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Nr. 132.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 8 Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post Bettungs- Preisliste

für 1894 unter Nr. 6919.

Vorwärts

11. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle ober deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochen tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Bor­mittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner

Bolksblatt.

Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Sonntag, den 10. Juni 1894.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!

Reminiscenzen.

tampfes die Revolutionäre sich zu verhalten hätten und wie namentlich die feindliche Kavallerie im Straßenkampfe un­schädlich gemacht werden könne.

Trautner stand als Spion in intimen Beziehungen zu Personen in der nächsten Umgebung Boulanger's, mit dem Auftrage, diesen nach Kräften zu Unbesonnenheiten gegen Deutschland zu verleiten, um Wasser auf die Bismarck 'sche Mühle zu liefern. Geschah das Schlimmste, daß ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ausbrach, so war Bis­

Aus Parteitreisen wird uns geschrieben: Allerlei Reminiscenzen tauchten in uns auf, als wir Ehrenberg's Treiben wurde den Genossen in der den Artikel der Sonnabend- Nummer des Vorwärts" über Schweiz verdächtig und seine Gesellschaft gemieden. Bald darauf die Agitation der Ordnungsbande im 23. sächsischen Reichs- wurde sein Treiben aber auch dem Bundesrath zu Bern tags- Wahlkreis lasen. Hans Blum behauptet in seinen verdächtig, der Ehrenberg unter der Anklage des Landes- mard sicher, daß er Frankreich allein sich gegenüber hatte, Lügen: Boulanger habe seiner Zeit den Beweis geführt, perraths wider die Schweiz verhaften ließ. Ehrenberg da Rußland vollkommen unvorbereitet war, einen Krieg daß ein gut Theil der Staatsgelder, die er unterschlagen stand im Verdacht, seine Bekanntschaft mit Schweizer führen zu fönnen. Auch ließen die französischen Rüstungen haben sollte, zu dem Zwecke ausgegeben worden sei, um Offizieren dazu benutzt zu haben, die Befestigungen auf dem damals noch viel zu wünschen übrig. deutsche Sozialdemokraten zu besolden, damit fie in einem St. Gotthardt kennen zu lernen, und Beschreibungen und Bei dieser Gelegenheit wollte man nebenher auch die Kriege mit Frankreich dem deutschen Heere in den Rücken Zeichnungen derselben an Deutschland und Italien ge- deutsche Sozialdemokratie todt machen, die, das hatte fallen und die rothe Revolution entzünden sollten. Der liefert zu haben. Ehrenberg gelang es aus dem Gefängniß man in den maßgebenden Kreisen längst eingesehen, mit Beweis dafür, behauptet Hans Blum weiter, sei vom Staats- in Zürich zu entfliehen. Als aber in der Session des dem Sozialistengesetz nicht unter zu kriegen war, sie war anwalt wie vom Gerichtshof als geführt angesehen worden. Reichstags von 1887 auf 1888 Bebel die heftigsten Anklagen stärker als je. Die Partei zählte damals im Reichstag Neben anderen wenig rühmlichen Eigenschaften hat gegen Ehrenberg erhob, und die politische Polizei beschuldigte, 25 Vertreter, die bei allen wichtigen Abstimmungen das Herr Hans Blum auch die, ein nicht besonders genialer Mensch sich desselben als agent provocateur bedient zu haben, sab sich Bünglein der Waage in der Hand hatte. zu sein, sonst müßte ihm der Verstand gesagt haben, daß das Kriegsministerium veranlaßt, Untersuchung wider Da, mitten in diesem Kampfe um die Militärvorlage, wenn ein solcher Beweis erbracht worden war, dieser längst Ehrenberg- der mittlerweile nach Baden zurückgekehrt schrieb Trautner, der der Partei als Spigel längst bekannt gegen die Partei gründlich ausgenutzt worden wäre. war einzuleiten und ihn verhaften zu lassen. Bebel war, von Paris aus nach Zürich und bat eines der Häupte Namentlich hätte Fürst Bismarck alles aufgeboten, um mit wurde als Zeuge wider Ehrenberg nach Karlsruhe zitirt. der Partei aus Deutschland zu ihm nach Paris zu senden Hilfe solcher Beweise nicht nur Landesverraths Prozesse Es war ihm gelungen, eine große Bahl beglaubigter Ab- Er, so versicherte der Agent des Krüger, sei es müde anzuftrengen, sondern auch um das Sozialistengefez aufs schriften vom Bundesrath zu Bern aus den Untersuchungs- ferner im Dienste der politischen Polizei zu stehen äußerste zu verschärfen, was ihm alsdann mit Leichtigkeit atten wider Ehrenberg zu beschaffen, die letzteren schwer und er habe sehr wichtige Eröffnungen zu machen gelungen wäre. belasteten und die politische Polizei kompromittirten. die er aber nur in Paris machen könne. Natürlich blieb Indeß ist an der Sache, die Hans Blum in seinen Seltsamerweise entließ aber das Generalauditoriat des der verlangte Delegirte aus. Seit langem besteht unter Lügen veröffentlicht, etwas Wahres, insofern deutsche badischen Armeekorps Ehrenberg aus der Untersuchungshaft den über jene Vorgänge Eingeweihten tein Zweifel Reichsangehörige thatsächlich mit Boulanger mogelten. und diese Gelegenheit benutte der saubere Patron, um zu daß damals Trautner den Auftrag hatte, eine Teufelei Aber es waren nicht Sozialdemokraten, sondern Lock- verduften. Der Prozeß wider ihn mußte niedergeschlagen auszuführen. Gelang es ihm einen der Führer der Partei spiel des Herrn Krüger, des damaligen Leiters werden. zu jener Zeit nach Paris zu locken und in verdächtige Ge. der politischen Polizei. fellschaft zu bringen, diese Thatsache hätte genügt, öffentlich die Beschuldigung des Landesverraths gegen ihn zu erheben, und sie wäre in jenem Wahlkampf aufs gründlichste gegen die Partei ausgenügt worden.

