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Nr. 228. 34. Jahrg.

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Sozialdemokrat Berlin ".

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

5 Pfennig

Der Anzeigenpreis beträgt f. die siebengespaltene Kolonel. geile 60 Bfg. Kleine Anzeigen", bas fettgebrudte Wort 20 fg.( zu lüssig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%- Familien Anzeigen 50 Pfg., politische u. gewerkschaftliche Vereins Anzeigen 40 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Lindenstraße 3, ab= gegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.

Dienstag, den 21. August 1917.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Die Schlacht bei Verdun .

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Abflauen des Kampfes in Flandern Die Infanterieschlacht bei Verdun ent­brannt 16 Flugzeuge, 4 Fesselballone abgeschossen

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Das Ditoztal erobert 3700 Gefangene, 30 Maschinengewehre in Rumänien eingebracht. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 20. Auguft 1917.( W. Z. B.)

Westlicher Kriegsschauplah.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Auf dem flandrischen Schlachtfeld blieb nach dem Scheitern der englischen Frühangriffe südlich von Langemard der Feuer­kampf an Stärke erheblich gegen die Vortage zurüd.

Jm Artois war die Artillerietätigkeit nur nordwestlich von Lens start. Mehrfach wurden englische Erkundungsabteilungen zurückgewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die Schlacht vor Verdun hat heute früh auf beiden Maas­ufern vom Wald von Avocourt bis zum Canrières- Walde ( 23 Kilometer) mit starten Angriffen der Franzosen begonnen.

Der Artilleriekampf dauerte gestern tagsüber und die Nacht hindurch ununterbrochen in äußerster Heftigkeit an; heute morgen ging stärkstes Trommelfeuer dem Angriff der Infanterie boraus.

Die Franzosen besetzten lampfloß den Talon- Rüden öftlich her Maas , der seit März d. J. als Berteidigungslinie aufge­geben und nur durch Posten besetzt war. Diese sind im Laufe des gestrigen Tages planmäßig und ohne Störung zurüdgenommen worden.

An allen übrigen Stellen der breiten Schlachtfront ist der Rampf in vollem Gange.

16 feindliche Flugzeuge und vier Feffelballone find gestern zum Absturz gebracht worden. Leutnant Gontermann schoß drei Feffelballone und ein Flugzeug ab und erhöhte damit die Zahl feiner Luftfiege auf 34; Offizierstellvertreter Bizefeldwebel Müller blieb zum 23. und 24. Mal Sieger im Luftkampf.

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Deftlicher Kriegsschauplah.

Front des Generalfeldmarschal18 Prinz Leopold von Bayern

Nichts Neues.

Front des Generalobert Erzherzog Joseph

Bei Grosesci am Ojtoz und westlich von Dena wurden Russen und Rumänen durch österreichisch- ungarische und deutsche Truppen erneuert geworfen. Weiter nördlich keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplah.

Unsere tapfere Isonzo - Armee stand gestern wieder in er­bittertem Ringen gegen ihren an Zahl weit überlegenen Feind. Der Erfolg des Tages war unser. Während sich der Gegner zwischen Tolmein und dem Krn mit einzelnen Teilvorstößen be­gnügte, brandeten abwärts der Auzza bis an die Meerest üst e die Sturmwellen italienischer Massen­angriffe gegen unsere Stellungen. Oberhalb Canale ge­langten, von stärkster Artilleriewirkung unterstützt, die Italiener bis auf die Höhe von Vrh. Dort warfen sich dem Feinde die Egerländer Helden entgegen und drängten ihn auf den Hang zurück. Bei Descla und Vodice, auf dem Monte Santo und dem Monte Gabriele, im Hügellande östlich und westlich von Görz, überall wurde mit größter Erbitterung gerungen, ohne daß es den Italienern gelang, einen Fußbreit Boden zu gewinnen. Die Braven des Wiener Landsturms und des österreichischen Landsturm- Regiments Nr. 51 fanden hier erneut Gelegenheit, von ihrer oft bewiesenen Kriegstüchtigkeit Zeugenschaft abzulegen. Zwischen der Wippach und dem Faiti- Hrib zerschellten die feind­lichen Angriffskolonnen an dem eisernen Widerstand bewährter alpenländischer Schüßen- Regimenter. Krainer Gebirgsschüßen deckten hier heimatlichen Boden.

Auch auf der Karsthochfläche tobte die Schlacht in größter Heftigkeit. Wogt südwestlich von Costanievica noch der Kampf im Zwischengelände der ersten Stellung hin und her, so ist sonst überall der Feind vollends über die vordersten Linien geworfen. Der 19. Auguft brachte uns über 3000 Gefangene ein. Die blutigen Verluste der Italiener find groß.

