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Nr. 91. 36. Jahrg.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

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Mittwoch, den 19. Februar 1919.

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Waffenstillstandsdebatte in Weimar

Stürmische Abrechnung mit der Schwerinduftric.

Weimar , 18. Februar. Die Heutigen Berhandlungen der Interpellation Heinze follten so erwartete man allgemein, eine Aussprache dar über bringen, wie wir weltpolitisch stehen und welche Mittel mir anwenden können, um der Nach und Raubgier der Entente entgegenzutreten und womöglich viel von dem echten Wilsonschen Rechtsfrieden zu retten. Gelegentliche Anfänge In dieser Aufgabe fanden sich auch in der Debatte. So, wenn unser Parteigenosse Hermann Müller aus den Verhand­lungen in Bern interessante Beläge dafür beibrachte, daß die flügeren Bolitiker unter den Westvölfern sich vollends flar darüber sind, daß jeder Versuch, dauernde Bedrüdung und Niederwerfung des deutschen Boltes dem Besiegten zum Siege verhelfen fönnte, ober wenn außmann bemerkte, daß die Ententetruppen längst au Sause sein fönnten, wenn bie Staatsoberhäupter der Alliierten nichts weiter wollten, als sich ehrlich an das Wilsonsche Programm des Rechts- und Ausgleichsfriedens zu halten. Im ganzen aber gestaltete sich die Interpellation ganz anders: fie wurde zu einer großen Auseinanderlegung

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awischen Schwerindustriellen, Vaterlands Stecht wenig geeignet schien, Bertreter eines geschlagenen parteifern und Annegionisten einerseits und den Volkes bei den Verhandlungen über einen Rechtsfrieden zu Mehrheitsparteien, besonders der Sozialdemokratie, fein. Die Schwerindustriellen haben darauf Neigung ge­andererseits. Im Anschluß daran tat der Begründer der zeigt, in einen Sympathiest reif zu treten und über­Interpellation, der Generaldirektor der Deutsch - Quremburgi- haupt feine Sachverständigen mehr zu den Waffenstillstands. schen Bergwerfs- Aftiengesellschaft, Bögler, dieser deutsch beratungen zu fchiden. Aber die Beiten, in denen eine solche parteiliche Jungfernredner, fo, als ob er nie etwas von Deutsch Drohung genügte, um die Regierung ins Maufeloch zu jagen, lands Niederlage gehört hätte und als ob Herr Erzberger find vorbei. In deutlicher Weise wurden die Herren Schwer­und feine Sachverständigen daran schuld wären, daß Deutsch industriellen und U- Bootphantasten von der Regierung ab. land nicht die schönsten Friedensbedingungen befäme. d geschüttelt und ihnen bedeutet, daß ihre Beit in Deutschland ftebe hier als Vertreter einer Industrie, begann naib Herr für immer vorbei sei. Erzberger wurde bei Feststellung Bögler, ohne sich flar darüber zu sein, ob diese öffentliche diefes Sachverhalts von Scheidemann und David Selbstbeschuldigung eines angeblichen Boltsvertreters au- in wirffamster Weise unterstützt. Von den Vertretern der treffend ist. Vielleicht ist Herr Bögler gar nicht Ber- Mehrheitsparteien, wie von allen Regierungsvertretern, treter einer ganzen Industrie, sondern nur Bevoll wurde den Männern, welche die Hauptschuld an der Kriegs­mächtigter des Herrn Hugo Stinnes , den Erzberger erflärung und Kriegsfortfehung tragen, jedes Recht zur Er­aus Spaa bat entfernen laffen, weil ihm diefer aupt bebung von Anflagen abgesprochen. anstifter bei der Ausplünderung Belgiens und Nordfrankreichs und bei der zwangsweisen Ber­schleppung der belgischen Männer, Frauen und Mädchen mit

Die Unruben im Rubrrevier. Generalstreikspropaganda.

Die neu aufflammende Bewegung unter den Berg­arbeitern des Rubrreviers ist unzweifelhaft politischer Na­tur. Im Hintergrunde arbeiten Spartafiften und unab­hängige. Die Arbeiter werden zum Generalftreit aufgefor dert und vielfach unter Gewaltandrohung vom Einfahren in die Schächte abgehalten. Das ganze Rubrrevier, überhaupt bas ganze rheinische Industriegebiet steht unter dem Zeichen nervöser Unrube. Die Koblenproduktion hat fast ganz auf gehört. Die Ententetruppen stehen in abwartender Haltung bereit zum Einmarsch. Sobald die vertragsmäßigen Sohlen­lieferungen in das befekte Gebiet auf die die Alliierten nach den Waffenstillstandsbedingungen Anspruch haben aufhört, muß damit gerechnet werden, daß das ganze In­dustriegebiet besetzt wird.

Die Haupttreiber scheinen es geradezu darauf abgesehen au haben. Sie geben zwar an, aus Gegnerschaft gegen die Regierung zu handeln. Aber sie müssen sich doch klar dar fiber sein, daß ihre Generalstreifsabfichten bei der Entente, bie an den Lieferungen von Ruhrfohlen intereffiert ist, fofort eine gewisse Alarmbereitschaft auslöft.

urbe wieber mit offen verfehen. Der burch die Spartafiften angerichtete Gachschaben ist gering.

