Nr. 282. 35. Jahrs.
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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Feenivreder: Amt Morinolas, Nr. 151 90-151 97.
Sonntag, den 13. Oftober 1918.
Expedition: GW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Am: Morisvias, Str. 151 90-151 97.
Die deutsche Antwort an Wilfon.
Berlin , 12. Oktober. In Beantwortung der Fragen| Hergezerre fett endlich, biel zu spät, aufgehört hat, bietet ums Die Antwort der deutschen Regierung beweist, daß es keides Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika erklärt die einzige Aussicht, unser Volk aus diesem Wölfergemegel noch nerlei Anstrengungen mehr bedarf, un den Friedenswillen auf die Deutsche Regierung: als freie lebensfähige Gemeinschaft herauszuführen. Die neue deutscher Seite zum Durchbruch zu bringen. Gegen Rückschläge Die Deutsche Regierung hat die Säße angenom Regierung kann daher den Anhängern des alten politisierenden muß die Sozialdemokratie im Reichstag und das Volk draußen men, die Präsident Wilson in seiner Ansprache vom Militarismus feinen Einfluß auf die Staatsgeschäfte ver- auf der Wacht sein. Es muß jezt alles daran setzen, daß zum 8. Januar und in seinen späteren Ansprachen als Grund- statten. Sie mag die andern reden lassen, ihre Pflicht ist es, alten Glend nicht neues gefügt wird und daß sich der nun nahe lage cines dauernden Rechtsfriedens niedergelegt hat. Der zu handeln, wie es in der gegebenen schwierigen Lage das fünf- bevorstehende Uebergang zur Friedenswirtschaft ohne Schaden Zweck der einzuleitenden Besprechungen wäre also lediglich tige Wohl des Volkes erheischt. für das Ganze vollzieht. der, sich über praktische Einzelheiten ihrer Au- Daß die erste und dritte der Fragen Wilsons eine befriewendung zu verständigen. digende Beantwortung finden mußten, war selbstverständlich. Die Deutsche Regierung nimmt an, daß auch die Re- Hätte sich die Regierung auf waghalsige Definitionen des Begierungen der mit den Vereinigten Staaten verbunde- griffs einer Verhandlungsgrundlage eingelaffen, so nen Mächte sich auf den Boden der Kundgebungen des hätte die Welt mit Recht gesagt, die deutsche Politik habe ihren Präsidenten Wilson stellen. alten Charakter der Zweideutigkeit nicht aufgegeben. Was die Die Deutsche Regierung erklärt sich im Einvernehmen dritte Frage betrifft, so bedurfte es gleichfalls zu ihrer Beantmit der Desterreichisch- Ungarischen Regierung bereit, zur wortung nur der vollsten Klarbeit und Aufrichtigkeit. Die unHerbeiführung eines Waffenstillstandes den Räu- geheure Mehrheit des deutschen Volfee, vertreten durch die unmungsvorschlägen des Präsidenten zu entgeheure Mehrheit des Reichstags, hat den Friedensschritt der sprechen. Sie stellt dem Präsidenten anheim, den Zu- Regierung gebilligt und wünscht ihm so rasch wie möglich vollen fammentritt einer gemischten Kommission zu veranlassen, Erfolg. Auch die früher ausschlaggebenden Faktoren haben seine Ser es obliegen würde, die zur Näumung erforderlichen Ber- Notwendigkeit erkannt, sogar noch eher, als die breiten einbarungen zu treffen. Vollsmassen sie begriffen, weil ihnen zu einer flaren Beurteilung der Sachlage ganz andere Mittel restloser Aufklärung zur Verfügung standen. Die Nichtung, die jetzt in vollständiger Berblendung sich berufen glaubt, die Rolle eines Yord zu übernehmen, ist einflußlos.
Die jetzige Deutsche Regierung, die die Berantwortung für den Friedensschritt trägt, ist gebildet durch Verhandlungen und in Uebereinstimmung mit der großen Mehrheit des Reichstags. In jeder seiner Handlungen gestützt auf den Willen dieser Mehrheit, spricht der Reichskanzler im Namen der deutschen Regierung und des deutschen
Boltes.
