Nr. 167.
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Vorwärts
11. Jahrg.
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Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Sonnabend, den 21. Juli 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Arbeiter! Partetgenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!
Arbeiterschutz und freisinnige
Knüppelpolitik.
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durchblasen thut und selbiger Hof noch nicht einmal gepflastert ist, so würden wir also bei jeder Witterung auf bloßer Erde stehen, wenn wir uns kein Stroh unter die Füße legen könnten; da aber das Wasser vom Regen ungehindert unter den Plan tommt, so ist stets das unterste Stroh total verfault, so daß wir dabei immer falte und nasse Füße bekommen. Am schönsten ist es im Winter bei 10-15 Gr. Kälte mit blaugefrorenen und steifen Fingern Eisenwaaren einzupacken. Unsereiner muß dann zur Schnapsflasche greifen, um seinen Körper arbeitsfähig zu erhalten. Wird es talt, dann werden wir auf einen kleinen Flur geschickt; sowie Leute dann die Thür aufmachen, pfeift der Wind uns um die Ohren. In den Kellern der Weinhandlungen steht oft Grundwasser, die Wände triefen vor Nässe und bildet sich der sogenannte Schwamm. Die ganze Dauer der Geschäftszeit brennt Gasoder übelriechendes Petroleumlicht; überdies verbreitet die in vielen Geschäften noch übliche Lackfocherei zur Versiegelung der Weinflaschen einen unerträglichen Geruch, trotzdem darf nicht ventilirt werden, im Sommer weil es dann für den Wein zu heiß, im Winter zu kalt wäre."
solcher Berarbeitung" muß man sie wirklich in Schutz nehmen, so Arges sie auch schon geleistet hat wohl fast alle Organisationen von Geschäftsdienern 2c., deren Adressen bei ihrer nicht allzugroßen Häufigkeit aufzutreiben waren, Großmächtiges Wehgeschrei erhebt Eugen Richter schon zu Worte kommen ließ, und zwar sozialdemokratische wie seit Wochen in seiner Freisinnigen Zeitung" über alle Be- evangelisch- soziale wie ganz ordnungsliebende", fogar halbschlüsse der Reichskommission für Arbeiterstatistik, welche amtliche Stellen, wie Orts- Krankenkassen. In der bedarauf hindeuten, daß eine gesetzliche Regelung der Arbeits- treffenden Druckschrift wird außerdem erwähnt, daß z. B. zeit für verschiedene Arbeiterkategorien nothwendig sein die Berliner Organisation den Zutritt zu den für Durch dürfte. Der alte Nichtswisser hat hier wieder einmal un- berathung der Frage bestimmten Versammlungen jedem bestritten im Schimpfen gegen die Polizeikontrolle", die Berufsgenossen ohne Rücksicht auf seine Verbands- oder im Interesse der Arbeiter ausgeübt werden soll, die Parteizugehörigkeit offen hielt. So etwas theilt der Volks" Führung". Er ist früh auf dem Plane, um durch sein Gackern mann Richter seinen gutgläubigen Lesern jedoch nicht mit. seine kapitalistischen Freunde und Gesinnungsgenossen zu Wohl aber läßt er eine Art kleiner Verdächtigung warnen, so lange es noch Zeit ist. Und wenn er diesen Zweck seinem Sinne einfließen, indem er schreibt, die Erhebung ficher und gut erfüllt, dann ist er zufrieden. Wie er sich sei auf Veranlassung einer sozialdemokratischen Vereinigung im übrigen mit den Dingen abfindet, um die es sich dabei in Berlin " beschlossen worden. Mit dieser billigen Wendung handelt, das ist ihm gleichgiltig. glaubt fich Eugen Richter jedes näheren Eingehens auf Nun besteht aber der geistlose Hauptwig aller Artikel die traurigen Einzelthatsachen überhoben. Die Geschäfts- Für die rührenden Klagen der Leute über die Undes freisinnigen Führers gegen eine Beschränkung der Ar- diener aus fast allen Städten klagen über die unglaubliche