Eine groteske Phantasie dieses preußischen Talmijunkers ist es, wenn er erklärt, die Entente hätte den Deutschen er­heblich bessere Waffenstillstandsbedingungen gestellt und einen gerechteren Frieden gegeben, wenn nicht die Nevo­lution ausgebrochen wäre, bann aber plöglich nach Aus­bruch der Revolution hätte sie die harten Waffenstillstands. bedingungen gestellt. An der ganzen Geschichte ist, wie Erz berger nachwies, fein wahres Wort. Trotzdem versuchte Herr v. Graefe verzweifelt, die Schuld an Deutschlands Niederlage der Revolution zuzuschreiben.

Die Herren Interpellanten von der deutschen und deutsch­nationalen Volfspartei waren nach dem Verlauf der Debatte Aufruf der Bergarbeiterverbände gegen Spartakus. fchwer blamiert, so daß in vorgerückter Stunde Stresemann, der Bielgewandte, felbft die verlorene Sache zu retten fuchte. Bochum , 18.- Februar.( Telunion.) Einen Aufruf an die Berg Er verteidigte Stinnes und Ludendorff und vor allem fichy arbeiter haben bier die vier großen Bergarbeiter. berbände gerichtet, gegen das unverantwortliche Treiben felbst. Dabei entschlüpfte ihm das Geftändnis, daß es wenig der Spartatiften Stellung zu nehmen. Es wurde weiter ein ausmache, wenn Deutschland zu den Verhandlungen nac Ersuchen an die Regierung gerichtet, fofort die notwendigen Was. Trier ginge, da die Alliierten die Bedingungen fig und fertig nahmen zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung vorzunehmen. mitbrächten. Wenn das zutrifft, und das ist ja zweifellos, Witheim a. Ruhr, 18. Februar. Die Vertrauentemänner bes bann begreift man um fo weniger, was diefe ganze Inter­Deutschen Mesallarbeiterverbandes fowie Bertreter der fozial pellation, dieser aussichtslose Vorstoß der Annegionisten demokratischen Partei und ber freien Gewerlichaften gegen Erzberger und die Regierung bezweďte. Natürlich bielten geftern eine Eigung ab, beren Ergebnis die wurde Stresemann die Erwiderung darauf nicht geschenkt, folgende Entichließung war: Die heutige Bertrauensmänner wie er zum U- Boot- Krieg gehegt und als junger Mann igung der der fozialdemokratischen Bartei und der freien Ludendorffs die Politik der Meichstagsmehrheit, die vielleicht Gebettichaften erklärt sich mit der Proklamierung des Generalftreifes dem Zusammenbruch hätte zuvorkommen können, durchkreuzt, nicht einverstanden. Sie proteiniert aufs entschiedenste gegen die insbesondere noch im Juli 1918 Kühlmann zur Strede gebracht einfeinige und gewaltiame Durchführung desfelben und erklärt, daß hat. Sinderte ihn nicht feine Eitelkeit, so würde auch dieses fie nach wie vor auf dem Boden der Regierung fiebe Steh- auf Männchen wohl erkennen, daß er flüger getan bätte, und die Verantwortung für etwaige Bottommnisse den Syndikalisten wie Bestarp und Geydebrand, eine Beitlang in der Ber­und Kommuninen aufbürdet. fenfung zu verschwinden.

Bedrohungen der Bergarbeiter überall.

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Die Bergarbeiter, die willig sind, weiterzuarbeiten, und die sich ihrer hohen Berantwortung gegenüber den deutschen Arbeitern und dem ganzen deutschen Wirtschaftsleben be­Bon vielen Bechen wird gemeldet, daß die Belegschaften arbeits wußt sind, werden von bewaffneten Banden und gewalttätiwillig find, gegen die radikalen, meist bewaffneten Elemente indes gen Minderheiten verhindert, zur Grube zu gehen. Bei nichts ausrichten tönnen. Auf der Beche Braffert" in Mart einzelnen Schächten ist es felbft unmöglich, die bringendsten hat sich der größte Zeit der Belegschaft durch eine fleine Gruppe ein Notarbeiten zu leisten, und die Gefahr, daß sie erfaufen und böllig su Bruch geben, ist außerordentlich groß. Das aber wiirde unsere Kohlenschwierigkeiten zur schwersten Rata­strophe erweitern. Die großen Gefahren, die für unser Wirt. chaftsleben durch diese erzwungenen Streits erwachsen, bat Die Regierung beranlaßt, Truppen zusammenzuziehen, um den Fortgang der Betriebe im Rohlenrevier zu schützen.

Bochum , 18. Februar. Die Generalftreitbewegung greift Immer weiter um sich. Der Streitausschuß in Bochum , der als gentrale der gesamten Streiftetvegung angefehen werden fann, at beschloffen, die Bergarbeiter auf den noch in Betrieb befind­fden Werten aufzufordern, die Arbeit nieberzulegen, ambernfalls würden sie mit Gewalt an ber Weiterarbeit verhindert

1ecben.

