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Nr.97. 36. Jahrg.

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Telegramm Aoreffe

.Sozialdemokrat Berlin .

Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

10 Pfennig

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B

schäft. Berlin

6 Uhr abends

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Mortsplas, Nr. 13190-15197.

Sonnabend, den 22. Februar 1919.

abgegeben ubt früh bis

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Mord und Terror in München .

München unter Belagerungszustand.

So fiefen Abscheu der Mord, des gräflichen Leutnants an 1 Spartakusterror in Berlin , Bremen , im Ruhrrevier und[ bte linte Brustseite getroffen, zusammen, Abgeord Kurt Eisner erwedt, diese grauenvolle Tat wird noch ber- anderswo einverstanden ist. neter Osei wurde von einer Augel tödlich getroffen. 8wei dunkelt durch das mörderische Gemezel, das die Münchener So führt jeder neue Sonderfall und jede neue Erwägung Ministerialbeamte erhielten schwere Schußberlegungen Unabhängigen und Spartatiften unter den unweigerlich zu demselben Ergebnis. Zwischen den Klippen Die Minister Frauendorffer und Hofmann, sowie Abgeordnete der Führern der bayerischen Sozialdemokratie veranstalteten. Im des reaktionären und des bolichemistischen Terror muß die foaialdemokratischen Frattion bemühten fich zunächst um Auer. Die Laufe des gestrigen Abends fam die Nachricht, daß Stoß- deutiche Politif den sozialdemokratischen Kurs bal- Verlegung ist schwer. Sanitätspersonal leistete die erste Hilfe. haupter nach seiner Festnahme erschlagen, Timm ten. Sie darf sich nicht dadurch verwirren laffen, daß fie von Die Eibung wurde darauf aufgehoben. erschossen, Auer, der einen schweren Bauchschuß erhielt, auf- ber Reaktion, sobald sie sich mit ihr in der gebührenden Weise Die Kunde von diesen blutigen Vorgängen brang mit Winbes gegeben sei. Noch darf man bei der ungeheuren Verwirrung auseinanderseßt, in den bolichemistischen Zopf geworfen, und eile in alle Stadteile. Die Erregung ist überall sehr groß. Alle Bes Nachrichtenverfehrs mit München hoffen, daß sich die ste darf sich ebensowenig darum fümmern, wenn sie wegen Geschäfte werden( geschloßen. Der Straßenbahnverkehr wurde Nachricht als übertrieben herausstellt, ebenso wie die andere, ihrer grundsäglichen Stellung gegen den Spartafusterror von mittags eingestellt. Ueberall wurden rote Flaggen auf Halbmajt die Spartakisten hielten den Landtag besezt und drohten, den Unabhängigen als gegenrevolutionär berichrien wird. She gebizt. Auf der Theresienwiese sammeln sich die Maffen zu einer feinen Abgeordneten lebendig herauszulassen. Auf alle Fälle muß, mag da tommen, was da mill, auf dem Wege der Ber großen Protest demonstration. Der Generalftreit steht die traurige Tatsache fest, daß ein bewaffneter Ueberfall nunft bleiben. Denn wir Sozialisten müßten ja uns felbst wird proklamiert werden. auf den Landtag verübt wurde, daß fich die Schüsse gegen die aufgeben, wenn wir an dem schließlichen Siege der Vernunft fozialdemokratischen Minister richteten und daß mehrere bergmeifelten. Die Erfahrungen der letzten Jahre sind freilich Todesfälle und lebensgefährliche Berlegungen zu ber nicht geeignet, uns hochgemut zu stimmen: durch Vernunft zeichnen find. haben wir erst den Krieg, dann die Niederlage im Kriege Gin Aktionsausschuß der drei sozialistischen Parteien. Wer wagt es, diese grauenvollen Verbrechen zu be- berhindern wollen, es ist uns nicht geglüdt. Aber damals war München , 21. Februar.( Eig. Drahtbericht d. Borm.") schönigen, zu entschuldigen? Wenn wir gestern abend von das Volk unfrei, iegt aber ist es frei und Herr feines Soeben wurde über München der Belagerungs­einem reaktionären Terror Sprachen, der der Arbeiter eigenen Gefchicks. Bon der grundsäglichen Festigkeit und austaud verhängt. Die Straßen sind von 7 Uhr abends bewegung fremd sei und gewalttätig in ihre inneren Ueberzeugungstreue der sozialdemokratischen Arbeiter hängt für jeden 3 vilverkehr gesperrt. Auseinanderlegungen eingreife, fo lag in dieser Bemerfung beute alles ab. hr wollen wir vertrauen und zuversichtlich Aus Anlaß der Ereignisse hat sich aus den drei so­immer noch ein gewiffer Troft, daß es wenigftens fein Sosialist troballedem in die Zukunft sehen. Denn es fommt ja nicht zialistischen Parteien, einschließlich der Kommunisti. war, der seine Hand mit dem Blute eines Sozialisten befleckte. Darauf an, daß wir leben, und daß nicht einen oder den an- fchen Bartei, und den Vollzugsräten der Arbeiter, Baueru­Auch dieser armselige Trost versagt angesichts des Maffen deren die Stugel trifft, fondern es fommt darauf an, daß das und Soldatenräte ein Aktionsausschus gebildet. Im mordes, der gefstern unter den sozialdemokratischen Ministern of lebe. Laufe des heutigen Zages wird noch ein Ministerrat Bayerns verübt worden ist. Denn fein Zweifel fann leider Bewahrt das Boff in feiner Malle feinen gefunden Sinn stattfinden, der sich mit der Bildung eines neuen daran bestehen, daß die unbekannten Mörder aufgestachelt für das Recht einer freien Staatsverfaffung, dann wird es diefe ministeriums befassen wird. In einem öffentlichen An­waren durch den Frrwahn, fie fönnten für den gefallenen verfte aller Strifen überwinden, und Todesopfer werden fchlag gibt der Laudessoldateurat, das Ministerium für mili­Eisner Rache nehmen an Auer, Timm, Noßhaupter, nicht umsonst gebracht sein! tärische Angelegenheiten, sowie der Stadtkommandant und der diese wären an dem Tod ihres Führers schuld. Wir fragen Polizeipräsident bekannt, daß das Volksgericht eine griff genommen habe,

