegt haben, wieder in den Vordergrund fationen und Unternehmerverbände werden verschiedene Lösungsbersuche haben, vielleicht werden die Arbeiter manchmal Forderungen) geschoben werden müssen.
Es ist zu ersehen, daß die allgemeine Erfahrung in Schiveben und Deutschland der unserigen sehr nahe tommt, und das gleiche trifft mehr oder weniger auf die anderen Ränder zu. Wir sind höchst erfreut über den starken Friedenswunsch, der von den verschiedenen Gewerkschaften geäußert wird, und hoffen, daß die Zeit bald tommen wird, wo die organisierten Arbeiter der ganzen Welt einflußreich genug sein werden, alle Striege zu verhindern.
Aber nicht bloß diese ganz allgemeine Bemerkung scheint uns sehr wichtig, noch bedeutungsvoller scheint uns die Ablehnung der unter dem Drucke persönlicher Reden von Asquith , Lloyd George , Runciman beschlossenen Erklärungen auf der Nationalkonferenz der britischen Gewerkschaften. In der Januarnummer 1916 bes Monthly Report" erklärt der Generalsekretär des Möbelarbeiterverbandes Gossip:
Es wird unsere gangen vereinigten Anstrengungen erfordern, dem gemeinsamen Feind unserer Klasse, ganz gleich welcher Nationalität, Trok zu bieten, nachdem diese Ueberschwemmung von Blut und Feuer vorüber ist, und es mag sein, daß sogar die Augen des vertrauensseligsten unserer eigenen Arbeiter führer geöffnet werden und sie die Dinge sehen, wie sie wirklich sind und sein werden, bis das Volf alldem ein Ende bereitet durch Hinwegnahme der Macht von Leben und Tod, die heute von den besibenden und regierenden Klassen in allen Ländern so beharrlich behauptet wird. Nach den Neden und Artikeln bon manch einem heute zu urteilen, fönnte man glauben, das Tausendjährige Reich wäre gekommen, und daß der Löwe und das Lamm friedlich beieinander liegen. Aber wenn eins sicherer ist als irgend etwas, dann ist es das, daß der fürchterliche Arbeitskrieg lange dauern wird, lange nachdem der gegenwärtige europäische Krieg beendigt ist, und all unsere vereinigten Be