Nr. 167. 84. Jahre.
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Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.
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Donnerstag, den 21. Juni 1917.
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verschiedenheit.
Stockholm , 19. Juni. ( Eig. Drahtbericht d.„ Vorwärts".) Der französische Munitionsminister Albert Thomas äußert sich im hiesigen Sozialdemokraten" über das Memorandum der deutschen Delegation in einem längeren Artikel, in dem er in der Hauptsache folgendes ausführt:
„ Das Schriftstück der deutschen Sozialdemokratie kann ich nicht unbeantwortet lassen und ich glaube, daß mein persönlicher Eindruck von der Mehrheit meiner Freunde geteilt wird. Bei der Lektüre dieses Manifestes war ich bestürzt und über die Friedensaussichten sehr beunruhigt.
gestört
Mehrheit eröffnete Aussicht auf Grenzberichtigungen nicht gef Der Stand der
werden.
der Viehhaltung.
Bon Robert Schmidt.
Weil es notwendig ist, die Welt barüber aufzuklären, wo das Secht liegt, ist es unmöglich, auf eine internationale Stonferenz zu gehen, ohne daß die Schulbfrage borgelegt wird. Die As die Ergebnisse unserer legten Bestandsaufnahme über Deutschen berufen sich auf die Pflicht der Landesverteidigung; aber die Getreidevorräte das Kriegsernährungsamt veranlaßten, die Internationale hat ihnen die Pflicht auferlegt, die Kriegs- die Brotration herabzusehen, konnte als Ersatz ein größeres ursachen zu untersuchen und ihre Regierung, die den Angriff unter- Quantum Fleisch geboten werden. Die Erhöhung der nommen hatte, zu beseitigen. Die Deutschen glauben an eine Ab- Fleischration wurde dadurch möglich, daß in der voraufrüstung der Herzen und der Gewissen und an einen Friedenstag gegangenen Periode durch eine starke Herabdrückung der unter dem Drucke der alten sozialistischen Ideen und der Liebe der Schlachtung die Viehbestände einen verhältnismäßig guten Völker zum Frieden. Aber keine andere Versöhnung ist möglich, Stand aufwiesen. Insbesondere galt dies von unseren als durch die Annahme des allgemeinen Rechtsprinzips. Es gibt Rindbiehbeständen. Während wir im Jahre 1913 für die Entente feinen Frieden als den Rechts- 20 994 000 Stück Rindvieh in Deutschland zählten, war diese frieden. Zahl am 1. März 1917 auf 21 336 000 gestiegen. Die Zahl der Kühe und Fersen ist allerdings von 11 321 000 auf 10 714 000 zurückgegangen, aber ein Bestand, der unter der Kriegswirtschaft ein sehr erfreuliches und befriedigendes Resultat bot. Ungünstiger sah es mit den Schweinebeständen aus, die aber auch noch am 1. Dezember 1916 rund 17 000 000 zählten, gegenüber 21 bis 22 000 000 zu Friedenszeiten. Berücksichtigt man die enorm großen Schwierigkeiten, die uns bei dem Fehlen der ausländischen Futtermittel in der Viehhaltung entstehen mußten, so bot der Viehstand ein überraschend gutes Resultat. Die Möglichkeit, ohne Bedenken größere Eingriffe vorzunehmen, war für den Notfall einwandfrei gegeben.
