Nr.113. 36.Jahrg.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Montag, den 3. März 1919.
Gegen die Tyrannei!
Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplass, Ste. 117 53-54.
Wahnsinn und Verbrechen jagen durch die deutschen | Wegen der Demokratie wandeln und jede Tyrannei zügellofer nichts willkommener sein, als daß die Arbeiter geschlossen die Lande. Wird dem wilden Wüten nicht Einhalt getan, gräbt Elemente von sich abschütteln. sich die deutsche Arbeiterklasse ihr eigenes Grab.
Der politische Massenstreit war als Rampfmittel der Entrechteten angebracht, solange die Arbeiter unter dem politischen Joch der Junker und Kapitalisten schmachteten. Seit den entscheidenden Novembertagen hat er jeden Sinn berTeren. Seitdem herrscht politische Gleichheit und Demokratie. Seitdem besivt die Arbeiterklasse andere Mittel, um ihren Willen in der Gesetzgebung zur Geltung zu bringen. Seitdem schneidet jeder politische Massenstreit ins eigene Fleisch der Arbeiter.
Was als Ziel der wilden zügellosen Bewegungen hingestellt wird, ist schon erreicht oder wird in nächster Zukunft gefeglich festgelegt werden.
Die Soldatenräte verschwinden nicht! Sie werden mit ihren elementaren Befugnissen erhalten bleiben. Es gibt deshalb heute und wird in aller Zukunft feine Rechtlosigkeit im Waffenrod mehr geben. Der Soldat ist und bleibt der gleichberechtigte Bürger im demokratischen Volksstaat.
Die Arbeiterräte berschwinden ebensowenig!
Sie müssen in Betriebsräte nmgewandelt werden und ihre wichtigste Funktion, kontrollierend und mitbestimmend im Wirtschaftsprozeß entfalten. So wenig dies poli. tisch möglich, so wenig werden die Arbeiter wirtschaftI ich in die alte Hörigkeit zurücsinken. Neben der politischen ist auch die wirtschaftliche Demokratie der Arbeiter gesichert, vorausgesekt, daß sie einig und geschlossen auf den Weimar , ben 1. März 1919.
Die Sozialisierung wird ebenso fiches
tommen,
Betriebe verlassen. Jeder Massenstreik nährt heute die Kapitalisten und schwacht die Arbeiter.
Er stärkt außerdem die ausländischen Imperia. in dem Maße und mit der Gile, die volkswirtschaftlich nur deutsche Wirtschaft zu erbroffeln, die deutschen Arbeiter zur liten und Aunegionisten, die danach trachten, die irgendwie möglich ist.
Die sozialdemokratische Fraktion bereitet schon einen Auswanderung zu zwingen und dadurch in ihre Sklaven zu Initiativantrag vor, der die Aufhebung der feudalen Berg- berwandeln. Jeder politische Massenstreit verschärft die regale und die Sozialisierung der Bergwerfe feindliche Bloda be, verschärft unseren Hunger, vervorsicht. Andere Sozialisierungsmaßnahmen sind in inten- mehrt unsere Entbehrungen und schleudert fiver Vorbereitung, aber, Genossen, dieses gewaltige Gesezgebungswerk will seine Zeit haben. Wir können nicht in vier Wochen hinwegräumen, was vier Jahrhunderte feudaler Mikwirtschaft und vier lange Jahre des entsetzlichsten Kriegs uns an Schutt und Trümmern hinterlassen haben.
Um die demokratischen und sozialistischen Ziele der deut schen Arbeiterklasse durchzuführen, braucht wirklich kein einziger Arbeiter in den Streik zu treten. Dafür bürgt die Fraktion, die von den sozialdemokratischen Wählern und Wählerinnen in die Nationalversammlung entsandt worden ist. Sie ist Fleisch vom Fleisch der deutschen Arbeiter und fennt keine andere Aufgabe, als den Willen der Genossen und Genofsinnen in die politische und gesetzgeberische Tat umzuwandeln.
Jeder politische Massenstreik nüst daher heute nicht mehr den deutschen Arbeitern, nein, er
nütt nur den deutschen Kapitalisten. Die Unternehmer reiben sich die Hände vor Freude über jeden Streiftag, den sie nicht zu bezahlen brauchen. In dieser Zeit der Wirtschaftslähmung und des Nohstoffmangels kann ihnen
Arbeiter, Arbeiterinnen!
