Nr.118.36.Jahrg.
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Mittwoch, den 5. März 1919.
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Die Streikkrise vor der Löfung.
Eigener Drahtbericht des ,, Borwärts". Weimar , 5. März. Gestern traf hier eine Abordnung Ser sozialdemokratischen Arbeiterräte Berlins ein, die mit der Regierung eine eingehende Aussprache über die Streiflage in Berlin und über die Forderungen der Berliner Arbeiterschaft hatte. Aus diesen Verhandlungen ergaben sich für die nächste Zeit folgende gesetzgeberische Absichten der Regierung:
1. Die Arbeiterräte.
So denkt sich insbesondere auch die sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung die künftige Stellung der Arbeiterschaft in der deutschen Wirtschaft. Auch unsere Genossen in der Reichsregierung haben diesen Standpunkt sich zu eigen gemacht und sind entschlossen, alles zu tun, um diesen Forderungen Erfüllung zu verschaffen.
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Kräfte gelegt werden. Die Arbeiterschaft, die bisher davon I sollen in der Weise organisiert werden, daß sie auf der Grundausgeschlossen war, soll die Sicherheit haben, künftig aus- lage der Betriebsarbeiterräte aufbauend über Bezirksarbeiterräte hinweg in einen zentralen Reichsarbeiterrat ihre schlaggebend mitzuwirken. höchste organisatorische Spize finden werden. Sie haben die Produktion zu kontrollieren, bei der Sozialisierung mitzuwirken, sie haben auch das Recht, Gesetzesvorschläge für die wirtschaftliche Neuordnung und Sozialisierung auszuarbeiten und einzureichen. Alles, was die Berliner Arbeiterschaft in ihren Richtlinien fordert, ist grundsätzlich angea) Die Arbeiterräte werden als wirtschaftliche InterWenn die Reichsregierung man darf jetzt annehmen, nommen. essenvertretung grundsäglich anerkannt und in der er dag auch die bürgerlichen Mitglieder der Reichsregierung Wenn man auch weiß, daß die Regierung sich seit länfassung verankert. Ihre Abgrenzung, Wahl und dem Drängen unserer Genossen sich gefügt haben bisher gerer Zeit eingehend mit diesen Fragen beschäftigt, so braucht Aufgaben werden durch ein sofort zu veranlassendes be- die Frage der Arbeiterräte noch nicht gesetzgeberisch behandelt man dabei nicht zu verkennen, daß die große, in dem Bersonderes Gesetz geregelt. b) Für die einzelnen Betriebe sind Betriebs.hat, so lag das wohl mit daran, daß erst einmal die große liner Generalstreik zum Ausdruck gekommene Bewegung die Anzahl von politischen Forderungen der Demokratie gefeß- Angelegenheit zu einem rascheren Fluß gebracht hat. Aber arbeiter und Angestelltenräte zu wählen, die lich festgelegt werden mußten, um im neuen Staate gewisse die Arbeiter müssen die große Gefahr erkennen, die bei der Regelung der allgemeinen Arbeitsverhältnisse gleich- politische Mindeſterfordernisse gesetzlich zu fixieren, und auf darin liegt, daß man durch impulsives Stürmen eine geberechtigt mitzuwirken haben. ordnete Entwickelung unterbinden und damit die ganze Anc) Zur Kontrolle und Regelung der Produktion und dieser Grundlage aufwärts zu bauen. gelegenheit auf eine abschüssige Bahn bringen kann, auf der Warenverteilung werden für alle Industrie- und Gewerbsalles ins Rutschen und das Lebensinteresse der Arbeiterschaft zweige Arbeitsgemeinschaften gebildet, in denen schwer zum Schaden kommen kann. die Unternehmer und Betriebsleiter, Arbeiter und Angestellten und die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisatio
nen mitwirken.
d) Für bestimmte territoriale Bezirke werden Bezirks- Arbeitsräte( Arbeitskammern) und für das ganze Reich ein Zentral- Arbeitsrat gebildet. In den Bezirks. und Zentral- Arbeitsräten sollen alle selbst Arbeit Leistenden, auch die Arbeitgeber, freien Berufe usw. vertreten sein. Diese Räte haben bei Sozialisierungsmaßnahmen mitzuwirken und sind zur Kontrolle sozialisierter Betriebe und Gewerbezweige heranzuziehen. Sie haben weiter alle wirtschafts- und sozialpolitischen Gesetze zu begutachten und das Recht, selbst solche Geseze zu beantragen. Die Reichsregierung wird den Zentralrat vor der Einbringung wirtschaftlicher und sozialer Geseze hören.