Nach den deutschen Geflärungen habe ich meinen 8 weifel, Ich hatte oft bei früheren Kongressen, und auch während des ob es einen Sinn hat, zur Konferenz zu geben. Aber Krieges, den Eindruck, daß die Dentart der deutschen Sozialdemo- es ist unsere Pflicht, unseren Standpunkt vor aller Welt klar zu fraten von der unsrigen verschieden ist; aber niemals hätte ich ge- machen und ihn zu propagieren. Wenn die deutsche Erklärung dacht, daß die Verleugnung der gemeinsamen Prinzipien in so zeigt, daß die deutsche Demokratie den Frieden noch weiter bev scharfes Licht geraten würde. Ich anerkenne den guten Glauben zögern will, ftatt ihn zu fördern, so macht das unsere Pflicht noch der Deutschen und den Umstand, daß sie jest Dinge akzeptieren, flarer. denen gegenüber sie sich früher zurückhaltend verhielten, wie die Schiedsgerichte und die Kontrolle der Diplomatie. Die Kritik, die Albert Thomas an der deutschen DentDazu ist aber notwendig, daß sie selbst eine wirtItch schrift übt, zeigt, wie groß die Meinungsverschiedenheiten sind, tonstitutionelle Regierungsform einführen. die überbrückt werden müssen. Wir lassen uns nicht mehr mit Phrasen abspeisen. Ich anerlenne, daß bei ihnen guter Wille vorhanden ist, und gehöre nicht zu den jenigen, die bei den Deutschen an ein abgefartetes Regierungs manöver glauben. Uebrigens ist das Auftreten der deute schen Sozialdemokraten ihrer Regierung und den Altdeutschen gegenüber sehr bescheiden. Ihre Forde rung bezüglich der Freiheit der Meere und des Verbots bestimmter Kriegsmittel ist weniger dem internationalen Rechtsgefühl entsprungen, als der Enttäuschung über das Versagen deutscher Weltherrschaftspläne. Im Memorandum findet man feinen Protest gegen die Anwendung solcher Kriegsmittel durch Deutschland selbst, ja sogar die Kriegführung in Belgien und Frantreich findet hier eifte Rechtfertigung.
Wir versagen es uns für heute, auf die Einzelheiten dieser Kritik einzugehen, und möchten nur folgendes bemerken: Was Für unsere Stellung in der Ernährungsfrage tam aber Thomas als Ergebnis des Krieges vorschwebt, das ist ein weiter in Betracht, daß bei dem Mangel an Brotgetreide wir ( vielleicht auch mehr französisch als international gedachter) in größerem Maße auf Nährmittel aus Gerste und Hafer idealer Rechtszustand. Was die deutsche Denkschrift zurüdgreifen mußten: Hier mußte bei einem großen Viehanstrebt, das ist ein realpolitischer Versuch, die Schwierig bestand die Gefahr bestehen, daß diese so wichtigen vegetabilen feiten, die dem Frieden im Wege stehen, zu beseitigen und zu- Nährmittel durch eine große Viehhaltung gegenwärtig nicht gleich einem idealen Rechtszustand näher zu kommen. mehr rationell ausgenutzt werden, denn bei der VerDer Krieg war nie ein Mittel und wird nie ein Mittel wendung von Gerste zur Aufzucht der Schweine gehen sein, die absolute Gerechtigkeit herzustellen. Er fennt fein ungefähr vier Fünftel des Nährgehalts verloren, nur anderes Recht als das Recht des Siegers. Schließt er aber ein Fünftel gewinnen wir im Fleisch und Fett wieder. ohne entscheidenden Ausgang, dann kann der Frieden nur der Die großen Schweinebestände haben uns ferner bei der unAusdruck eines gegebenen umentschiedenen Kräfteverhältnisses günstigen Kartoffelernte in große Schwierigkeiten gebracht, Wenn die Deutschen mit einem getvissen Recht unsere Maß- sein, nicht aber die Verwirklichung eines vollkommenen Rechts- denn es besteht kein Zweifel, daß unsere große Bedrängnis nahmen für einen fünftigen ökonomischen Kampf, der unter Um- ideals. in der Kartoffelversorgung auf das