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Nr. 225.- 33. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferusprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97.

An der Schwelle des dritten Kriegsjahres.

Ein ungehaltener Vortrag von Ed. Bernstein. II.*)

Donnerstag, den 17. August 1916.

Jahrbuchs die beste, sachlichste Arbeit über diese verhängnis­vollen Tage, die in deutscher Sprache bisher erschienen ist.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 15190-151 97.

Asquith für das Frauenwahlrecht.

Bei dieser Gelegenheit kann ich eine beiläufige Bemer- Rotterdam, 16. August. ( W. T. B.) Nieuwe Rotter­fung nicht unterdrücken. Die vorerwähnten diplomatischen damsche Courant" meldet: Am Montag hat Asquith im Dokumente sind natürlich auch in anderen Ländern veröffent- Unterhaus mitgeteilt, daß er seine persönlichen Ansichten licht worden. Aber während sie zum Beispiel in den Ver- über das Frauenwahlrecht, dessen Gegner er früher war, ge­einigten Staaten von Amerika in Hunderttausenden von ändert habe. Daily News" erfährt dazu aus guter Quelle, Exemplaren Verbreitung gefunden haben, sind sie bei uns, die daß diese Erklärung eine Aenderung der Politik des Premier­Nicht vor Sonnenaufgang, vor einem Sonnenuntergang fie doch direkt angehen, alles in allem in kaum ebensoviel ministers ankündige. Das Blatt schreibt, Asquith habe im sahen sich nun die Völker Europas . Das Tageslicht des Behntausenden abgesetzt worden. Das stellt dem politischen Kabinett erklärt, daß im Falle einer Wahlreform auch die Friedens begann zu sinken. Die Note Desterreich- Ungarns Sinn unseres Volkes kein sehr hohes Zeugnis aus. Während Frauen das Wahlrecht bekommen müßten. an Serbien vom 23. Juli 1914 stellte eine Steihe von Forde man bei uns sich begnügt, über einen politischen Vorgang zu rungen an das kleine Nachbarland, für die fie bedingungslose lesen, will der Amerikaner, der freilich durch die alle vier Die Lage der Arbeiter nach dem Kriege. Annahme innerhalb 48 Stumden verlangte. Ueber die Natur Jahre stattfindenden Präsidentenwahlen daran gewöhnt ist, und Berechtigung der Forderungen will ich mich hier nicht daß die großen Fragen der Politik der Republik unmittelbar Sozialpolitiker Sidney) Webb, laut der Franff. 3tg." ein äußern. Es genügt, daran zu erinnern, welchen Eindruck die dem Volk zur Entscheidung unterbreitet werden, soweit dies äußerst dunkles Bild von der Lage der Arbeiter nach Note machte. Ein Aufruf des Parteivorstandes der Sozial- irgend möglich ist, die Akten selbst sehen. Und das ist sicher dem Kriege. demokratie Deutschlands vom 25. Juli forderte die Genossen das Richtige.

im Lande auf, sofort in Massenversammlungen den uner­schütterlichen Friedenswillen des klassenbewußten Proleta­riats" zum Ausdruck zu bringen. Dieses fordere gebieterisch

Unterstaatssekretär Zimmermann

werde, zu dementieren.

( z)

In der Daily News" entwirft der bekannte englische

Er führt darin aus, daß jeder Versuch, die Löhne nach dem Kriege herabzusetzen, einen äußerst starten Wider­stand erfahren werde, da die Lebensmittelpreise nach dem Kriege feineswegs wieder eine nennenswerte Verminderung

