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Nr. 258. 85. Jahrg. en sist

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Telegramm- Abresse:

.Sozialdemokrat Berlin ",

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

10 Pfennig

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Diefiebengespaltene Rolonelzeile foflet 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte ort 30 ẞfg.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 15 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 20 Bfg., jedes meitere Bort 10 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für wei Borte. Teuerungszuschlag 20% Familien- Anzeigen, politische und gemertschaftliche Bereins Anzeigen 60 Bfg. die Beile. Anzeigen für die nächste Rummer müffen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin 6.68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends.

B

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Mr. 151 90-151 97.

Donnerstag, den 19. September 1918.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97.

Пeue Schlacht vor St. Quentin .

Oesterreichs Friedensschritt.

Die Antwort der Vereinigten Staaten .

Die Antwort der Vereinigten Staaten an Oesterreich­Ungarn ist, wie Reuter meldet, am Dienstag nachmittag der schwedischen Gesandtschaft zur Uebermittelung nach Wien ein­gehändigt worden. Ihr Wortlaut wird also binnen kurzem bekannt sein. Lansings gestern gemeldete Erklärungen wurden, wie Reuter in einer weiteren Drahtung aus Washington de­monstrativ betont, innerhalb einer halben Stunde nach Emp­fang des österreichischen Vorschlages abgegeben. Reuter fügt hinzu: Die Schnelligkeit, mit der die Rücäußerung erfolgte, zeigt, daß nicht der leiseste Zweifel darüber bestehen kann, ivas man für eine Antwort zu erwarten hat. Und dann sagt das Bureau, um anzudeuten, daß die jetzige Aktion des Grafen Burian abgetan sei:

Amtliche Kreise beschäftigen sich mit der Frage, welches ber nächste Schritt in dem, was man allgemein als deutsche Friedensoffensive auffaßt, sein wird. Allgemein glaubt man, daß die deutschen und österreichischen Militärbehörden die amerikanische Antwort als Beweis dafür erklären werden, daß alles Menschen­mögliche zur Herbeiführung eines Friedens geschehen sei, und daß sie auf diese Weise das Bolt für einen neuen Winterfeldzug mo­ralisch fräftigen wollen. Andere sprechen von der Möglichkeit eines Berfalles des Vierbundes. Indem Desterreich soweit gegangen sei, einen Friedensvorschlag zu machen, habe es den Weg für den nächsten Schritt, nämlich die vorbehaltlose Unter werfung unter Bilfons Bedingungen geebnet."

Diese Begleitmusik zu der amerikanischen Antwort scheint darauf auszugehen, die Deffentlichkeit in den Ententeländern von der Hauptsache, der zu leistenden Friedensarbeit, wieder zu den Gedanken und Gefühlen abzulenten, an deren Weiter­Yodern eben der imperialistische Kriegsfuror interessiert ist. Es wird sich zeigen, ob in den Alliiertenländern er allein die öffentliche Meinung bestimmt oder ob neben der Forderung ,, borbehaltloser Unterwerfung" der Verständigungsgedanke mehr als gestern ein Wort mitzureden hat.

Der Zusatz Neuters tann natürlich auch den Zwed haben, auf die zu erwartende amerikanische Antwortnote einzustellen und zwar in aufreizender Absicht, um die Lust zu einem weiten Schritt im Steime zu vergiften.

Frankreich vor der Antwort.

des Londoner Memorandums einzuwirken.

Der Temp 3" erklärt, die Bayer- Rede sei ein Friedens­manöver, welches dem preußischen Absolutismus und Breußens Vorherrschaft in Deutschland retten würde. Sie strebe einen Son derfrieden mit Belgien und die Annexion Belgiens an einen auch von der Queffelgruppe gefordertes Kontinenteuropa an. Bayers Gintreten für den Statusquo, und die Gesellschaft der Nationen fei nur dekorativ und ein Versuch, die Alliterben zur Debatte über die Kriegsziele zu verlocken.

Fortdauernde feindliche Angriffe zwischen Ailette und Aisne

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Kämpfe östlich der Cerna in Mazedonien .

