•
Nr.349. 35.Jahrg.
Bezugspreis:
Bierteljährl. 6,76 Mt. monatl. 2,25 D. fret ins Haus, vorauszahlbar. Einzelne Rumunern 10 Bfennig. Bostbezug: Monatlich) 2,25 Mt., erfL Bustellungs. gebühr unter Streusband für Deutsch land u. Defterreich- Ungarn 5,50 für das übrige Ausland 9.50., bei täglich einmaliger Zustellung 7.50 M. Bostbestellungen nehmen an Däne mari, Holland . Luxemburg , Schweden und die Schweiz . Eingetragen in die Bolt- Rettungs- Breisliste.
Der Borwärts" erfcheint wochentäglich zweimal Sonntags einmal
Morgen- Ausgabe.
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
10 Pfennig
Anzeigenpreis:
Die achtgespaltene Nonpareillezetle foftet 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebruckte Bori 40 Big.( zulässig 2 fettgebrudte Worte), jedes weitere Bort 20 Bfg. Stellengefuche und Schlafstellenanzeigen das erfte Wort 80 Bfg., jedes weitere Wort 15 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für gret Borte. Leuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen, politische und gemertfchaftliche Bereins Anzeigen 80 Bfg. Die Seile. Anzeigen für dic nächste Summer müssen bis 5 hr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin 6.68, Lindenstraße 8, abegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 6 1hr abends.
Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morizola, Nr. 15190-15197.
Freitag, den 20. Dezember 1918.
Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenste. 3. Fernsprecher: Amt Morikplats, Mr. 117 53-54.
Wahlen am 19. Januar.
Sieg der Sozialdemokratie auf dem Kongreß.
Bertreter in der Regierung zu untergraben.
Mit erdrückender Mehrheit hat der Kongreß gestern be- deutsche Nationalversammlung eine starke fezialdemokratische| hängigen es darauf anlegten, die Stellung ihrer eigenen schlossen, die Wahlen zur deutschen Nationalbersammlung Mehrheit. schon am 19. Januar stattfinden zu lassen. Debatte und Be- Sie braucht sie aber auch im Interesse des Friedens, schluß haben den Irrtum und die Schwäche jener Strömungen ben wir abzuschließen im Begriffe find. Die Sozialdemokratie erwiesen, die entweder das Prinzip der Demokratie durch hat während des ganzen Strieges mit allen ihren Kräften bas ruffische Diktaturborbilder ersehen oder doch die Entscheidung Verhängnis der Niederlage vom deutschen Bolle abzuwehren des Volkes möglichst weit hinausschieben wollen. versucht, fie ist aber zugleich auch Vorfämpferin des Berständi gungsfriedens gewesen, des gerechten, dauernden Friedens, der jedem Bolt fein Recht auf sein eigenes Leben läßt.
Siegbaft geblieben ist das sozialdemokratische Programm und der sozialdemokratische Wille, dem Volt so rasch wie möge die Entscheidung über sein Geschid in die eigenen Hände zu geben, fieghaft durchgesezt hat sich der sozialdemo- feren Feinden von gestern zeigen, daß das besiegte Deutschland fratifche Glauben an den Sieg! Nun trennt uns nur noch ein fnapper Monat von der entscheidungsvollsten Wahlschlacht, die jemals auf deutschem Boden geschlagen worden ist, und wir Sozialdemokraten fämpfen in ihr diesmal zum erstenmal um den ganzen Sieg, der die politische Macht uns, und durch uns dem ganzen arbeitenden Bolk in die Hand gibt.