von der deutschen Regierung, daß sie ihren Einfluß zur Auf- dementiert deutsche Friedensverhandlungen erfahren würden. Die Frachten würden hoch bleiben, da der rechterhaltung des Friedens ausübe und, falls es doch zum Haag, 15. August. ( T. U.) Der Daily Telegraph " größte Teil der Schiffe fehle und Rohmaterial von den Zentral­Kriege fomme, sich jeder friegerischen Einmischung enthalte. Noch schärfer drückten sich die Preßorgane der Sozialdemo- meldet aus New York vom Freitag: Dem Berlin ermächten verlangt würde. Wollene Keleidung bliebe teuer, Fleisch fratie aus, und in den nun allerorts veranstalteten Protest- orrespondenten der New York Times " ist und Milch könnten eventuell bis zu Hungerpreisen getrieben versammlungen fand der Aufruf des Parteivorstandes bei erlaubt worden, nach Amerika zu berichten, daß in werden, wenn erst Deutschland daran gehe, seine abgeschlach­den Rednern wie bei den sich drängenden Arbeitern lebhaften Beit für den Frieden sei noch nicht gekommen. Herr Unter- Fleischtrust wieder die Gefrierschiffe in den Händen halte. den Rednern wie bei den sich drängenden Arbeitern lebhaften Deutschland die Meinung Geltung habe, die teteu Rindbiehherden wieder herzustellen und der amerikanische Widerhall. Aber Worte, so wuchtig sie auch klingen mochten, Brot werde kaum um mehr als um 1 oder 2 Pence fallen fonnten das Verhängnis nicht aufhalten. Der Note folgte Staatssekretär Zimmermann habe im Namen des Aus- und niemals mehr auf den billigen Preis von 4 Bence her­am 25. Juli der diplomatische Bruch Desterreich- Ungarns mit wärtigen Amts den Korrespondenten ermächtigt, untergehen. Und die hohen Abgaben für Zucker, Tee und Serbien und diesem am 28. Juli die Kriegserklärung. Sie alle Nachrichten, das irgendwie über den Frieden verhandelt Petroleum könnten auch nicht abgeschafft werden. Der wurde von Rußland mit der Mobilmachung beantwortet, die offizielle Bericht über die Einstellung von Arbeitern in der bon Desterreich- Ungarn nicht unerwidert blieb. Am 31. Juli Herr Zimmermann sagte danach: Die Entente gebe sich der Landwirtschaft spreche von Arbeitermangel und rate geradezu fordert Deutschland in einem Ultimatum an Rußland von Illusion hin, daß sich ihre Aussichten nach den gegenwärtigen an, daß man landwirtschaftliche Arbeiter zwingen solle, zu den. diesem Entmobilisierung und erklärt ihm, als es in der ge- Offensiven verbesserten. Aber die Wilhelmstraße ist über- früheren ungenügenden Löhnen zu arbeiten. Am schlimmsten stellten Frist keine Antwort erhält, am 1. August den Krieg. zeugt, daß die eiserne Mauer im Westen nicht durchbrochen denkt sich Sidney Webb die finanzielle Lage der Arbeiter, wenn Am 2. August wird Luxemburg von deutschen Truppen be- werden kann und daß neue Erfolge im Osten zu erwarten sind. erst nach dem Krieg die Ueberstunden hinwegsielen, und Greise jett, an Belgien ein Ultimatum gerichtet, das für die deut- Wir müssen abwarten, sagte Herr Zimmermann, bis die Illu- und Kinder, die jetzt durch ihre Arbeit einen nennenswerten schen Truppen freien Durchmarsch verlangt, am 3. August an sion der Entente verflogen ist, und glücklicherweise sind wir Betrag zusteuerten, nicht mehr, wie bisher, beschäftigt werden Frankreich , das auf eine Anfrage über seine Stellungnahnie bis dahin in jeder Beziehung vorbereitet. Die ausgezeich- fönnten. Andererseits hätten die Metallarbeiter mit großer eine bindende Antwort verweigert hatte, der Krieg erklärt. nete Ernte, die wir hatten, wird selbst die Engländer über- Selbstberleugnung ihre Gewerkschaftsregeln aufgegeben und Am 4. August morgens rücken deutsche Truppen entgegen der zeugen, daß die Hungerblockade feinen Erfolg hat. Herr die Regierung habe sich schwarz im Gesicht" geschworen, daß Weigerung Belgiens in belgisches Gebiet ein, und am Bimmermann sagte weiter, daß die Feinde Deutschlands für alle diese Aufopferungen der Metallarbeiter später wieder gut 4. August abends erklärt England, da Deutschland die von das furchtbare gegenwärtige Blutvergießen verantwortlich zu gemacht werden und die alten Gewerkschaftsregeln wieder in diesem geforderte Rücknahme des Vorgehens gegen Belgien machen seien, da England unvernünftigerweise den Krieg Straft treten sollten. Die Arbeitgeber lachten jedoch geradezu ablehnen zu müssen erklärt, sich mit Deutschland im Krieg. ausdehne, indem es eine Hungerblockade versuchte. Auf die über derartige Versprechungen, und machten absolut kein Der seitdem auf andere Kontinente ausgedehnte europäische Frage, ob er glaube, daß England alle seine Reserven in die Geheimmis daraus, daß sie später jede Einmischung in ihre Krieg war da. gegenwärtige Offensive gebracht habe, antwortete Herr Zim- Fabriken perbieten würden und alle Vorteile, die der Krieg Ueber die Frage, welche von den Mächtegruppen die mermann: Gewiß, und wir glauben, daß das ganze Gerede gebracht habe, nunmehr auch nach dem Kriege festhalten Schuld oder Hauptschuld an ihm trägt, wird noch heute so über weitere Millionen lediglich Geschwät ist. England hat wollten. Sidney Webb sieht als einziges Mittel, dem zu heftig gestritten, als am ersten Tage. Und nicht mit unrecht. seine Verbündeten stets zur Schlachtbank geführt, aber die steuern, daß den Gewerkschaften Rechte gegeben Kriege sind keine Naturercigniffe, die ohne beipußtes Ein- englischen Verluste sind nun derart, daß sie die englischen Aus- und die Arbeitgeber gezwungen würden, die greifen der Menschen eintreten. Mögen sie noch so sehr durch sichten über die Fortführung des Krieges etwas mäßigen Gewerkschaften als Organisationen durch­bestimmte soziale und politische Zusammenhänge sachlich auf werden. aus anzuerkennen. die Tagesordnung gesezt sein, immer bedarf es der Tat be­wußt handelnder Menschen, bis sie zur Tatsache werden. So Englische Ablehnung der Kriegsziele des

