Nr. 90. 36. Jahrg.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.
Dienstag, den 18. Februar 1919.
Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplats, Nr. 117 53-54.
Verschärfung der Lage in England.
haben, von 145 Abgeordneten 33 Sozialdemokraten gewählt, das
Vor dem Generalstreit im englischen Bergbau. Rotterdam , 18. Februar. ( Meldung der Telegrafen- Kompagnic.) Wie aus London berichtet wird, hat die Lage des indu- neten 71 Sozialdemokraten gewählt, also 43 Proz. der Mandate, striellen Kampfes, die einer Entspannung entgegenzugehen schien, das würde genau ebensoviel sein wie in Deutschland . eine neue Verschärfung erfahren. Berschiedene große Ar
beiterorganisationen beabsichtigen wieder in den Ausstand zu
treten. Die Bereinigung der großen englischen Gewerkschaften hat zu den Verhältnissen im Kohlenbergbau Stellung genommen.
Preußische Nationalversammlung: 4. März. Das preußische Staatsministerium hat, wie die ftellt und trägt sich mit der Absicht, am 15. März ben General- der verfassunggebenden preußischen Nationalversammlung ise hat sich nachdrücklich auf die Seite der Bergarbeiter ge- P. P. N." aus Weimar erfahren, gestern die Einberufung streit im englischen Bergbau zu proklamieren. Um die Stim endgültig auf Dienstag, den 4. März, beschlossen. mung ihrer Mitglieder kennen zu lernen, hat die Vereinigung eine allgemeine Abstimmung über die Erklärung des Generalstreifs angeordnet, deren Durchführung in den ersten Märztagen erfolgen soll.
Landon, 17. februar. Amtlich wird bekanntgegeben, daß die nationale Konferenz, die die Regierung angesichts der U13 11= friedenheit in der Industrie zusammenberufen hat, am 27. Februar in Westminster tagen wird.
Die Freiheit der Meere.
Durch den Völkerbund erledigt. Bern , 17. Februar. Wilson erklärte einem Mitarbeiter des " New York " auf die Frage, ob die Frage der Freiheit der Meere schon erörtert worden sei: Was die Neutralen anbe langt, so wird es solche in der Liga der Nationen nicht mehr geben, denn die Neutralen werden ein Bestandteil der Liga werden müssen und infolgedessen sich deren Beschlüssen fügen, falls eine bewaffnete Intervention gefordert wird. Sobald es keine Neutralen mehr gibt, gibt es auch keine Frage der Freiheit der Meere mehr; denn diese Frage wird ja eben durch die Beziehungen zwischen Kriegführenden und den Neutralen aufgeworfen. Die Liga der Nationen wird in Zukunft alle Fragen der Marinepolitik wie auch der Rüstungen regeln. Man kann also sagen, daß die Frage der Freiheit der Meere nicht mehr zur Erörterung steht. Wilson bemerkte noch, daß dieses Argument von der englischen Delegation nicht geltend gemacht worden sei, sondern daß ihm wenig Ueberlegung genügt habe, um zu dieser Schlußfolge
rung zu kommen.
Wilson beabsichtigt, in Boston zu landen und in ganz Nord amerika eine große Kampagne zugunsten des Völkerbundes zu entfalten. Wilson glaubt, daß der Friedensvertrag im Juni den Mächten zur Ratifikation vorgelegt werden kann.
Beseitigung der wirtschaftlichen Hindernisse zwischen den Nationen.
TU. Haag, 18. Februar. Der Finanzausschuß der Pariser Konferenz hat einen großer Erfolg errungen dadurch, daß er den dritten der 14 Punkte Wilsons verwirklichte, indem er sämtliche wirtschaftliche Hindernisse zwischen den Nationen besei tigte. Es soll eine Gleichheit der Handelsbeziehun= gen aller Länder verbürgt werden. Nunmehr bleibt nur noch eine große Frage zu erledigen, nämlich die von mehreren euro päischen Staaten ausgehende Folgerung, nach Vereinheit. lichung der Schulden, Guthaben und Kredite der verschiedenen Nationen. Diese Ansprüche dürfen indes auf starke Gegnerschaft der Amerikaner stoßen.
Die Spartakiftenunruhen in RheinlandWestfalen.
Münster , 18. Februar.( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Bei dem Kommando des 7. Armeekorps sieht man die Lage politisch wie militärisch für durchaus günftig an. Mitteilungen, wonach die Spartatiften Vorteile errungen hätten, sind unzutreffend. Im Gegenteil gehen die Regierungstruppen vorwärts. Neun Zehntel der zur Arbeit nicht erschienenen Bergleute bleiben lediglich unter dem Zwange der Spartakisten der Arbeitsstelle fern.
Im Gegensatz zu den Berichten der Spartakisten wird gemeldef, daß in Herbest- Dorsten. Die Regierungstruppen Herren der Lage sind. Es tam zu wiederholten heftigen Busammenstößen, bei denen die Regierungstruppen 5 Tote und die Spartafiften 21 Tote hatten. Unter den Gefallenen der letzteren befindet sich auch der Führer der Spartalisten. Die Regierungstruppen nahmen außerdem mehrere Hundert Spartatiften gefangen.
