Nr. 101. 35. Jahrg.
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Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
Sonnabend, den 13. April 1918.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernibrecher: Amt Morinolas, Nr. 151 90-151 97.
nommen.
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Merville geUebergang über die Lawe. Vergeblicher französischer Ansturm westlich Morenil.
Berlin , 12. April 1918, abends. Amtlich.
Unsere siegreichen Truppen sind im Fortschreiten durch die weite Lys- Ebene zwischen Armentières und Merville.
Amtlich. Großes Hauptquartier, 12. April 1918.( 2. Z. B.)
Weftlicher Kriegsschauplah. Armentières ist gefallen. Durch die Truppen der Generale von Eberhardt und von Stetten von Norden und Süden umfaßt, ihrer Rückzugsstraßen beraubt, ftredte die englische Befazung 50 Offiziere und mehr als 3000 Mann tapferer Wehr die Waffen. Mit ihnen fielen 45 Geschühe, zahlreiche Maschinengewehre, große Munitionsmengen, ein Bekleidungslager und reiche andere Beute in ussere Hand.
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Sand. Gerade in den letzten Nächten vor Beginn der Schlacht an
der Lys hatten sie einen großen Teil ihrer schweren Artillerie dort Heraus aus dem Schlammfeld!
herausgezogen, um ihn zwischen Ancre und Somme einzusetzen. Die portugiesischen Divisionen mußten diese Schwächung der gemeinsamen Front teuer bezahlen. Wie überraschend der neue Schlag die Engländer traf und welche Bestürzung herrschte, geht darnius hervor, daß sie bereits um 9 Uhr vormittag, also im crsten Stabium der Schlacht, eiligst den Rest ihrer schweren Geschüßesprengten, damit sie gebrauchsunfähig in deutsche Sände fielen. Diese Handlungsweise widerspricht in fo hohem Maße jedem Kampfgebrauch, daß man sie nur als eine Verzweiflungstat bezeichnen kann.
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Nordwestlich von Armentières gewannen wir Raum. Weftlich von Armentières warfen die Truppen der Generale von Stetten und von Carlowig nach Abwehr starker mit zusammengerafften Kräften gegen Steenwerd geführter Gegenangriffe und nach erbittertem Kampf um die vierte englische Stellung den Feind in Richtung Bailleul und Merville zurück. Merville wurde genommen.
Auf dem Südufer der 2ys erkämpften sich die Truppen des Generals von Bernhardi den Uebergang über die Lawe und stießen bis in Höhe von Merville vor.
Die Gesamtbeute aus der Schlacht bei Armentières beträgt nach bisherigen Feststellungen 20 000 Gefangene, darunter cin englischer und ein portugiesischer General und mehr als 200 Geschüte.
Die Ueberwindung des verfumpften Trichtergeländes in und vor unserer Ausgangsstellung des 9. April stellte höchste Anforderungen an die Truppen aller Gattungen der vordersten Linie. An ihrem Gelingen haben Pioniere, Armierungsfoldaten und die hinteren Divifionen hervorragenden Anteil.
Auf dem Schlachtfelde zu beiden Seiten der Somme entwickelten fich heftige Artillerietämpfe. Französische Regimenter, die auf dem Westufer der Avre westlich von Moreuil anstürmten, brachen unter schwersten Berluften zusammen und ließen 300 Gefangene in unserer Haud, die später durch französisches Artilleriefeuer vernichtet wurden.
Bon den anderen Kriegsschauplägen nichts Neues. Der Erfte Generalquartiermeister. Ludendorff.
Der österreichische Bericht.
Wien , 12. April 1918. Amtlich wird verlautbart: Im Gebirge beiderseits der Brenta erhöhte Kampftätigkeit. Der Chef des Generalstabes.
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Ein Wahlrechtskampf in Sicht.
Den Siegern von Armentières hat die Wahlrechtskommission des preußischen Dreiklaffenhauses ihren Dank in flatschenden Ohrfeigen abgestattet. Alle Geeresberichte rühmen, mit welcher Aufopferung und Zähigkeit die Wackeren im Westen sich durch das unpassierbar scheinende Schlamm- und Trichterfeld hindurchgearbeitet haben und was das an Schweiß und Blut und Selbstüberwindung kostet, davon macht sich auch keine blasse Vorstellung, wer nicht Aehnliches miterlebt hat. Auf der anderen Seite des Trichterfeldes aber erwarten sie nicht die Engländer, sondern die preußischen Reaktionäre, um sie in ein neues Schlammfeld zu stoßen, in den Sumpf der politischen Entrechtung, der Auslieferung des Kriegsverdienstes an den Kriegs gewinn.
