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Nr. 148.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919.

Vorwärts

11. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und, Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ,

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Freitag, den 29. Juni 1894.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!

auf den

Abonnements- Einladung.

Vorwärts" Berliner Volksblatt

mit der illustrirten Sonntags- Beilage

Die Neue Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von

Die Republik in Gefahr!

auf sieben Jahre zu wählenden Präsidenten bestimmte, so, daß sie von jeder konstitutionellen Monarchie akzeptirt wers Wir ersuchen alle unsere Freunde und Genossen, nach Wir haben gestern die sozialökonomische Bedeutung den konnte, die Machtbefugnisse des Präsidenten sind die Kräften für die Erweiterung unseres Abonnentenkreises der Wahl Perier's gewürdigt, wir müssen heute zur Er eines Königs, so daß die Umwandlung der Republik in zum 1. Juli thätig zu sein. Es ist das eine Partei- gänzung auf die politische Seite dieser Wahl eingehen. eine Monarchie unter Beibehaltung der Verfassung durch­pflicht. Die Hauptstärke einer Partei liegt in ihrer Presse Präsident der Republik von der zuführen gewesen wäre. Sofort nach dem Rücktritte Thiers je mehr Leser ein Blatt hat, desto größere Macht hat Monarchisten Gnaden, so kann sich Casimir Perier von der Leitung der Staatsgeschäfte scheiterte die Wieder­es, und je größer die Macht der Parteipresse, desto größer nennen, denn die überwältigende Majorität der Republikaner herstellung der Monarchie lediglich an dem Starrsinne die Macht der Partei, wer dem Partei- Organ neue Leser hat gegen ihn gestimmt, dafür erhielt er aber fast sämmt des bourbonischen Thronprätendenten, Grafen Chambord, zuführt, stärkt sonach die Partei. liche monarchistische Stimmen. Aehnlich wie bei der Wahl der sich weigerte, in der Verfassungsfrage und in der Frage, Mit dem 1. Juli eröffnen wir ein neues Abonnement bei der Wahl des Haudegens der Ruf die Republik sein solle, eine bindende Erklärung abzugeben. Als Mac Mahon Mit dem 1. Juli eröffnen wir ein neues Abonnement Mac Mahon's verlief die Wahl Casimir Perier's und wie ob die Trifolore oder das Lilienbanner die nationale Fahne in Gefahr berechtigt war, so ist er jetzt begründet. gewählt wurde, bereiteten die Monarchisten, deren willfähriges Man weiß, daß die, welche nach ihrem Besitz zu den Werkzeug der neue Präsident war, alles zu einem Staats­obersten Zehntausend in Frankreich gerechnet werden, die streiche vor, ein Ministerium, das lediglich aus Monarchisten Republik als ein heute nothwendiges Uebel betrachten, daß sie bestand, wurde gebildet, alle republikanischen Beamten wur die Wiederherstellung der Monarchie, mit ihren Ehren, den entlassen, die Kammer aufgelöst und die Neuwahlen Titeln, Schranzen und Hoffesten herbei unter Hochdruck vorgenommen. Aber das französische Bolt Würden, sehnen, daß die Rothschild , Say, Casimir Berier die Tra- entschied sich bei den Wahlen mit großer Mehrheit für die bition des Bürgerkönigthums Louis Philipp's gepflegt Republik, Mac Mahon mußte sein Kabinet entlassen, er haben, daß sie mit Wonne sich an den Wahlspruch dieses selbst mußte zurücktreten. Jetzt erst gelang es, einen Idols der Bourgeoisie erinnern: ,, Enrichissez vous" Republikaner ohne monarchische Bergangenheit, Grevy, zum ( Bereichert Euch!). Eine Monarchie orleauistischen Ge- Präsidenten der Republit zu wählen. Für einige präges würde dem Großbürgerthum freie Hand lassen, sie Beit war die Republik gesichert, die Monarchisten würde die Aufdeckung und öffentliche Behandlung der hatten awar ihre Hoffnungen nicht aufgegeben, Praktiken der Schwindlerbande eher verhindern, sie hätte sie saben ein, daß ein günstiger Zeitpunkt zum entscheiden­den Panamaschwindel leichter aufkommen lassen, sie hätte den Schlage gegen die verhaßte Republik abgewartet werden aber seine Aufdeckung zu verhindern gesucht. In der müsse. Die Prätendenten unterließen freilich nicht, durch Republik auch Cafimir Perier'schen Gepräges lassen sich die Zeitungen, Vertheilung ihrer Bildnisse, Erlassen von Manis Geschäfte der Bourgeoisie doch nicht so bequem besorgen, wie festen und dergl. das gegen fie gleichgiltige französische Volk in der orleanistischen Monarchie. Die öffentliche Meinung, auf ihre werthen Personen aufmerksam zu machen. Im die Majoritäten der Parlamente müssen mehr gefürchtet Jahre 1886 geberdete sich der Graf von Paris , der werden in der Republik als in der Monarchie. Darum ist orleanistische Thronprätendent, bei der Vermählung seiner es der stille Wunsch nicht nur des alten Adels, sondern Tochter mit dem Kronprinzen und jetzigen Könige von auch der Großbourgeoisie, daß Frankreich wieder eine Portugal wie ein Monarch, worauf die Republik mit der Monarchie werde. Seit dem Tage von Sedan sind die Ausweisung der Thronprätendenten antwortete. Dhne auf weitere Einzelheiten einzugehen, erinnern wir Monarchisten in Frankreich unablässig an der Arbeit, die Republik zu untergraben und die Monarchie wieder her noch an die Boulangistische Bewegung, deren Endzweck die zustellen. Die Verfassung der Republik , welche unter der Wiederherstellung der Monarchie war und Präsidentschaft des früheren orleanistischen Ministers Thiers monarchistischer Seite mit Geldmitteln auf's ver und unter einem Ministerium, dem der Vater des jetzigen schwenderischste ausgestattet wurde. Nichts hatte aber der

