Einzelbild herunterladen
 

Nr. 47. 34. Jahrg.

Abonnements- Bedingungen:

Abonnements. Brets branumerando Bierteljährl 3,90 ML monati. 1.30 wöchentlich 30 Bfg. ftet uts Saus Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags mumuner mit uitrierter Sonntags Beilage Die Reue Belt 10 Big Boft. Abonnement: 1,30 Mart pro Monat

für

Eingetragen in die Boit Bettungs. Breisliite Unter Kreuzband Deutschland und Defterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Marf pro Monat Bostabonnements nehmen an Belgien , Dänemad, Holland , Italien , Luremburg. Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweis

Ericheint täglich.

Vorwärts

byal2 9627-106

Berliner Volksblaff.

5 Pfennig

Die Infertions- Gebühr

beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Big.. für bolitische und gemertschaftliche Vereins und Versammlungs- Linzeigen 80 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Sort 20 Big.( guläifig 2 fettgedruckte Borte), jebes weitere Bort 10 Bfg. Etellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erfte Wort 10 Big.. jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buch. staben üblen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer missen bis 5 1hr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 1hr abends geöffnet.

Telegramm- Adrese: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Am Morisolas, Nr. 151 90-151 97..

Sonnabend, den 17. Februar 1917.

Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Amt Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Neue Wege der Ernährungspolitik.

Teurer Brot- billiger Fleisch. tamen, insbefondere der Familienunter- bon Brot, Getreide und Kartoffeln die Preis.

ftübungen, entwidelung tierischen Grzeugnisse, vor Familien in schlechten Einkommensverhältnissen müßte die allem des Fleisches zu lange frei laufen ließ und Die Ernährungspolitik scheint jetzt, um in einer ge- Milchpreiserhöhung rüdvergütet werden, wenn man nicht die erst später durch Höchstpreise regelte. Es wird gefordert, daß die wohnten Bildersprache zu reden, aus dem Stellungskrieg Nachkommenschaft gefährden will. Preisgestaltung die Beschaffung möglichst ausreichender Nahrungs­heraus und in den Bewegungstrieg hineinzukommen. Das Im allgemeinen ist das Gutachten der Professoren dahin mittel für die Menschen sichert und auch ungünstig gelegenen offiziöse Wolffbureau veröffentlicht ein Gutachten zur zu fennzeichnen, daß es sowohl den Grundsak des Zwangs Betrieben eine die Lebensfähigkeit gewährleistende Rente ficher Lebensmittelfrage, das, von elf Professoren der wie den des Preisanreizes verwirft und durch Herstellung stelle. Daß bei besonders günstig liegenden Betrieben eine Landwirtschaftlichen Betriebslehre unterzeichnet, schon an sich angemessener Breisrelationen innerhalb der landwirtschaft höhere Rente als die unbedingt notwendige erzielt werde, ſei ein sehr beachtliches Dokument darstellt, aber an Bedeutung lichen Produktion das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen unvermeidlich. Freie Preisbildung würde zu un noch durch den Umstand gewinnt, daß die Veröffentlichung will. Dieses wohlausgedachte System wäre aber für die erträglicher Heberteuerung führen. Anreiz durch aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Kriegsernäh- Verbraucher erst dann erträglich, wenn es auch auf die Ein- hohe Preise wird verworfen. Nur der Anbau besonders notwendiger. rungsamt felbst zurückgeht. Dieses soll mit den Grund- fommensverhältnisse weiter fortgesetzt, also jedem ein Ein- im Frieden zurücktretender Früchte( Oel- und Hülsenfrüchte, Gr sätzen des Professoren- Gutachtens einverstanden sein, ohne sich kommen fichern würde, das ihm den Ankauf der notwendigen spinstpflanzen) sei zur Dedung des Mindestbedarfs durch günstige darauf in allen Einzelheiten festlegen zu wollen. Rebensmittel ermöglicht. Preisbemessung zu fördern.

Der entscheidende Punkt des Gutachtens, das wir weiter unten in etwas verfürster Faffung wiedergeben, ist die Her­stellung eines neuen Preisverhältnisses zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten in der Weise, daß die Preise für die fleischerzeugenden pflanzlichen Nahrungsmittel erhöht, die des Viehs und Fleisches felbst aber gesenkt werden. Dadurch soll ein unleugbarer Fehler der bisherigen Preispolitik ausgeglichen werden, der darin besteht, daß sich dem Landwirt feine pflanzlichen Erzeugnisse als Futtermittel beffer rentieren, denn als Lebensmittel für den menschlichen Gebrauch. Eine Ausnahme von der Regel wird nur für die Gerste gemacht, deren Preis gefendt werden foll. Die Spannung zwischen Malzgerfte und Futtergerſte mird damit von 60 M. auf 10 m. vermindert.