deutschen Nationalausschusses.

genau

Gegen den Protektionismus! ist es verständlich, daß sich bei ihnen die Frage einstellt, wo die Verantwortung für die entscheidende Tat liegt, wer sie be­Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der Avanti" gangen und wer sie verursacht hat. Von der Beantwortung Manchester Guardian" beschäftigt sich in seinem Zeit- an hervorragender Stelle einen Appell an die Seftionen und dieser Frage wird nicht nur die Stellungnahme zu ihnen, artikel vom 4. August mit Sarnads Rede: Es ist unmöglich, von die Parteiorgane der italienischen Sozialdemokratie, der sondern auch das Urteil über die Seriegsziele bestimmt werden. Frieden zu sprechen, solange Deutschland von Annexionen und Ent- offenbar eine offiziöse Auslassung und Willenskundgebung So hat in unserem Fall Herr von Bethmann Hollweg wieder- fchädigungen spricht. Das ist nicht bloß das überhebende Gerede der Parteileitung darstellt. Der Aufruf knüpft an die holt bei Erklärungen über seine mutmaßlichen Friedensforde der Extremen, wie die Rede Harnacks, der zu den Gemäßigten ge- feren 3, die vor kurzem in den Spalten des" Avanti" zum Diskussion über die Pariser Wirtschaftskon­rungen auf Vorgänge bei Kriegsbeginn zurückgegriffen, das hört, beweist. Auch er sagt seinen Hörern, daß der Krieg gleiche ist von seiten der Staatsmänner der Gegenseite ge- nicht mit dem status quo ante enden kann. Belgien darf Austrag kam und bezeichnet sie als die Antwort der Partei schehen, und ebenso begründen die Sozialisten Frankreichs wie nicht von England abhängig sein. Das bedeutet, auf die Ankündigung des Wirtschaftskrieges nach dem Frie­auch andere ihre Haltung im Kriege mit Hinweisen auf deffen genommen, nichts. Aber Aeußerungen solcher Art werden oft mit densschluß. Die Diskussion sei zwar erschöpft, indessen sei Herbeiführung. Die Frage hat also durchaus auf ernsthafte Absicht gebraucht. Und die einzige Absicht, die man hier entnehmen es gut, nochmals daran zu erinnern, daß die Partei stets für Prüfung Anspruch. fann, ist, daß es Belgien nicht gestattet sein soll, sich selbst zu be- den Freihandel eingetreten sei, wofür die vom National­Gründe verschiedener Art veranlassen mich jedoch, sie nicht schügen, sondern daß es für Deutschland eine Straße an das Meer tongrep in Ancona ( 26.- 29. April 1914) angenommene bei dieser Gelegenheit zu untersuchen. Wer sich über sie zu oder nach Frankreich hinein bleiben soll. Die wirkliche Gebiets- Resolution der beste Beweis sei. Diese Tagesordnung betont unterrichten sucht, findet unter anderem ein reiches Material erweiterung soll im Osten erfolgen und es steht ganz im Einklang mit in entschiedenster Weise die Gefahren der protektionistischen in den Weiß-, Blau-, Gelb- und so weiter Büchern der ver- der Ansicht eines deutschen Staatsmannes über einen ehrenvollen" Politit, die eine Anhäufung der Konfliktsstoffe zwischen den schiedenen Regierungen über den Krieg. Gewiß sagen die Frieben, wenn Harnad Rußland die Möglichkeit einer Entschädigung Nationen im Gefolge habe, weist darauf hin, daß die Schutz­einzelnen Regierungen darin nicht alles, was gesagt werden im Osten anbietet, das heißt natürlich auf Stoften von Deutsch - arbeitenden Bevölkerung bedeuten und fordert die Partei Deutsch - zölle eine Bevorzugung der