bie Unabhängigen, wer die Schuld baran trägt, daß bei Die Tragödie. im Sihungssaal. teringang der Angelegenheit bereits in An­

rohen verhetten Menschen sich

dieser blödsinnige Aberglaube festießen fonnte, wer ihn in die Köpfe gepflanzt hat und ihn täglich nährt?!

Zu dem Attentat auf Genossen Auer erhalten wir folgenden ausführlichen Bericht:

ber Schnldigen durchgeführt werde.

Nach Meldungen des WTB haben die Münchener Getverf schaften befchloffen, ihre Mitglieder zum Generalstreit aufzufordern. Eine weitere Meldung des W28, wonach auch in Nürnberg der Generalstreit beschlossen sei, trifft unseres Erachtens nicht zu

Die Lage in München .

Zimm, Roßhaupter, Auer waren nicht die ersten Opfer Gegen 11 Uhr wurbe bie Elkung im Landtag wieber auf des Spartaruswahns und werden nicht die letzten sein. Jeder genommen. Die Abgeordneten hatten sich wieder bollzählig im Sozialdemokraf in führender Stellung weiß, daß er heute Saale eingefunden. Auch die Zuhörertribünen waren besetzt. Der täglich für seine Ueberzeugung sein Leben aufs Spiel setzt. Minister des Innern Auer erhob sich zu einem Nachruf für Darauf fönnte man stolz sein, gefellte sich dazu nicht das ent- Eisner. Er führte, nachdem die Abgeordneten sich von den feßlich drückende Gefühl, daß es ein dunkler Bintel des Sozia Siben erhoben hatten, aus, der provisorische Ministerpräsident München , 21. Februar.( Eigener Drahthericht des lismus selbst ist, aus dem heraus sich die drohenden Läufe Eisner habe soeben durch Mörderhand den Tod gefunden. Der auf die Köpfe der sozialistischen Bewegung richten, daß es Mörder fei auf der Stelle gerichtet morben. Die Tat sei von Borwärts" Seit 2 Uhr mittags befindet sich München in fieberhafter blommener Unruhe. Alle Betriebe und Ge Heberhafter 6.klommener Unruhe. irregeführte Klaffengenoffen find, die mit Mord bezahlen, ruchlofer Sand in feiger Weise verübt worden, als Gisner was ton ihren Opfern für die Arbeiterllaffe geleistet auf dem Wege zum Landtag mar, um dort inmitten der gewählten schäftshäuser sind geschlossen, auch das Telegraphenamt hat seinen Betrieb eingestellt. Man hat jedoch erreicht, daß Boltsversammlung sein Amt als provisorischer Ministerpräsident Auer, Timm und Roßbaupter find oder waren Arbeiter auszuüben. Diese Sanblung müsse bei jebem anständigen Menschen das Ferufprechamt amtliche Gespräche weitergibt. von Hause aus und hatten feit ihrer frühen Jugend feine tieffen Abscheu hervorrufen.( Zustimmung.) Auer fuhr mitgliedern bescht, um spartakistischen Angriffen auf sie vorzu­bien Münchener Post" ist von Gewerkschafts- und Partei­andere Arbeit gefannt als die für die Sache des Sozialismus. fort: Der politische Konflitt in Bayern stand. Was ihre Verdienste an der Arbeiterbewegung in Bayern be­trifft, können ihnen ihre Gegner nicht das Wasser reichen. Sie waren in grenzenlos verworrenen Verhältnissen eine Hoffnung des Landes und ihr Tod wäre ein Unglüd für das bayerische, für das ganze deutsche Volk.

worden ist.

Die Opfer.