Trohung mit Abbruch des 2affenftillstandes. Amsterdam , 18. Februar.( 2. 11.) Nach einer Merbung aus Paris hat sich der altiierte Kriegsrat mit der fritischen Lage im Ruhrrevier befchäftigt. Wie verläutet, foll, falls durch bie fparinfiftischen Umtriebe die linkerheinischen Industriegebiete ohne Roblen bleiben, eine Ründigung des Waffen #ittanbes mit breitägiger rift ins Auge gefaßt und das ablengtbi ben Truppen der Willierten befest werden.

Gelsenkirchen von den Spartatiften befreit.

schüchtern lassen und ist infolgedessen nicht eingejahren. Auf der Bedje, et ende" hatte die Belegschaft nach Berhandlungen mit dem Direttor in einer Belegschaftsversammlung befchloffen einzufahren. Einige Wiatrosen wußten jedoch durch die Drohung, die Förderieile zu durchschneiden und die Körbe in den Sumpf zu werfen, die Leute von der Einfahrt abzuhalten, Die Spartalisten zogen dann von Westende" nach der Aktiengesellschaft für Güttenbetrieb und zu der Weaschinenbon- Attiengesellschaft Ziegler und legten auch dort den Betrieb still. Auf Zeche Nordstern" erschienen etwa acht Wann aus Mülheim , um die Belegschaft an der Einfahrt zu verhindern. Die Leute waren aber schon in der Grube, weshalb die Aufwiegler un­verrichteter Sache wieder abzogen. Ihr Wiederkommen wurde aber für später in Aussicht gestellt.

Das sogenannte Streiffomitee verbreitet ein Flugblatt folgenden Wortlauts: Die Regierungstruppen ziehen ein in das Industrie­gebiet, um die revolutionären Errungenschaften zu beseitigen und die Sozialisierung des Bergbanes zu verhindern. Auf zum Generalstreit! die Arbeit muk ruhen, bis Nostes Bluthunde aus Rheinland und Westfalen hinaus sind.

Elberfeld , 18 Februar. Die Eifenbahndirektion Elberfeld wurde von den Spartaliften gestürmt und befest.

Erzberger machte auch in der Debatte Mitteilung über den Stand des Schiffahrtsabkommens und die Nah­rungsmittelversorgung. Deutschland brauche für min­destens 5 Milliarden 2ebensmitteleinfuhr vor der neuen Ernte. Die Entente will sie unter zwei Be­dingungen gewähren, daß wir unsere Sandelsflotte zur Ver­fügung stellen und bar zahlen. Das fönnen wir nur mit Waren und ausländifden Bapierwerten. Nur wenn wir eine große Menge Ausfuhrprodukte in den nächsten Wochen herstellen und die ausländischen Werte in Deutschland restlos erfassen, werden wir im Frühjahr nicht verhungern. Die Regierung wird gegen die Kapitalisten mit großer Energie borgehen, um von ihnen das Notwendige zu Deutschlands Vernichtung vor Sunger und Bolichewismus zu erhalten.

An der Arbeiterschaft ist es aber, so viel zu arbeiten, Die zum Teil sehr erregte daß sie zu essen hat. Sigung 30g fich bis in die neunte Stunde hin. Morgen wird die politische Aussprache fortgefest.

10. Sigung Dienstag, 18. februar 1919, 2 1hr nachmittags. Am Regierungstisch: Scheidemaun, Landsberg , Erzberger , Get­hein, Dr. Bell, Güdefum u. a. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sigung um 2 hr 20 Min. Der Vorsisende der Waffenstillstandsfominission teilt mit, bak die französischen Behörden sich damit einverstanden erklärt haben, daß den Mitgliedern der Nationalversammlung aus den besetzten

Drohender Proteststreik der Eisenbahner. Gebieten Dauerbafie nach Weimar ausgestellt werden. Auf der Die Eisenbahner des rheinisch- westfälischen Industrie- Tagesordnung steht die

Geffenfirchen, 18. Februar. Durch die städtische Sicherheits bezirts haben eine Deputation nach Weimar geschickt. Sie Interpellation Dr. Heinze n. Gen. webe und die Boltzei find die Spartafiften von den öffentlichen verlangen fofortiges militärisches Eingreifen durch bie Re( Dp.) betreffend die Verlegung einer Dentichrif: über die bisher Gebäuden vertrieben worden. Die Spartalisten wurden gierung und drohen mit dem Streit, wenn die Regierung von der Waisenstilstandsfommission gepflogenen Berhandlungen größtenteils entwaffnet und aus den Arbeiter. nicht in der Lage ist, schnellstens die Ordnung wieder herzu- Auslieferung der deutschen Handelsflotte, Verhandlungen über die and Golbatentäten entfernt Die städtische Polizei stellen. Rohlen und Graftagen). Ramens der Interpellanten begründet