Feindliche Monitore beschossen die offene Stadt Trieft. Es­wurden mehrere Einwohner getötet.

Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden, wo die Italiener im Juni schwere, aber ergebnislose Angriffe unter­nommen haben, räumte der Feind vorgestern nördlich von Afiggo in 15 Kilometer Breite seine auf italienischem Boden befindlichen Stellungen. Gestern wich er aus dem Sugana­Tal zurüd.

Unverändert.

Balkan - Kriegsschauplak.

Der Chef des Generalftabes.

Politische Elefantenjagd.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß man wilde Elefanten mit Hilfe von zahmen fängt. Erfolgt der Elefantenfang, wie das in Indien oft der Fall ist, in Staatsregie, so nennt man diese zahmen Elefanten auch Regierungselefanten.

Der englische Elefartenjäger Tennent gibt uns eine sehr anschauliche Darstellung des Vorgangs. Sind die wilden Elefanten erst in die riesige Falle, den Korral, hineingetrieben, dann treten die Regierungselefanten in Aftion. Sie nähern sich den freien Kameraden des Urwalds mit liebenswürdiger Gebärde, streicheln ihnen mit dem Rüssel den Rücken und zeigen ihnen, wie man sich als zukünftiger Re­gierungselefant zu benehmen hat. Das Experiment ist meist binnen fürzester Frist von Erfolg gekrönt. Tennent gedenkt in seinen Aufzeichnungen mit lebhafter Dankbarkeit zweier seiner rüsseltragenden Helfer, von denen er schreibt:

,, Einer von ihnen war von ungemeinem Alter und schon seit mehr als einem Jahrhundert im Dienst erst der nieder­ländischen, dann der englischen Regierung. Der andere, namens Siribeddi, war etwa fünfzig Jahre alt und durch sanftes und gelehriges Wesen ausgezeichnet. Siribeddi war eine vollendete Sirene, und eine solche Jagd war ganz nach seinem Geschmack."

Wenn jezt im Hauptausschuß des Reichstags das Fazit des letzten Regierungswechsels gezogen wird, sollen die Herren Abgeordneten an die Jagdgeschichten des Elefanten­jägers Tenent denken. Denn Barlamentarier fängt man jetzt in Deutschland genau nach derselben Methode wie Ele­fanten in Indien . An Stelle des parlamentarischen Systems haben wir das System der parlamentarischen Regierungs­elefanten bekommen, und mit seiner Hilfe soll der Reichstag , der zornig nach neuen Rechten trompetete, zahm und gelehrig gemacht werden.

Was man als einen schüchternen Anfang zur Parla­mentarisierung" hinstellen wollte, ist in Wirklichkeit das gerade Gegenteil des parlamentarischen Systems. Das parlamenta­rische System verlegt das Schwergewicht der politischen Ent­scheidungen in das Parlament, es macht Sein oder Nichtsein der im Amte befindlichen Regierung von der Abstimmung der Volksvertretung abhängig. Sein Wesen ist die stolze Selb­ständigkeit des Parlaments, das politische Macht verleiht, nicht aber als Ganzes oder in einzelnen seiner Mitglieder von einer anderen Stelle einen Schein von Macht empfängt, für den es dann durch desto größere Anpassung an die Wünsche

Vor der Erklärung des Reichs- biefer Stelle ſeine Dankbarkeit zu bezeigen hat.

Deutsche und österreich- ungarische Truppen warfen in kraft Dor

vollem Ansturm beiderseits des Ojtoz- Tales die zähen Wider­stand leistenden Rumänen gegen das Trotus- Tal zurück. Ein württembergisches Gebirgsbataillon zeichnete sich besonders aus. Mehr als 1500 Gefangene und 30 Maschinengewehre sind ein­bracht worden.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalle von Mackensen.

Auf dem westlichen Sereth - Ufer entspannen sich am Bahn­hof Marasesti heftige Kämpfe, bei denen mehr als 2200 Ge­fangene in unserer Hand blieben. Südlich der Rimnic- Mündung scheiterten starke russische Angriffe vor unseren Stellungen. Mazedonische Front.

Die Lage ist unverändert.

Der Erste General quartiermeister. Ludendorff.

Abendbericht.

Amtlich. Berlin , 20. August 1917, abends. Die Schlacht vor Verdun steht für uns günstig. Auf dem westlichen Maas - Ufer drang der Feind nur am Avocourt- Walde und am Toten Mann unsere Abwehrzone ein, sonst wurden seine wiederholten Stürme überall abgeschlagen.