Seit Wochen wird in den Betrieben Groß- Berlins eine lebhafte Propaganda entfaltet, zur Durchsegung gewiffer For derungen und zum Sturz der gegenwärtigen Regierung, auch hier in den Generalstreit einzutreten. Man wirft der Regierung und besonders den Bertretern der sozialdemokratischen Partei vor, daß sie nichts tue, um die sozialen und politischen Forderungen der Arbeiterschaft zu verwirklichen. Insbesondere werde die Sozialisierung der Produktion nicht in Angriff genommen.
Tausende Deutscher ins Elend.
Den Städten mangelt durch die völlige Unterbrechung des Verkehrs die Milch, fehlen die Lebensmittel, fehlt die Beleuchtung, fehlt die Wärme, fehlt sogar das Wasser. Außer Frauen und Kindern sinken Männer und Greise kraftlos nieder. Es find Eure Männer und Greise, Eure Frauen und Kinder, die auf diese Weise gemordet werden! Wollt Ihr das?
Nein, und tausendmal nein! Ihr erkennt das Selbstmörderische der planlosen wilden Bewegung.
So sest Euch endlich zur Wehr! den Betrieben mit Gewalt eder durch heuchlerische Betörungen Last Euch nicht von wenig bewaffneten Fanatifern aus und energischen Widerstand entgegen, erniedrigt Guch nicht zu herauslocken! Stellt ihrem schändlichen Beginnen planbollen Bütteln dieser Bankerotteure des alten Systems!
Wir haben in den Novembertagen nicht die alten Tyrannen verjagt, um uns in den Märztagen nene Tyrannei gefallen zu lassen. Gegen die Tyrannen! Hoch die Demokratie! Hoch der Sozialismus!
Die sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung.
der Sozialisierung von Produktionszweigen und die Nontrolle sozialisierter Betriebe einzuräumen.
Wir verlangen auch, daß der Bericht der Sozialisierungsfommission unverzüglich erscheint und ihre Vorschläge über die Sozialisierung der verschiedenen Produktionszweige der Deffentlichkeit unterbreitet werden.
Eine Kommission der auf unserem Boden stehenden Berliner Arbeiterschaft wird am Dienstag mit der Regierung über die nähere Diese Ungeduld begreifen wir. Wir sind der Mei- Durchführung dieser Forderungen berbandeln und mit allem Nachdruck für ganze und nung, daß nach einer so gewaltigen rebolu. schnelle Arbeit eintreten. tionären Umwälzung schnell gearbeitet wer den muß, um die Ziele der Revolution auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete fest an berantern.
Beginn der Verhandlungen über Lebens
mittellieferungen.
Berlin , 2. März. Marschall och fick der deutschen Waffenstillstandskommission in Spaa am 2. März durch eine Note mitteilen, daß die alliierten Vertreter für die Verhandlungen über die Lebensmittelversorgung Deutschlands und die damit zusammenhängenden Finanzund Schiffahrtsfragen am 4. März in Spaa eintreffen würden. Ihre erste Zusammenkunft mit den deutschen Delegierten fei für Dienstag, den 4. März, nachmittags 6 Uhr vorgesehen.
Die Bedingungen Fochs.
aag, 2. März.( Meldung des Hollandsch Nieuwsbureane Aus Paris wird gemeldet: Die maritimen Bedingungen, die Unerläßliche Voraussetzung für die Berwirklichung dieser och dem Nat der Zehn eingereicht hat, enthalten die vollForderungen ist aber, daß alle Kräfte angespannt werden, ständige Bernichtung der Tauchboote aller 2änber um unser Wirtschaftsleben baldmöglichst auf einer gesunden und die Abschaffung des Tauchbootkrieges durch alle Rationen der Grundlage wieder aufzubauen. Wir brauchen Nahrung, Welt. Diese Forderung wird mit dem Hinweis darauf begründet, Kleidung und Wohnung! Wir brauchen Kohle und einen baß die für den Scekrieg getroffenen Regeln und Bestimmungen geregelten Verkehr! All das fann nur geschaffen werden burch die U- Boote nicht inne zuhalten finb und nicht lon durch Arbeit!
trolliert werden können.
