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Nr 218-33. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.

Das Debut des National­

ausschusses.

Donnerstag, den 10. August 1916.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 151 90-151 97.

Lösung der Nationalitätsprobleme, dauerhafter endgültiger Friede vermittelst der Einrichtung eines obligatorischen Echiedsgerichts.

Bernhard, verlangte außer den militärischen Grenzverschie- Militarismus, Kampf gegen die deutsche Vorherrschaft, billige bungen auch noch eine entsprechende Kriegsentschädigung, welche Losung, in die knappe und handliche Formel Geld oder Band" gebracht, schon vorher den begeisterten Beifall der Kriegszeitung" gefunden hatte!

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Der ständige Verwaltungsausschuß der Partei brachte einen Antrag auf Einberufung einer Konferenz der sozialistischen Parteien Aber nicht nur hinsichtlich der Kriegs ziele präsentierte der alliierten Länder ein, die eine Politik verlangen müsse, welche Der Nationalausschuß, dem die Presse der Rechten offizieöse Beziehungen nachsagt, hat am 1. August in drei jeder der Ausschuß- Redner seinen besonderen Wunschzettel, jeden Eroberungsgeist ausschlösse, die Achtung vor den Rechten der sondern auch in bezug auf die Kriegsmittel wurden An- Nationen durch internationale Institutionen gewährleiste und Dußend Versammlungen im ganzen Deutschen Reiche zum sichten laut, die sich in nichts von denen des Grafen Reventlow einen Wirtschaftsfrieg sowie alles, was den Keim zu neuen Ston­erstenmal seine Fahne entrollt. Man durfte gespannt sein, unterschieden. Spielte man doch, wie Professor Kahl in seiner fliften legen tönne, vermeide. Der Minderheitsvertreter& aure was die Redner der neuen Organisation für die Vorbereitung Dresdner Rede, ganz unbedenklich mit dem Gedanken eines versicherte, daß Jaurès , wenn er lebte, auf der Seite der eines ehrenvollen Friedens" der Deffentlichkeit zu sagen verschärften U- Bootkrieges! Minderheit stehen würde. Der Abgeordnete Deguise sprach haben würden. Nun hat indessen eine allgemeine Ent- Die Kundgebung des Nationalausschusses bot also in für ein Mißtrauensvotum an die Regierung, nachdem täuschung erlebt. Denn die Redner haben zwar manches jedem Betracht ein Bild der Verfahrenheit und Ratlosigkeit. man seit der Geheimsitzung wisse, was man von Charleroi und wiederholt, was längst, insonderheit aus den Kanzlerreden Die Kriegspolitik der durch ihn vertretenen Kreise unter- Verdun denken müsse. Preffemane sagte: Wenn wir alle bekannt war, sich aber peinlichst davor gehütet, etwas Kon- scheidet sich im innersten Wesen in nichts von der darin einig sind, die deutschen Greuel zu verdammen, so folgt freteres, Faßbareres, Positiveres zu sagen. Der dichte Nebel, Kriegspolitik der Reventlow, Fuhrmann oder daraus nicht, daß nicht alle Militarismen verurteilt werden müssen. der über den ernstgemeinten Kriegszielen der amtlichen S app. Lassen wir die Floskeln von der inneren Neuorien- Er spielte auch auf die russischen Greueltaten in Ost­Stellen lagert, ist nicht im mindesten zerstreut worden. Das tierung beiseite, mit denen die Herren vom Nationalausschuß preußen und Galizien an. Man hat uns versichert, sagte deutsche Volk tappt nach wie vor im Dunkeln ihre sonst ja allzu dürftigen und inhaltlosen Reden garnierten, er, der Sieg fei nahe, aber heute muß man die Lage ansehen, wie und auch das Ausland ist um kein Saar flüger so besteht der einzige Unterschied darin, daß die Anhänger sie ist. Wir wollen alle Mittel anwenden, die sich uns bieten, um geworden. Wenn in solchen Redeübungen die so viel des Programms der Wirtschaftsverbände dreister im möglichst schnell dem Kriege ein Ende zu machen. Wenn die versprechend angekündigte Tätigkeit des Nationalausschusses Fordern und konsequenter in der Methode der Erklärungen des deutschen Reichskanzlers nicht bestehen sollte, so hätte er sich seine Mühe ruhig sparen Kriegführung sind, während der Nationalausschuß es bei den sehr klar sind, so sind es die der anderen Re­Der vieldeutigen Redewendungen, unter denen Grenzberichtigungen um 50 Proz. billiger tun und sich gierungen auch nicht viel mehr. Wir wünschen, daß jeder das verstehen kann, was ihm paßt, haben wir genug ge- einstweilen vorsichtigerweise einmal aufs Abwarten verlegen die sozialistische Partei kein Mittel zurückweise, um hört; was uns not tut, ist Iärung der öffentlichen Mei- will, bevor er seine letzten militärischen Trümpfe ausspielt. Frieden zu machen, wenn es auf ebrenvolle Weise nung über das, was durch den Krieg in Wirklichkeit Wenn nun die Politik der Wirtschaftsverbände unbesonnen möglich ist. Wir müssen unsere Regierung durch eine parla­erreicht werden soll. Nach zwei Kriegsjahren mit ihren un- und unklug ist, so wird die des Nationalausschusses durch mentarische Interpellation nötigen, sich über die ermeßlichen Opfern an physischer und materieller Volkskraft ihre Halbheit noch keineswegs ein Muster an Klugheit. Im Kriegsziele auszusprechen. Die Veröffentlichung der sollte man doch wohl endlich eine nüchterne Aussprache Gegenteil: die Propagierung einer Politik der schroffsten Minderheitsresolution ist den französischen Zeitungen von der dessen erwarten dürfen, was wünschbar und erreichbar ist. Abenteuerlichkeit, die der gesunden Vernunft allzu gröblich 3 enjur verboten worden. Solange das nicht geschieht, sind alle rhetorischen Ererzitien ins Gesicht schlägt, ist unter Umständen viel weniger gefähr­überflüssig, ja vom Uebel. lich als eine Politik, die der politischen Besonnenheit Kon­zessionen zu machen scheint, ohne doch der Gefahr der Kata­strophe entschlossen auszuweichen.