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Zum zweiten Male hat der Verfassungsausschuß des Abgeordnetenhauses die Parole ausgegeben: Wer sich am Krieg bereichert hat, der zählt für viele, wer aber im Striege geblutet hat, zählt kaum für einen. Noch mehr, er hat aus dem Sechsklassenwahlrecht der ersten Lesung ein Siebenflassenwah Irecht gemacht und damit die politische lingleichheit gegenüber der Gleichheit in Not und Tod noch un eine Stufe erhöht. Auf die Herren vom preußischen Rückschritt haben die Siegesbotschaften der letzten Wochen nicht den Eindruck gemacht, daß man diesen Helden gegenüber gegebene Versprechen unter allen Umständen einlösen müßte, sie haben vielmehr mit schlauer Geschäftsmiene falfuliert: Angefeuert hat die draußen das Versprechen einer freien Zukunft ja nun genügend, der Glaube hat geholfen und die Erfüllung ist unsere Sache."
Das zum zweiten Male von der Kommissionsmehrheit gutgeheißene Zusatzstimmensystem macht den Eindruck, als sei es von Leuten ausgeflügelt worden, denen man im April 1918 erst erzählen muß, daß wir im Sriege stehen. Sie geben Zusatzstimmen, die geradenwegs gegen jene gerichtet sind, die draußen die Hauptopfer des Stamp= fes tragen.
Das Vermögen wird prämiiert. Der Kriegsteilnehmer konnte kein Vermögen sammeln, vielfach hat er seine Ersparnisse bis auf den letzten Heller eingebüßt. Höhnisch erklärte ein konservatives Kommissionsmitglied: Ber heutzutage feine 6000 M. erspart habe, der sei den schönen Krieg nicht wert, der verdiene es nicht besser. Wie muß das auf die Soldaten wirken, die seit vier Jahren. Die wenigen Pfennige Löhnung als einzige Einkommenquelle haben. Sie werden sich fragen, ob denn der Krieg im preußischen Dreiflassenhaus nur noch mit Kriegsgc. winnlers Augen angesehen wird!
Neben dem Vermögen schafft das Einfommen eine Zusatzstimme. Millionen Kriegsbeschädigter sind in ihrer Erwerbsfähigkeit auf Bruchteile der früheren Möglichkeit zurückgeworfen worden. Auf sie wird keine Rücksicht genommen! Eine weitere Busabstimme für wirtschaftliche Selbständigkeit, eine Ertrazüchtigung für hundert
Englischer Bericht vom 11. April morgens. Die Schlacht dauert tausende von Mittelstandseristenzen, die als selbständig an der ganzen Front vom La Basséetanal bis zum Ka- Erwerbstätige hinausgezogen sind und bei der Stückkehr nach nal pern- Comines an. Ernstliche Gefechte fanden in vierjähriger Abwesenheit ihr Fleines Erwerbsgeschäft, ibre der Nähe des Lawe- und des Lys- Kanals etwa von Restrem Selbständigkeit vernichtet sehen. Dafür gibt ihnen die bis Armentières statt. Unjeve Truppen sind von Armen- Wahlrechtskommission den Trost, daß für die beiden ersten bières, das von Gas erfüllt ist, zurüdgezogen worden. Nördlich Wahlen nach dem Kriege die Verhältnisse vor dem Kriege be
on Armentières unbedeutende Aenderung der Lage. Seftige Ge- rücksichtigt werden sollen. Dann ist es aber aus! Der fechte dauerten in vergangener Nacht noch in später Stunde in der ruinierte Handwerksmeister oder Ladenbefizer, der in fünf Nähe von Ploegsteert, Messines und Wytschaete an. Von der übri- Jahren seine Selbständigkeit nicht wiedererlangt, der fliegt hinab in den Sumpf der Entrechteten. gen britischen Front ist nichts zu berichten.