Gesteigert werden sollen, um die wichtigsten Nahrungs­mittel hervorzuheben, Roggen, Weizen, Buderrüben, Star toffeln und Milch. Herabgejezt werden sollen die Preise für Schlachtrinder, Schlachtschafe, Schweine und dementsprechend die Fleischpreise. Was die Erhöhung der Milchpreise be­trifft, so wird für das Berliner Preisgebiet ab Hof ein Preis bon 30 Pf. für 1 Liter Vollmilch als angemessen bezeichnet. Inzwischen hat man uns schon anderweitig auf einen Milch preis von 44 Bf. für 1 Liter vorbereitet.

Eine Begründung ist dem Gutachten nicht beigefügt. Sie wird uns von anderer Seite gegeben, und wir setzen fie fo, wie wir fie erhalten, hierher:

Besonderes Gewicht wäre auch darauf zu legen, daß jede vermeidbare Preiserhöhung, die sich auf dem Wege vom Er­zeuger zum Verbraucher vollzieht, wirklich vermieden wird. An diesen beiden Bunkten Erhöhung der niedrigen Einkommen und Verbilligung der Verteilung dann, wenn sich ein anderer Ausweg nicht finden läßt, alle Sebel angesetzt werden müssen.

--­

-

Dies ist der Inhalt der allgemeinen Leitfäße 1-6. Wir laffen die weiteren, ins einzelne gehenden Vorschläge wörtlich) folgen: 7. Die verschiedenen Preis- und Ablieferungsbedingungen für werden Hafer und Gerste sind betriebs- und volkswirtschaftlich unberechtigt. Sie benachteiligen die ohnedies in ihrer Leistungsfähigkeit am meisten gefährdeten ärmeren Bodenarten und müssen durch gleiche Behandlung beider Fruchtarten beseitigt werden. Die jetzige Preis­höhe ist ungefähr beizubehalten.

Darüber darf man sich allerdings nicht täuschen, daß die Annahme der Professorenvorschläge, soweit sie Preiserhöhun­gen borsehen, ein Streiden der Gegel bor den 8. Der Roggen und Weizenpreis ist dieser Preishöhe anzu­fubjektiven wildfintoreffer ber Landwire suffer bedeutet. Denn diefe Vorschläge haben boch mur dann 9. Hiernach find folgende Getreidepreise für die nächste Genie einen Sinn, wenn man annimmt, daß alle Verfütte- angemessen, zur Erreichung der unter 5 aufgestellten Ziele aber rungsverbote nichts helfen, sondern daß die besser lohnende auch unbedingt erforderlich: Viehzucht bisher immer einen Anreiz gebildet hat, diese Ver- für Roggen 260 M. je Tonite( bisher 220) bote zu übertreiben. Der Produktionsawang scheint uns immer 300 noch möglich, wenn er vernünftig geübt wird und wenn eine entsprechende Verwaltungsbehörde vorhanden ist. Aber sic ist nicht vorhanden, und daran nicht an seiner inneren Unmöglichkeit scheitert der Produktionszwang.

"

"

Weizen

H

Gerste

" Futtergerste.

"

Heereshafer.

" Hafer

""

"

"

260)

270 260

11."

11

17

320)

260)

ff"

"

M

270

270)

" F!!

"

"

260

" P"

"

11

270)

