Nr. 68. 36. Jahrg.
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Der. Borwarts ericheint wochentäglich weunal Sonntag einma
Telegramm- prefe
Sozialdemokrat Berita.
Abend- Ausgabe.
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Donnerstag, den 6. Februar 1919.
B
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Die Eröffnung der Nationalverfammlung.
Begrüßungsrede Eberts.
Zur Stunde, in der dieses Blatt in die Welt geht, läuten ziehung durch den Willen der Mehrheit des Volfes bestimmt haben kann, der Wohlfahrt und Kultur des Volkes erhöht, dem Soin Weimar die Glocken ein neues Deutschland ein. Dann wird". Ein klares Bekenntnis der Unabhängigen zu diesem zialismus der werdenden Wirklichkeit. wird ohne großes Pathos und ohne weit ausholende Gesten, Grundsaß, der für jeden Sozialdemokraten eine Selbstverdie unserem Wesen nicht liegen, die Nationalverständlichkeit ist, würde die Stellung des sozialistischen Profammlung eröffnet werden, bon der wir alle wissen, daß letariats in der Nationalversammlung und in der Regierung ben ihren Sch dialen und Erfolgen zum großen Teil Schid- stärfen und zur Sicherung und zum Ausbau der revolutiofal und Zukunft unseres ganzen Volkes abhängt. nären Errungenschaften wesentliches beitragen.
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Die Anschlußerklärung der deutschösterreichischen Nationalversammlung erwidert Ebert mit herzlichem Gruß und sagt:
Er sei sicher, im Sinne der Nationalversammlung zu fprechen, wenn er diese herzliche Gesinnung aufrichtig und mit Freude be grüße, sie sei mit gleicher herzlicher Brüderlichkeit erwidert. Gie ghören zu uns, und wir zu ihnen.
Ebert schilderte dann die
trostlos wirtschaftliche Lage,
unter der die jetzige Regierung im eigentlichen Wortfinne als Kon unter ber die jetzige Regierung im eigentlichen Wortfinne als Kon fursverwalter des alten Regimes die Regierung angenommen hat. Er richtete an die Arbeiterschaft und die Unternehmer den bringen. den Appell, die Arbeit zu fördern, denn Sozialismus sei nach seiner Auffassung nur möglich, wenn die Produktion auch einen genügen. den Grad der Arbeitsleistung innehält. Die Grundlage der alten Machtgestaltung, die preußische hegemonie, das Hohen zollern - Heer, die Politik der Machthaber feien für immer gebrochen. 3 gilt mehr als bisher die Wandlung zu vollziehen vom 3mperialismus zum Jhealismus.
Denn durch die Wahlen des 19. Januar und durch den Können sich die Unabhängigen aber zu einem solchen Busammentritt dieser Versammlung beginnt sich das deutsche Bekenntnis nicht bequemen, so stärken sie durch ihr Verhalten Bolf nach einer Beit notwendiger Auflösung wieder neu zu die bürgerlichen Parteien und erschweren der Sozialdemoorganifieren. Muß man die Bedeutung eines solchen Bor- fratie ihre Aufgabe. Aber diese Aufgabe fordert ihre Lösung, gangs denfenden Arbeitern, deren ganzes Leben am und Schwierigkeiten sind dazu da, um überibunden zu werden. Organisationsgedanken hängt, erst begreiflich machen? Wenn Jedermann muß einsehen, daß die Sozialdemokratie die eine gewerkschaftliche, eine politische Organisation gegründet II ein herrschaft im Reiche nicht für sich beanspruchen kann, wird, so weiß jedermann, wieviel davon abhängt, daß die Be- da sie wiederum dank der Taftif der Unabhängigen- fugnisse der zu wählenden Instanzen genau abgegrenzt wer- diesmal noch nicht die Mehrheit der Wähler für sich gewinnen den müssen, und feinen Augenblick ist ein Zweifel daran er- fonnte. Sie muß also anderen Parteien den ihnen nach dem erlaubt, daß allen Mitgliedern der Gemeinschaft gleiche Bolfsspruch zustehenden Anteil an der politischen Macht einRechte zustehen müssen, daß es keine Bevorrechteten und räumen, fie muß eine regierungsfähige Mehr teine Entrechteten geben darf. heit bilden helfen, wenn sie nicht will, daß eine Mehrheit Ein ist fein Verein, sondern eine 8 wangs- gegen fie, gegen die Arbeiterklasse und gegen die Revolution gemeiniche Natur und Geschichte, Wirtschaftsnotwendig zustande kommt. feit und Kulturgemeinschaft baben es zu einer Einheit