Berlin , 12. April. W. Z. B. Die feftungsartig mit Betonwerken stark ausgebaute Stadt Armentières hielt sich am Englischer Heeresbericht vom 11. April abends. Der Feind Hohes Alter, eine weitere Zusabftimane. Dem Mter 11. April trok der immer umfassenderen Einschnü- verstärkte seine Angriffe den ganzen Tag über auf der gesamten alle Ehre, aber wer als Fünfziger daheimgeblieben ist, der rung außerordentlich tapfer. Erst als in frischem An- Schlachtfront. Die schweren unaufhörlichen Angriffe wurden von wird sicher feinen Vorrang vor dem Dreißiger beanspruchen, sturm deutscher Truppen auch weft wärts die umklamme= rung des mächtigen Stüßpunktes erreicht war, ergab sich der Nest frischen deutschen Divisionen in der Gegend der Lawe der hinaus mußte. Wieviel von den durch Strapazen, Verder tapferen Besayung, die während der Einschließung außerordent: 3 wischen Loisne und Lestern ausgeführt. In diesen wundung und Krankheit geschwächten Feldzugsteilnehmern lich schwere Bealufte erlitten hatte. Die Straßen und der Kämpfen hat die 51. Division die unaufhörlichen Angriffe mit werden schließlich das hohe Alter erreichen, in dem endlich die Stadtrand liegen voller Leichen. großen Verlusten für den Feind abgeschlagen und durch fräftige Busabstimme winkt.- 3ahl der Kinder, wieder eine Zu. Die Beute an Maschinengewehren und Munition und erfolgreiche Gegenangriffe die Stellungen zurüderobert, in die fakstamme. Sehr verlockend für die, die vier Jahre ihres besten konnte bisher ebenso wenig festgestellt werden wie die Bestände der der Feind eingedrungen war. Schwere Kämpfe in Estaires und Mannesalters der Familie fernbleiben mußten. Gine übrigen eroberten englischen Depots. Unter den 45 Gefch üben zwischen diesem Ort und Steenwerd. In diesem Abschnitt besondere Strafe für jene unglücklichen Striegsverletzten, die befindet sich außer zahlreichen schweren auch ein 34-8entimeterEisenbahngeschüß. Die Gesamtbeute feit dem 21. März ist griff der Feind ebenfalls in großer Stärke an und hatte den Erfolg, infolge Siechtums oder schwerer Verstümmelung an Heirat nunmehr auf über 112000 Mann an Gefangenen und auf unsere Binien nördlich bis dicht von diesen Orten und Kindererzeugung nicht mehr denken können! Bujabstimme für Bildung. Draußen wurde nicht mehr als 1500 Geschüte gestiegen. Die nach vielen zurückzudrängen. Nördlich von Armentières entwickelte sich taufenben zählenden Maschinengewehre, die zum Teil heute morgen ein entschlossener Angriff gegen unsere Stellungen nach der Bildung gefragt, wenn einer nur tüchtig war. von den Deutschen sofort eingefekt wurden, auch das übrige ge- in der Nähe des Ploegsteerter Waldes, und der Feind Manchen hat der Krieg aus seinem Bildungsgang herausnommene Kriegsmaterial läßt sich nicht annähernd übersehen. machte einige Fortschritte. Weiter nördlich wurde der heute morgen gerissen, dafür entsprechende Strafe! Und ist die neue Die Tankbeute hat sich von 100 auf 200 erhöht. vom Feinde gegen unsere Linien in der Nähe von Wytschaete und nationalliberale Zusabstimme etwa ein Trost, die dem geDie Engländer warfen auch jest wieder bei der Schlacht von Sollebeke angesetzte heftige feindliche Angriff von der 9. Division währt wird, der mehr als 12 Jahre dem aktiven Heere anArmentières Hals über Kopf Kompagnie auf Kompagnie von Divi- mit großen Verlusten für den Feind vollkommen abgewiesen. Die gehört hat? Wohl nur denen, die auf eine zwölfiährige fionen, die vor Quentin abgekämpft waren, planlos in den Kampf. Schlacht dauert an der ganzen Front zwischen La Bassée - riegsdauer hoffen! Dieses kopflose Verfahren lieferte den Deutschen wie: Kanal und dem Kanal pern- Comines an. derholt geschlossene britische Kompagnien in die übrigen britischen Front verlief der Tag verhältnismäßig puhig.
An der
Aber es handelt sich nicht nur um die draußen. Es handelt sich um ein ganzes Volt, das jahrelang Leiden,