Berlin , den 12. oftober 1918.
gez. Solf, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Der amtliche Text der drei Rüdfragen Wilsons, die mit der vorstehenden Note beantwortet werden, lautet in forgfältiger deutscher Uebersetung wie folgt:
Bevor er das Ersuchen der Kaiserlich Deutschen Regierung beantwortet und damit diese Antwort so aufrichtig und geradezu ausfällt, wie die bedeutsamen, auf dem Spiele stehenden Interessen es erfordern, hält der Präsident der Vereinigten Staaten es für nötig, fich über den Sinn der Note des Kaiserlichen Kanzlers zu vergewissern. Will der Reichetangler sagen, daß die deutsche Regierung die Säte annimmt, die der Präsident in seiner Ansprache an den Kongreß der Vereinigten Staaten am 8. Januar d. J. und in späteren Ansprachen niedergelegt hat, und daß der Zwed der einmal einzuleitenden Besprechung lediglich der sein würde, fich über praktische Einzelheiten ihrer Anwendung zu verständigen?
Nur die zweite Frage Wilsons, die militärische, bedurfte noch der Plärung in ihrem Wortlaut scheint sie darauf hinunstufen, daß Deutschland noch vor Emtritt eines Waffenstillstandes die befepten Gebiete räumen jolle, ihr Sinn tann aber nur der sein, daß Deutschland vor dem Waffenstillstand die Räumung zusagen und sie mit feinem Eintritt beginnen soll. Die freiwillige Räumung vor dem Waffenstillstand ist ein Widerspruch in sich selbst, fie bedeutet den Verzicht auf Gegenwehr gegen die fortdauernde feindliche Einwirkung, alfo etwas ganz Unmögliches.
Die Antwort der deutschen Regierung, die bom Staatssekretär des Auswärtigen Dr. Solf unterzeichnet ist, ist die Antwort des deutschen Volles, hinter dessen geschlossener Masse jede einzelne Persönlichkeit weit zurücktritt. In einer Zeit, wie der gegenwärtigen, bedeutet der einzelne wenig, das Volk alles. Hinter die Unterschrift des Staatssekretärs Solf fönnten leicht Millionen und aber Millionen Unterschriften von Männern und Frauen gesetzt werden, die ein Ende des heutigen Ringens herbeiiehnen. Das Bolt leistet Bürgschaft für die volle Aufrichtigkeit dieser Antwort.
Komplikationen.
gewissen Komplitationen, die durch die Veröffentlichung eines Die gestrigen 8 Uhr- Abendblätter beschäftigen sich mit Briefes des Prinzen Mar an seinen Vetter, den Fürsten Alexander von Hohenlohe, in der Ententepreffe entstanden sind. Es wird dort angedeutet, daß das Bekanntwerden dieses Briefes, der mit öffentlichen Erflärungen im Widerspruch zu stehen scheine, das Berbleiben des leitenden tantemannes in feiner Stellung in Frage gestellt habe. In Streifen ber Mehrheitsparteien, namentlich auf ganz lints gerichteter Seite" bestehe nicht ohne weiteres die Neigung, über jenen politischen Brief des jebigen Stanzlers den Mantel des Vergessens zu breiten".