zu- In diesem Augenblic schweben noch die Verhandlungen fammengeichmiedet. Um wieviel notwendiger ist es hier, über die Neubildung der Regierung auf demokratisch- parlafeine Unterschiede der politischen Berechtimentarischer Grundlage. Inzwischen hat die sozialdemokra gung aufkommen zu laffen, alle mit gleichen Rechten am tische Fraktion den provisorischen VerfassungsVertretung in der sozialdemokratischen Fraktion. Ganzen zu beteiligen! entwurf genehmigt, der die Wahl eines Reichspräsidenten Heute kämpft der Gedanke der Demokratie, wie ihn die und die Ernennung eines verantwortlichen Kabinetts vor- Weimar , 5. Februar. ( Eigener Drahtbericht des Vorwärts".) Sozialdemokratie stets vertreten hat, gegen das umgestülpte fieht. Die Ereignisse dürften sich also rasch vollziehen, und Der gestrigen Nachmittagssigung der sozialdemokratischen Fraktion Junfertum der Spartakusrichtung, die dem Proletariat das des Ratens dürfte bald ein Ende sein. Ginstweilen nennt wohnte zum erstenmal ein Vertreter der deutschösterreichischen Danaergeschenk politischer Vorrechte zugedacht hat. Ihr Ber - man Ebert als vermutlichen Reichspräsidenten, Scheide.Gozialdemokratie, Genosse Schäfer- Reichenberg, bei. Genosse liner Organ tobt über den Verrat des Zentralrats", der mann als Vorsitzenden des Kabinetts, das aus Sozialdemo- Löbe- Breslau, der den Vorsitz führte, begrüßte Schäfer mit getreu demokratischen Grundsätzen, seine Gewalt in die fraten, Demokraten und vielleicht einigen Bentrumsmitglie- herzlichen Worten und mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß Sände der Bolfsvertretung zurückgelegt hat, es erklärt ihn dern gebildet werden soll. deutschösterreichische sozialdemokratische Abgeordnete nun leichter Hand für abgesetzt und setzt den Berliner Vollzugsdauernde Rollegen in der Fraktion der deutschen Nationalrat an feine Stelle, dem es die Aufgabe zuweist, eiligst einen versammlung willkommen heißen zu können. Echäfer dankte und neuen Rätefongreß einzuberufen. Dieser neue Rätefongreß gab die Verficherung ab, daß die deutschösterreichischen Sozialwäre nach unserer Auffassung weiter nichts als eine demokraten mit großer Genugtuung dem erfolgreichen Privat veranstaltung, die den allgemeinen Gesetzen der Neirten der Sozialdemokratie in den letzten Wochen publik genau so unterworfen ist wie jede andere. Würde er gefolgt seien, insbesondere freue sie sich darüber, daß an der Neufelber eine andere Auffassung vertreten, so fäme er dadurch in gestaltung Deutschlands , an der Ausgestaltung der deutschen ReKonflikt mit der Nationalbersammlung, die allein publit die Sozialdemokratie den hervorragendsten Anteil nehme. das Recht hat, Gefeße zu erlassen, und die auch die einzige Auch die deutschösterreichische Sozialdemokratie hoffe, in nicht all. Quelle aller vollziehenden Gewalten ist. au ferner Zeit für immer zur deutschen Republif zu gehören und der sehnlichste Wunsch des deutschösterreichischen Proletariats ginge bahin, für immer vereint mit dem gesamten deutschen Bolk für die Verwirklichung der Ziele des Cozialismus zu wirken. Ge noffe Echäfer ging dann darauf ein, daß 8% Millionen Deutsche in Deutschböhmen
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Während so das Problem Flar und mit unerbittlicher Schärfe gestellt ist, fucht sich das Berliner Organ der Unabhängigen, die Freiheit". noch immer um die Entscheidung herumzudrüden. Sie schreibt in ihrer heutigen Morgenausgabe:
Der Sozialdemokratie ist durch den Ausfall der Wahlen die Miffion zugefallen, zu führen, nicht zu berrschen. Daß ihre Führung unter einem glücklichen Stern stehe und von eigenwilligen Störungen verschont bleibe, muß jeder wünfchen, dem die Zukunft unseres Volfes und des Sozialismus am Herzen liegt. Millionen wenden sich in dieser Stunde mit all ihren Gedanken zum Barlamentarismus in Weimar und zu den Pläten der sozialdemokratischen Fraktion in dem Bewußtsein, daß von hier aus ein neues Beitolter beginnt und daß wir jekt wieder das Recht haben, über Gräbern die Hoffnung aufzupflanzen.
Eberts Eröffnungsrede.