Heute tritt der Deutsche Landwirtschaftsrat 10. Unter Berüdsichtigung der Ausführungen zu Ziffer 6 er zusammen, und man geht kaum fehl mit der Annahme, daß scheinen die heute geltenden Preise für Hülsenfrüchte angemessen. er gegen das Gutachten der Professoren, soweit es Preis- Für Oelfaaten erscheinen die für den Herbst festgesetzten herabfegungen verlangt, Sturm laufen wird. ,, Die Preise angemessen. Fleischerzeugung würde dadurch die schwersten Hemmungen 11. Unter Berüdfichtigung eines Roggenpreises bon 260 M. erfahren, während wir auch sie in Wirklichkeit nicht nur mög- ist ein Buderrübenpreis von 40 M. zu niedrig, ein solcher von Die landwirtschaftlichen Sachverständigen und wohl auch das lichst aufrechterhalten, sondern, wenigstens hinsichtlich der 50 m. ie Tonne angemessen. Der Zwang zum Anbau einer be Kriegsernährungsamt find überzeugt, daß der jenige, im Vergleich Fetterzeugung, noch zu verstärken suchen müssen. Das ist schon stimmten Fläche führt nicht zum Ziel. zum Weltmarktpreis sehr niedrige deutsche Getreide deshalb nötig, weil wir eines Tages Frieden haben werden 12. Der diesjährige Kartoffelpreis ist zur Aufrechterhaltung der preis, wenn er jo bleibt, bei Wiedereintritt normaler Friedens- und eine inzwischen erfolgte Ruinierung unserer Biehbestände Erzeugung ungenügend. In Westdeutschland steht er zum Teil zustände unsere gesamte Bolfswirtschaft in eine sehr schwere Krije die schädlichsten Folgen zeitigen müßte; ebenso aber auch im noch unter dem Friedenspreis der Winterkartoffel. In Ostdeutsch­stürzen würde. Daß die Ertragsfähigkeit des Landes durch die Hinblick auf die Möglichkeit eines weiteren Kriegswinters." land ist er zwar erheblich höher als dieser, aber er berücksichtigt Kriegsumstände erheblich beeinträchtigt wird, ist selbstverständlich. So las man gestern in einer Polemik der Deutschen nicht voll die schweren Nachteile, die dort die Ablieferung der nor­Soweil wir erfahren konnten, dürfte das Kriegser- Tageszeitung" gegen Profeffor Elzbacher, und zum Schluß malerweise zur Aufrechterhaltung der eigenen Wirtschaft erforder­nährungsamt dem Bundesrat tatsächlich eine war da gesagt, daß die Ernährungsfrage zu profefforalen lichen Kartoffeln den meisten östlichen Betrieben bringt. Ange­Breiserhöhung des Getreides vorschlagen, die Experimenten doch zu ernst geworden" set. Für die Be- messen erscheint für ganz Deutschland ein Mindestpreis von 100 m. dann natürlich auch eine Erhöhung des Brotpreises nach ratungen des Deutschen Landwirtschaftsrats und für die die Tonne im Herbst mit der Berechtigung der Landeszentralbehör­fich ziehen wird Das ist zweifellos eine bedenkliche Maßregel, au- ihnen folgende Generalversammlung des Bundes der Land- den, in Gebieten, mit besonders hohen Friedenskartoffelpreisen den mal in einer Zeit, in der das Brot wie noch niemals zubor das wirte am nächsten Mittwoch ist damit der Auftakt gegeben. Preis in angemessenen Grenzen darüber hinaus zu erhöhen. In Hauptnahrungsmittel der gewaltigen Boltsmehrheit geworden ist. ganzen Reiche ist den Landeszentralbehörden die Es müßte, wohl schon einwandfrei nachgewiesen sein, daß unsere, Regelung der Frühjahrskartoffelpreise zu überlassen. wirtschaftliche Zukunft einen solchen Schritt unbedingt erfordert, wenn die berufenen Vertreter des Volfes ihm zustimmen sollen. Liegen die Dinge wirklich fo, daß eine augenblickliche Verteuerung des allerwichtigsten Nahrungsmittels uns die Aussicht verbürgt, in Zukunft von solchen Störungen, wie wir sie in den letzten Monaten erleben mußten, befreit zu sein, dann allerdings bleibt uns nichts anderes übrig, als uns damit einverstanden zu erklären. Die Gr. Ieyrer für laniwirtschaftliche Betriebs höhung des Brotpreises dürfte, wie wir hören, sich übrigens immer- Lehre die Frage der tinftigen Preisgeftaltung beraten und hin in einer halbwegs erträglichen Grenze halten, nämlich 9 bis cine Reihe von Leitsägen beschlossen:

27

Das Gutachten

der Landwirtschaftslehrer.

13. Reichliche Gemüsepreise sind schon bei dem großen Arbeits bedarf dieser Früchte geboten. Eine Gefährdung des Anbaues an derer nötiger Früchte durch Gemüsebau ist nicht zu befürchten, im Gegenteil ist eine möglichste Ausdehnung des Gemüsebaues er­wünscht.

