Nr. 342. 33. Jahrg.
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Mittwoch, den 13. Dezember 1916.
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Das Friedensangebot der Mittelmächte
Einladung zur Konferenz
Der Reichskanzler hat am Dienstag, den 12. Dezember, vormittags 12 Uhr, die Vertreter der neutralen Schuhmächte, Spanien , Vereinigte Staaten , Schweiz , empfangen und ihnen folgende Note zur Uebermittlung an die kriegführenden Mächte der Gegenseite überreicht:
,, Der furchtbarste Krieg, den die Geschichte je gesehen hat, wütet seit bald 2½ Jahren in einem großen Teile der Welt. Diese Katastrophe, die das Band einer gemeinsamen tausendjährigen Zivilisation nicht hat aufhalten können, bringt die Menschheit um ihre wertvollsten Errungens schaften. Sie droht, den geistigen und materiellen Fortschritt, der den Stolz Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildete, in Trümmer zu legen. Deutschland und seine Verbündeten, Oesterreich- Ungarn , Bulgarien und die Türkei , haben in diesem Kampf ihre unüberwindliche Kraft erwiesen. Sie haben über ihre an Zahl und Kriegsmaterial überlegenen Gegner gewaltige Erfolge errungen. Unerschütterlich halten ihre Linien den immer wiederholten Angriffen der Heere ihrer Feinde staud. Der jüngste Ansturm im Balkan ist schnell und siegreich niedergeworfen worden, die letzten Ereignisse beweisen, daß auch eine weitere Fortdauer des Krieges ihre Widerstandskraft nicht zu brechen vermag, daß vielmehr die gesamte Lage zur Erwartung weiterer Erfolge berechtigt.
Zur Verteidigung ihres Daseins und ihrer nationalen Entwicklungsfreiheit wurden die vier verbündeten Mächte gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Auch die Ruhmestaten ihrer Heere haben daran nichts geändert. Stets haben sie an der Ueberzeugung festgehalten, daß ihre eigenen Rechte und begründeten Ansprüche in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen. Sie gehen nicht darauf aus, ihre Gegner zu zerschmettern oder zu vernichten. Getragen von dem Bewußtsein ihrer militärischen und wirtschaftlichen Kraft und bereit, den ihnen aufgezwungenen Kampf nötigenfalls bis zum äußersten fortzusehen, zugleich aber von dem Wunsche beseelt, weiteres Blutvergießen zu verhüten, schlagen die vier Verbündeten vor, alsbald in Friedensverhandlungen einzutreten. Die Vorschläge, die sie zu den Verhandlungen mitbringen und die darauf gerichtet sind, Dasein, Ehre und Entwicklungsfreiheit ihrer Völker zu sichern, bilden nach ihrer Ueberzeugung eine geeignete Grundlage für die Herstellung eines dauerhaften Friedens. nagi esistit 3d ditu 279ddis@ You shis Wenn trotz dieses Anerbietens zum Frieden und zur Versöhnung der Kampf fortdauern sollte, so sind die vier verbündeten Mächte ents schloffen, ihn bis zum fiegreichen Ende zu führen. Sie lehnen aber feierlichst jede Verantwortung dafür vor der Menschheit und der Geschichte ab. Die verbündeten Regierungen in Wien , Sofia und Konstantinopel haben gleichlautende Noten an die feindlichen Regierungen gerichtet. Die Parlamente Ungarns , Bulgarens und der Türkei hielten zugleich mit dem Reichstag Sigungen ab, in denen die Note der Mittelmächte zu ihrer Kenntnis gebracht wurde.
steht.
Die Menschheitsfrage des Friedens.
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denn nur auf diese Weise kann die Grundlage für die Her- role ausgeben, wird der Fluch der ganzen Menschheit treffen, stellung eines dauernden Friedens" geschaffen werden.
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der Fluch des eigenen Volfes vielleicht zu allerlegt, aber am allerschwersten. Sollen wir auch hier verzweifeln? Nein, wir wollen hoffen, solange nicht bittere Wirklichkeit diese Hoffnung Lügen straft!
Die Situng.