Arbeitgeber zuungunsten der müßte, jede sucht natürlich ihre Sache so günstig wie nur mög- lands Verbündeten. Weder Rußland noch die Westmächte haben zu lich hinzustellen und verschweigt manches, was das Bild anders diesem Vorschlage etwas zu sagen. Wir werden es nicht ruhig hin- auf, in Anbetracht der bevorstehenden Erneuerung der Han­gestalten könnte. Aber jede kontrolliert auch bis zu einem nehmen, daß Bolen und die Baltischen Provinzen mit über zehn delsverträge alle Sträfte anzuspannen, um die Pläne der kapi­gewissen Grade die andere, und so kann der Leser, der diese Millionen Einwohnern dazu benutzt werden, Deutschlands Zwangs- talistischen Kreise zu vereiteln und einen möglichst schnellen vom Verlag des Vorwärts" in handlichem Format heraus- Heere aufzufüllen und ihm zu ermöglichen, mit verdoppelter Kraft Abbau der Zölle herbeizuführen. Zu diesem Zweck solle im boch sich ein Urteil bilden, das mindestens die Wahrschein- folange wir Schiffe und Männer haben, nicht gestatten, daß, sei es werden. Heute nun, fährt der Avanti" fort, sei das Pro­gegebenen Dokumente mit kritischem Auge liest und vergleicht, über das, was von Europa übrig bleibt, herzufallen. Wir werden, Bande eine Agitation organisiert und nötigenfalls die Hilfe des Internationalen Sozialistischen Bureaus angerufen lichkeit für sich hat, das Richtige zu treffen. durch Waffen oder unter dem Namen eines Bündnisses, der Balkan blem viel ernster und drohender als in jenen Tagen. Heute Es würde sich übrigens vielleicht auch empfehlen, daß der und die Türkei von Deutschland annektiert werden. Verlag des Vorwärts" den Abschnitt Das Deutsche Reich ist das längst Vorausgesehene und Gefürchtete Wahrheit ge­und der Weltkrieg" des neuesten Bandes seines Internatio­worden, und die Zukunft enthält neue furchtbare Drohungen. Solange die einzelnen Nationen oder Völkergruppen den Handelsverkehr durch Errichtung von Sollschranken hemmen suchen, muß in der Welt Haß, Groll und Zwietracht Bukarest , 16. August. ( W. T. B.) Die Sozialisten herrschen, Gefühle, die immer wieder zum Anlaß neuer Kriege hielten gestern eine öffentliche Versammlung ab, werden. Das ist ein Problem, dessen Schwere fein Sozialist in der fie gegen die triegerischen Absichten der verkennen kann. Unsere Sektionen werden daher gut tun, sich Föderalist en Verwahrung einlegten und die Regierung ernstlich und methodisch damit zu beschäftigen. Daher sollen aufforderten, Maßnahmen gegen die Teuerung zu ergreifen.fie es nach den Werken und Aufsätzen, die in der sozialistischen Das Moratorium für ausländische Forderungen ist um vier Presse erschienen sind, studieren, um auch die Genossen dauernd Monate verlängert. darüber auf dem laufenden zu halten. Die so erworbenen

"

Kriegsheher.

nalen Jahrbuchs für Politik und Arbeiterbewegung, soweit Die rumänischen Sozialisten gegen die er die Vorgänge bis zum 4. August 1914 einschließlich behan­delt, in Sonderausgabe veröffentlichte. Dort werden näm­lich die wichtigsten Noten und Berichte aller Regierungen der Beitfolge nach gewissermaßen Tag für Tag gegeben, und das erleichtert natürlich die Vergleichung ungemein. Soweit die Beit bis zur Reichstagsfizung vom 4. August 1914 in Betracht fommt, ist meines Erachtens die Zusammenstellung dieses *) Siehe Nr. 222 des Vorwärts".

zu