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Deftlich der Maas ist der Geguer vor unserer Kampfstellung durchweg abgewiesen oder im Gegenstoß zurückgeworfen worden.

Rücksichtsloser Masseneinsatz der Infanterie auf mehr als 20 Kilometer Front gegen unsere kampfkräftige Ab­wehr kostete die Franzofen schwerste Verluste.

Sonst im Westen und Osten keine großen Kampf­handlungen.

Der österreichische Bericht. Wien , 20. August 1917.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart:

Deftlicher Kriegsschauplah.

Bei Marasesti brachten deutsche Truppen in heftigen Lämpfen über 2200 Gefangene ein.

kanzlers.

Heute, 9 Uhr morgens, hält der Reichskanzler mit den Vertretern der Reichstagsmehrheit eine Besprechung, deren Inhalt voraussichtlich die Stellung Deutschlands zur Friedensnote des Papstes bilden dürfte.

Gestern vereinigten sich die Vertreter der Mehrheits parteien im Reichstag zu einer Konferenz, die sich mit dem gleichen Gegenstand beschäftigte. Auch die Nationallibe­ralen nahmen diesmal teil. Die Besprechung soll heute vormittags fortgesetzt werden.

Die Frage, wen das Zentrum an Stelle des zum Minister ernannten Dr. Spahn zum Vorsitzenden des Hauptausschusses präsentieren will, ist noch nicht entschieden. Man rät aber allgemein auf Abg. Fehrenbach.

Jm Juli 811000 Tonnen versenkt.

Berlin , 20. Auguft.( Amtlich.) Im Monat Juli find an Handelsschiffranm insgesamt 811 000 Br.-Reg.-To. durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte versenkt worden.

Damit und unter Zurechnung der nachträglich bekannt ge­wordenen Kriegsverluste in der Höhe von 13 000 Br.-To. find im ersten Halbjahr des uneingeschränkten U- Boot- Krieges insgesamt 5 495 000 Br.­Tonnen

des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffsraums vernichtet

worden.

Der Chef des Admiralstabes der Marine

Ein Kanzler ist gekommen, ohne daß der Reichstag um seine Meinung über ihn befragt worden ist, und dieser Kanzler hat dann einige Abgeordnete zu seinen Gehilfen ernannt. Die haben das ihnen angebotene Amt angenommen und, soweit sie Reichstagsabgeordnete waren, ihre Man­date schleunigst niedergelegt. Ueber ihren Fraktionen schwebend werden sie doch gefällige Vermittler zwischen diesen und der Regierung bleiben und als Ergebnis droht statt einer Machterweiterung des Reichstags gegenüber der Regierung ein Her absinken des Parlaments und eine Erhöhung der gouvernementalen Macht­ftellung. Auf diese Gefahr muß, um ihr zu begegnen, rechtzeitig hingewiesen werden, und man wird, ohne Absicht der persönlichen Kränkung, die in ihrem Rang erhöhten Ab­geordneten mit den Regierungselefanten Tennents vergleichen dürfen, von denen der eine ungemein alt und weise, der andere voller Liebenswürdigkeit ist, vor denen beiden sich aber doch jeder Elefant in acht nehmen muß, der seine schöne Urwaldfreiheit behaupten will.

Man wird in fünftigen Fällen wirksamer als bisher die Fraktionen bearbeiten können, um ihnen für die Notwendig­feit beſtimmter Regierungsmaßnahmen Verständnis" bei­zubringen, und man wird sie händeringend anflehen, sie möchten doch ihren Vertrauensmännern in der Regierung feine Schwierigkeiten bereiten, die sie in ihrer hohen Stellung gefährden könnten. Schwächere Charaktere werden die Er­eignisse der jüngsten Zeit als Lockung empfinden, und gute Ehemänner werden, ganz heimlich und verstohlen mit dem Gedanken spielen, daß auch sie eines Tages ihre Gattinnen zu Erzellenzfrauen machen könnten. So droht uns aus der Ernennung einiger Abgeordneten zu Hilfsorganen einer Obrigkeitsregierung die Gefahr einer Korrumpie­rung des öffentlichen Lebens, die von vornherein flar aufgezeigt werden muß, wenn sie sich nicht zu unheil­bringender Gewalt entwickeln soll.

Es soll nicht untersucht werden, ob die Abgeordneten, die eine Berufung in die Regierung annahmen, damit recht Berhalten, eigentlich entschieden werden. Aber den Grundsatz handelten oder nicht: diese Frage wird erst durch ihr weiteres gilt es aufzustellen, daß das Mandat der Volksver­freter feine Stufe der Beamtenfarriere