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Nr. 101.

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für 1894 unter Mr. 6919.

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11. Jahrg.

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Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Donnerstag, den 3. Mai 1894.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Der Weltfeiertag der Arbeit.

Berlin , 2. Mai.

fo

liegenden sozialdemokratischen Gesellschaftsorganisation. In geschlagen wurde, angenommen. Wir geben sie gleichfalls noch einmal ihrem Wortlaute nach wieder:

Resolution:

Die Versammlung entsendet brüderliche Grüße an die zur Bekundung der Solidarität heute, am 1. Mai, versammelten Ar beiter der ganzen Welt. Sie fordert dieselben auf, für die Be­freiung von der Lohnfklaverei fein Mittel unbenutzt zu lassen und unablässig zu wirken für die Erringung der sozialistischen Produktionsweise, bei welcher die Produktionsmittel sich im Besiz der Allgemeinheit befinden.

die

Mit voller Befriedigung kann das klassenbewußte der Hand der Arbeiterklasse liegt es, welche Richtung die Proletariat auf den gestrigen Tag zurückjehen. Die große wirthschaftliche und damit auch die politische Entwicklung Gemeinde der Arbeiter, welche sich selbst Gesetze giebt, ver- einschlagen wird. steht auch nach ihnen zu handeln, dies hat wieder der Seßen wir alles daran, daß der im Interesse der 1. Mai bewiesen. herrschenden Gewalten liegende Weg verrammelt wird, daß Mit Hochgefühl und Stolz waren die Maffen allerorts aber die Bahn für die Entwicklung nach unserem Sinne erfüllt, wußten sie sich doch Eins mit allen Kampfesgenossen frei wird. auf der weiten Erdenrunde. Ueberall wo die Dampfkraft Wie sollen wir das thun? als Herrscherin eingezogen ist, in allen sogenannten zivili- Indem wir, wie es gestern geschehen ist, die Für die im Nahrungs- und Genußmittel. firten Ländern, nahmen sich die Arbeiterhcere die Resolution Arbeiterklasse aufklären über die Gesetze der wirth Gewerbe beschäftigten Arbeiter und und Ar der internationalen Arbeiterparlamente von Paris und schaftlichen Entwicklung, indem wir ihnen flar beiterinnen tagte die Gruppenversammlung in Zürich zur Richtschnur und begingen ernst und würdig den machen, was wir und wir und was die Gegner wollen, Bohow's Brauerei. In stattlicher Bahl hatten sich die Weltfeiertag der Arbeit. Sie bewiesen damit, daß die indem wir sie aber auch zu einer festen unabakarbeiter und Arbeiterinnen dort eingefunden, internationale Solidarität der Arbeiterklasse tein leeres zerstörbaren Organisation zusammenfassen, indem wir sie gegen 10 Uhr tamen die Bäder und Konditoren und stärkeren Zügen traten Wort, daß sie eine That, eine Bekundung der größten, mit internationaler Solidarität, mit Aufopferungsfähigkeit, üblenarbeiter. In der einzigen zukunftsfrohen Macht des ausgehenden Jahr mit Opfermuth erfüllen, indem wir ihnen den Werth de Saal eintraten, biese waren su 2 bis 300 Personen er Brauereiarbeiter an. Als die Schlächter in den hunderts ist. Einigkeit beweisen und so die Arbeiter und die Gegner voi. zu schienen, ecfolgte die Absperrung des Saales. Die Die Feier Feier des 1. Mai, verschieden fie der von Tag zu Tag steigenden Bedeutung und Macht der Zahl der im Saal Anwesenden konnte man auf 600 schäßen, auch begangen wurde, sie bewies, daß die Ar- Arbeiterklasse überzeugen. während eine große Anzahl im Garten Plaz nehmen mußte. beiter aller Länder gewillt sind, gemeinsam für ihre Dies wird aber noch nicht möglich, wenn auch alle Bigarrenarbeiter May Riesel hielt unter dem Beifall der Forderungen einzutreten, und nicht