Wir werden über diefe noch schwebende Angelegenheit ausführlich berichten, sobald sie abgeschlossen ist, d. H. voraussichtlich schon morgen. Für heute sei nur soviel gesagt: Es ist hier schon gefagt worden: Ea Deutschland von den Die deutsche Regierung, die berufen ist, Frieden zu schließen, besetzten Gebieten nichts behalten will, ist die Räumung nur muß so dastehen, daß an ihrer Aufrichtigkeit und Geradeine Frage der Zeitpunkte und der näheren Umstände, unter finnigkeit", um Wilsons Ausdrücke zu gebrauchen, kein Zweifel denen fie fich vollziehen soll. Daß die Gegner mit Deutschland bestehen kann. Darüber herricht in allen beteiligten Kreisen nicht verhandeln wollen, solange deutsche Truppen als Feinde volle llebereinstimmung sowie auch darüber, daß hinter den in ihrem Lande stehen, ist menschlich durchaus nicht unbegreif- ungeheueren fachlichen Interessen, die auf dem Spiele stehen, lich. Man denke doch den Fall umgefehrt. Die Russen alles Persönliche zurücktreten muß. Ueber die Folgerungen, hätten nach deutschen Waffenerfolgen in Ostpreußen , aber vor die aus diesem unumstößlichen Grundsaz zu ziehen sind, Räumung des von ihnen besetzten Gebiets Friedensverhandlun- schweben, wie gesagt, in diesem Augenblia noch ernste gen angeboten, hätte nicht auch utschland die Forderung der Beratungen. Mit Bezug auf den Vorschlag eines Waffen stillstandes borherigen Räumung erhoben? Wer, in feindlichem Lande fühlt sich der Präfident verpflichtet au sagen, daß er sich nicht in stehend, den Frieden diftieren kann und dies tut, handelt vielder Lage fühlen würde, den Waffenstillstand den Regierungen vor leicht politisch unflug, aber doch fonsequent. Wer auf feindlichem. zuschlagen, mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten Boden steht, ohne als Sieger den Frieden diktieren zu wollen gegen die Mittelmächte verbunden ist, solange die Heere dieser oder zu können, muß den Wunsch der Gegner, frei von dem Mächte auf deren Boden stehen. Jegliche vertrauensvolle Erörte- Druck feindlicher Besatzung zu verhandeln, verstehen und ihm rung würde offenbar von der Zustimmung der Mittelmächte Rechnung zu tragen bereit sein. abhängen, ihre Streitkräfte unverzüglich überall Will nan die Frage vom Standpunkte der Ehre aus bebon dem gewaltsam befetten Gebiet zurüdau.trachten, so darf man nicht übersehen, daß die Sache ihre awei
ziehen.
Der Präsident hat ferner die Empfindung, daß er berechtigt ist, zu fragen, ob der Kaiserliche Kanzler bloß für die ein gesetzten Behörden des Reiches spricht, die bisher den Strieg geführt haben. Er erachtet die Antworten auf diese Fragen als entscheidend von jedem Gesichtspunft.
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Die Schlußresolution, die der französische Parteitag mit der gewaltigen Mehrheit bon 1528 gegen 1212 Stimmen annahm, bedeutet eine endgüstige Wenderung der bisherigen Striegshaltung der Partei. Die Resolution richtet sich, mie das Amsterdamer Handelsblad" erfährt, gegen die Politik der Regierung, gegen das Zusammengehen mit der BourSeiten und daß auch der Gegner seine Ehre hat. Bäre es geoisie, gegen die Kredite, gegen die Intervention in Sibirien . Schmach", besetzte Gebiete freiwillig zu verlassen, so darf der Auch in der schon erwähnten Aenderung der Zeitung der Gegner die Zumutung, unter der Drohung feindlicher Waffen Humanité" drückt der Umschwung sich aus. An Stelle Friedensgefpräche zu führen, mit noch größerem Stecht als eine tenaudels tritt der Sentrist Marcel Cain an die Spitze Schmach für sich betrachten. Bleibt aber nur die Frage der des Blattes. Swei Breffeftimmen beleuchten die Wirkung 8medmäßigkeit, das heißt die Frage, ob nicht die durch dieser Entscheidungen auf die Seriegstreise. Hervé schreibt: die Räumung bewirkte Verschiebung der militärischen Situa- Der franzöfifche Sozialist ist bolfchemistisch geworden" und tion die Möglichkeiten, gegen die Machtvikkür des Gegners nach der Figaro" ist der Meinung, daß das Ende der heutigen Die Antwort der Regierung auf die drei Fragen Wilsons etwaiger Wiederaufnahme der Feindseligkeiten Widerstand zu sozialistischen Partei bevorstehe. ist so ausgefallen, wie es jeder ruhige Beurteiler der gegebenen leisten, verschlechtern würde. Hier beginnt das eigentlich mili- Ueber die Verhandlungen des Parteitags wird uns weiterSachlage erroarten mußte. Das Grüppchen, das vorgestern vor tärische Gebiet, auf dem nur nach Anhörung der Fachmänner hin gemeldet: dem Hindenburg - Denfmal demonstrierte und auch sonst aller- Entscheidungen getroffen werden können. Diese Entscheidungen Bern , 12. Oftober.