Verfüttern großer Mengen ständen schwerer als die Besetzung eines Territoriums wirken kann, Wir wollen uns nicht der Lüge schuldig machen, daß ein Kartoffeln zurückzuführen ist. fritisieren, so sollte Deutschland auf der anderen Seite gleichfalls Sieg Deutschlands den Sieg der absoluten Gerechtigkeit sichern Beim Kriegsernährungsamt sind Erwägungen im Gange, Garantien gegen strupellose Handelsmethoden würde. Aber auch Thomas sollte anerkennen, daß ein Sieg ob es möglich sein wird, diese Eingriffe in die Viehhaltung geben. Bezüglich der russischen Friedensformel sage der Entente nichts dergleichen bedeuten würde. In beiden weiter fortzusehen, oder ob nicht bei einer erhöhten ich: Auch die Deutschen verlangen einen Frieden ohne Annexionen Fällen hätten die Sozialisten, die guten Willens find, schwere Brotration, die uns beim Einbringen der Ernte in Ausund Entschädigungen. Das beweist, wie gerechtfertigt unsere Forde- Mühe, zu verhindern, daß aus dem Sieg neues Unrecht ent- sicht steht, wieder zu dem alten Zustand zurückgekehrt werden rung an die Russen war, ihre Friedensformel genauer zu präzi- fteht. tann. Ein endgültiges Urteil über die Frage wird man dann fieren. Damit haben die Russen begonnen, wenngleich noch UnWir sind gerne bereit, von Thomas gute Lehren darüber gewinnen können, wenn die Ergebnisse der Viehzählung flarheiten bestehen bleiben. Was die Deutschen uns vor- anzunehmen, inwiefern wir unbewußt im Imperialismus vom 1. Juni dieses Jahres bekannt sind. Das Kriegsschlagen, das ist der Stand wie vor dem Kriege, modifiziert befangen sind, möchten ihm aber gerne als Gegenleistung ernährungsamt hat in einer der letzten Sigungen. durch die Kriegskarte. Welch sonderbare Theorie ist es, daß eine fagen können, warum er uns als unbewußtes Werkzeug einer des parlamentarischen Beirats für Voltsernährung den Frage des nationalen Rechts erst durch militärische Operationen chauvinistischen Bourgeoisie erscheint. Am fruchtbarsten wäre Wunsch ausgesprochen, daß eine fleine Kommission aktuell wird? Welch sonderbare Unterscheidung ist es zwischen den natürlich der Weg direkter Aussprache, der jedoch nicht be- aus dieser Vertretung sich selbst informiert über die Zustände deutschen Kolonien, die völlig zurückverlangt werden, und den höher schritten werden kann, da die französische Regierung, der in der Landwirtschaft, die durch die größere Abgabe von Vieh zivilisierten Ländern, wie Tibet , Marokko ustv., wo der Krieg teine Thomas als Mitglied angehört, ihn gesperrt hat. herbeigeführt wurden. Das Ergebnis dieser Reise soll hier in militärischen Veränderungen hervorbrachte? Die deutschel einigen furz zusammengefaßten Betrachtungen niedergelegt werden. Der erste Teil der Reise ging durch Posen, durch einen fleinen Teil Westpreußen , Provinz Brandenburg , Sachsen , Schleswig- Holstein , Königreich Sachsen und Thüringen . Die zweite Reise, die noch in Aussicht steht, ist nach Süd deutschland gerichtet.
Mehrheit will alſo erſtens nicht aurüdgeben, was Deutsch . Der Fall Hoffmann- Grimm.
land genommen hat, zweitens will sie, daß Deutschland zurüdbekomme, was es im Kriege verloren hat; drittens will sie offupierte Länder wie Polen und sogar nicht offupierte Bänder Losreißen.
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ist abhängig von Weidewirtschaft, Verfütterung der Abfälle Die Viehwirtschaft ist in Deutschland keine einheitliche, sie aus Zucker- und Spiritusfabriken und dem Anbau von Futterrüben und Klee. In einigen Bezirken ist in Friedenszeiten Die auch viel Getreide für die Aufzucht verwendet.