Die

Beugen. Sämtliche bürgerliche Zeitungen sind besetzt. bor feiner friedlichen Lösung. Es ist noch unbekannt, ob die Besaßungen zum Ordnungs­Gisner war im Begriff, dem versammelten Landtag den im lager oder zu den Spartakisten gehören. Durch die Stadt Ministerrat in Anwesenheit aller Minifter gefaßten Beschluß mit ziehen fortgesetzt bewaffnete Banden mud on einzelnen auteilen, daß das gesamte provisorische Ministerium feine Aemter Stellen der Stabt ist es zu Wändernagen gekommen. Ge in die Sände der gewählten Voltsversammlung wehriffe fallen ohne Unterbrechung in allen Stadt Was soll nun in Bayern werden? Der Arbeiter- und Sol- legen werde, damit die Grundlage geschaffen werde, auf der blen. Jawiswoit fie Opfer gefordert haben, ist noch nicht datenrat hat in München die Herrschaft übernommen und die nach demokratijden Grundfäßen der wirtschaftliche, feststellbar. Bis jetzt wurde im ligainabim ein junger Landesversammlung ihrer Befugnisse entkleidet. Inzwischen tulturelle und politische Aufbau sich vollziehen und damit die be- Maun tot eingeliefert. Me öffentlichen Gebäube regiert in der bayerischen Hauptstadt wilder Terror. Wird der stehende Not des Landes gemildert werden fönne. Um so un- werden durch zuverige Witärposten bewacht, jehoch ist nicht Arbeiter- und Soldatenrat den Willen und die Macht haben, verantwortlicher ist die begangene Bluttat.( Sehr vorherzusehen, ob nicht binnan kurzem eine entscheidende Ben ihn zu zügeln? Selbst wenn man optimistisch genug ist, dies richtig.) Wir beklagen in dem Ermordeten den Führer der dung eintritt, die die Situation der öffentlichen Gebäude anzunehmen, was wird aus dem übrigen Bayern , auf das fich ebolution in Bayern und zugleich den bom reinsten ändert. Die Bevölkerung steht sich in drei die Herrschaft des Münchener Arbeiter und Soldatenrats bealismus und von treuer Gorge für das Prole. Lagern abwartend gegenüber. Der fatholische Teil nicht erstreckt? Das bayerische Bolt hat bei den Wahlen seinen tariat erfüllten Menschen. Auf diesem Wege kann und darf am weitesten rechts, die sportach Beeintrigen links und fast einstimmigen Willen zur Demokratie zu erkennen gegeben, nicht fortgefahren werden( Bustimmung), wenn nicht die boll- neben ihnen die sozialdemokratifdie Arbeiten dioit, die, wie es beren unabhängige Gegner eine unbeachtliche Minderheit blie. tommene. Anarchie eintreten foll. Angesichts dieser wahnsinnigen scheint, geschlossen beieinander steht. ben, und auch sie sind so wenig unbedingte Anhänger eines Morbtat, gegen deren Urheber mit aller rüdsichtslosen bolschewistischen Nätesystems wie Eisner selbst einer gewesen ist. Strenge borgegangen wird( Sehr richtig!), gilt es nunmehr, Eine Räteregierung hätte in ganz Bayern nur eine ver. Besonnenheit zu wahren und alle Kräfte zusammenzufassen, um schwindend geringe Anhängerschaft, in weiten Gebieten des die ungeheuren Aufgaben der nächsten Beit so zu lösen, wie es die Landes überhaupt feine, fönnte also nur mit Gewalt Intereffen des geliebten bayerischen Volkes erfordern.