( Eig. Drahtbericht des Vorwärts".) Am hand Unfug verübt, war schon mit dem Friedensschritt der He- find erfolat, was auch auf das fachmännische Urteil berechtigte Mittwoch und Donnerstag erreichten die Verhandlungen des Parteigierung selbst nicht einverstanden, und mag nun über Sodomi Rückschlüsse zuläßt. Deutschland wird sich in der Absicht an den tags, welchen Jowett von der englischen Unabhängigen Arbeiterund Gomorrha schreien, weil die Regierung zum ersten Berhandlungstisch setzen, die Notwendigkeit neuer militärischer partei nach leberwindung der Paßhindernisse und der griechische Schritt den zweiten fügt, der aus dem ersten folgt. Wer Entscheidungen für iebt und alle Beit anszuschalten. Würde| Sozialist Bejtridis beiwohnten, ihren Höhepunkt, in der Mittaber den ersten Schritt als eine Notwendigkeit erkannt hat, aber die unparteiische Gerechtigkeit" Wilsons einem unge- mochdebatte mit der Rede Cachins, welcher Dokumente hätte nur dann Anlaß zu Tadel, wenn die Regierung vor dem zähmten Vernichtumasdrang der Gegner den Platz räumen müf- der Geheimdiplomatie zum zweiten Sigtus. zweiten, der leicht vorauszusehen war, zurückgeschredt wäre. sen, so wäre Deutschland , auch nach der Stämmung, nicht mehrios. briefe borlas. Dieser Teil der Cachinrede ist vollständig der Man muß sich doch ganz klar darüber sein, daß bisher in Indes spricht die weitaus größte Wahrscheinlichkeit dafür, Bensur berfallen. Aus dem Bericht der Humanité" geht hervor, Deutschland zwei Strömungen um die Herrschaft ran- daß weitere militärische Entscheidungen nicht mehr in Betracht daß Cachia die Berstüdelung Oesterreichs bekämpfte, die gen. Die eine versuchte auf dem Wege der diplomatischen Aus fommen werden, wenn man sich einmal an den Verhandlungs- weber Englands noch Ameritas Sympathie habe. Cachin wünscht prache zu einem Frieden zu gelangen, der allen Volfern, auch tisch gefcht hat. Eine Konferenz, die zu dem erklärten Broed fie ebenso wenig, weil Oesterreich ein notwendiges Gegengewicht dem deutschen , das echt zu leben läßt und für alle Zukunft zuriammentritt, den Krieg zwischen zivilifierten Bölfern ein für Deutschlands sei. Cachin sieht in der Besetzung Bulgariens ein friedliches Busammenwirken der Völker zu höheren Zufunfts- allemal unmöglich zu machen, kann ihr Werf nicht damit begin- eine Gefahr, weil sie tibalitäten möglich macht. Die Divkozielen gestattet. Die andere war gamz im Gedanfengang der nen, daß fie den Arien wieder aufleben läßt! Bleibt die Somatie und die offiziellen Absichten bleiben geheim. Dies war vielrein militärischen Entscheidung befangen, und konnte von ihm aialdemokratie in der Regierung, so wird ihre Stellung bei den leicht der Anlaß, daß dem französischen Publikum die Warnungen nicht ablaffen, auch nachdem flar geworden war, daß auf diesem fünftigen Friedensverhandlungen auf deutscher Seite stark Wilsons, der dem Gedanken der großen Massen den Gedanken der Wege fein Segen für Deutschland , sondern höchstens der Wei- fein. Man wird sie dort als das wiederfinden, als was man Staatsmänier entgegenstellte, verstümmelt vermittelt wurden. sen eines feindlichen Imperialismus blüht. sie vor dem Kriege in der ganzen Welt gefannt hat, als die AnDaß diese beiden Strömungen an den Zügeln des Staates hängerin einer internationalen Weltorganisation, einer obligahin und herzerrten war für das Reich kein Vorteil, eine oder terifchen Schiedsgerichtsbarkeit in allen Streitfragen und der die andere mußte die Herrschaft antreten. Daß diefes Sin- und pollen Demetratie im Innern.
Thomas gab in seiner Erwiderung zu, daß alle Negies rungen Fehler begingen und niemals eine feste Poli tit hatten. Würde man zur Beschleunigung des Friedens die Unversehhet des heutigen Defecaciga respet