In den letzten Tagen haben eine Anzahl Hochschul- 14. Kohlrüben( Wruten) und Runkelrüben werden überwiegend

Inbauzwang

zur Verfütterung im eigenen Betriebe erzeugt. Ein Höchstpreis muß aber zur Bermeidung unerwünschten Wettbewerbs mit Kar­toffeln und Zuderrüben festgefeßt werden. Angemessen erscheinen folgende Preife ab hof mit der Möglichkeit der örtlichen Preis­erhöhung für bestimmte Gebiete wie bei Kartoffeln:

Bruten( Kohlrüben, Steckrüben) 30 M. je Tonne Futterrüben Futtermohren

9

25 40

er

"

"

"

"

15. Gin mäßiger Preis für die läuflichen Straft- und Er­fabfuttermittel, nötigenfalls mit Reichszuschüssen, ist nötig, um die großen Schwankungen in den Kosten der Hervorbringung der Bicherzeugnisse zu vermeiden.

10 Pf. für das Brot von 1900 Gramm Gewicht, das In diesen wird zunäost festgestellt, daß der Aufrechterhaltung heißt also für die höchentliche Brotration des einzelnen betragen. oder womöglich Vermehrung der Gesamterzeugung der Landwirt­Auf der anderen Seite ergibt sich als Konsequenz aus der Ueber- schaft durch die Knappheit der menschlichen und tierischen Arbeits­einstimmung des Kriegsernährungsamts mit diesen Leitfäßen, daß fräfte und des Kunstdüngers enge Echranten gefekt sind. Es wird die Vieh- und damit die Fleischpreise herabgesetzt werden. Und weiter verlangt, daß das Recht und die Pflicht der Kommunal­hier soll das halbe Pfund Fleisch, also gleichfalls die durch berbände, unbestelltes geeignetes Land anderiveit bebauen zu lassen, schnittliche Wochenration des einzelnen, um 10 bis 15 f. beibehalten werden muß. Gin darüber hinausgehender berbilligt werden Nach den statistischen Zahlen werden die Fleischkarten weit über 98 Proz. ausgenußt, b. H. daß doch nur ein wird wegen der Eigenart des landwirtschaftlichen Betriebes als äußerst geringer Teil des Volkes nicht in der Lage ist, die gegen verhängnisvoll abgelehnt. Es wird dann gesagt, daß die Dedung Preisen der Bodenerzeugnisse zu hoch. Dadurch ist auch eine vom 16. Die Preise für Schlachtrinder sind im Vergleich zu den wärtigen Fleischpreise aufzubringen. Es darf dabei allerdings nicht des unbedingten menschlichen Ernährungsbedarfes landwirtschaftlichen Standpunkt bedenkliche Steigerung der Preise übersehen werden, daß mehr ganz arme Leute, als dieser Zahl ent. der Ernährung der Tiere vorangehen müsse und daß unter den für Zucht- und Magervieh hervorgerufen. Da für dieses Höchst­sprechen würde, ihre Fleischtarten weitergeben, sei es gegen Be- Tieren wieder das Arbeits vieh vorgehe. Die tierische Höchst­Bahlung, sei es gegen Brotmarken, die dem Reichen leichter ent- erzeugung fönne nur durch rchtige Abgrenzung der Bahl der Tiere Preise nicht durchführbar find, kann die Minderung dieser Preise erreicht werden. Die 8ahlder Schweine müsse an die dafür nur mittelbar durch herabfegung der Schlachtviehpreise erfolgen. erreicht werden. Die Zahlder Schweine müsse an die dafür Ein verhältnismäßig hoher Preisstand ist troßdem beizubehalten, Die Entscheibang dürfte nicht lange auf fich verfügbare Futtermenge angepaßt werden. Dies soll aber nicht weil burch den Wegfall eiweißreicher Kraftfuttermittel eine starke durch Zwangseingriffe, fonden in erster Linie durch

behrlich find..

warten laffen.

fachgemäß Preisgestaltung

Verminderung und Verteuerung der Erzeugung eingetreten ist. Gegenüber dem heutigen mittleren Höchstpreis von 195 M. für den Doppelzentner erscheint ein mittlerer Preis für Schlachtrinder von 165 M. angemessen.

Zu dieser Berechnung ist zu bemerken, daß sich Brot- und Fleischpreise für die, die Fleisch noch faufen können, aus aller Erzeugnisse des Bodens und der Tierhaltung erreicht werden. gleichen mögen, daß aber die Brotpreiserhöhung doch nicht Die jeßige Preisgestaltung habe sich in ber­die einzige Erhöhung ist, die uns droht. Eine ent- hängnisvoller Richting entwidelt, und zwar sprechende Erhöhung der niedrigen Ein- deshalb, weil man bei tiedriger Breisfestlegung Gründen zu hoch. Da die Schafhaltung, insbesondere des bring­

17. Die Preise für Schlachtschafe find aus den gleichen