fönnen.

Daß die Versammlungen des Nationalausschusses diesen Charakter der Unklarheit, Verschwommenheit, ja der offen­barsten Widersprüche tragen würden, ergab sich für den einigermaßen Kundigen freilich schon aus der Durchsicht der Rednerliste. Irgendeine auch nur einigermaßen einheitliche programmatische Geschlossenheit der Auffassung war von vornherein ausgeschlossen. Neben einigen Sozialdemokraten, die der Hauch des Sozialimperialismus umwittert, neben fortschrittlichen und Zentrums- Barlamentariern, von denen man nur weiß, daß sie eher als die Unentwegten der Wirt­schaftsverbände geneigt sind, ihre Kriegszielforderungen in Einklang mit dem jeweiligen Stand der Kriegsergebnisse zu bringen, sprachen in buntem Gemisch Professoren und Jour­nalisten, von denen zum guten Zeil zu vermuten ist, daß sie selbst noch nicht recht wissen, welche Kriegsziele im Interesse eines ehrenvollen Friedens" Deutschland sich stecken soll. Kein Wunder, daß die geäußerten Ansichten, so­weit sie überhaupt aus dem mystischen Halbdunkel greifbar hervortraten, weit voneinander abwichen und ein gärendes Chaos bildeten, das erst recht nach innerer Gestaltung ringt und dem ratlosen Publikum nur zerfließende Schatten zeigt, statt wohldurchdachter und faßbarer Gedanken.

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Jaurès und die Internationale.

Namen Jaurès , von dem Camille Huysmans sagen konnte, daß er für zehn Millionen von Proletariern das edelste und vollkommenste Trachten verkörperte", würdig verherrlichen könnte: das ist der zu­fünftige Kongreß der Internationale."