1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus, wöchentlich 28 Pfennige.

zum Preise von

Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements 3,30 M. für die Monate Juli- August- September entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1894

unter Nr. 6919.)

In unserer Nummer 71 begannen wir die Veröffentlichung des geschichtlichen Romans Der Jude.

Von Spindler .

Neu eintretenden Abonnenten werden die bisher erschienenen Nummern auf Verlangen nachgeliefert. Nach diesem Roman werden wir einen anderen veröffent­lichen, der in Berlin spielt und die März Ereignisse des Jahres 1848 schildert.

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die von

Die Redaktion und Expedition des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bräsidenten angehörte, ausgearbeitet wurde, war mit Aus- monarchistischen Sache in Frankreich mehr geschabet als die

Feuilleton. Der Jude.

Deutsches Sittengemälde

aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Bon C. Spindler.

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nahme Paragraphen, der als Oberhaupt Frankreichs einen Verbindung mit dem Tingel- Tangel- General. Durch per­

Sechstes Kapitel.

Ist auch mein Haus nicht groß und schön, Und leer Gemölb und Speicher, Brauch ich vom Thurm nur umzuseh'n, Und wer ist dann noch reicher?

Ich denke über Feld und Hain

Der einzige Herr und Fürst zu sein, Und daß die Unterthanen mir es glauben, Will ich sie, eh' ein anderer kommt, berauben. Ballade.