blos für den Acht Arbeiter fich Sozialdemokraten nennen, sondern erst Bersammelten das Referat über die Bedeutung des 1. Mai. stundentag, sondern für die Beseitigung aller Klassen- dann, wenn sie durch ihr Auftreten, in jeder Handlung Nach Schluß deffelben nahm man die von der Gewerk unterschiede und damit für den Weltfrieden. Die Feier und durch die That für die Partei beweisen, daß sie nicht schafts- Remmission empfohlene Resolution einstimmig an. Ein bedeutete aber auch eine ernste Mahnung an die annoch blos dem Namen nach, sondern im Denken und Handeln, begeistertes dreifaches Hoch bildete den Schluß. der Versammlung. herrschenden Klassen und an deren politischen Ausdruck, an in Kampfesfreude und Aufopferungsfähigkeit Sozialdema- tehrs- und Handelsgewerbe, zu welcher die Kauf­Die Gruppenversammlung für das Ver die Regierungen: Ihren nußlosen Widerstand gegen die kraten sind. Vor allem ist es somit nöthig, daß jeder, der leute, Haus- und Geschäftsdiener, Getreideträger, Speicher an die heutige Gesellschaft gerichteten, innerhalb nicht nur dem Namen nach Parteigenosse sein will, die arbeiter, Roll- und Lasttutscher eingeladen waren, tagte, von derselben durchführbaren Forderungen aufzugeben, sich Organisationen die politischen, wie die gewerkschaft etwa 200 Arbeitern besucht, Mittags im Louisenstädtischen ihres nußlosen Klassenegoismus bewußt zu werden und lichendurch seinen Beitritt stärkt, daß er stets bereit ist, für Konzerthaus. Sie hatte insofern besondere Bedeutung, als die dem Arbeiter das morgen zu gewähren, was ihm über seine Klaffengenossen nicht nur Worte zu haben, sondern hier genannten Branchen, seitdem die Maifeier besteht, in morgen nicht mehr abgeschlagen werden kann. Wohl wissen auch zu Thaten fähig zu sein. Berlin zum ersten Male am 1. Mai eine eigene Versammlung wir, daß diese Mahnung nußlos sein wird! Den Schaden Nach dieser Richtung ist noch viel zu thun. Daß dies abbielten. Der zum Vorsißenden gewählte Rollege Grauer aber wird die Bourgeoisie hiervon haben und nicht die aber geschehen wird, dafür bietet die gestrige Maifeier eine theilte den Anwesenden mit, daß die Wiener Kollegen am Arbeiterklasse. Abend vorher in ihrer Versammlung die von ihm Namens Das taubste Dhr muß den Donnerruf neue Gewähr! der hiesigen Kollegenschaft telegraphisch übermittelten Grüße der Millionen Arbeiter hören, wer fich aber Von Maifest zu Maifest müssen wir auf immer empfangen haben. Mit folgendem Schreiben gaben die Wiener stocktaub stellt, wie die Bourgeoisie Deutschlands Kollegen den Berlinern ihre Theilnahme an dem Maifest tund: und vor allem deren Presse, der wird früher als " Die sozialdemokratischen Handelsarbeiter Wiens begrüßen die als er es abut, bittere Thränen vergießen müssen ob seiner gleichgesinnten Berliner Genossen in deren Maiversammlung. Pindteriveisheit von der Bogel Strauß- Politik! Sie drücken den Wunsch aus, daß das Band der Solditarität, welches bas sozialinische Proletariat der ganzen Welt umschlingt, auch die klassenbewußten Handelsarbeiter Deutschlands und Dester­reichs immer fester aneinander füge, und der Tag nicht mehr fern sei, an dem die Handelssklaven mit gleichem Eifer in den Reihen der Sozialdemokratie kämpfen als die industrielle Arbeiter. schaft. Möge die Maibewegung das Ihrige dazu beitragen, um die Köpfe unserer in der Erkenntniß ihrer Lage und ihrer sozialen Stellung zurückgebliebenen Berufsgenossen zu erhellen! Hoch der Achtſtundentag! Hoch das allgemeine, gleiche und direkte Wahl­recht! Hoch der 1. Mai! Hoch die internationale, revolutionäre Sozialdemokratie! Im Auftrage der sozialdemokratischen Handels­arbeiter Wiens."

