Nr.1. 35. Jahrg.
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Dienstag, den 1. Januar 1918.
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Vierte Jahreswende im Weltkrieg!
" Jetzt aber gehen wir zu seinem Totenmahl. Laßt euch Doch unsere Ansprüche an das Jahr 1918 find noch höher! Verständigung sei um so leichter, als Herr Trotti als Minister nicht dadurch verwirren, daß wir Pfannkuchen essen werden. gestellt. Nicht nur den Frieden, sondern den großen Fort - des Aeußern die russischen Vertreter in Brest - Litows! den Das ist ein uralter und geheiligter Brauch und hat sein fchrittunfererinneren Freiheit soll es uns brin- deutschen Delegierten auf eine Anfrage babe erklären laffen, Gutes. Und nun tommt! Seht, jegt gehen wir alle Hand gen. Auch hier hinterläßt 1917 alles in der Schwebe, nament- daß Rußland den finnischen Wünschen boll in Hand." Dostojewskis idealſte Männergestalt, Aljoscha lich auch die für Deutschlands Entwicklung entscheidende Frage entgegentommen werde, wenn Finnland sigh Staramasoff, schließt mit diesen Borten die ergreifende Toten- der preußischen Wahlreform. Aeußerlich betrachtet, stehen an die russische Regierung wenden würde. rede am Grabe eines heldenmütigen Knaben; mit dieser Wen- ihre Aussichten nicht günstig. Aber wir haben Hoffnungen jenbung flingt die tiefe Tragit des feelenaufwühlendsten Romans feits des Dreiflassenparlaments, das sich sträubt, sein eigenes der Weltliteratur aus!
dauern fann.
"
Todesurteil zu unterzeichnen. Wir haben die Gewißheit, daß Die Entente antwortet auf den Brest - Litowsker Vorschlag.
Lloyd George hat bereite selbst seine Reise nach Frank.. reich festgescht, um mit Clemenceau darüber zu ver. handeln.
Frieden.
Laßt euch nicht verwirren, wenn wir zum Totenmahl die Millionen der im Schüßengraben herangereiften Männer des Jahres 1917 Pfannkuchen effen. Leibliche Pfannkuchen nach dem Kriege keine Bebormundungen, feine werden es sowieso nicht sein, die hat längst der Krieg geholt. Unfreiheit, feine Pribilegien Wirtschaft im Aber ein fommendes Jahr voll Hoffnung und Opti- Innern Deutschlands dulden werden. Schafft man nicht vor mismus zu begrüßen, ist auch uns ein uralter und ge- ihrer Rüdfely reinen Tisch, fo werden die heimkehrenden London : Der Londoner Korrespondent des Manchester Amsterdam , 31. Dezember. Neuter meldet aus heiligter Brauch und hat sein Gutes". Millionen mit unwiderstehlicher Wucht die noch stehenden Guardian " erfährt: Freilich, jeder Spötter hat es uns gegenüber leicht. Er Hindernisse einer freien Entwidlung niederwalzen. So oder braucht nur mit liftigem Augenzwinkern daran zu erinnern, so wird uns die Zukunft die innere Freiheit bringen. Die britische Regierung betrachtet die von wie die Neujahrspropheten nun schon dreimal ein anbrechen- Die guten Aussichten werden leider getrübt durch die Deutschland und Desterreich- Ungarn gestellten Friedensbe. des Jahr als Friedensjahr begrüßt haben, um jedesmal am traurige Tatsache, daß die Spaltung der Arbeiter. dingungen als Schluß betrübt den gänzlichen Hereinfall ihrer Hoffnungen bewegung auch zu Beginn des neuen Jahres unverändert ernsten Schritt von seiten der Mittelmächte tonstatieren zu müssen. Es tann uns diesmal ja auch fortdauert. Hier sind die Hoffnungen auf eine bessere Ent- und hat die feste Absicht, eine ernst e, wohl überlegte ebenso gehen. Tut nichts! Haben wir nicht alle in widlung leider zurzeit am geringsten. Und