Nachdem die Nationalversammlung die dringendsten Arbeiten zur Schaffung einer Verfassung und einer von ihrem Vertrauen getragenen Regierung erledigt hat, muß daher jest ungefäumt daran gegangen werden, auch die Wer daher in diesem Augenblid zum Generalstreit aufwirtschaftliche Demokratie und den Soziali 8. fordert, verhindert die schleunige Durchführung der brinmus zu verwirklichen. Die Stegierung hat in ihrem gendsten Forderungen des Volkes und provoziert den vollen Aufruf vom Sonnabend erklärt, daß sie sofort Gesezesvor Zusammenbruch unseres Wirtschaftslebens. lagen einbringen wird, um ein demokratisches Arbeitsrecht Wir dürfen es nicht wieder dahin kommen lassen, daß, zu schaffen und die Sozialisierung des Berg- wie in der zweiten Januarwoche in Berlin , oder wie im baues einzuleiten. Wir fordern außerdem, daß die Ruhrgebiet oder Mitteldeutschland , Kleine Gruppen von beStellung der Betriebs-, Bezirks- und Landes- Arbeiterräte waffneten Terroristen der großen Masse der Arbeiterschaft in der Verfassung geregelt wird. Diesen Arbeiterräten ist mit Maschinengewehren und Revolvern ihren Willen aufzu weitgehendes Mitbeschlußfaffungsrecht bei der Regelung der zwingen versuchen und Hunderte von Menschenleben dabei zu- gung von Kriegsmaterial, und schließlich Bestimmungen über die Arbeitsverhältnisse und Kontrolle der Produktion in den grunde gehen. Betrieben einzuräumen. Sie müssen zur Begutachtung Arbeiter und Arbeiterinnen, helft uns, friedliche Arbeit aller sozialpolitischen und wirtschaftlichen Gesetzesvorlagen zu leisten! herangezogen werden und das Recht haben, selbst solche Ge
Es lebe die Demokratie und der Sozialismus! fege zu beantragen. Ihnen ist weiter eine Mitwirkung bei Nieder mit der Gewalt! Nieder mit jedem Terrorismus!
Der Vorstand der Bezirksorganisation Groß- Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands .
Franz Krüger . Hermann Lüdemann . Theodor Fischer .
Die sozialdemokratischen Obleute und Betriebsvertrauensleute Groß- Berlins . Karl Braun. Thomas. Thomas. Baul Bitolla. Adolf Muschid.
Die Forderung nach der Schleifung ber Berteidigungswerte bon selgoland und bes Rieler Kanals wird von Amerika dem gleichen Recht auch die Schleifung verschiedener amerikanischer noch immer bekämpft, bas die Ansicht vertritt, daß man mit Verteidigungswerke verlangen könnte. Der Borschlag zur Bernichtung der deutschen Kriegsschiffe ist noch nicht von allen Par. teien angenommen worden. Besonders Frankreich stellt sich hier auf den Standpunkt, daß eine Verteilung vorzuziehen wäre. Die militärischen Bedingungen umfaffen die Entwaffnung Deutidlands bis auf fünfzehn Divifionen Infanterie und 5 Divisionen Kavallerie fowie eine Einschränkung in der Erzeu Swede. Der Net der Behn wird am Montag zur Beratung dieser Verwendung von Flugzeugen für militärische und wirtschaftliche Vorschläge zusammentreten.
Die Notwendigkeit der Aufhebung der Blockade. Haag, 2. März.( Meldung des Hollandsch Nieuwsbureaus.) Aus Paris wird gemeldet: Die Delegierten der Frie. benskonferenz standen in den letzten Tagen sehr unter dem Eindruck der Vorgänge in Deutschland . Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß in Deutschland vielleicht keine Regie. rung vorhanden sein wird, mit der Friede gefchloffen werden kann. Die Gefahr einer Verstärkung der bollewistischen Strömung, bie allgemein anerkannt wird, trägt nicht nur zur Beschleunigung ber Verband. fangen bei, fenberu ist auch nicht ohne Einfluß auf bie be