Nr. 44. 35. Jahrg.
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Mittwoch, den 13. Februar 1918.
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Wilfon an Czernin und Hertling.
Zu Friedensbefprechungen fofort bereit.
Die neueste Rede des Präsidenten der nordamerikanischen | Wilson fagt: Gin allgemeiner Friede auf deutschen Kolonien aber, verlangt er, müssen ohne Erörte Republik führt uns auf den Ausgangspunkt aller Striegs- derartiger Basis kann sofort besprochen rung zurüdgestellt werden. Er will mit niemandem als den Ber betrachtung zurück, auf die große Streitfrage: Friedens- werden. Aber bis dahin können wir nichts anderes tun, zwang oder Friedens verständigung? Wir haben es als weiterfämpfen." Es handelt sich also zunächst um die soeben erlebt, daß das militärisch völlig zusammengebrochene Feststellung, ob die deutsche Regierung bereit ist, Rußland sich zwar zur Beendigung des Kriegszustandes, einen allgemeinen Frieden auf derartiger Grundlage zu benicht aber zum Abschluß eines Friedensvertrages zwingen sprechen. Bei dieser Besprechung würde sich dann auch her läßt, den es für annexionistisch erklärt. Wir haben schon oft, ausstellen, ob Wilson recht hat, wenn er behauptet, das aber stets ohne Erfolg an dieser Stelle an die Anhänger eines Hindernis für einen Frieden nach gerechten Grundsäßen, wo Zwangsfriedens die Frage gerichtet, wie sie sich die Erzwin- bei das Bestehende, soweit das ohne allzu große gung eines Friedens mit Amerika denken. Herr Wilson jagt, Schwierigkeiten möglich ist, beibehalten werden soll", daß der Transport amerikanischer Truppen an die West- wirklich nur bei den Alldeutschen und nicht etwa auch bei front beschleunigt werden soll, und wir zweifeln nicht daran, den Allengländern und den Allfrangofen liegt. daß auch ihr Anprall auf unüberwindlichen Widerstand Oder vielleicht auch bei den All polen, deren auffällige stoßen wird. Aber wir können, so oft wir wollen, amerifa- Begünstigung durch Wilson nicht außer acht gelaffen werden nische Heere auf europäischem Boden schlagen: zum Frieden kann! amingen fönnen wir Amerika damit nicht. Das fönnen Aber die Schwierigkeiten eines Friedensschlusses werden wir ebensowenig, wie Amerika Deutschland zum Frieden nie überwunden werden, solange man nicht auf beiden Seiten zwingen fann. Immer wieder erinnert man sich an ein einsieht, daß man einander nicht überwältigen kann und sich Wort, das Wilson, als er noch mit Deutschland im Frieden daher miteinander verständigen muß! Und darum muß lebte, gesprochen hat und das, wie kein zweites von ihm, durch ein entsprechendes Verhalten von deutscher Seite feftWiderhall in Deutschland fand: Benn man einander gestellt werden, ob Wilsons Wort, einer fofortigen nicht überwältigen fann, muß man sich Friedensbesprechung stehe nichts im Wege, miteinander verständigen." nur ein diplomatischer Schachzug oder wirklich das erlösende Wort für die Menschheit ist. Die deutsche Antwort soll und darf nicht anders lauten als fo;
3u Friedensbesprechungen sind auch wir
Was kann die neue Wilson- Botschaft zu dieser Beritän digung beitragen? Sie ist zweifellos in der Form höchft friedlich und gemäßigt gehalten, läßt aber noch die Mög lichkeit offen, daß der Krieg mit aller Straft fortzu- fofort bereit! jeben sei. Mie so viele Steden der Staatsmänner ist sie
Friedensinstrument und Striegsmittel zugleich. Als Seriegs- Wilsons Rede an den Kongreß.
mittel sucht sie zwischen Desterreich und Deutschland Seil zu treiben und die Gegensäge in Deutschland selbst zu bertiefen. Man kann darauf mit Einigkeitserklärungen antworten, aber man darf dabei doch nicht übersehen, daß Unterschiede zwischen der deutschen und der österreichischen Bolitik jowie Gegensätze in Deutschland tatsächlich bestehen.