Berlin , 18. September 1918, abends. Amtlich. Englisch - französische Angriffe auf breiter Front vom Walde von Havrincourt bis zur Somme. Gegen den auf der Mitte des Schlacht: feldes zwischen Hargicourt und dem Omi­gnonbach eingedrungenen Feind find Gegenangriffe im Gange. An der übrigen Front find die Angriffe des Feindes gescheitert. Wir kämpfen überall westlich unferer alten Siegfried= stellung.

Amtlich. Großes Hauptquartier, 18. Sep­tember 1918.( WTB)

Weftlicher Kriegsschauplah.

eeresgruppe Kronprins Ruppre& t. Bei pern wurden Borstöße, beiderseits des 2 a Bassée­Ranals mehrfach wiederholte Teilangriffe des Gegners abge­gewiesen.

Heeresgruppe Boehn.

Versuche des Feindes sich nördlich vom Holnon- Walde an unsere Linien heranzuarbeiten, sowie Teilangriffe gegen Holnon und Essigny- le- Grand scheiterten.

Heeresgruppe Deutscher Kronprins. Zwischen Ailette und Aisne fette der Franzose seine Angriffe fort; am Vormittage stieß er zwischen Baugaillon und Allemant, am Nachmittage nach stärkstem Feuer auf der ganzen Front mit starken Kräften vor. Der Feind, der zunächst auf Piuon und südlich der Straße Laffaug- Chavignon in unsere Linien eindrang, wurde im Gegenstoß wieder zurück­geworfen. Die gegen die übrige Front gerichteten Angriffe scheiterten vor unseren Linien.

Heeresgruppe Gallwig.

Keine besondere Gefechtstätigkeit.

Seeresgruppe erzog Albrecht, Kleinere Erkundungsgefechte an der Lothringischen Front und in den Bogesen.

Mazedonischer Kriegsschauplatz.

Deftlich der Cerna stehen die Bulgaren seit dem 15. 9. im Kampf mit Franzosen, Serben und Griechen. Zur Abwehr des Feindes find auch deutsche Bataillone eingesetzt worden. Der Erfte Generalquartiermeister.

Ludendorff.

hin andere Töne als der borstehende Kommentar, dessen Verfasser Pierre Albin zu den maßvollsten französischen Auslandspublizisten gehört, urteilt der Herausgeber desselben Blattes, der Elsässer Wertheimer, welcher die Staatsmänner mahnt, in der jebigen Siegesstunde weder das Gebot der Gerechtigkeit, noch die Tatsache zu vergessen, daß täglich tausende sterben und jede ver­fehlte Haltung der Alliierten die Lage der Feinde verbessern kann. ( Bei der Beurteilung des Eclair" ist festzuhalten, daß der Eclair" der traditionell gemeinsamen Reaktionspolitik Frankreichs und Desterreichs gegen ein modernes Deutschland nachstrebt.)

Radical" schreibt: Hält Burian die Ententestaatsmänner für Kinder? Ohne Aufrichtigkeit und Klarheit ist nichts zu machen. Möge also Burian sein tonkretes Programm vorlegen! An einen neuen Sigtus coup ist nicht zu denken."" Bays" erklärt: Wenn Deutschland und Desterreich Frieben wünschen, mögen sie jagen, ob sie den einzigen Frieden annehmen, welcher den Krieg tötet, nämlich die Wilsonschen Formeln." Dagegen schreibt das Journal du Peuple":" Wir sehen in diploma. tischen Aussprachen nichts Unzutömmliches. Daß unsere Regierungen die Einstellung der Feindseligkeiten ablehnen, ist logisch. Aber womit will man die Abweisung von vorgeschlagenen Auseinandersetzungen begründen? Warum sollte man nicht ebenso wie über das Schicksal der Kriegsgefangenen über die Kriegs­frage selbst sprechen? Wir sind an einem Wendepunkt des Kampfes, wo wir auf die ständig wachsende Hilfe Amerikas zählen fönnen. Trotzdem wäre es berbrecherisch, nicht die Bilanz unserer Opfer au ziehen und noch zu bewältigende Schwierigkeiten zu erwägen. Sicherlich müssen wir Alliierte uns zuerst ins Ein­vernehmen sezen; aber Frankreich , England und Amerika fallen schwer genug in die Wagschale, um tindische Befürchtungen auszu­schließen."

