Nr. 176. 34. Jahrg.
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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Bertin".
Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.
Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
Sonnabend, den 30. Juni 1917.
Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. ferniprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
Neuer englischer Unsturm gegen den Lens- Bogen gescheitert.
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An der Arras Front heftige Kämpfe zwischen dem La Baffée- Kanal und der Scarpe Zahlreiche englische Angriffe verlustreich gescheitert Geringer feindlicher Gewinn bei Oppy- Gavrelle Deutsche Sturmerfolge östlich Ceruh und links der Maas .
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Amtlich. Großes Hauptquartier, den 29. Juni 1917.( 2. Z. B.)
Westlicher Kriegsschauplah. Heeresgruppe Kronprinz Ruppre& t
In Flandern war nur in wenigen Abschnitten die Feuertätigkeit lebhaft.
Heftige Kämpfe spielten sich gestern zwischen La BafféeKanal und der Scarpe ab.
In dem seit längerer Zeit von uns als Kampfgelände auf. gegebenen, in den Feind vorspringenden Raum westlich und südwestlich von Lens wurde ein frühmorgens längs der Straße nach Arras vorbrechender Angriff starker englischer Kräfte zum Luftstoß.
Abends griffen mehrere Divifionen zwischen Hulluch und Méricourt und von Fresnoy bis Gavrelle nach Trommelfeuer an.
Bei Hulluch sowie zwischen Loos und der Straße-LensLiévin wurde der Feind durch Feuer und im Gegenstoß zurückgetrieben. Westlich von Lens tam nach heftigen Kämpfen mit unseren Vorfeldtruppen ein neuer Angriff des Gegners nicht mehr zur Ausführung. Bei Avion scheiterte sein mit besonderem Nachdruck geführter erster Ansturm völlig. Hier griff er erneut nach Heranziehen von Verstärkungen an. Auch dieser Angriff wurde drrch Feuer und im Gegenstoß zum Scheitern gebracht.
Zwischen Fresuoy und Gavrelle nährte der Feind seine anfangs verluftreich in unserer Artilleriewirkung zusammenbrechenden Sturmwellen dauernd durch Nachschub frischer Truppen. Nach erbitterten Nahkämpfen festen sich die Engländer zwischen Oppy und der Windmühle von Gavrelle in unserer vordersten Linie feft.
Unsere Truppen haben sich vortrefflich geschlagen; der Feind hat in der gut zusammenwirkenden Abwehr und im Kampf Mann gegen Mann hohe blutige Verluste erlitten.
Heeresgruppe Deutscher Kronpring. Am Chemin des Dames hatteen bei Fort de Malmaison, südlich von Courteron und südöstlich von Ailles örtliche Borstöße,
Die russische Konstituante einberufen.
Festsetzung des Wahltermins.
Petersburg, 29. Juni. Meldung der Betersburger Telegraphen- Agentur. Am 27. Juni hat die vorläufige Regierung einen Erlaß veröffentlicht, der den Zusammentritt der verfaffunggebenden Versammlung auf den 13. Oktober 1917, die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung auf den 30. September 1917 festsetzt.
Deutsche Kreise für Verständigung mit dem Westen.
Erklärung von W. T. B.
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öftlich von Cerny ein größeres Unternehmen westfälischer Regimenter vollen Erfolg. Hier wurde die französische Stellung in über 1000 Meter Breite und ein zähe verteidigter Tunnel gestürmt und gegen heftige Gegenangriffe gehalten. Im ganzen find bei diesen Kämpfen über 150 Gefangene und einige Maschinengewehre eingebracht worden.
Auf dem Weftufer der Maas kam ein sorgfältig vorbereiteter Angriff am Westhang der Höhe 304 zur Durchführung. Nach furzer Feuervorbereitung nahmen posensche Regimenter in fräftigem Anlanf die französische Stellung beiderseits der Straße Malancourt- Cones in 2000 Meter Breite und 500 Meter Tiefe. Bald vinfeßende feindliche Angriffe wurden vor den gewonnenen Linien zurückgeschlagen.
Heute früh stürmte ein württembergisches Regiment im Walde von Avocourt einen 300 Meter breiten Stellungsteil der franzöfifchen Befestigungen.
Wieder find an beiden Einbruchsstellen über 550 Gefangene gezählt worden; die Beute steht noch nicht fest.
Heeresgruppe Herzog Albrecht. Reine besonderen Ereignisse.
Auf dem
und an der
Deftlichen Kriegsschauplah Mazedonischen Front
ift die Lage unverändert.
Der Erste General quartiermeister. Lubendorff.
Abendbericht.
Berlin , Amtlich, 29. Juni 1917, abends.
Im Westen keine größeren Kampfhandlungen. Im Osten löste gesteigerte Angriffstätigkeit der russischen Artillerie zwifchen Strypa und Dujestr unsere starke Gegenwirkung aus.