Jedenfalls müssen die gestrigen Vorgänge jedem ruhig Urteilenden zeigen, daß das Busammenarbeiten mit den linabhängigen nicht leicht ist, da diese nicht einmal mehr miteinander recht zusammenarbeiten fönnen. Die Absicht, den Kongreß noch am gestrigen Tage au schließen, die den Mehrheitssozialisten als ein Attentat auf die Sozialisierung ausgelegt wurde, entsprang wiederum nur einem Abkommen, Der Sieg der Sozialdemokratie am 19. Januar wird un- das mit den Führern der Unabhängigen getroffen wurde, aus dem einfachen Grunde, weil die auswärtigen ihnen ohne Haß und Nachegedanken gegenübertreten wird, wenn Delegierten alle zur Arbeit nach Hause drängen und der man es nicht zu Haß und Rache a wingt. Es wird ihnen Stongreß auseinanderzulaufen droht. Es war wieder ein zeigen, daß der uralte Traum der Menschheit, der öIfer- Art des Entgegenkommens, wenn der Kongres beschloß, die bund zur dauernden Wahrung des Friedens Wirklichkeit wer- Tagung dennoch weiter fortzulegen. Allerdings ist zu beden tann, wenn nicht das Schwert ihrer fiegreichen Generäle fürchten, daß dieses Entgegenkommen in der heutigen Sigung das werdende Wert abermals in Trümmer schlägt. von den Linksradikalen mit neuen Tumultigenen belohnt werden wird. Aber an dem Ergebnis des Kongresses fann dadurch nichts mehr geändert werden, und Bernünftige werden nicht an neuen Bant und Streit und dramatische Effekte benten, fondern nur daran, daß die Sache ber Atbeifertlaffe und des Sozialismus aus den endgültig beschlossenen Wahlen zur Rationalversammlung fiegreich herborgeht..
Wie wir die Niederlage bekämpft haben, so wollen wir jest versuchen, zu retten, was aus dem Bankerott der Monarchie und des Militarismus zu retten ist, und bitten dazu das Bolt um feine Bollmacht.
Wir haben in den letzten Wochen leider nur zuviel zu tun gehabt, um einer für alle Belt deutlichen Trennungsftrich nach links zu ziehen. Uns verbindet nichts mit den Elementen, die russischen Wünschen Einfluß auf den Gang der In den inneren Sämpfen der Stevolution hat der Geist der deutschen Bolitik gewähren wollten, nichts mit den Verfün Sozialdemokratie gesiegt. Der Erfolg war, daß die revolutiobern der Diftatur in irgendeiner Gestalt, nichts mit den wil- nären Wassen durch ihre Vertreter dem ganzen Wolf jo raich ben Erperimentatoren einer dilettantischen Sozialisierung, wie möglich sein bolles, freies Selbstbestimmungsrecht gegeben nichts auch mit den Baghaften, Schwächlichen, Aengstlichen, haben. Die soviel angefeinbeten Räte, beren bereinzelte Mißdie fich vor der Stunde des Volksurteils wie vor einer griffe wir Sozialdemokraten schärfer und wirksamer befämpften, Stunde der Abrechnung fürchten. als es die Bürgerlichen Baumgäste tun konnten, haben in ihrer Maffe ein Wert der persönlichen Selbstberleugnung vollbracht, das ihnen die Geschichte hoch anrechnen wird. Sie haben gezeigt, daß sie nicht an den Stühlen der Macht kleben, daß sie dem Volfe fein Eitelchen seines Rechts nehmen wollen augunsten ihrer eigenen Herrschaft.
Wir stehen nur für unsere eigene Bolitit ein, nicht aber für die Politif fleiner Gruppen, die allen Boden unter den Füßen berloren haben. Wir erwarten aber von diefen Gruppen, daß fie es uns fünftig ermöglichen werden, den Rampf so zu führen, wie er geführt werden muß, nämlich gegen rechts, und daß fie uns, bon deren Sieg heute für Den Sozialismus alles abhängt, nicht in den Rücken fallen
werden.
Gegen rechts wollen wir den Kampf führen, gegen jeden Versuch, das Bolk um die Errungenschaften seiner Rebolution zu prellen, den rein demokratischen Charakter der beutschen Republik zu trüben oder das deutsche Bolt statt auf ben Weg vorwärts zum Sozialismus auf den Weg zurück nach einer fapitalistischen Gelbiadrepublik zu führen.
In diesem Augenblid vollzieht sich eine gewaltige Samm lung aller nicht fozialdemokratischen Elemente. Gewiß wird es unter ihnen auch Elemente geben, deren Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie von feinem Eigennut befleckt ist, aber biefe Elemente find fich dessen nicht bewußt, welchen Intereffen fie dienen.