Eine große, eine herrliche Heerschau war es, die die tlassenbewußten Proletarier am gestrigen Tage abgehalten haben, den untrüglichen Beweis ihrer Disziplin, ihrer Siegeszuversicht, und damit auch das Unterpfand ihres endlichen Sieges haben sie wieder erbracht.

Zahlreiche Arbeiter haben die Arbeit ruhen lassen. Ohne Druck ihrer Genossen, trotz des großen Widerstandes der Unternehmer gegen dieses Beginnen haben sie freudig das Opfer gebracht, als Unterpfand dafür, daß sie auch bereit sein werden, noch größere Opfer zu bringen, die im Interesse der Befreiung ihrer Klasse die Zukunft von ihnen fordern wird. Als Anfang der Arbeitsruhe ist ihr Um­fang bewunderungswürdig, das Resultat glänzend gewesen.

Mit Herz und Kopf, mit fluger Ueberlegung und freudiger Gemüthsaufwallung begingen die Arbeiter das Weltfest der Arbeit.

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größere Fortschritte der Partei zurücksehen. Geschieht dies, dann wird bald der Tag uns leuchten, an dem wir das große Fest der Befreiung der Arbeiterklasse von Ausbeutung und Noth feiern können.

Drum nicht die Hände in den Schooß! Nein, alle Hände gerührt für die Befreiung der Arbeiterklasse! Und immer leuchtender und immer freier Wird uns'res Bundes Siegeszeichen weh'n, Und immer hehrer wird sein stolzer Flug Den Aermsten aller Welt sich offenbaren, Und immer mächt'ger werden sie sich schaaren Zum großen, endlichen Triumpheszug Les von dem Tode auferstand'nen Rechtes Der Freiheitslust des menschlichen Geschlechtes!

Ueber den Berlauf der Maifeier geben die hier folgenden Berichte vorläufigen Ausschluß. In den nächsten Tagen wer­den wir noch zahlreiche weitere Berichte nachzutragen haben.

Berlin .

Gewerkschafts Versammlungen.

Mit Beifall begleitete die Versammlung die Verlesung dieses Schreibens. Das Wort nahm dann Genosse Roland, um in zündender Rede die Bedeutung des 1. Mai darzulegen. Um das Referat nicht abzuschwächen, sah man von einer Diskussion ab und nahm einstimmig die von dem Ausschuß der Gewerkschafts­fommission empfohlene Resolution an. Mit einem Hoch auf die fich die Theilnehmer. Sozialdemokratie und unter dem Gesang der Marseillaise trennten

Der große Saal der Konfordia", Andreasstraße, war von den Holzarbeitern vollständig gefüllt. Es mochten un­gefähr 4000 Personen anwesend sein, und noch immer strömten die Maffen aufs Neue hinzu, fodaß der Saal um 1/211 Uhr ab. gesperrt werden mußte.