Der österreichische Bericht. 28ien, 29. Juni 1917.( W. 2. 8.) Amtlich wird verlautbart: Deftlicher und füdöstlicher Kriegsschauplah. Außer erhöhter Gefechtstätigkeit in Galizien nichts zu melden.
Italienischer Kriegsschauplah. Stdöftlich von Görz und im Plöckenabschnitt war bas feindIfche Artilleriefeuer lebhafter. Der Chef des Generalstabes.
Kreise zur Berständigung betonende Stelle dem kriegsmüden französischen Bolke vorenthielt, liegt auf der Hand
Der Grund, warum diese Geneigtheit in so schüchternoffiziöser Form und nicht in einer offenen Erklärung der Regierung zum Ausdruck gebracht wird, liegt nicht auf der Hand.
für die europäischen Neutralen. Der Kampf der Yankees um die Freiheit der Welt nimmt
Einheitliche Sozialpolitik!
In dem Aufsatz des„ Vorwärts"" Neuorganisation der Sozialpolitik"( Nr. 173 vom 27. Juni) ist die Vereinheitlichung der Arbeitsgesetzgebung als Grundforderung einer neuen Sozialpolitik proklamiert worden. Diese für das gesamte Arbeiterleben so überragend wichtige Frage bedarf noch einiger näherer Ausführungen.
Die Neugestaltung der Arbeitsgefeßgebung soll sich nicht auf die rein äußerliche Zusammenlegung aller Arbeitsgefeße zu einem allgemeinen Koder der Arbeit erstrecken - auf solche Aeußerlichkeiten kommt es recht wenig an-, sondern sie soll die Arbeitsgesetzgebung in ihren Rechtsgrundlagen und ihrem Aufbau nach einheitlichem Geiste ordnen, gleiche Rechtsgrundsäße für den Arbeiter im Gewerbe wie im Bergbau, am Lande wie auf See zur Anerkennung bringen. Man braucht nur auf die grundverschiedene Stellung des Arbeiters in der Gewerbeordnung, des Dienstverpflichteten im Bürgerlichen Gesetzbuch, des Seemanns in der Seemannsordnung, des Dienstboten in den Gesindeordnungen, der Pribatangestellten usw. hinzuweisen, um die Notwendigkeit eines einheitlichen Arbeitsrechts zu begründen.
Dieses einheitliche Arbeitsrecht kann natürlich nicht alle Arbeiter- und Angestelltengruppen über den gleichen Kamm scheren, es muß den besonderen Berufsverhältnissen ebenso Rechnung tragen, wie es auf die verschiedenen Geschlechter und Altersstufen Rücksicht nehmen muß. Es muß aber dafür sorgen, daß Gleiches auch gleich behandelt wird und daß der Rechtsunsicherheit und Rechtszersplitterung, wie ste heute zum Nachteil der Arbeiter und Angestellten besteht, ein Ende gemacht wird.
Im besonderen soll das einheitliche Arbeitsrecht den Entwicklungsgedanken zum Ausdruck bringen, daß die Rechtsbildung von unten auf, aus dem vielverzweigten wirtschaftlichen Leben, aus den Arbeitsverhältnissen heraus erfolgt, und daß es gilt, die in der Volkswirtschaft tätigen Kräfte der Unternehmer und Arbeiter zur Mitwirkung heranzuziehen. Das darf sich nicht auf die Rechtsprechung beschränken, sondern soll auch auf die Rechtsentwicklung, auf die schöpferische Weiterentwicklung und Neugestaltung des Rechts ausgedehnt werden.
Schon der Hinweis auf die Bedeutung der Tarifverträge für die Umwandlung des Arbeitsrechts muß genügen, um die Bedeutung dieser Forderung plausibel zu machen. Die Träger dieser Rechtsentwicklung sind die Organisationen der Unternehmer, Angestellten und Arbeiter, die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, die schon jetzt in der Ausprägung der Rechtsgrundsäße für die Ordnung der Arbeitsverhältnisse ihrer Gewerbe Bedeutendes geleistet haben und nachmals zu Größerem berufen sein werden, wenn der Zentralisationsgedanke erst allgemein im Tarifwesen vorherrschend sein wird. Die Formen, unter denen die Mitwirkung der Organifationen in der fünftigen Arbeitsgesetzgebung zu erfolgen hat, find gegeben in der Schaffung öffentlich- rechtlicher Vertretungen durch Kammern mit den entsprechenden Befugnissen an der Vorbereitung und Durchführung sozialpolitischer Geseze und Maßnahmen mitzuwirken, und in der Einsetzung amtlicher Organe, in denen die Vertreter der Arbeitgeber, Angestellten und Arbeiter an der Ausführung der Geseze beteiligt werden.