Für uns ist Weimar nicht der Brennpunkt ber Bolitit. Schon deshalb nicht, weil der Parlamentarismus, Weimar , 6. Februar. Ebert begrüßte zunächst die National möchte er auch auf besserer Grundlage ruhen als der von Weimar , versammlung als die höchste und einzige Souveränität uns nicht als das A und das O der politischen Weisheit gilt. Wir in Deutschland . Er stellt fest, daß sie eine republikanische Mehrheit werden vom Theater an der Ilm immer wieder an das deutsche habe und das das deutsche Volt sich in Zukunft selbst regiert. Dann Boll und insbesondere an die deutsche Arbeiterschaft appellieren. fährt er fort: Wir haben den Krieg verloren. Diese Tatsache ist Wenn wir in der Nationalversammlung bis zu teine Folge der Revolution. Es war die Regierung des einem gewiffen Grabe die Trägerin ber Demo- Prinzen Mag, die die Waffenstillstandsverhandlungen einleitete, die ! ratie er bliden, so sehen wir in den Arbeiterräten Hüter des uns wehrlos gemacht haben. Auch bezüglich der Lebensmittelnot fozialdemokratischen Gedankens der Revolution. lehnt Ebert die Verantwortung für die Revolution ab. Ueber das Bestreben der Feinde, den Ausbeutungsgedanken in das Friedens werk hineinzutragen, sagte er, daß dieser Rache- und Vergeltungsplan den schärfsten Protest herausforderte. Angesichts des Elends auf allen Seiten erscheine die Schuldfrage beinahe flein. Gleichwohl ist das deutsche Volt entschlossen, selbst alle zur Berant
Wenn Karl Marr schon über den Geschichtsschreiber Staumer spottete, der aus lanter Einerseits und Andererseits aufammengefeßt fei, wie würde er erst über den Marrismus" der Freiheit" urteilen!
als
jekt unter einer Gewaltherrschft leiden, die schlimmer fet, als fie fie unter dem Regime Stuergth erlebt hätten. Ihre Presse werde der Bensur unterstellt, ihre Bersammlungen werden verboten, aufgelöst und sie werden in der Freiheit der Aussprache beschränkt. Jn jeder Beziehung sei die alte österreichische Schandwirtschaft wieder aufgelebt. Werde man versuchen, die 3½ Millionen Deutschböhmen oder Deutsche in den Sudetenländern einer fremden Gewaltherrschaft zu unterwerfen, so sei das nicht nur ein Hohn auf die Grundsäße Wilsons, sondern werde auch dazu führen, daß Europa niemals zur Ruhe kommt. Mit einer Aufforderung an die deutschen Sozialdemokraten, den Kampf der deutschösterreichischen Genossen für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschösterreicher zu unterstützen, schloß Genosse Schäfer unter lebhaftem Beifall.
Borsigender Löbe banfte und erklärte, daß der Proteft gegen
Die Nationalversammlung ist nicht bis zu einem gewiffen Grode" die Trägerin der Demokratie, sondern fie ift wortung zu ziehen, denen ein abfichtliches Verschulden oder eine die tschechischen Vergewaltigungsversuche von der gesamten es ganz und gar. Güter der sozialdemokratischen Gedanken absichtliche Niedertracht nachgewiesen werden fann. Die Waffen- deusfchen Arbeiterklasse mit rüdhaltloser Begeisterung unterstützt stillstandsbedingungen, die angeblich dem„ Kaiserismus" werde. der Revolution sind in ihr die gewählten Sozialdemokraten, auferlegt seien, nennt Ebert unerhört hart. Er geht die einzelnen denen weniges zur Mehrheit fehlt. Die Arbeiterräte aber find Bedingungen durch und sagt, aus diesen Akten der Gewaltpolitik oder sollen sein berufliche intereffenvertreter der Arbeiter spricht nicht der Geist der Versöhnung. Wir warnen die Gegnere, flaffe, die im Rahmen der demokratischen Staatsordnung uns nicht bis zum äußersten zu treiben. Wie General Winterfeldt ibre Aufgaben au erfüllen haben, und die nur in flarer Bu- tönne eines Tages die jebige Regierung gezwungen sein, ridbefinmung auf diese Aufgaben ihre Tafeinsberechtigung er auf weitere Mitarbeit an den Friedensverhandlungen weisen fönnen.
zu verzichten
Die schwankende, grundfatlofe Saltung der Freiheit" ift ein schlechtes Vorzeichen für die neuen Verhandlungen, und den Gegnern die ganze Last der Verantwortung zuzuschieben. die die fozialdemokratische Fraktion mit der Gruppe der lln- Man stelle uns nicht vor die verhängnisvolle Wahl: Vor das abhängigen anzufnüpfen verfucht bat. Sie hat ihr den Ein- Berhungern und die Schmach. tritt in die Regierung angeboten unter der einzigen Boran8- Was die innere Politik anlangt, so führte Ebert aus: febuna baß fie fich au einer Staatsform bekenne, die unter Wir sind auf dem Wege zum bollen Sozialismus boran grundfäßlicher Ablehnug jeder Butschtaktik in jeder Be- suschreiten, indem wir dem Sozialismus dienen, der allein Dauer
Enteigneter Großgrundbesitz.
Effen, 6. Februar.( Eigene Drahtmeldung des„ Vorwärts".) Der Vollzugsrat in Ratingen ging zur Enteignung des Großgrundbesißes über. Er teilte dem Reichsgrafen von Spee auf Echloß Boltorf im Namen des revolutionären Proletariats der Gemeinden Ratingen - Grfamp mit, daß auf Grund des zwar ungeschriebenen aber auf allgemeinen Menschenrechten fußenden Revolutionsgesetzes vom 9 November die auf gräflichen Namen eingetragenen Forsten und Landwirtschaften mit sämtlichem Zu behör en teignet und Eigentum der genannten Gemeinden ge worden sei.