möglichkeit eines geordneten Familenlebens bei solcher beitszeit auch noch so geplagter Arbeiter darin, daß er Gefälligkeit der Reichspost gegenüber den Prinzipalen, Arbeitsverhältnissen hat die Freifinnige Zeitung" so wenig die von der Reichskommission für Arbeiter denen zu Liebe auf Bahn- Bostämtern noch Nachts 11 Uhr Raum, wie für den sittlichen Ernst, der aus den Beschwerden statistit im Zusammenhang festgestellten Packete angenommen werden, wodurch, die Arbeitszeit dieser einzelner Vereine über die Abschneidung jeder Gelegenheit Arbeitsverhältnisse einfach nicht mittheilt Geplagten ganz ungebührlich verlängert wird. Au Privat- für geistige Fortbildung der 16- und 17jährigen Laufund die übereinstimmenden Berichte aus den verschiedensten kunden müssen in Berlin oft noch gekaufte Sachen so spät burschen unverkennbar spricht. Städten und Vereinen, wie sie die Drucksachen der Reichs- ausgetragen worden, daß schon sehr häufig der Geschäfts- Unter solchen Umständen lohnt es nicht, sachlich mit fommission enthalten, einfach unterschlägt, diener während der Waarenübergabe an die Kunden dem Führer der Freisinnigen über die elende Kampagne vielmehr nur ein paar abgerissene Säge, die ihm seitens des Wächters in das Haus eingeschlossen zu rechten, die er jetzt in seiner Zeitung gegen die gesetzfür irgend einen seiner Zwecke passen, aus dem wurde". Eugen Richter hütet sich auch, zu erliche Regelung der Arbeitszeit verschiedener besonders schlechtBusammenhang anführt und sich den Teufel darum zählen, daß in Leipzig wie in Berlin zu Saison- gestellter Arbeitsklassen begonnen hat und mit der er den fümmert, seinen Lesern auch nur eine annähernde Dar- und Meßzeiten Ueberstunden bis Nachts 3 Uhr ohne jede Bestrebungen dieser Arbeiter im fapitalistischen Interesse stellung von dem massenhaften Material über die traurigen Bezahlung, ausnahmsweise für 30 Pf. Abendbrot verlangt Knüppel zwischen die Beine zu werfen sucht. Wer die ErArbeitsverhältnisse zu geben, welches trotz aller Mangel- werden, und daß die Bezahlung überhaupt, die ja leider flärung schuldig bleibt, ob solche menschenunwürdige Verhaftigkeit der Enqueten doch in den Berichten der Reichs- auch von der Reichskommission für Arbeiterstatistik nicht hältnisse im Interesse der einfachsten Kultur auch nur einen tommission zusammengefommen ist, weil es eben nicht um berücksichtigt wurde, geradezu jammervoll überall ist, bis Tag länger erhalten bleiben dürften, auf dessen seichtes gangen werden kann. Diese Taktik des wackeren Eugen, sei auf 10 und 12 Mart wöchentlich heruntergeht. Die auf- Geschwät über die Möglichkeit und Durchführbarkeit fie nun unbeabsichtigt und beabsichtigt, ist freilich nur die fälligen Krankheitsverhältnisse der Leute werden in der von Besserungsmaßregeln ist ernsthaft nicht einzugehen. eine Heuchelei, die eines Eugen Richter folgerichtige Fortsetzung der Geflisfentlichkeit, mit welcher Freis. 3tg." todtgeschwiegen, ebenso die skandalösen Dinge, Nur Freund Richter von jeher jedes sozialpolitische Zulernen die über Arbeitslokalitäten der Geschäftsdiener mitgetheilt würdig ist, muß aus dem Echluß des letzten freifinnigen" und thatsächliche Wissen vermieden hat. Die gleiche Un- find. Zu den letzteren gehört z. B. folgender Bericht aus Artikels noch herausgehoben werden. Es heißt da: fenntniß zeigt sich auch bezüglich der Erhebungen über die Berlin , den jeder einigermaßen mit den Geschäftsverhältnissen Arbeitsverhältnisse der Geschäftsdiener und Packer, über die Bekannte für ein Duhend anderer Handelsstädte bestätigen er in seiner Freis. Ztg." vom 17. Juli natürlich trotzdem fann: einen Artikel verbricht.