doch besteht auch Antwort zu geben, sobald die Bedingungen offiziell überFriedenszeiten mit dem Glockenschlag zwölf aus voller hier feine Ursache, hoffnungslos zu sein. Wir wissen, daß die reicht sind. Lunge unser Profit Neujahr" geschrien, ohne einer dem wirtschaftliche Eniwidlung eine einheitliche Arbeiterbemegung andern den geringsten Grund für die plöglich erwachte Hoff sur Notwendigkeit macht, wenigstens in einer Arbeiterflasie, nungsfeligkeit angeben zu können?! bie fortschreitend fich oren Anteil am Zufünftigen erobert. Und diesmal haben wir Grünbe für fere offaang. und die deutsche arbeta hai ne große Zufunft zu ver Es ist nicht die schäßbare Erwägung, daß so ein Strieg ja teidigen. Wird doch schließlich trotz aller Berheerungen, die Die Wiedergabe dieser Meldung eines liberalen Blattes nicht endlos dauern fönne", die uns diesmal wie gewisse Neu- der, Weltkrieg anrichtet, ihr Ideal als Sieger daraus hervor durch Reuter scheint ihre Richtigkeit zu bestätigen. Von der jahrspropheten von 1915, 16, 17 antreibt, das Jahr 1918 als gehen. Wie die von der Arbeiterklasse gepflegten Friedens Linfen in England wie in Frankreich ist in den letzten Tagen Hoffnungs- und Friedensjahr zu begrüßen. Leider hat sich ideale, so sehr sie gehöhnt und verlacht worden sind, während stürmisch gefordert worden, die Regierungen sollten gegengezeigt, daß der Krieg recht gewaltige Zeiträume andauern des Krieges ständig an Macht gewonnen haben, und sich jeht über den Brest - Litowsker Verhandlungen die Politik des fann, und nichts wäre verkehrter als die Annahme, daß das als die stärkste Wacht erweisen, so werben auch die lange als Schweigens und der Untätigkeit aufgeben und ihr eigenes Feuer im Jahre 1918 wegen Mangels an Brennmaterialien utopisch verschrienen Wirtschaftsideale der Arbeiterklasse nach Kriegszielprogramm entwickeln. Die Regierungen find jest ( mir meinen dies bildlich, obwohl der Kohlenmangel als dem Kriege der Entwidlung ihren Stempel aufbrüden. Aus augenscheinlich geneigt, diesem Verlangen nachzugeben, um die folcher auch hierher gehört) unbedingt erlöschen müsse. Nein, den rauchenden Kriegstrümmern wächst der Sozialismus, öffentliche Meinung zu beruhigen und, soweit dies möglich, im wir müssen der Möglichkeit ins Auge sehen, daß dieser wächst eine bessere und gerechtere Wirtschaftsordnung. Sinne der Ententepolitik nach Stußland hinüberzuwirken. Es Krieg technisch auch noch in das Jahr 1919, selbst 1920 hinein Das find freilich Zukunftsperspektiven, die über das Jahr wäre natürlich weit gefehlt, deshalb schon den allgemeinen 1918 weit hinausgehen. Aber einen festen Grund für eine Friedenshimmel offen zu sehen. Aber man kann das VerAuch in dem Sinne sehen wir den Frieden nicht nahen, gute Zukunft wird das Jahr 1918 legen, wenn es uns die drei halten der englischen Regierung dahin deuten, daß sie sich aus daß im Jahre 1918 eine der fäntpfenden Parteien jenen ,, End- Dinge verwirklicht, die heute unserm Denken und Hoffen am inneren wie äußeren Gründen veranlaßt sieht, der gefieg" erringen wird, den fanatische Annexionspolitiker ihren nächsten liegen: den allgemeinen Frieden auf der mäßigteren Richtung in ihrem Lande ein gewisses OntVölkern als Kriegsende borgaufeln. Soll weitergefämpft Grundlage der Bölkerverföhnung, die politische Freigegenkommen zu zeigen. werden, bis eine Partei zerschmettert δαξ Dittat heit und Gleichberechtigung in Deutschland