Neue Throne oder neue Volksrechte?

Bon Philipp Scheibemann.

Die Welt ächst in allen Fugen. Der Blutstrom steigt von Tag zu Tag. In zermürbender Sorge bangen Mil­lionen und Abermillionen von Frauen in allen Zän­dern! um ihre Männer und Söhne. Werden sie über­haupt wiederkehren? Und wenn ja, wie werden sie zuge­richtet sein?

Im stillen Kämmerlein aber sitzt da ein Landgraf und lernt Finnisch , damit er wenige Säße in der Muttersprache der Finnen hersagen kann, wenn er sich ihnen über kurz oder lang als angestammter Landesvater vorstellen wird. Ganz offen heraus gesagt: es ist skandalös, daß der­gleichen überhaupt möglich ist! Der Herr Land­

p. Bern , 18. September. ( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Die französischen Chauvinisten verstärken die Hebe gegen die gemäßigten Friedenspolitiker. Sogar Vanderveldes Gefolgsmann und Kabinettchef Dewinne hält es für notwendig, im Organ der burgfriedlichen Sozialisten, dem Droit du Peuple" vor diesem Ententemächte sind in der Lage, neue Friedensvorstöße zu machen. graf geht freilich auf eigene Rechnung und Gefahr" in das Treiben zu warnen. Bemerkenswert ist, daß der Pariser Es wäre geschickt, wenn die Entente offen ihre Bedingungen be- Abenteuer das Reich engagiert sich nicht für ihn, weder Empfang Gompers, welcher nach der Konferenz in London fannt gäbe und zwar ohne Wagheiten, welche der Geheimdiplomatie ießt, noch in Zukunft". So ist dem Schwager des Kaisers zu erwarten ist, nur von der Rammergruppe der 41 und den offene Tür laffen. Die Demokraten der Bentralländer müssen die angeblich klar und deutlich in Berlin gesagt worden. Diese Buchbrucern organisiert wird. Die Parteimehrheit und die großen Gewißheit erhalten, daß die Entente nicht imperialistische Biele Erklärung ist aber offenbar ungenügend gewesen, denn sie Gewerkschaften halben sich fern. In der Londoner Delegation der verfolgt." hat den Fürsten von seiner Bereitwilligkeit, König von franzöfifchen Partei und der Konföderation der Gewerkschaften Der Populaire" schreibt in einem start genfurierten Ar- Finnland zu werden, nicht abgebracht. Es muß gang un­hat die Linte die Mehrheit. In gemeinsamer Sibung beschlossen titel: Jedem vernünftigen Franzosen wird das era höher zweideutig gesagt werden, daß es sich hier um mehr als um die Delegationen, auf Gompers zugunsten rückhaltloser Annahme geschlagen haben, als er die Einladung Oesterreichs las. ein persönliches Abenteuer handelt, nämlich um den Anlaß Aber die Haltung der verftlabten Bresse muß ent- zu einem neuen Bürgerkriege, vielleicht sogar zu neuem mutigen. Indes muß man Oesterreich antworten. Einfache Ab- Weltenbrand! Die Finnen wollen nichts von Ihnen wissen, weisung wäre ungenügend, Man mag von Dynastien und ihren Herr Landgraf , lassen Sie sich das gejagt sein! Die unglücks. Ministern was immer halten, Tatsache bleibt, daß sie raben, die Ihnen die Finnenkrone angeboten haben, haben eine Friedensinitiative unternahmen, welche fer- das finnische Volk nicht hinter sich, sondern geschlossen nerhin ein Echo wedt. Die Antwort muß die Möglichkeit eines gegen fich. rasch en Friedens ins Auge fassen und wesentliche Klauseln nach Daß es die Reichsregierung nicht verstanden hat, den ben Gefühlen der Volksmassen, nicht nach den Begierden der herr- Landgrafen von seinem Vorhaben abzubringen, zeugt nicht schenden Maffen formulieren." für flares Erkennen der politischen Situation, nicht. für ent­Maßvoller schreibt Journal des Debats ":" Bayer Der Eclair" schreibt:" Die Redakteure