Der Leser der Freis. 8tg." erfährt nichts davon, oaß die Reichskommission für Arbeiterstatistik gegenüber
Feuilleton.
Der Inde.
Deutsches Sittengemälde
aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts.
Macbeth.
" Da wir feinen geschlossenen Packraum haben, sondern einen Hof, der in der Ecke mit 6 Quadratmeter Leinwandplan überzogen ist, wo von drei Seiten der Wind und Regen lustig
,, Soweit hier Einrichtungen bestehen, welche Ueberlastungen einzelner Arbeiterklassen herbeiführen, ist die öffentliche Kritit dieser Einrichtungen von unschäzbarem Werth. Das Publikum wird daraus die Mahnung entnehmen, sich den Geschäftsleuten gegenüber ungebührlicher Anforderungen zu enthalten. Denn zu meist ist es die Anforderung des Publifums, nicht die Willkür der Geschäftsinhaber, welche eine erhebliche Aus
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meines gezwungenen Abschieds von meinen Theuern. In von der Rhön empor, befann sich aber schnell und sprach das Gewand der Demuth und Dürftigkeit gehüllt, 30g ich gemäßigt fort: Ich muß mich schämen, daß ich nicht nach den Wallfahrtsorten der Schweiz und fand an dem gelassen Euern Vorwurf erdulde, da ich doch die Schuld Fuße der Altäre keinen Ersatz für das, was ich zurück mit leichtem Muthe begangen, deren Ihr mich zeiht. Aber, gelassen. Durch das Elend ernannte sich aber mein Geist, Wallrade! des Menschen Zorn soll nicht durch Ewigkeiten der dem unmenschlichen Gebote zu widerstreben begehrte. dauern. Vergebt endlich; ich muß glauben, daß ein erZurück tricb es mich nach dem Wohnsitze meiner Lieben, schüttertes Herz Euch in dieser Kapelle Einsamkeit geführt, troh Deiner fürchterlichen Drohungen. Was empfand aber wo Ihr einen Priester des Herrn, einen Tröster zu finden mein Herz, da ich diesen Sitz des häuslichen Friedens hofftet. Laßt die seltene Regung in Eurer Brust nicht ganz verödet und verwaist fand, alles von dannen genommen, verschwunden sein! Laßt aus der Gefangenschaft, die uns was meinem Leben Werth zu verleihen vermochte, alle beide hier fesselt, die Vlüthe der Versöhnung entsprießen. Bist Du ein Weib? Du sollst mir keine Blüthen entwendet, durch die Hand, die von jeher mein war ich hart und ungerecht gegen Euch, so vergebt mir, Kinder gebären. Unglück machte, durch die Deinige. Lächle nicht so höhnisch. wie ich Euch verzeihe, was Ihr mir Böses zugefügt. Du fennſt die Bitterkeit dieser Empfindungen nicht. Du Laßt ab, mich zu verfolgen wegen dessen, was unwiderWallrade! kennst Du mich?" wiederholte der Mönch hingst nie aufrichtig und treu an einer Seele auf Erden. ruflich einmal geschehen, nicht mehr zu ändern ist."