Internationale Arbeiterkonferenz im Januar.
London , 18. Dezember. Der parlamentarische Ausschuß des Gemertschaftsfongreffes und der nationale ausführende Ausichuß der Arbeiterparteien famen heute Ein Monat liegt vor uns, in dem es für feinen rechten zusammen, um über die vorgeschlagene internationale Sosialdemokraten Ruhe geben wird. Es gibt fein Maß Arbeiterfonferenz, die gleichzeitig mit der offiziellen von Aufopferung, das nicht durch die Größe Friedenskonferenz abgehalten werden soll, zu be5er Entscheidung gerechtfertigt würde. Jeder raten. Die beiden Ausschüsse famen überein, zusammen mit mur bereit sein, an dem Bosten, an dem er steht, bis zur Er- den Arbeitern und den sozialistischen Parteien der anderen schöpfung zu arbeiten, auf daß es uns gelinge, aus den Trüm- Bänder eine internationale Ronferenz für Anfang mern diefer alten Welt ein Reich neuer Freiheit und neuen Januar einzuberufen. Die Ausschüsse würden es vorBoltsalids aufzubauen. Nach dem effen stumpffinnigen Ge- gezogen haben, die Konferenz in Paris abzuhalten. Da es sich megel des Böllerkriegs wollen wir zum erstenmal wieder die aber als unmöglich herausstellte, so wurde beschlossen, fie in reine Luft geistiger Kämpfe atmen, die fein Blutgeruch ver- einem neutralen Lande, wahrscheinlich in der Schweiz , peftet. Leben wollen wir, fämpfen, fiegen! einzuberufen. Es wurde ferner beschlossen, daß die britische Abordnung zur Konferens aus 10 Mitgliedern, von denen fünf den Gewerkschaftsfongreß bertreten, und fünf der Arbeiterpartei mit den ihr angegliederten Organisationen ent Neuer Sturm auf dem Kongreß. nommen find, zusammengefekt werden soll. 8um ersten Teil der Abordnung werden gehören:.. Thomas, Bin Sie fönnten sonst nicht Gegner der Sozialdemokratie Der Thorne und Dobermann, au dem zweiten Clynes, tamsay fein, die fich das Biel gestedt bat, die Lage der arbeitenden Um die Kompetenzen des neuen Vollzugsrats. Artur Atlaffen zu heben, ohne babei auf die gewohnten Bequemlich neue Bollzugsrat nur mit Mehrheitssozialisten befeht. macbonato Senderfot Frant feiten der befizenden Klaffen Rüdficht zu nehmen. Denn fo Leider blieb auch der gestrige Tag, der den Höhepunkt des Snowden. Die Abordnung wird von einer Anzahl fac blind fann heute feiner mehr fein zu glauben, die Sozial- Rongrefies bildete, nicht ohne Sturm. Anlaß dazu gaben die berständiger Berater und von Sekretären begleitet sein. Die demokratie wolle nur zerstören aus Haß gegen den Befiz. inneren Auseinandersetzungen, in denen sich die Unabhängigen Bersammlung nahm eine Entschließung an, in der berlangt Nein, die Sozialdemokratie will die Intereffen des Volks befinden. Diese hatten, wenigstens in ihrem linken liigel, wird, daß alle Nachrichten und Artikel über den Friedens. gangen wahrnehmen ohne Rüdicht auf den Befiz. Auf großes Mißbehagen über die lex üde m'ann zu erkennen fongreß und den gleichzeitig stattfindenden Kongres der Arbem Würzburger Barteitag fagte Scheidemann:" Wir müssen gegeben, in der Meinung, daß diefe der Reichsleitung auviel, beiterpartei a enfur frei fein follen. uns in Rukunft jede wirtschaftliche Maßnahme nicht nur dar dem neu zu wählenden Bollzugsrat au wenig techte gebe. auf anfeben, ob fie foaialistisch, fondern auch darauf, ob Es wurde dann in dieser Frage eine Bereinbarung getroffen. Die Versammlung der Leiter der englischen Arbeiterpartet fie prattich ift. Das heißt: Wir werden nichts, was fich durch welche die Mehrheitssozialisten den Unabhängigen fehr und des Arbeiterfongrefies, auf dem die haltung als fozial itifch" bezeichnet, unternehmen, ohne die Sicher weit entgegentamen und auf die der rechte Flügel der Unab einer internationalen Arbeiterfonferens in der Schweiz befchloffen beit gewonnen zu haben, daß es auch praktisch dem Wohl der hängigen auch einging. Als aber aase den Inhalt dieser wurde, faßte auch eine Entschließung, bie dem PremierAllgemeinheit dient baben wir aber diefe Sicherheit ge- Vereinbarung dem Stongreß portrug, zeigte es sich, daß er feine minister zugeftellt werden soll. Darin wird die Ansicht aus. wonnen, dann wird keine Rüdficht auf den Besitz uns hindern. Fraktion nicht mehr hinter sich hatte. Im Gegensatz zu der gesprochen, daß. ber Friebensvertrag in lebereinstimmung Abmachung verlangte sie, oder wenigstens ihr turbulenter lil mit dem ersten bon Wilsons 14 Puntten in boller das als nüßlich Erkannte durchzuführen.