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Aus Düsseldorf meldet die ,, Franff. 3bg.": Durch einen Gewaltstreich sind vorgestern nacht die Druckereien der bürgerlichen Blätter von Spartatisten besetzt worden und die Zeitungen am Grscheinen verhindert. Eine gleiche Befegung wurde zur Einleitung des Generalstreits in zahlreichen industriellen Großbetrieben Düsseldorfs und der näheren Umgebung vorgenommen.
WTB meldet: Die gestern aus Mülheim a. 6. Ruhr gebrachte Notia, wonach die Regierungstruppen von den Spartalisten im Stampfe zurüdgetrieben worden wären, wird von zuständiger Seite als falsch bezeichnet und mitgeteilt, daß alle feitherigen Unternehmungen der Regierungstruppen glatt durchgeführt wur
ben und überall zu vollem Erfolg führten.
Aus Münster wird gemeldet: Nachdem sich die Belegschaft der Zeche Rabbod" bei Hamm in Westfalen dem im Industriegebiete proklamierten Generalstreit, zum Teil infolge Anwen dung von Gewalt durch die Spartatisten, angeschlossen hat, ist die Gasversorgung von Münster seit heute früh 10 Uhr unterbrochen.
Riesendemonstration gegen Spartakus in Nürnberg .
Spartakus verbrennt die Rentennachweise der Kriegsbeschädigten. Nürnberg , 18. Februar.( Eigener Drahtbericht des
und England.
heitspartei veranstaltete Riesendemonstration ist geradezu Genf , 18. Februar. ( Meldung der T. K.) Wie der„ Matin" glänzend verlaufen. Die Insel Schütt war voll von Menaus Washington erfährt, hat der amerikanische Schiffahrtston- fchen, Mann an Mann. Trotz des ungeheuren Gedränges ist trolleur angekündigt, daß die Vereinigten Staaten England und die Demonstration völlig ruhig verlaufen. Frankreich zur Ueberlassung von Schiffen für das europäische Gestern nachmittag hat der Arbeiter- und SoI. Silfsfomitee auffordern werden. Die Maßnahme erfolgt datenrat getagt. Er hat einstimmig das Verhalten der deshalb, weil der Schiffsraum Amerikas für eigene 3 we de fo Spartatisten verurteilt. Abends haben mit den Sparstart in Anspruch genommen ist, daß eine Ueberlassung amerika takisten noch Verhandlungen stattgefunden, in diesen nischer Fahrzeuge für die Versorgung Europas mit 2ebens- Verhandlungen haben die Spartakisten eine Vertretung im Arbeiter- und Soldatenrat verlangt. Das ist aber abgelehnt worden. Einmütig waren die Arbeiter- und Soldatenräte aller Parteien der Meinung, daß das Verhalten des Landeswehrministers No haupter ungeschickt gewesen ist.
Genf , 18. Februar. ( Meldung der T. K.) Nach einer offiziellen Mittellung der portugiesischen Regierung ist völlige Ruhe im Lande eingetreten und die Republik wieder hergestellt. Die meuternden Truppen haben ihre Waffen niedergelegt und fich den Streitkräften der Regierung ergeben.
Von Wilhelm eil.
Mit grausamer Offenheit hat der Reichsfinanzminister Schiffer vor der Nationalversammlung die gegenwär tige finanzielle Lage des Deutschen Reiches geschildert. Das sind. Das deutsche Bolt hat bis jetzt 161 Milliarden Bild, das er entrollt, entspricht den trübsten Wahrscheinlichfeitsberechnungen, die von Sachfennern angestellt worden Mart Reichsschulden auf dem Rüden. Um wieviel sich diese Last noch vergrößern wird, kann niemand vorausjagen. Bon dem neuen Kredit von 25 Milliarden entfallen 15 Milliarden auf die in den letzten Monaten gemachten Ausgaben. Es muß jetzt Indemnität erteilt werden für die ohne gesetzliche Genehmigung bei der Reichsbank eingegangene Wechselschuld. Anders ausgedrüdt: es muß nachträglich der 15- Milliarden- Kredit genehmigt werden, der in Oftober im Reichstag angefordert, infolge der Revolution nicht genehmigt wurde, aber trotzdem flüssig gemacht werden mußte. Die weiteren 10 milliarden stellen einen offenen Kredit dar, der der Reichsleitung zur Verfügung steht. Ob diese Summe ausreichen wird zur Bestreitung aller Rosten der völligen Demobilisierung und zur Wiederherstellung einer geordneten, friedlichen Staatswirtschaft, das hängt ab von dem Zeitpunkt, an dem der Friede geschlossen wird, und von der Gestaltung unserer wirtschaftlichen Bustände in den nächsten Monaten, die aber auch wieder mit der Friedensfrage im engeren Zusammenhang stehen. Welch großen Einfluß die Wirtschaftslage auf die Reichsfinanzen ausübt, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß der Reichsanteil an der Erwerbslosenunterstügung im Januar 1919 auf 67 Millionen gestiegen ist gegen 17 Millionen im Dezember 1918. Dazu kommt der Anteil der Einzelstaaten und Gemeinden an diesem Aufwand!