Die Wochenschrift der französischen Parteiminderheit, der Populaire", gibt eine Nummer heraus, die ganz dem Andenken Wir halten denn auch die Politik des Nationalausschusses Jaurès gewidmet ist. Die Bedeutung Jaurès wird gewürdigt, die für die bedenklichste und verhängnisvollste Halbheit. Man legten Lage seines Lebens, diese schicksalsschweren Stunden für die kann zu dem Kriegs- und Friedensproblem verschieden europäischen Völker stehen wieder flar vor unseren Augen. Aus Stellung nehmen, aber man kann einer flaren Stellung herangezogen, die ein Beweis für seine konsequente Friedenspolitik seinen Reden, die er in früheren Jahren gehalten hat, werden Stellen nahme nicht ausweichen, ohne eine unmögliche sind und Zeugnis ablegen für die Sicherheit, mit der er die je Politik zu treiben. Man kann glauben, daß der Krieg nicht weilige auswärtige Lage und die Wirkung politischer Handlungen anders als durch die letzte äußerste Entscheidung der Waffen, auf die Zukunft beurteilte. Bielleicht werden wir auf das eine durch den deutschen Sieg beendet werden könne. Zebt man oder das andere noch einmal zurückommen. Heute wollen wir auf dieser zuversichtlichen Ueberzeugung, so kommt es in der Tat die Worte hinweisen, mit denen Amedée Dunois den Leitartikel nicht allzuviel daraf an, daß man schon jetzt des noch nicht Méditation devant la Tombe"( Betrachtung vor dem Grabe). erlegten Bären Fell fröhlich verteilt. Alles Gerede über eine schließt: Verständigung ist dann überflüssig, denn das siegreiche gründet. Das ist gut. Ehren wir das Gedächtnis des größten Man hat in Paris eine Gesellschaft der Freunde Jaurès ge­Schwert verbürgt ja die Regelung der Dinge. Nun fann man unserer Toten so sehr man fann. Aber die wahre Gesellschaft der freilich der Ansicht sein, daß dieser Krieg überhaupt nicht durch Freunde Jaurès , vergeßt es nicht, das ist die Internationale. Und eine Waffenentscheidung, sondern nur durch eine Verstän- ich weiß nur eine Versammlung in der Welt, die diesen großen digung der einander ebenbürtigen Mächtegruppen beendet werden könne. Neigt man aber dieser Auffassung zu, so ist es infonsequent und vom Uebel, eine Politik der halben und gemäßigten" Annexionen und realen" Sicherungen zu ber­treten. Entweder zwingt man den Gegner nieder und nimmt Einig waren sich die Redner nur in einem Punkte, in ihm ab, soviel man ohne Magenbeschwerden verdauen zu der entschiedenen Betonung des unerschütterlichen" Durchfönnen hoffen kann oder man kommt nur zum Frieden, haltens". Mag sein, daß dies Moment, das den Ver- indem man dem Gegner Friedensbedingun anstaltungen ihren eigentlichen Stempel aufdrückte, gen einräumt, die auch für ihn mit feinerlei durch die zweite Jährung des Kriegsausbruches in den Vorder- Demütigungen und Nachteilen verbunden Die polnische Frage im russischen Ministerrate. grund gerückt erschien. Aber dann hätte man, wenn man sind. wirklich etwas anderes bezweckte, als eine derartige Stimu­lierung der öffentlichen Meinung, den Termin der Versamm lungen anders wählen sollen. Denn so liegen doch die Dinge bei uns in Deutschland wahrhaftig nicht, daß es einer öffent­lichen Bearbeitung der Volksstimmung bedurft hätte, um den Was man dem Nationalausschuß gestattet hat, wird man Willen zum Durchhalten zu bekunden. Sind darüber der Sozialdemokratie schwerlich verweigern können. Aber zwischen den Anhängern der Forderungen der Wirtschafts- mit dem Abhalten von ein paar Dugend Versammlungen berbände und den um den Nationalausschuß sich gruppieren- wird die Pflicht der Sozialdemokratie natürlich nicht er­den Elementen doch niemals irgendwelche Meinungsver- schöpft sein, sondern erst begonnen haben. schiedenheiten hervorgetreten. Der Kampf zwischen Un­mäßigen" und" Gemäßigten" geht um Kriegsziele und

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tionalrat der franzöfifchen Sozialdemokratie zusammen. Die Ent Nur wenige Tage nach dem Gedenktage Jaurès trat der Na­scheidung der Mehrheit über die zukünftige Politik der französischen Genossen läßt nichts vom Geiste Jaurès spüren.

Rußkija Wjedomosti" berichten über interessante Einzel­Darin sind denn auch wenigstens die Redner des National- heiten der Behandlung der polnischen Frage in den ausschusses fonsequent gewesen, daß sie als Voraussetzung russischen Regierungskreisen. Danach sollte in der Sizung solcher Politik das Durchhalten" predigten, das unbesehene, des Ministerrats vom 25. Juli eine Erörterung der Vor­bedingungslose Durchhalten. schläge über eine Neuordnung der Verwaltung Polens statt­finden, die im vorigen Jahre in der sogenannten polnischen Kommission unter Vorsiz des damaligen Ministerpräsidenten Goremykin ausgearbeitet wurden. Gleichzeitig sollten auch einige andere Denkschriften über die polnische Frage erörtert werden, die inzwischen von echtrussischer" wie von polnischer Seite eingereicht worden sind. Unmittelbar vor der Sizing des Ministerrats wurde jedoch bekannt, daß die polnische von der Tagesordnung abgesetzt worden sei.