und
Die befizenden Klaffen lehen aber die Sache anders. gel, bolle Beteiligung des neuen Bollzugsrats an der Gesch- Oeffentlichkeit berhandelt und abgeschloffen werden Ihrer naiven Selbstfucht erscheint ihr eigenes Wohl als das gebung. Die Nichtbewilligung dieser Forderung durch die über- muß. Ferner wird geforbert, daß die Breffe und Rabel. Wohl der Gesamtbeit, jeber Sozialismus gilt ihnen als wältigende Mehrheit des Kongresses führte zu ihrem vorüber aen fur unberfüglich aufgehoben und beffen Berichte über wirtschaftsserstörender, gemeingefährlicher Bolichemismus. gebenden Auszug aus dem Saal und zu ihrer Nichtbeteili bie Berhandlungen bes Friebenstongresjes und der Ja, fie feben in sem fyftematisch, wissenschaftlich arbeitenden, gung an der Wahl des neuen Vollzugsrats, der danach auß- gleichzeitig stattfinbenden Arbeiterfonferenz ohne Ginauf dem Boden ber realen Tatsachen stehenden Sozialismus fchließlich mit mehrheitsfoaialisten besetzt werden schränkung und Verzögerung übermittelt und beröffentlicht werden dürfen. Auch foll fofort für die britische Bresse das eine viel idowerere Gefahr, als in einem furafidhtigen Dilet- mußte. Berbot der Erörterung der Friedensbedingungen aufgeboben tanten- Sozialismus, der rasch abwirtschaften und dann die werden, damit das englische Bolt die gleiche Behandlung genießt Serrichaft wieder ihnen überlassen muß. wie das amerikanische.
Der Kapitalismus wird feine Stellung mit Geldfäden berbarrikadieren, und nur die sicher arbeitende fozialbemo frati dhe Artillerie bermag in diefe Barrikaden Bresche au Schießen.
Darauf fommt es an! Das ist die weltgeschichtliche Entscheidung des 19. Januar. Am Intereffe einer ftetigen organischen Entroidelung auf Der Bahn der Demokratie und des Sozialismus braucht die
Diefer Streit um die Kompetenzen ist an sich um jo nich tiger, als es sich um eine Regelung für wenige Wochen bis zum Zusammentritt der Nationalberfammlung bandelt. Ueber bies bedeutet die Saltung der Unabhängigen gevade kein Bertrauensvotum fir ihre Bertreter in der Reichsleitung, die, drei gegen drei stehend, doch jeden ihnen nicht passenden Beschluß berhindern können. Nachdem die Unabhängigen auf ihre Beteiligung an der Wahl des Vollzugsrats berzichtet haben, bleibt Der Wahlgefehentwurf zur preußischen Nationalberfammihnen immer noch der starke Einfluß innerhalb der Reichs- lung ist fertig und wird in den nächsten Tagen veröffentlicht leitung. Aber es gewinnt fast den Anschein, als ob die Unab. werden
Das preußische Wahlgefeh.