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Wir erwähnen den Fall Ehrenberg so ausführlich, Unter diesen Lockspiteln befanden sich der ehemalige weil er in der Schweiz bei den dortigen Genossen eine badische Artilleriehauptmann v. Ehrenberg und der ehe- ähnliche Thätigkeit entfaltete, wie Trautner später in malige bairische Infanterie- Lieutenant Max Trautner, der, Paris . wie die Leser des Vorwärts" aus den Artikeln gegen Trautner wohnte anfangs in der Nähe Bern's , später Die Thatsache nun, daß Boulanger in seinem Prozeß Reuß wissen, in der Ängelegenheit Newe eine so infame verzog er nach Brüffel, von wo aus er eine emfige Thätig den seine Ankläger und Richter überzeugenden Beweis geführt Rolle spielte. teit als politischer und Militärspion entfaltete, und namentlich haben soll, daß damals größere Summen angeblich an deutsche Ehrenberg hatte den Auftrag, unter den deutschen Ge- verkehrte er viel in Paris . In der Session des Reichs- Sozialdemokraten gezahlt wurden, bestätigt bei uns den längst nossen in der Schweiz für den Gedanken zu wirken, daß tages von 1886 auf 1887 entbrannte bekanntlich der Konflift gehegten Verdacht, daß Trautner und seine Romplicen man heimlich Waffen anschaffen müsse, um für den Fall um die neue Militärvorlage. Die Majorität war nicht ge- fich als Agenten der Partei in boulangistischen Kreisen eines Krieges mit Frankreich von der Schweiz neigt, Bismarck's Forderungen zu bewilligen und so erfolgte einführten und namhafte Summen für ihre Komödie bes aus nach Deutschland vorzubrechen, die Post- und Eisenbahn die Auflösung des Reichstags. Darauf begann jene un zogen, die aber nicht in die Taschen deutscher tassen in Beschlag zu nehmen, und im Rücken des deutschen vergeßliche Haß, unter Führung der offiziösen Presse, in Sozialdemokraten, sondern in ihre Taschen Heeres die Revolution zu entflammen. Es gelang ihm auch, der die schuftigsten Mittel angewandt wurden, um das oder in die Taschen ihrer Auftraggeber bei der Redaktion der Arbeiterstimme" in Zürich Ver- deutsche Volk durch die Drohung einer unmittelbar bevor- geflossen sind. trauen zu finden, und in dem Blatte eine Reihe sehr ge- stehenden Kriegsgefahr mit Frankreich , in dem Boulanger Weiter steht heute für uns fest, daß das Gesetz über schickt geschriebener Artikel zu veröffentlichen, in welchen damals Kriegsminister war, ins Bockshorn zu jagen, und den Ausschluß der Deffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen, Rathschläge ertheilt wurden, wie im Falle eines Straßen- es zu gefügigen Wahlen zu zwingen. mit dem Erlaß des Schweigeverbots an Beugen, Ver­

Feuilleton. Der Jude.

Deutsches Sittengemälde

aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Bon C. Spindler.