Washington, 11. Februar.( Neuter.) Wilson hielt heute folgende Rede an den Kongreß:
tretern Rußlands über das, was mit den Völkern und Ländern der als der franzöfifchen Regierung die Bedingungen, zu welchen das baltischen Länder geschehen soll, besprechen; mit niemandem als der franzöfifchen Regierung die Bedingungen", zu welchen das französische Gebiet geräumt werden soll, erörtern; lediglich mit Oesterreich will er befprechen, was mit Polen geschehen solle. Die Lösung aller, die Baltanitaaten betreffenden Fragen überweist er, wie ich ihn verstehe, Oesterreich und der Türkei und die Bereinbarungen, die hinsichtlich der nichttürkischen, dem gegenwärtigen o& manischen Reich zugehörigen Bölfer getroffen werden müssen, den türkischen Behörden allein. burch Ginzelberhandlungen und Bugeständnisse erzielt ist, hätte et, Nachdem ein Abkommen nach allen Seiten in dieser Weise wenn ich seine Erklärung richtig auslege, feine Eintendung gegen eine Liga der Nationen, die es unternehmen würde, das neue Gleichgewicht der Kräfte gegen die Störungen von außen zu sichern. Es muß für jeden, der erkennt, wie dieser Krieg die Meinung und Stimmung der Welt gestaltet hat, offensichtlich sein, daß auf solche Weise unmöglich ein allgemeiner Friede, ein Friede, der die unendlichen Opfer dieser Jahre tragischer Zeiden mert ist. erreicht werden kann. Die Methode, die der deutsche Reichstanzler vorschlägt, ist jene des Kongresses von Wien . Wir fönnen und pollen nicht dahin zurückfahren. Was auf dem Spiele steht, ist der Weltfrieden, was wir erringen wollen, ist eine neue Böfferordnung, aufgebaut auf den weitfichtigen und allumfassenden Grund säten von Recht und Gerechtigkeit, nicht bloß einen Frieden von Nähten und Fliden. Es ist möglich, daß Graf Hertling dies nicht ficht oder nicht versteht. Rebt er mit seinen Gedanken tatsächlich in einer, berflossenen Welt? Hat er die
Reichstagsentschließung vom 19. Juli bollkommen bergessen oder überfieht er sie absichtlich? Diese spridit von Bedingungen für einen allgemeinen Frieden, nicht von nationaler Ausdehnung oder von Vereinbarungen von Staat zu Staat. Der Weltfrieden hängt von der gerechten Schlichtung jedes der verschiebenen Probleme ab, auf welche ich in meiner fürzlichen Botschaft an den Kongreß hingewiesen habe. Ich meine selbstver Am 8. Januar hatte ich die Ehre, zu Ihnen über die Kriegsständlich nicht, daß der Weltfrieden von der Annahme irgend einer ziele zu sprechen, wie unser Bolf sie auffaßt. Der englische bestimmten Gruppe von Vorschlägen über die Art, in welcher diese Premierminister hat am 5. Januar in ähnlichen Aus- Probleme gelöst werden sollen, abhängt. Was ich meine, iit Reichstanaler am 24. Januar und Graf Czernin für brücken gesprochen. Auf diese Reden antwortete der deutsche Desterreich- Ungarn am gleichen Tage. Es ist erfreulich zu hören, daß unser Wunsch so bald verwirklicht wird, daß nämlich jeder Austausch von Ansichten über diesen großen Gegenstand sich vor den Ohren der ganzen Welt vollziehe.