Ziele der Feinde und die eigenen Ziele eingeht. Er spricht
Erinnert man sich zugleich der Worte, die der Reichstanzler schon am 9. November über Belgien und über die Bereitwilligkeit Deutschlands zur Mitwirkung in einem überstaatlichen Friedensbunde gesprochen hat, und nimmt Fünf Tage nach dem Fall von Bukarest hat Deutschland man noch dazu, daß in der Note an den Papst von einer gemeinsam mit seinen Verbündeten ein förmliches förmliches Grundlage der Verständigung" die Rede ist, dann Friedensangebot an die feindlichen Mächte gerichtet. fann man sich ungefähr vorstellen, wie die Vorschläge der Wenige Sigungen des Reichstages dürften zeitlich von Sonst war es der Geschlagene, der die Vermittlung anricf. Mittelmächte beschaffen und von welchem Geist sie getragen solcher Stürze, wenige aber auch von so weltgeschichtlicher Beum das Friedensgebot des Gegners zu erfahren und das ihm find. Und dann kann man auch jene nicht um ihre Verant- deutung gewesen sein, wie die vom 12. Dezember. Es verdrohende Schicksal nach Möglichkeit zu mildern. Diesmal ruft wortung beneiden, die heute schon bereit sind, die Vorschläge steht sich, daß in Erwartung besonders bedeutungsvoller Ereine Mächtegruppe die Vermittlung der Neutralen auch unbesehen zurückzuweisen. eignisse die Tribünen des Hauses bis auf den letzten Plaz des Papstes an, die im Verlauf eines zweieinhalbjährigen Im Ausland jenseits der Schüßengräben wird der vollgepfropft waren. Auch vor dem Reichstagsgebäude hatte Völkerringens ihre unerschütterliche Kraft bewiesen hat, und Schritt der Mittelmächte einen Sturm der Erregung hervor sich eine erwartungsvolle Menge angesammelt. Das Abgedie gerade jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Erfolge rufen. Seine regierenden Mächte sind von einer moralischen ordnetenparkett bot noch zur Beit des angefekten SizungsIlmklammerung bedroht, die noch gefährlicher ist als die stra- beginnes das Bild einer mäßig besuchten Sigung, um sich Das ist das Große, Neue an dem Ereignis vom 12. De- tegische. Sie können vielleicht die Stimme der Vernunft noch aber bei der etwas verspäteten Eröffnung schnell zu füllen. zember. Es ist so neu, daß dem Mißverständnis derer einmal ersticken- aber ein neues Bukarest fönnen sie dann Sogleich nach Eintritt in die Tagesordnung erteilt der borgebaut werden mußte, deren Denken sich in den aus- nicht mehr riskieren, der Unmut ihrer Völker würde diese Präsident Kaempf ohne Umschweife dem Reichskanzler das gefahrenen Gleisen geschichtlicher Erfahrungen bewegt. Schon vor unerbittlichen Verlierer in den Drfus schleudern. Wort. Herr v. Bethmann spricht anfangs mit halblauter dem hieß es drüben: Deutschland bittet um Frieden, also fühlt Wir Und dieses Warten wird schwer genug, Stimme, die zuweilen das Zittern der inneren Spannung es sich geschlagen!" Und daraus wurde der Schluß gezogen, auch wenn wir uns mit dem äußersten Mißtrauen panzern. durchläuft. Seine Hinweise auf die jüngsten Kriegserfolge, man brauche nur noch ein wenig feſter zuzufassen, um das Ein Hundertstel Hoffnung gegen neunundneunzig Hundertstel namentlich auf die ungeheuren Leistungen der Truppen, die von allen Seiten angegriffene Volt vollends zu Boden zu werfen. Zweifel genügt, um die Pulse rascher schlagen zu lassen. Was das Unmögliche möglich gemacht haben, werden vom Haus Dieser friegverlängernden Wirkung eines mißverstandenen fann an Menschenglück noch gerettet werden, wenn es dies- mit anhaltendem Beifall begleitet. Friedensangebots ist durch die Tatsachen selbst wie durch die mal gelingt! Und was kann unwiederbringlich verloren gehen, Die Stimme des Kanzlers verstärkt sich, als er auf die Erklärungen der deutschen Regierung vorgebeugt. Auch dieser wenn es mißlingt! Ausweg ist verlegt, und es ist fein müßiger Zeitvertreib, Die Sozialisten Frankreich 3 gehören noch immer von dem Gefühl der Verantwortung vor Gott , dem eigenen sich den Kopf derer zu zerbrechen, die in diesem Augenblick einer Regierung an, deren Verbündeter an der Newa seine Volfe und der Menschheit, von den bisherigen Erklärungen nach