Kriegsmittel. Aus diesen Meinungsdiffe. Zur Tagung des französischen Nationalrats.

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Frage infolge der Abreise Stürmers nach dem Hauptquartier

In polnischen Kreisen, die auf ein Zusammengehen mit

renzen erwuchs die leidenschaftliche Opposition der Kanzlerfronde, die in den Pamphleten der Junius alter und Bern , 8. August. ( W. T. V.) Die beiden Hauptabstimmungen Rapp ihren typischen Ausdruck gefunden hat. Wollte der auf der Tagung des Nationalrates der sozialistischen Rußland hinarbeiten, hofft man trotz aller bisherigen Ent­Nationalausschuß den Angriffen mit einiger Hoffnung auf Partei Frankreichs ergaben nach den heutigen französischen täuschungen noch immer, daß demnächst ein besonderer Erlaß Erfolg entgegentreten, so mußte er den Forderungen der Beitungen folgendes genaue Zahlenverhältnis: Ein Geschäfts- über die Neuordnung Bolens erscheinen wird, dessen Grund­Wirtschaftsverbände, die klar genug formuliert sind, mit der ordnungsantrag der zu Beginn der Sigungen von der Mehrheit linien schon jetzt festgesezt sein sollen. Obwohl man den gleichen Deutlichkeit sein Programm entgegenseten. gestellt worden war, wurde mit 1888 gegen 1060 Stimmen an Rücktritt Sjajo now 3 mit der polnischen Frage in Ver­Statt dessen haben die vom Nationalausschuß gecharterten genommen. Die Resolution Renaudel, die sich gegen die vor- bindung bringt, glaubt man in den genannten polnischen Redner förmlich gewetteifert, über Kriegsziele mög- läufige Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen ausspricht, Kreisen doch, daß die Leitsäge des Ssasonowichen Projekts lichst wenig und dieses wenige so unbestimmt erhielt 1824 Stimmen, während 1075 dagegen abgegeben wurden. Den besonderen Anweisungen an den Ministerrat zugrunde und viel deutig wie nur möglich zu sagen. Was Petit Journal" schließt daraus, daß die Minderheit seit der letzten gelegt worden seien. Dieses Projekt soll nach der Nußkija unter den realen Garantien" für den Westen zu verstehen Abstimmung im Jahre 1915 ungefähr 200 Mandatstimmen gewonnen Wiedomosti" in folgendem bestehen: Polen erhält eine poli­ist, weiß auch heute noch kein Mensch; und wie das unab- habe. Das Ergebnis der Abstimmung über die Mehrheitsresolution tische Autonomie mit staatlichen Elementen". Mit Rußland hängige" Bolen aussehen soll, ist nicht minder Geheimnis der wurde mit großem 2ärm aufgenommen. Die Anhänger der durch die Einheit des Thrones verbunden, erhält das Bar­Erfinder dieses Projekts geblieben. Zudem herrscht unter Minderheit weigerten sich, an der absatzweisen Abstimmung über tum Polen " eine eigene Regierung und zwei den Rednern nicht einmal darüber Uebereinstimmung, wer die Resolution teilzunehmen und verließen unter Abfingung der gefeßgebende Rammern. Der Kompetenz der denn eigentlich als Sauptfeind" zu betrachten sei, gegen Internationale den Saal. Renaudel, als Sprecher für die Mehr- Lokalverwaltung sind entzogen: die Armee, die äußere Po­den man sich in erster Linie zu sichern" habe. Erklärten doch heitsresolution, erklärte in der Diskussion, daß ein Zusammentreffen litik, das Boll- und Münzwesen und die Eisenbahnen, die mehrere der Redner, darunter bezeichnenderweise auch ein mit den deutschen Sozialdemokraten erst möglich sein werde, wenn strategische Bedeutung haben. Alle anderen Zweige der Ver­Mitglied der sozialdemokratischen Partei, Dr. August Müller, diese sich von der Verantwortung, die sie für den Krieg hätten, frei waltung unterstehen den lokalen Organen und der lokalen jede Verständigung mit England für unmöglich und deshalb gemacht und an Stelle des Kaiserreichs eine Republik gefeßt haben Gesetzgebung. die Fortsekung des Krieges so lange für geboten, bis Eng - würden. Die Kriegsziele wurden von verschiedenen Mehrheits- Soweit der Bericht des in der Regel qut unterrichteten land am Boden liege". Ein anderer Redner, Herr Georg rednern wie folgt gekennzeichnet: Unterdrückung des preußischen Moskauer Blattes. Er ergänzt die Mitteilungen, die über