Die Antwort des Grafen Czernin,
Hinter der Einheit der militärischen Front steht also gesamt die ganze Welt angehen und daß, wenn sie lediglich, daß die se Probleme jedes für sich und ins nicht die gleiche Einheit der politischen Front. Sie besteht nicht im Geifte selbstloser und beeinflußter Gerechtigkeit gelöst nur so weit, als es sich um die Verteidigung handelt, werden, im Hinblick auf die Wünsche natürlicher Zusammenge darüber hinaus scheiden sich die Geister. An der Nede des hörigkeit und böllischer Ansprüche fotvie auf die Sicherheit und Grafen Hertling bom 24. Januar ist auch in der deutschen den geiftigen Frieben der betroffenen Völker, lein dauernder Presse Kritik geübt worden und auch ihr ist der UnterFriede erreicht werden kann. Diese Probleme tönnen schied zwischen der Tonart Hertlings und jener Czernins auf die der Hauptsache nach an meine Adresse auf meine Rebe bom nicht getrennt und in abgeschiedenen Eden er gefallen. Andererseits ist nicht denkbar, daß Graf Czernin 8. Januar gerichtet ist, ist in einem sehr freundlichen Zone ge- örtert werden. Niemand darf davon ausgeschlossen werden. feine Erklärung, in der er eine gemeinsame öster- balten. Er erblickt eine gemeinsame öster balten. Er erblickt in meiner Erklärung eine hin- was immer den Frieden betrifft, betrifft auch die Menschheit, und reichisch amerisanische Friedensvermitte- reichend ermutigende Annäherung an die Auffassun- was durch militärische Macht geschlichtet ist, ist, wenn in unrechter I ung anbietet, in gewolltem und bewußtem Gegensatz zur gen, daß fie eine Grundlage für eine eingehendere Besprechung der von neuem angefangen werden. Ist sich Graf Sertling nich gen feiner eigenen Regierung, um feinen Glauben zu rechtferti- Weise geschehen, feineswegs beigelegt. Ga müßte alsbald wieder deutschen Reichsregierung abgegeben hat, biel eher ist anzu- Biele durch die beiden Regierungen liefere. Er soll angedeutet bewußt, daß er jeki bei einem Gerichtshof der ganzen nehmen, daß er im Einverständnis mit ihr handelte. Zwischen haben, daß mir die Ansichten, die er zum Ausdruck brachte, zubor Menschheit spricht, daß alle erwachten Bälter der Welt run der deutschen Regierung, die Wilson so unfreundlich be- mitgeteilt worden feien, und daß ich zu der Zeit, da er fie äußerte, über all das zu Gericht fizen, was jeder Staatsmann, gleichhandelt, und der österreichischen, von der er so freundlich über fie unterrichtet gewesen sei. Sierin ist er aber sicherlich mi gültig welchen Landes, über die Folgen eines Konflikts sagt, der spricht, besteht doch unleugbar eine enge Verbindung. So verstanden worden. Ich hatte eine Mitteilung von ich nach allen Teilen der Welt ausgebreitet hat? Die Reichsmenig Defterreich bloß ein Satrap des deutschen Willens ist, bem, was er au fagen beabsichtigte, empfangen. Es tags entschließung vom Juli hat die Entscheidung so wenig fann Deutschland Desterreichs Friedensbestrebungen lag natürlich auch fein Grund vor, weshalb er sich privatim mit mir eines folchen Gerichtshofs offen angenommen. böllig fernstehen. Vorverhandlungen zwischen Desterreich und hätte in Verbindung setzen sollen; ich bin ganz zufrieden, zu seiner Amerifa fönnen den allgemeinen Frieden zwischen dem Bier öffentlichen Zuhörerschaft zu gehören.
bund und der Entente einleiten.
Graf Hertlings Antwort
s foll weber Annegionen noch Entschädigungen
ober strafweisen Schadenersaz geben, es sollen feine Wölfer durch eine internationale Konferenz oder eine Vereinbarung zwischen Gegnern von einer Staatsoberhoheit an eine andere ausgeliefert werden, bie Völker dürfen nur noch gemäß ihrer eigenen Zustim recht" ist nicht eine bloße Phrase, es ist ein gebieterifcher mung beherrscht und regiert werden. Das„ SelbstbestimmungsGrunbias des Handelns, den bie Staatsmänner fünftig nur auf ihre eigene Gefahr mißachten werden. Wir föunen Grundjag des Handelns, den die Staatsmänner fünftig nur auf ihre eigene Gefahr mißachten werden. verlangen oder durch einfache Vereinbarungen au feinen allgemeinen Frieden haben, nur weil wir ihti einer Friebensfonferenz. Er tann nicht aus getrenn