biel trüber sein, wenn es sich zugleich auf die Finanzlage der Das vom Minister Schiffer gezeichnete Bild würde noch Einzelstaaten und Gemeinden erstreckte. Für die Zwecke der Kriegswohlfahrtspflege, für Beamtenteuerungszulagen, für die Deckung von Kriegsschäden( Ostpreußen ) haben auch die Einzelstaaten Ausgaben gemacht, die in die Milliarden gehen, an deren Deckung es aber noch fehlt. Die Lieferungsberbände haben für die von ihnen vorgeschossenen Unterstüßungen an die Familien der Kriegsteilnehmer noch Rückforderungen an das Reich zu stellen, die sich gleichfalls auf drei bis vier Milliarden belaufen dürften.
Niemand weiß, wie sehr unsere Finanzlage noch beeinträchtigt werden wird durch die endgültigen Friedensbedingungen. Die Kosten der WiederHerstellung der durch den Krieg zerstörten feindlichen Gebiete hat Deutschland zu übernehmen sich bereit erklärt. Der Geldwert dieser Verpflichtung ist auf 50 Milliarden geschätzt worden. Ob und welche finanziellen Bedingungen die feindlichen Machthaber darüber hinaus dem deutschen Volfe ansinnen werden, muß abgewartet werden. Für die feindlichen Staatsmänner, die sich in ihrem Siegesrausch
noch ein Restchen nüchterner Urteilsfähigkeit bewahrt haben. sollte es keiner besonderen Versicherung bedürfen, daß es eine Grenze gibt, bei deren Ueberschreitung das deutsche Volk vernünftigerweise jede vertragliche Verpflichtung ablehnen und erklären muß: macht mit mir, was Euch beliebt, seid Euch aber auch der Folgen bewußt!
Wir
Lassen wir diese Möglichkeit zunächst außer Betracht und fragen wir uns, wie wir finanziell weiterkommen. haben uns bisher mit der Anleiheaufnahme und der Notenpresse geholfen. Beide Mittel sind nicht mehr lange anwend be. bar. Für Inlandsanleihen fehlt es in den nächsten Monaten, wenn unsere Wirtschaft sich wieder auf die Friedensarbeit rüsten, Rohstoffe beschaffen, die völlig geleerten Lager langsam wieder füllen soll, an den nötigen flüssigen Mitteln. Das Ausland wird uns so lange nichts leihen, als wir noch Auf dem Generalkommando haben die Sparta - feinen geregelten Wirtschaftsverkehr haben. Die Notenpresse kisten in fürchterlicher Weise gehaust. Die sämtlichen aber kann unmöglich stärker angetrieben werden, wenn wir Invalidenakten, die Nachweise für die Mili. nicht binnen ganz kurzer Frist in aller Form den Bankerott tärrenten, sind von ihnen verbrannt wor- armelden wollen. Der Notenumlauf des Reiches ist von ben. Die Wohnungen der in der Deutschhauskaserne wohn- 2 Milliarden im Jahre 1914 auf 34,5 milliarden Mitte Februar 1919 gestiegen. Ungerechnet die Noten der Gemeinden, haften Unteroffiziere wurden völlig ausgeplündert. die auch auf diesem Gebiet in einen Wettlauf mit dem Reich eingetreten find. Schon die unbedingte Notwendigkeit, eine Senfung der Warenpreise herbeizuführen, erfordert eine Verfront gewählten Abgeordneten zur Nationalversammlung, Unter- langsamung des Arbeitstempos der Notenpresse. Denn je offizier Rodemann, ist in die Nationalversammlung eingetreten. Rodemann ist von Beruf Böttcher, seit dem Jahre 1907 gewerkschaft- größer die Papiergeldflut, desto geringer die Kauffraft des lich und politisch tätig und in Harburg a. Elbe wohnhaft. Der Geldes. Die größte Schwierigkeit erwächst dem Reichsfinanzzweite Abgeordnete an der Oftfront, der ebenfalls der sozialdemo kratischen Partei angehört, ist noch nicht in Weimar eingetroffen. I minister in der nächsten Zukunft aus der Verpflichtung, die
Der Wahlsieg in Deutschösterreich. Bien, 18. Februar( Eigener Drahtbericht des„ Borwärts".) Die Sozialdemokratie hat bis jest 71 Mandate erreicht. Bei den Reichsratswahlen in Wien im Jahre 1907 betrug unsere Die Abgeordneten der Oftfront. Einer der beiden von der OftStimmenzahl 123 340. 1911 ftieg fie auf 145 871 und jest betrug fie 523 145. Ginschließlich der erhöhten Wählerzahl hätte sich das Verhältnis um 206% Bros. fteigen müssen, es ist aber um 377% Bros. geftiegen, es hat sich also mehr als vervierfacht. Die Christlichsozialen bleiben nach demselben Verhältnis um 143439 Stimmen zurüd. 1911 wurden in den Ländern, die jetzt gewählt