- mit schmerzlicher Stimme, und Wallrade wand sich stolz Wohin? stammelte mein Mund, wohin? fragte meine Wallrade sah ihn verächtlich an:" Ihr traut Euch viel aus seinen umfangenden Armen. Wie sollte ich nicht, Bunge, und achselzuckend- denn meine Fragen klangen Werth zu," sprach sie, da Ihr glaubt, mein Haß fönnte Rudolph?" fragte sie bitter:" Ich finde Euch immer im absonderlich und verwirrt, wendeten sich alle, die ich wirklich niemals eine Grenze finden. Ich habe Euch es Gewande der Lüge. Trug ist Euer steter Begleiter, und fragte, von dem sinnverwirrten Pilger. Zu Costniß erfuhr gedroht, aber der Jammer, in welchem ich Euch muthlos nimmer stand ein offener Helm über Euerm Wappen. ich, daß Du zur Heimath gekehrt seist, zu den Deinigen versunken sehe, bewegt meine Brust. Konnte ich einst Euch Was sucht Ihr hier? wie kommt Ihr hieher?"" Weib!" nämlich, an Thüringens Grenze, daß eine Frau mit einem lieben? das frage ich mich selbst erstaunt, da ich Ench entgegnete der Herr von der Rhön , dessen bleiche Wange Kinde in Deinem Gefolge sei. Ein neuer Donnerschlag! winselnd um meine Gnade flehen höre. Ist das der Mann, fich höher färbte bei dieser schnöden Anrede: Weib! fieh Mein Weib, mein Kind in Deinem Gefolge! Nach der einst alle Schranken übersprang, um mein zu sein? selbst, was Du aus mir gemacht hast. Hab' ich denn so geschleppt an Deiner Kette, wie stumme Zeugen Deines Seines Vaters Befehl, meine eigene Abneigung gegen jedes schwer gesündigt, daß ich umherirren muß wie ein Flüch- grausamsten Sieges! Ich erkannte Deine Tücke, aber die feste Band? Ach, schon damals hätte ich ahnen müssen, tiger, dem Henter Berfallener? Du hast mich fortgetrieben Gegenstände meiner Zärtlichkeit Dir zu entreißen, beschloß was die Folge bringen würde. Ihr scheutet Euch, im aus meinem Hause, von allem, was ich liebte. Bu stolz, ich alsobald. Die Fluren, die ich seit Jahren mied, weil hellen Sonnenlichte mir zu gehören, und diese Scheu gefiel um mich einen Thoren schelten zu lassen von den Freunden, auf ihnen mir die Hölle erwuchs, betrat ich wieder, gestärkt meinen abenteuerlichen Gedanken, meiner gedemüthigten die mir auf dieser seltsamen Flucht begegnen möchten, durch den Gedanken an Katharinen. In jenem Hause, das Sprödigkeit, die gern vor aller Welt die Larve der Unzu schwach hingegen, ohne Scheu dem schimpflichen Tode meine Verblendung und den Ursprung unsers unseligen Zwistes überwindlichkeit vorbehalten hätte. Eure Flatterhaftigkeit, leer die Euer Wankelmuth enttäuschte mich fürchterlich. Der Segen entgegenzutreten, der von einem Worte Deiner Lippen ab- fah, suchte ich meine Lieben und fand sie nicht,
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hing, beschloß ich, auch den Namen des Unglücklichsten aller Stätte, wo ich mich einſt in den Himmel träumte, während des Priesters war ein Zauberwort gewesen, das unser Menschen von der Erde verschwinden zu lassen. Weg warf ich einen finstern Geist umarmite."-Redet deutlicher," Wohl vernichtet hatte. Laßt mich über jene Zeit hinwegich alle Zeichen meiner besseren Herkunft, weg die Erinne- unterbrach ihn Wallrade talt:" Ihr meint das Haus Eures gehen, wo Ihr mich überreden wolltet, ich sei plötzlich ein rung, daß ich einſt am Tische des Königs Platz genommen. Weibes, in welchem Ihr Euer unrechtmäßiges Weib und Teufel geworden, während Ihr mich zuvor den Engel Diese Erinnerung verband sich ja zu nahe mit derjenigen Eure Bastardtochter suchtet."- Wallrade!" fuhr der Herr Eures Lebens nanntet. Von Eifersucht und Unzufrieden