Der letzte Proletarier wurde gestern aus dem düstern die von der Gewerkschafts- Kommission vorgeschlagene Resolution Mit wenigen Ausnahmen wurde in allen Versammlungen Elend seines Lebens herausgerissen, mit neuem Muthe zum angenommen, die wir in ihrem Wortlaute nochmals folgen Leben, zum Kampfe, mit frischer Hoffnung auf Besserung lassen: erfüllt. Tausende wurden sich bewußt, daß der Pessimis- Die heute am 1. Mai in Berlin versammelten Maifeiernden mus trotz aller Schlagschatten, die die Gegenwart erklären mit bezug auf die Beschlüsse der internationalen Arbeiter auf das Leben Leben der Einzelnen wirft, nicht Herr tongreffe, daß sie von der heutigen Gesellschaft fordern, daß fie über uns werden dürfe, daß der Menschheit, der Arbeit endlich ihr Recht gewähre. Sie erklären ferner, daß Außer in den Brauereien Bözow, Patzenhofer, Böhmisches jedem ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, es die Pflicht der heutigen Gesellschaft sei, für das Wohl aller Brauhaus und Pfefferberg feierten in allen anderen Brauereien des Berufes eine helle Zukunft winkt, daß endlich nach ihrer Mitglieder Sorge zu tragen und durch besondere Maß die Böttcher einmüthig und betrug die Zahl der Theilnehmer jahrtausende langer Ausbeutung der Arbeit der gebührende nahmen der geistigen und körperlichen Entartung der Arbeiter aus diesem Berufe ca. 300. An dem mit lebhaftem Beifall tlaffe vorzubeugen. aufgenommenen Vortrag des Genossen Robert Schmidt Lohn werden solle. Aber daß die schöne Zukunft uns nicht Zu diesem Zwecke fordern die Arbeiter von tnüpfte der Vorsigende die ernste Mahnung, die streikenden aus Himmelshöhen bescheert werden wird, daß es heißt der politischen Organisation der Gesellschaft, Tischler in Wien thatkräftig zu unterstüßen, besonders aber Kopf anzuftrengen und Hand anzulegen, damit der Zukunfts- vom Staate, daß er die Gleichberechtigung aller mögen diejenigen, die am 1. Mai arbeiten, etwas reichlich ihren bau auch bald gekrönt werden könne, auch dies sollen alle, lassen vor dem Gefeß gewährleistet und Beitrag zur Unterstützung bemessen. Um einen Ueberblick zu ge die das Fest der Arbeit gefeiert haben, gelernt haben. insbesondere den Arbeitern in der Benutzung winnen, wie groß die Zahl der Arbeitslosen in dieser imposanten Das Glück wird der Menschheit nicht mühelos in den des Vereinigungsrechts volle Freiheit ge- Versammlung ist, ließ die Vorsigende diejenigen, die in Arbeit Schooß fallen. Harter und schwerer Mühen bedarf es noch. stehen, von ihren Sißen sich erheben. Die Zahl derjenigen die Ferner fordern die Maifeiernden: die gesetzliche Beschränkung igen blieben, war eine ganz verschwindend geringe. Hierauf Wohl arbeitet die ganze ökonomische Entwicklung für uns, der täglichen Arbeitszeit auf höchstens 8 Stunden. Die Be- nahm die Versammlung die Resolution der Gewerkschafts­der Kleinbetrieb hat sich überlebt, schwer und nicht mehr seitigung der Kinderarbeit. Besonderen Schuß der weiblichen tommission, sowie eine im gleichen Sinne lautende zweite Reso­lange werden die Mittelbetriebe die Konkurrenz des Groß- Arbeitskraft gegen die Ausbeutung derselben; außerdem die Or lution an. Einige Gesangsvorträge bildeten den würdigen Ab­betriebes aushalten, und der Wärwolf der Großbetriebe ist ganisation eines durchgreifenden Arbeiterschutzes. schluß der Feier; stehend sangen die Theilnehmer zum Schluß schon in Riesengröße in den Kartellen und Trusts auf der Die Versammelten erflären sich zu diesen Forderungen um einen Vers der Marseillaise . Bildfläche erschienen. Die Tage der Privatwirthschaft so mehr berechtigt, da es die Arbeiter ja erst sind, die der heutigen Die Arbeiter der Schuhwaaren Industrie hatten sich in einer Stärke von etwa 700-800 Personen, worunter find gezählt, das heutige wirthschaftliche System ist nicht Gesellschaft die Existenzmöglichkeit geben. mehr lange aufrecht zu halten. Aber damit ist noch nicht allen für die Befreiung der Menschheit tämpfenden Proletariern Salon, Große Frankfurterstr. 28, eingefunden. Das Referat Zum Schluffe entbieten die versammelten Maifeiernden auch das weibliche Glement zahlreich vertreten war, in Fiebig's der Sieg der Sozialdemokratie, wie leider so viele meinen, der Welt zum heutigen Tage ihren brüderlichen Gruß und hielt Genosse P. Jahn. Von der Versammlung aus unternahm gewährleistet. Die heutige Wirthschaftsordnung, sie kann Handschlag." ein Theil der Erschienenen einen Ausflug. abgelöst werden von einem bureaukratischen Staatssozialis Ferner wurde in einigen Versammlungen die Resolution, die Die Versammlung der Gruppe: Metall. mus, fie fann ersetzt werden durch eine im Interesse aller vom englischen Organisationskomitee für die Maifeier" vor- industrie, welche in den Germania - Sälen stattfand, gestaltete

währt.

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