einem Vorwand suchen, um den ihnen angebotenen Frieden militärische Unzulänglichkeit mit uferlosen Eroberungsplänen der Regierung zur Friedensbereitschaft. abzulehnen. drapiert. Und die englischen Arbeiterparteiler Dann folgt die entscheidende Wendung:„ Diesmal sind Die Ablehnung wird dadurch erschwert, daß die sind eben in ein Kabinett eingetreten, dessen Programm der wir einen Schritt weiter gegangen" und im Vorschläge der Mittelmächte nur angekündigt, nicht mit Strieg bis zum Ende ist. Anschluß daran die Mitteilung des Entschlusses, den geteilt werden. Die Gegner fönnen nun wohl verlangen, Die deutschen Sozialisten bilden sich nicht ein, fehlerfrei Feinden den Eintritt in Friedensverhandlungen vorzuschlagen. daß ihnen diese. Vorschläge bekanntgegeben werden, bevor sie ihre Bereitwilligkeit zu Berhandlungen erklären. Die Mittel- 3u sein. Aber wessen Urteil nicht durch leidenschaftliche Ge- Stürmischer demonstrativer Beifall folgt diesen Worten, aber ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen erklären. Die Mittel- hässigkeit getrübt ist, wird nicht sagen können, daß sie ihre dem scharfen Beobachter bleibt es nicht verborgen, daß ein mächte fönnten dann die Ueberzeichung der feindlichen Gegen- Sache immer schlecht gemacht haben. Der Geist des internatio- Teil des Hauses, namentlich die Rechte, nicht daran vorschläge verlangen, die aufzustellen den Gegnern wohl nalen Sozialismus, der sie auffordert, für die rasche Beendi- teilnimmt. Unter lautloser Stille verliest der Kanzler den einige Schwierigkeit bereiten würde. Deutschland aber ist gung eines einmal ausgebrochenen Krieges zu wirfen, ist in Wortlaut der Note. Noch einmal wird der Beifall stürmisch bereit, diese Gegenvorschläge auf der Konferenz entgegen zu ihnen nicht tot. Er ist lebendige Straft auch in dieser Zeit! und allgemein, als der Kanzler die Verantwortung für die nehmen, auf die es seine eigenen Vorschläge mitbringen will. Die Arbeiter Englands, Frankreichs , Italiens , Rußlands Verlängerung des Krieges ablehnt. An dem sehr kräftigen In welchem Rahmen sich die Vorschläge der Mittel- sind heute vor die Aufgabe gestellt, der Welt und ihrem Schlußbeifall, den der Kanzler erntet, beteiligt sich wieder ein mächte bewegen sollen, ist an jener Stelle der Note gesagt, eigenen Volf einen ungeheuren Dienst zu leisten, indem sie Teil des Hauses nicht. Der Rede folgt eine kurze Geschäftsordnungsdebatte. Der Stets haben sie( die Mittelmächte) an der Ueberzeugung feft- ich mit den deutschen zusammen auf den Boden gemeingehalten, daß ihre eigenen Rechte und ihre begründeten Ansprüche lamer Friedensarbeit stellen. Auch sie haben Zentrumsführer Spahn beantragt Vertagung auf unin keinem Widerspruch zu denen der anderen Nationen stehen. für ihr Land namenlose Opfer gebracht, und niemand wird bestimmte Zeit mit der Ermächtigung für den Präsidenten, Sie gehen nicht darauf aus, ihren Gegner zu zerschmettern oder von ihnen erwarten, daß sie sich mit einer Demütigung ihres die nächste Sigung anzuberaumen. Ihm widersprechen der zu vernichten. Volfes, mit einer Schädigung ihrer Interessen durch den Nationalliberale Bassermann und der Konservative Graf Rechte und begründete Ansprüche beider Seiten sollen Friedensschluß einverstanden erklären. Auch ihre Parole kann v. West arp, die eine Besprechung der Kanzlerrede noch am also durch die Verhandlungen ins Gleichgewicht gebracht ebensowenig wie die unsere lauten: Frieden um jeden Preis. gleichen Tage oder spätestens am Mittwoch wünschen. Zu werden. Die Mittelmächte selbst wollen ihre Ehre, ihr. Aber Krieg um jeden Preis? Ablehnung der Friedens- ihnen gesellt sich der Genosse Ledebour von der Soz. Dasein, ihre Entwicklungsfreiheit sichern, fie angebote ohne Brüfung, ohne Verhandlung? Das kann Arbeitsgemeinschaft; auch er hält eine sofortige Besprechung wollen ihren Gegnern nicht verwehren, das gleiche zu tun, ihre Sache nicht sein! Denn jene, die diese mörderische Pa- für geboten. Der Antrag Spahn wird jedoch mit Mehrheit
an der es heißt:
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