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gegen. Ich möchte Euch nicht gern umsonst darauf auf- Ei, Du einfältiger Bube;" ermahnte Margarethe den merksam gemacht haben. Weigernden: Was muß denn Schwester Wallrade von Wallrade näherte sich dem Vater, tüßte seine Hand Dir denken? Du bist ja tein Ungeheuer, das sich nicht am 60 und Wange mit Förmlichkeit, und neigte sich steif vor Tage sehen lassen darf. Komm, tomm doch!" Sie zog Margarethen. O mein liebes Kind!" sprach Diether, der den schüchternen Buben, der sich aus allen Kräften sträubte, fie neben sich auf das Bänkchen niederzog: Wie erquickt mit Gewalt herbei, und erschrat jeho selber über die Blässe, mich Dein Anblick. Ja, in Frauenherzen wohnt Versöhn die sein Gesicht überzogen hatte. Aengstlich gebückt, mit lichkeit und der Funke der Liebe. Du, das verloren niedergeschlagenen Augen, stand der Kleine da, als hätte Wallrade!" riefen beide überrascht, und Diether's geachtete Kind, kehrst ins Vaterhaus zurück, während Sohn er ein Verbrechen begangen. Nichts konnte ihn bewegen, wankende Knie versagten dem Aufstehenden den Dienst. und Bruder ferne bleiben." Wallrade zuckte leicht die der Fremden nur einen Blick, eine Silbe zu schenken. Indessen kam die unerwartete und dennoch Ersehnte lang. Achseln und wendete sich zu Margarethen mit den Worten: Diese Scheu, welche Diether und Margarethe fich nicht sam und stolz herangeschritten, von Elsen begleitet, die ihr Ehrsame Frau; wenn mich der Vater schon verloren enträthseln tonnten, machte augenscheinlich den widrigsten den Weg zu dem Elternpaare wies. Wallrade! Tochter!" achtete,... um wieviel strenger mag nicht Euer Urtheil Eindruck auf Wallraden. Sie stand auf, zweifelhaft, stammelte Diether unter Thränengüffen der Freude, die über mich gelautet haben?" ob sie ihr Gesicht dem Knaben zuwenden, oder es von ihm Arme weit öffnend. Willkommen, Fräulein!" setzte die" Ihr irrt," versetzte Margarethe ruhig: was bas tehren sollte. Ihre Augen brannten, ihr Mund zuckte Stiefmutter hinzu, die Hand ihr reichend. Aber weder heiße Blut der Jugend fühlte, fleht den reiferen Jahren zu, und ihre gespannten Büge drückten die Leidenschaftlichkeit in die Arme des Vaters sant die Tochter, noch ergriff sie wieder gut zu machen. Mein Herr liebt Euch, darum seid aus, die ihre Brust beseelte. Ihren Unmuth mühsam be­die dargebotene Rechte. Einige Schritte von Diether ent- Ihr auch mir kein unlieber Gast." Wacker gesprochen, meisternd, wies sie des Knaben Hand schweigend von sich, fernt, stand sie fiille, warf einen durchdringlichen Blick auf liebe Wirthin!" rief Diether, ihr entzückt die Hand ent- als die Mutter, in deren Arme er sich geflüchtet hatte, ihn bas Paar, und schlug die Hände zusammen. Herrgott!" gegenstreckend:" Ihr seid eine Perle, wie sie wohl selten bewog, ihr die widerstrebende zu überlassen. sprach sie in dem tiefen Tone, der nicht selten auf ein ein Greis in seinen Winterkranz flechten darf, und ich Bugleich zog sie den Schleier über Stirn und Augen. hartes Gemüth schließen läßt: Wie verändert finde ich Euch, denke, Wallrade soll Euch bald innig befreundet sein. Da das Herrlein meinen Anblick unerträglich findet," Bater! Die letzten Jahre scheinen Euch nicht zugefagt zu Umhalst Euch vor meinen Augen. Das letzte widerstrebende sprach sie mit angegriffener Stimme, so thue ich am haben!" Diether überhörte diese Worte, bewegt von den Gefühl versinke in der freundlichen Annäherung. So; besten, wenn ich ihm das unwillkommene Geficht entziehe." Gefühlen, die das schwache Alter doppelt empfindet: aber und nun, meine wiedergefundene Tochter, tüsse auch Deinen Wirklich schien es auch, als ob der Knabe sich begütigen Margarethe faßte fie auf, die wie ein falter Hauch an ihr Bruder, den kleinen muthwilligen Johann, die Wonne wollte, denn seine Aengstlichkeit verlor sich nun so ziemlich warmgewordenes Herz drangen. Die letzten Tage, wollt meiner alten Tage."- Wallrade sab sich mit verdüstertem und er heftete dann und wann die blauen Augen staunend Ihr sagen, Fräulein!" erwiderte sie empfindlich: Die letzten Antlig nach dem Jungen um, der, wie Margarethe erst auf das reiche helfarbige Gewand Wallradens, und auf Jahre waren gut, nd von Eurer Kindlichkeit wird es abs jetzt bemerkte, sich hinter die Bank und die Gewänder der ihre mit blizenden Ringen gezierten Finger. Auf alle hängen, ob der heutige Tag ihnen gleichen soll. Euer Mutter verkrochen hatte. Johann, wo steckst Du?" Fragen, Ermahnungen und tadelnden Reden der Eltern Bater harrt noch immer der schicklichen Umarmung ent- fragte Diether liebreich:" Komm, umarme Deine Schwefter!" erwiderte er nicht; jedoch in demselben Augenblicke, als

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