Füßen sank, und wie vernichtet die Hände vor das Gesicht schlug, da Diether, heimkehrend plößlich in das Zimmer trat. Entsetzt blieb der Greis am Eingang stehen, und Dagobert eilte, nachdem er die Stiefmutter aufgehoben und in den Sessel gebracht, auf ihn zu: Liebster Bater!" rief er, ohne in seiner Seele nur eine Ahnung von dem bösen Schein zu haben, den dieses späte und seltsame Bei­sammensein auf ihn und Margarethen warf: Ihr kommt zu rechter Zeit. Nehmt die Mutter in Euren Schuh. Ihr Margarethe erblaßte. Es sei die höchste Zeit, läßt Verstand leidet unter dem Argwohn, den Ihr auf sie ge­er Euch vermelden," fuhr Dagobert fort: die Folter sei worfen. Mich schmerzt es, daß Ihr auch mir mißtraut. Der Leuenberger Beit saß auf einem Vorsprunge in der ihm schon angedroht, und er würde sie am Ende nicht Doch, Euch zu überführen, verlaß ich morgen mit dem Burg zu Gelnhausen , von welchem er durch ein Gitter ins aushalten können. Ihr möchtet also, da er von Euch Frühesten die Stadt, um Wallraden aufzusuchen, und ohne Freie schauen konnte. Seine Base Petronella hinkte um allein Hilfe erwarten könne, damit nicht säumen, und sie tehre ich nicht wieder. Bergönnt mir nur, ihren Knecht den Herd des anstoßenden Gemachs, das zugleich Küche, feiner Ergebenheit gewiß sein."-Nicht säumen," wieder mit mir zu nehmen, denn sein bedarf ich, und versprecht Wohnstube und Schlafkammer vorstellte, und blinzelte nur holte Margarethe langsam und erschöpft: Dieses segt mir, gegen den Schultheiß, der mich heute aufs gröblichste von Zeit zu Zeit nach dem Better, der sich gerade bes meinem Elend die Krone auf. Wie soll ich ihn, wie mich beleidigte, meine Sache zu führen bis zu meiner Heimkehr, schäftigte, seinem Falten ein neues Geschühe anzupassen. retten?" setzte sie händeringend und außer sich hinzu. damit der Ritter und sein Gelichter nicht glauben, daß ich Der Falte machte ein sehr verdrießlich Gesicht, aber sein Beruhigt Euch," sprach Dagobert tröstend: Euch rette aus Feigheit oder Beschämung ihnen ausgewichen." Herr noch ein verdrießlicheres. Seinem ungeduldigen Blick ich vom schmählichen Verdacht, und einer Fürbitte ist der Diether schwieg eine lange Weile hindurch, den finsteren und noch ungeduldigeren Händen wollte das Nesteln und arme Jude wohl werth. Die Schöffen werden über den Blick zur Erde geheftet. Dann sprach er kurz: Ich werde Schnallen der langen und kurzen Gefäße und Wurfschnüre Elenden richten, und ein gutes Wort an den Vater ist allezeit meines Hauses Ehre zu bewahren wiffen. Mache nicht schnell genug gelingen. Warte, verdammter Falk!" wohl nur mit dem Ansuchen gemeint. Schlägt's der Vater was Du willst. Du thuft aber recht, wenn Du nicht ferner schalt er: Deinen Trozkopf werde ich schon zu beugen wissen. ab, so habt Ihr Menschenpflicht gethan und könnt ruhig weilst." Dagobert sah ihn groß an; um aber des Vaters Seit neun Monden machst Du mir das Leben sauer, und sein." Ruhig?" rief Margarethe wie in Verzweiflung; Grimm nicht zu reizen, ging er still davon. Diether starrte bist so einfältig, als ob Du gerade aus dem Gestände ge­" Ich muß den Juden retten... bald retten, oder ich bin wild zum Himmel auf. Die Gewißheit ist da, die ich erhoben wärst. Aber hungern sollst Du und wachen, daß Dir - Damit packte verloren! Dagobert, edler Mensch! Mann, den ich leiden beten!" grollte er dumpf in sich hinein; dann fügte er, zu der Kizzel vergehen wird in kurzer Zeit." schaftlich liebte, den ich noch verehre wie einen Heiligen! der Frau gewendet, hinzu: Beschämt stand ich vor meinem er den wilden Vogel auf, zog ihm die Haube über'n Kopf nimm Dich meiner an. Es streitet wider Dein eigenes Recht, Sohne, nachdem ich Eure Worte gehört. Es kann also und setzte ihn drinnen auf die Stange. Als nun aber aber rette den Juden, rette mich! Das Schicksal ferner nicht zwischen uns bleiben, wie bisher. Ich hasse Beit pfeifend und mit auf den Rücken gelegten Händen droht mein Verhängniß mit Füßen zu treten, wie das des das Aufschen und die Lästerungen; befehle Euch jedoch, wieder hinaus auf den Vorsprung ging, und in's Weite Rindes, das in jener Kammer schläft." Johann's?" Eure Stuben nicht zu verlassen, und weder mit noch ohne starrte, konnte die Muhme nicht länger an sich halten. fragte Dagobert bestürzt: Ehrsame Frau! Der Himmel den Knaben einen Versuch zu machen, bis zu mir zu Wenn Hunger und Nachtwachen jeden Trozkopf zahm behüte Eure Vernunft. Ihr redet irre!"- D nein, nein!" bringen. Ich will Euch ferner nicht mehr sehen, und in machen könnten," teifte sie vom Herde her, so müßte auch schluchzte Margarethe:" Euch allein und dem Himmel be- Stille und Ruhe überlegen, wie ich, ohne Euch vor der der Deinige schon lange in der Ordnung sein, Neffe."- fehle ich mein und des Knaben Loos! D, dieser Knabe... Welt zu Schanden zu machen, noch mich herabwürdigen, Habt Ihr etwas geredet, Muhme?" sprach der Leuen­er hat feinen Vater... Dagobert! nehmt Euch seiner an! Euer Geschick bestimmen möge." Dies sagend kehrte er berger spißig zu ihr hinüber." Schon lange, toller Werdet Ihr des Knaben Vater!" der in Schmerz und Angst aufgelösten Gattin unerbittlich Mensch," erwiderte Petronella, nach dem Blasebalge greifend, Dagobert trat erschrocken zurück, als die Frau ihm zu den Rücken und verschloß sich in seinem Gemache. ..aber was hilfts? Der Herr mag noch so reichlich die

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