und des Siegers über sich ergehen lassen muß, so scheint fraglich, allen feinen Teilen, und die Wiedervereinigung der Russischer Widerstand gegen den Bolschewikob der Krieg auch nur einen Tag früher zu Ende geht, als Arbeiterbewegung, so daß wir wie jener Dostojewsihn die allgemeine Erschöpfung beenden würde. Das Wort fische Seld fagen fönnen: Und nun kommt! Seht, Scheidemanns von dem Narren, der an einen geriet gehen wir alle Hand in Hand! In den russischen Zeitungen wird eine gemeinsame schmetternden Endfieg einer Partei glaube, hat zwar die helle So fei uns willkommen, neues Jahr, als ein Jahr, das die Resolution veröffentlicht, die angenommen wurde in einer But der Aldeutschen erregt, ist aber durch die Tatsachen Arbeitertiaffe mit Hoffnungen begrüßt wie faum eins der Konferenz des Zentralfomitees der russischen sozialbemoebenso bestätigt worden, wie diese bisher alle Endfiegs- borangegangenen. Freilich nicht, daß sie an gebratene Tauben tratischen Partei( Menfchewiki), des Sentraltoniitces prophezeiungen der einen oder anderen Seite widerlegt glaubt, die ihr in den Mund fliegen, sondern wir wissen alle, der Partei der Sozialisten Revolutionäre, bes haben. Daß wir selber das Beste werden tun müssen, Zentralfomitees der Partei der Boltssozialistex Unsere Friedenshoffnung für 1918 beruht auf der um unsere Hoffnungen zur Wirklichkeit werden zu lassen.( Trubowifi"), des Zentralausschusses der Arbeiterwachsenden Macht des Verständigungs- Wenn wir uns am Ende des Jahres fragen, ob es die Soff- Soldatenräte gang Rußlands erster 8ugedankens, der uns im Laufe des Jahres 1917 von nungen gehalten hat, die wir auf seinen Verlauf fetten, fo fammenfetung( das heißt in der Zusammensetzung, den ersten Friedensworten zu den ersten Friedens- wird das nicht ein Moment des äußeren Rüdblids, sondern die von den Bolschewiti für aufgelöst erklärt wurde und in taten geführt hat. Aus dem Boden des Ver- auch der inneren Einkehr fein müssen. Jeder wird sich der Tscheidse den Vorsiz führte) und des Zentralausständigungsgedankens find bie Verhandlungen von zu fragen haben, ob er mit vollem Herzen und ganzem Können schusses des Rates der Bauern abgeordneten gang Brest - Litowst hervorgewachsen. Ihr Erfolg wird für den Frieden, für Deutschlands Freiheit und für die Einig- Rußlands . Die Resolution bestreitet die Attivlegitimation der wesentlich davon abhängen, daß sie im Geiste des feit der Arbeiterbewegung gearbeitet hat. Geloben wir heute, Bolschewift zur Führung der Verhandlung mit den Bierbund Berständigungsgedantens zu Ende geführt alles einzuseßen, daß wir bei Jahresschluß ohne Schuld vor mächten und erklärt mit aller Bestimmtheit, daß der Waffenwerden. In einem Moment größter Spannung trifft das uns selber fteben. stillstandsvertrag niemand als die Bolschewifi binde. neue Jahr uns an. Das Schicksal der westlichen RandDas ist eine sehr ernste Tatsache, die auf die Verhand völfer des russischen Reiches ist der Bunft, um den lungen in Brest - Litowst nicht ohne Einfluß bleiben sollte. Ge unsere und der Welt Besorgnis sich dreht. Nur tenn Hegt im Interesse der Sache, daß wir nicht allein diese Frage in wirklich demokratischem Sinne mit einer russischen gelöst wird, kommen wir dem Frieden näher. Bartet, sondern tatsächlich mit Dazu ist gana Rußland Frieden schließen. Heute sind wie nötig, daß die deutsche Regierung alles unterläßt, was Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: auf Verhandlungen mit den Bolschewiki angewiesen, die als ein Abrücken von ihrem Friedensprogramm auch nur Eine finnische Abordnung, bestehend aus dem zur Zeit die Regierung Rußlands bilden, und es ist gang ich einen tönnte, wie es in der Antwort auf das russische Staatsrat Hjelt, Professor Erich und Direktor Sario, ift hier felbstverständlich, daß wir mit jeder Regierung eines feinb Brogramm formuliert worden ist. Der Satz:„ Eine gewalt- eingetroffen und vom Reichstanzler in Gegenwart des Unter- lichen Landes, die Frieden schließen will, zu verhandeln besame Aneignung von Gebieten, die während des Krieges besett ftaatssekretärs im Auswärtigen Amt Freiherrn von dem Bussche reit sind. Jm beiderseitigem Interesse aber liegt es, best worden sind, liegt nicht in den Absichten der verbündeten Re- empfangen worden. Die Deputation überreichte eine Boll- Frieben so zu gestalten, daß er der unausbleiblichen Oppe gierungen", darf nicht nur formal gelten, sondern er muß macht des Präsidenten des finnischen Senats, die die Abord- fition möglichst wenig Angriffspunkte bietet. unzweideutige materielle Anwendung finden. nung ermächtigt, bei der deutschen Regierung die An- Es liegt nicht nur im Interesse der russischen Unter Darauf hinzuarbeiten, daß dies geschieht, wird eine Haupt- ertennung der Selbständigkeit Finnlands händler, sondern auch im Interesse dauernder guter Beziehunger aufgabe der Sozialdemokratie im neuen Jahre sein. nachzusuchen. In ihrer Adresse betonte die Deputation, zwischen Deutschland und Rußland , einen Frieden zustande Die Sozialdemokratie wacht gleichzeitig darüber, daß die baß es Finnland fehr auf die Anerkennung feitens Deutsch zu bringen, bei dem Rußlands Lebensnotwendigkeit gewahrt Möglichkeit eines allgemeinen Friedens offen ge- lands antomme, zu dem es fich durch eine starte Gemeinschaft bleibt. Nur ein solcher Frieden wird Bestand haben. halten wird. Es ist freilich eine mißliche Sache, selbst am der Kultur und der Interessen hingezogen fühle. Es hat eine Zeit gegeben, in der es hieß:„ Russische Neujahrstage, prophezeien zu wollen, wann die friedens- Der Herr Reichskanzler erwiderte auf die An- Trauer ist deutsche Trauer." Die Zeit ist vorbei, aber dafür freundlichen Strömungen in England und Frankreich über sprache des Staatsrats Hjelt, daß die deutsche Regierung und ist Zeit für die Einsicht gefommen, daß die Interessen die kriegsheberischen Regierungen den Sieg dabontragen wer- das deutsche Volt den Bestrebungen des finnländischen Boltes Rußlands und Deutschlands gleichlaufen, umb den. Aber wenn Deutschland ebenso unerschütterlich in seiner lebhafte Eympathie entgegenbringe, daß aber eine An- daß es fein„ Verrat an der deutschen Sache", sondern im militärischen Berteidigung wie in der unablässigen Befun- erfennung der Selbständigkeit Finnlands Gegenteil meitsichtige Wahrung deutscher Interessen ist, wenn dung seines ehrlichen Friedenswillens bleibt, besteht begrün- durch Deutschland von einer Verständigung Finnlands man auch die Interessen Rußlands als die eines zukünftigen bete Hoffnung, daß dieser Zeitpunkt noch im Laufe des Jahres mit der russischen Regierung abhängig fei, mit der sich Deutsch - Freundes wahrnimmt- zum mindesten sich vor ihrer feind1918 eintreten wird. land gegenwärtig in Friedensunterhandlungen befinde. Diese feligen Verlegung forglich hütet!
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