ift, ich muß es sagen, sehr unbestimmt und sehr verwirrend. Sie Bielleicht würden solche Vorberhandlungen dazu führen, ist voll ziveideutiger Säße und es ist nicht flat, wohin fie den schärfsten Gegensatz zwischen Hertling und Wilson zu führt. Aber sie ist sicherlich in einem von der Antwort bes beseitigen, der darin besteht, daß Hertling mit den einzelnen Grafen Gaernin sehr abweichenden Tone gehalten und augen Gegnern über die Fragen, die sie betreffen, einzeln berhan scheinlich mit entgegengefektem 3wede. Sie bestätigt leiber deln will, während Wilson eine Gesamineureglung aller Ver- eher den unglüdfeligen Gindrud, den wir aus den Be hältnisse durch eine allgemeine Friedenskonferenz anstrebt. iprechungen in Brest - Litoral gewonnen haben, als daß Wir können nicht oft genug wiederholen, daß einer solchen fie ihn beseitigte. Seine Erörterung und seine Annahme unserer allgemeinen Grundsäße führt ihn zu feiner greifbaren Folgerung. deutsche Bolk bereit ist, Ansprüche eines gegnerischen In den Inhalt jeder endgültigen Abmachung bilden müssen. Er ist werden; alle Teilnehmer an diesem Strieg müssen sich zur Schlich allgemeinen Konferenz nichts im Wege steht, da das ganze Gr weigert sich, sie auf die wesentlichen Buntte anzuwenden, bie ten Bereinbarungen zwischen mächtigen Staaten zusammengefügt perialismus auf deutschen Besitzstand mit allen Mitteln mißtrauisch gegenüber einer internationalen Aktion zurückzuweisen, die Befriedigung annegionistischer Wünsche und internationaler Beratung. Er afzeptiert, wie er tung jeder Frage, an der sie irgendwo beteiligt find, zusammenaber nicht im Willen des deutschen Volkes liegt und eine fagt, ten Grundsaz öffentlicher Diplomatie, aber er scheint darauf finden, denn, was wir suchen, ist ein Frieden. den wir alle gemeinVerlängerung des Krieges nicht rechtfertigen kann. In der zu bestehen, daß diese, wenigstens im vorliegenden Falle, auf An- fchaftlich garantieren und aufrechterhalten fönnen, und jeder einBerteidigung gegen fremden Annerionismus geschlossen, in gemeinheiten beschränkt werde, und daß die verschiedenen Einzel- elne Bunft muß dem allgemeinen Urteil unterstellt werden, nh seiner überwältigenden Mehrheit heimischen Annerionsbe- fragen über Gebiet und Staatsoberhoheit, jene Fragen, von beren er vedyt und billig forie ein Mit der Gerechtigkeit und nicht ciwa ftrebungen widerstrebend, so steht das deutsche Volk da und Lösung die Annahme des Friedens feitens der 23 jegt im Strieg ein Handel zivijchen Staatshäuptern ist. befindlichen Staaten abhängt, nicht in allgemeinen Be= Die Vereinigten Staaten haben harrt ungeduldig einer Regierung, die es dem allge- ratungen, sondern getrennt von den infolge ihrer feinen Wunsch, sich in europäische Angelegenheiten einzumifchen meinen Frieden entgegenführt. Nachbarschaft nächst beteiligten Rationen erörtert oder als Schiedsrichter in europäischen territo Die vier Prinzipien, die Wilson für den Friedensschluß und geschlichtet werden. Er stimmt der Freiheit der rialen Streitigkeiten au fungieren. Es ist unter ihrer aufstellt, fönnen in ihrer allgemeinen Fassung auch allge- ee zu, aber ist zweifelhaft über irgend eine Beschränkung dieser Würde, sich einer inneren Schwäche oder Berrüttung zu bedienen, meine Zustimmung finden. Bei dem Versuch, sie durchzu Freiheit durch internationale im Interesse der Weltordnung ge- um ihren Willen einem anderen Volte aufzuerlegen. Sie werden führen, werden sich aber sofort die Gegensäße der einander troffene Maßnahmen; er würde mit bedingungsloser Freude die es gerne hinnehmen, wenn man ihnen verständlich macht, daß die bekämpfenden mperialismen bemerkbar machen. Jede irtichaftsich ranten zwischen den einzelnen Ländern ver. Lösungen, die sie vorgeschlagen haben, nicht die besten oder banen Partei ist zur Anerkennung der schönsten Grundsätze bereit, ich winden sehen, weil dies in keiner Weise den Bestrebungen haftesten sind. Sie find lediglich ihre eigene provisorische Eligge aber jede möchte dabei doch auch einen kleinen oder größeren der Militärparte, mit der er sich anscheinend bemüht, gute Be- der Grundsäße und der Art, in welcher sie angewendet werden ziehungen zu unterhalten, hinderlich sein würde. Ebenso wenig sollen. Die Bereinigten Staaten sind jedoch in diesen weltpolitischen Ertraprofit herausschlagen. Solche Sinter- erhebt er Einwände gegen eine Beschränkung der Rüstun- rieg eingetreten, weil fie, ob gewollt oder nicht, au gedanken müffen auf allen Seiten aufgegeben werden, wenn gen. Diese Angelegenheit wird sich, wie er glaubt, durch die Wirt- Witbetroffenen in den Leiben und der Ungebühr, in absehbarer Seit der Frieden zustande kommen soll. fchaftslage, die dem Krieg folgen wird, bon felbft regeln; bie die von den militärischen Herren Deutschlands dem