Das Unternehmertum in Industrie, Handel und Gewerbe, Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der der Bereinigten Staaten über die Einfuhrgüter, die bisher aus den Handwerk und Landwirtschaft besitzt seit Jahrzehnten eine geDie„ Agence Havas" verbreitet den Inhalt einer langen fort. Während die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit mit nissen der Selbstverwaltung und sozialpolitischen Mitwirkung. Vereinigten Staaten nach den neutralen Ländern gingen, schreiten eignete Vertretung in Kammern mit weitgehenden BefugUnterredung des vormaligen Geschäftsträgers ben neutralen Ländern unbeschränkten Handel trieben ohne Rück- Nur der Arbeiterklasse hat man eine eigene Vertretung seither von Haiti in Berlin , Herrn Fouchard, mit dem Genfer ficht auf die letzte Bestimmung der Ware, verlautet jekt, daß die versagt, und zwar gerade deshalb, um den Einfluß der OrBerichterstatter der„ Daily News" über die Lage in Deutsch - amerikanische Regierung nunmehr von der britischen Re- ganisation auszuschließen, der allen übrigen Kammern erst land. Bei der Wiedergabe der Meldung im" Temps" vom gierung aufgefordert worden ist, die gleiche al die wirksamen Kräfte in stetiger Erneuerung zuführt. Dem 27. Juni find die fünf dem Satzen deutschen amtlichen ung einzunehmen, zu der die alliierten Regie- Handwerk verhalf man sogar zur Zwangsorganisation, um Streisen weist man verächtlich alle Anspielungen auf Ab- nämlich, daß die an Deutschland angrenzenden Länder nur diejeni lebensfähige Gebilde in Handwerkskammern zu erhalten; Ab- rungen nach drei Kriegsjahren gekommen tretung von Elsaß- Lothringen zurüd" folgende Zeilen gen Waren empfangen sollen, die für ihren eigenen Berbrauch un- den Arbeitern verweigerte man die Anerkennung der von der Zensur nachträglich ausgemerzt worden. bedingt notwendig feien. Wahl von Gewerkschaftsangestellten als Die ausgemerzte Stelle lautet: Mit Recht schreibt Svenska Dagbladet" zu den Nachrichten Kammervertreter. Nachdem indes die leitenden Gleichzeitig beobachtete ich aber unter den großen Finanziers von Wilsons beabsichtigter Kontrolle über die neutrale Einfuhr: Mit Regierungsvertreter während des Krieges wiederholt beund leitenden Kaufleuten die Bereitwilligkeit für einen Versuch, immer wachsendem Staunen beobachtet man in neutralen Ländern tont haben, daß ohne die Gewerkschaften unser Wirtmit Frankreich über diese heifle Frage zu einem Vergleiche dieses erste. Ergebnis des offenen Eingreifens der großen Republik schaftsleben gar nicht denkbar wäre, und der Bundesrat auch zu tommen. Diese Leute sind geneigt, die Regierung zu in den Kampf für Recht und Sicherheit der kleinen Nationen, und hinsichtlich der Fachausschüsse der Heimarbeiter ausdrücklich veranlassen, Frankreich einen Teil Lothringens an man fragt sich in Schweden wie in Holland , in Dänemark wie in die Zulassung von Gewerkschaftssekretären anerkannt hat, erzubieten unter der Voraussetzung natürlich, daß Frankreich Norwegen , wie es sich erklären läßt, daß das, was jest geschieht, das warten wir, daß die Forderung nach Arbeiterkammern endlich foloniale Entschädigungen gewährt. Es mag für die Entente Ergebnis der Bearbeitung vonseiten der englischen Regierung ist. in einer Weise, die jede Beschränkung und Bevormundung Vorstellungen lächerlich flingen, aber ich habe Grund zur An- Mit Unruhe fragt man sich, was für weitere Sorgen die neuen Maß- ausschließt, erfüllt wird. nahme, daß in der Formel keine Annexionen, keine Entnahmen für die Neutralen mit sich bringen werden. Schon jett Diese Arbeiterkammern sollen allgemeine Arbeiterverschädigungen“ wirklich die deutsche amtliche Idee des Friedens herrscht ja in bezug auf Lebensmittel und Rohstoffe in den neu- tretungen sein, nicht nur solche einzelner Berufe, und das gezusammengefaßt ist. tralen Ländern böser Mangel. Jede weitere Einschränkung drüdt famte Gebiet der Sozialpolitik soll ihr Arbeitsbereich bilden. Das Wolffsche Telegraphenbureau weist auf diese Zensur- der ganzen Sache unbedingt den Stempel auf, daß die be- Die Bezirke für solche Kammern dürfen nicht zu klein begrenzt tat hin und bemerkt erklärend: schlossenen Schritte der Vereinigten Staaten werden; sie müssen mindestens das Wirtschaftsgebiet eines Der Grund, warum die Zensur der Herren Poincaré und Ribot etwas anderes bezweden, als was offiziell ange- mittleren Bundesstaates oder einer preußischen Provinz undie fragliche, die Geneigtheit einflußrcier deutscher geben wird faffen. Für die lokale Selbstverwaltung sind besondere sozial