Posen zeigte das tüpische Bild der Großbetriebe mit
Man ist über soviel unbewußten Imperialismus Agentur.) Am Dienstag abend beschloß eine Boltsversammlung in Bern , 20. Juni. ( Meldung der Schweizerischen Depeschenbestürzt. Aber die Bentralfrage ist die Selbst besti m Genf von ungefähr 15 000 Personen, eine Versammlung des Bundesmung der Völker, wofür den Deutschen das Verständnis an- rats zu verlangen, um Kommissäre einzusetzen, welche die Berantscheinend fehlt. Man fragt uns, ob wir wegen Elsaß- Lothringen wortlichkeiten in der Angelegenheit Hoffmann festsetzen sollen. das Kriegselend verewigen und den Dauerfrieden opfern wollen. Bersammlung verlief sehr ruhig. Danach jedoch begaben sich Gruppen Das beweist, daß man unseren Standpunkt nicht versteht. Wenn von Kundgebenden vor das deutsche Generalkonsulat und versuchten, geringer Biehhaltung, die im Winter gute Stallfütterung entdie Sozialisten und Demokraten in der ganzen Welt dieser Frage das Konsulatsschild herunterzureißen. Die Polizei schritt aber ein behrte und mit wenigen Ausnahmen den Eindruck einer nicht gleichgültig gegenüberstehen, so darum, weil sie das Prinzip und nahm das Schild herunter, das auf dem Polizei- schlechten Wirtschaft bot. Nur in einigen kleinen Betrieben der Selbstbestimmung in schärfster Form aufgestellt haben. Behandlung der elsässischen wie der polnischen posten in Sicherheit gebracht wurde. Die Kundgebenden gingen der Ansiedler, die einen recht günstigen Eindruck machten, Frage zeigt, wie sehr die deutsche Sozialdemokratie im preußischen Fenster eingeworfen wurden. Polizisten und Agenten langten in werden. Besser gestalteten sich nach Westpreußen hinvor das österreichisch ungarische Konsulat, wo fonnte eine bessere Pflege und Aufzucht des Viehes beobachtet Militarismus befangen ist und alle seine Argumente benutzt, da sie Kraftwagen an und zerstreuten rasch die Menge in der Umgebung über, besonders in der Gegend der Nezeniederung, die Viehin der elsässischen Frage Bismards Rassen- und Sprachenprinzip des Konsulats. Mehrere Berhaftungen wurden vorgenommen. bestände auf den großen üppigen Weiden. Hier verschwand
und die Gewalt an die Stelle des Freiheitsprinzips sett.
Die
Es folgen längere Ausführungen über die Frage von Elsaß - Andere Kundgebungen fanden vor dem türkischen Konsulat sehr bald das abgemagerte Vieh, das im Winter mühsam durchLothringen mit Berufung auf die Haltung von Marg, Bebel statt. Die Gendarmen zogen blank, luden die Waffen und schoffen gehalten war. In der Provinz Brandenburg sind die Kreise einige blinde Schüsse ab. Mehrere Polizisten und Westhavelland und Ruppin Bezirke der Milchversorgung für Was Polen betrifft, so verlangt die deutsche Mehrheit nur und gebende sind leicht verwundet, 18 Personen Berlin . Es handelt sich hier vielfach um Betriebe, die
und Liebknecht im Jahre 1870. die Selbständigkeit des russischen Teils und begreift nicht, was im Alter von 16 bis 18 Jahren verhaftet worden. eine Art Abmelfwirtschaft treiben, weniger Vieh aufziehen, nationales Recht ist. Sicherlich müssen auch die AlIi= und sich fast ausschließlich der Milchproduktion widmen. ierten ihre alten Ueberlieferungen revidieren. Kopenhagen , 20. Juni. ( Eig. Drahtbericht des Borwärts".) Unsere Fleischversorgung hat dazu geführt, daß langsam beEreignisse wie die russische Revolution und der Eintritt Nord- Der schweizerische Nationalrat Robert Grimm ist über Stockholm amerikas in den Krieg legen ihnen die Pflicht zur genauen Durch aus Petersburg hier angekommen. Er weigert sich augenblicklich, ficht ihrer Kriegsziele auf. Aber die Alliierten verstehen auch, daß sich über seine Angelegenheit auszusprechen, teilt aber mit, daß er solche im Geifte der Freiheit vollzogenen Revisionen ihre Sache nur am Donnerstag eine Erklärung über seine Mission in RußStärken fönnen. Dieser Prozeß tann durch die von der deutschen land veröffentlichen werde.
reits in diese Milchviehbestände eingegriffen wurde. Die Be denklichkeit dieser Moßnahme wird man nicht von der Hand weisen fönnen, sofern es sich um Kühe handelt, die noch einen guten Milchertrag aufweisen. Troß des Fehlens an Kraftfutter ist hier vielfach der Milchertrag erheblich gestiegen, die