( Bravo !) Auf dem Saufe lag eine gebrüdte Stimmung. Tiefe Bewegung gegen den Willen des Volkes herrschen. Wäre diese Gemalt eine Diktatur des Proletariats"? Mit nichten, denn das ging burch alle Bänke. Dr. Süßheim( Eoz.) beantragte, die Broletariat steht in Bayern noch gefchloffener als jonftivo Sigung zu bertagen und die Einberufung der nächsten Sibung hinter den Mehrheitssozialisten und will bon einer bem Alterspräsidenten zu überlassen.( Alseitige Bustimmung.) Diftatur in bolichemistischem Sinne nichts wissen. Als darauf eben Abgeordneter Giehr!( Baherische Volts­Was bleibt als Settung? Die sofortige Einberufung partei) eine Erflärung feiner Bartei abgeben wollte und einige der Bayerischen Nationalversammlung nach einem anderen Schritte vorwärts zum Referentenpult machte, fiel plöbli ruhigeren Ort, Bildung einer Regierung aus ihrer Witte und ein evolverschus. Der Abgeordneten bemächtigte sich eine Schaffung einer geordneten Gewalt, die der Regierung die große Panit. Weitere Echüsse fielen vom Eingang her Ausübung ihrer rechtmäßigen Macht ermöglicht. Das wird und von der 3uhörertribüne. Die Abgeordneten flüchtelen wahrscheinlich von gewisser Seite als ein Attentat auf das durch alle Türen aus dem Eaal. Der Vorhang an der linten Der Minister ohannes Zimm i nicht tot. Sintoic Bayerische Broletariat ausgeschrien werden, obgleich das bahe- Eingangstür wurde aufgeriffen und Herein stürmte ein Mann, der weit er Opfer der After geworden ist, ist noch nicht be rische Proletariat zu neun 8ebnteln ein solches Vorgehen bil- mit erhobenem Revolver weitere Schüßfe in der Richtung ligt, fo wie das deutsche Broletariat zu mindestens fiinf Sech Die Winifterin biroffpren beibel und Garrets find fteln mit dem Borgehen der Reidsregierung gegen den abgab. Minister Huer jant plöglich, von einem der Sage iu bermundet, aber the Sdjkal herrit nod feine Klarheit,

auf ben Miniftertisch

München, 21. Februar.( Eigener Drehtbericht des Vorwärts".) Die Nachricht vom Tode Erhard Auers bestätigt sich nicht, er ist schwer verlegt und es sind immerhin ernste Komplikationen, die sein Ableben möglich erscheinen laffen, zu befürchten.

Der Zentrumsabgeordnete Ofel ist durch Herzschuß fo­fort netötet worden. Der Mitärminister Roßhaupter ist vidit von gegnerischer Seite verhaftet worden, fondern zum Fiorife Ser Gidherung feiner Person in Solat genemen worden. Der Minister Interleitner( it. S. 2.) ist verwundet morden. Ueber die Schwere seiner Verwundungen liegen Nach­richten noch nicht nor.

fannt.