der österreichischen schlossene Tatkraft. Die Regierung hat es nicht auf einen sprach ungleich fezerischer, als der ausgeschiffte Kühlmann und setzte Note bauen ihre Beweisführung, daß eine Annäherung eintrat, weil Konflikt mit den Mächten ankommen lassen wollen, die den sich in Widerspruch nicht nur zur Rechten, sondern auch zu Hert Wilson und England nicht die Berstörung Deutschlands und Oester- Handel mit Herzogshüten eröffnet und die Königs- Tragi­ling. Er bog mit vollen Segeln in die Gewässer der Freiluftdiplo- reichs fordern, auf einer 3 weibeutigteit auf. Sicherlich be- komödie eingefädelt haben. Nun wird sie, wenn nicht alle matie ein. Er sprach weber von fleinem Preis, noch von Ston- deutete der Eintritt Amerikas in den Krieg einen tiefen Ein- Anzeichen trügen, den Konflikt mit anderen Stellen auszu­gressen. Er forderte für die Völker Mitarbeit am Frieden. Wir schnitt in den Krieg. Aber wenn die Alliierten weder die deutsche, fechten haben. Diese mit Betriebsamkeit zu etablierenden danken dem Bizetangler für die Unterstützung der Sache, welche noch die österreichische, noch die ungarische Nation zerstören wollen, Thrönchen, der Handel mit den Herzogshüten usw. hätten in wir so lange vertreten haben, mißtrauen aber seiner jähen so folgt daraus nicht, daß sie die bestehende Verfassung die- unserer Regierung die heftigste Gegnerschaft finden müssen. Belehrung und müssen die deutsche Ausgabe der Gesellschaft der er Staaten ohne Abänderungen in einem dauernden Frieden Die Mehrheit des Reichstags wird hoffentlich keinen Zweifel Nationen, welche er anbietet, genauer prüfen." Interessant ist, daß und berechtigten Bürgerschaften für sich und die unterdrückten Völ- darüber aufkommen lassen, wie gründlich sie den östlichen die Aktion française" gegen den Leitartikler des Journal fer vereinbart finden. Weiter ist zweifellos, daß die territorialen Mummenschanz verurteilt. de Debats", Gauvain , weil er die Bekanntgabe der Kriegsziele der Regelungen Osteuropas teine ausschließlich österreichische und Weder bei uns, noch im Often wollen die Völker etwas Alliierten fordert, seit Monaten eine Hebe betreibt. Daubet nennt deutsche Sache sind. Jeder Friedensbesprechung muß eine Definie wissen von Erweiterung der bestehenden oder gar von Errich­ibn einen Halbdefaitisten, welcher die Revolutionäre und Sozialisten tion der Begriffe Staat und Nation vorangehen, hernach gilt es die tung neuer Herrschaftsrechte; hier wie dort will man da­die Freiheit aller Nationen nach zu bestimmenden Regeln in einem in- gegen Bolts rechte erweitern und übertreffe. sichern. wollen ibr Schicksal selbst in die Jouhaur schreibt in der Bataille", daß die Meinungsver- ternationalen abgegrenzten Rahmen von Staaten zu organisieren, Die Völker nehmen. Deshalb wird das Selbstbestim schiedenheiten mit Gompers nicht so groß seien, wie behauptet werde. welche ihnen die besten Lebensbedingungen sichern. Anders aus- Hand berlangt. Deshalb soll und Unsere Saltung ist diktiert durch die Unterscheidung zwischen bem gedrückt ist, daß die Frage, ob Oesterreich einen Wilson mungsrecht der Völker auch die voll­deutschen Volt und den Regierenden. Dasselbe erklärten Wilson frieden anstrebt. Leider ist sie zu verneinen, und muß wie die Gleichheit vor dem Gesetz und Aloyd George." Bataille" schreibt im Leitartikel: Die darum hat das Angebot wenig oder gar keine Aussicht."- Immer tommene politische Gleichberechtigung eingeführt werden.

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