2. Arbeitsrecht.
Ein Gesetz über ein einheitliches, demokratisches Arbeitsrecht mit dem Ziel der Schaffung demokratisch- kon ftitutioneller Verhältnisse in den Betrieben ist sofort der Nationalversammlung vorzulegen.
3. Sozialisierung.
a) Der Bericht und die Vorschläge der Sozialisierungsfommission werden sofort veröffentlicht.
Jeder vernünftige Mensch im Staate fann sich vorstellen, daß nicht die Tausende neuer Forderungen, die an das neue Deutschland gestellt werden, im Handumdrehen erfüllt und durch Geseze veranfert werden konnten. Auch Mit einem Generalstreit kann man Forderungen dieser die Gesekgebungsmaschine kann nur eins nach dem andern Art wohl betonen und unterstreichen, aber man kann sie nicht leisten. Notwendig für die Arbeiterschaft ist natürlich, daß erzwingen. Und weil wir dieser Ueberzeugung sind, betrach fie durch fortgesetzte Wachsamkeit zu dem Höchstmaß von ge- ten wir auch heute noch den Generalstreit in Groß- Berlinfetgeberischen Leistungen in ihrem Interesse drängt. Dabei als ein Mittel, den Sozialisierungswünschen und Demokratidarf natürlich nie außer acht gelassen werden, daß mit über- fierungswünschen der Arbeiterschaft schweren Schaden stürzten und nicht auf alle Konsequenzen genügend geprüf- zuzufügen. ten Geseben der Arbeiterschaft kein Dienst erwiesen wird. Die Groß- Berliner Arbeiter wissen jezt, daß die ReDie Arbeiterschaft muß das Maß von Ruhe im gesetzgebe- gierung daran geht, ihre Wünsche gesetzgeberisch zu erfüllen. rischen Vorwärtsschreiten verlangen, das jede Erschütterung Das wollen wir alle. Die Intereffen der Arbeiter sind uns ausschließt und das in gerader Linie zu einer neuen Struktur viel zu heilig, als daß wir nicht alle Einsichtigen unter des Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft hinüber ihnen dringlich warnen müßten, nun durch weitere Fortleitet. setzung des Streits eine Ueberbastung und UeberI astung der Gesetzgebungsmaschinerie herbeizuführen, die dann zu einem Resultat führen müßte, mit dem alles zum Teufel geht, was sich die Arbeiterschaft an Segen daraus erhofft.
Die Forderung nach politischer Demokratie konnten rasch erfüllt werden, weil es ein leichtes ist, ein politisches System durch ein anderes zu ersetzen. Hingegen fordert der durch tausendjährige Entwicklung allmählich gewordene Kompler unserer komplizierten Wirtschaftsorganisation, an der das materielle Leben, Sein oder Nichtsein unseres Volkes hängt, ein sorgfältiges Abwägen und kluges Umstlleen, wenn wir nicht durch große Erschütterungen, die Kräfte gefährden wollen, aus denen wir die Eristenssicherheit für unser 70- Millionenvolk hernehmen.
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Die Regierung erklärt ihr Einverständnis. Weimar , 5. März. Die Regierung hat sich heute vormittag noch einmal mit den gestern zwischen der Berliner Kommission und den Vertretern des Kabinetts getroffenen Abmachungen befaßt und sich einheitlich damit einverb) Die Sozialisierungsgeseze und das Gesetz Nun kann die Reichsregierung nachdem sie die not- standen erklärt. über die Sozialisierung der Kohlenbewirtschaftung sind von wendigsten politischen Aufgaben erledigt hat, mit Hilfe Die offizielle Abordnung der Streitleitung der Reichsregierung und dem Staatenausschuß bereits der freiesten Demokratie der Welt daran gehen, wird heute hier erwartet. Sie ist bereits von Berlin , abgereist. angenommen und der Nationalversammlung zur Be- die deutsche Wirtschaftsorganisation den Wünschen der Man erwartet allgemein, daß man unschwer zu einem beschlußfassung unterbreitet worden. Weitere Sozialisierungs- marristisch gesinnten Arbeiterschaft entsprechend umzubauen. fri e dig en den endgültigen Abkommen gelangen wird. maßnahmen werden unter Zuziehung von Sachverständigen Der Betriebskonstitutionsnal ismus, die Deund der Arbeiterräte sofort in Angriff genommen.( Die erste Lesung ist schon am Freitag. Red. d.„ Vorwärts ".)
4. Militärisches.
5. Lebensmittelversorgung. Die Regierung hat bereits angeordnet, daß die Lebensmittel unter Ausschaltung jedes unnötigen Rwischenhandels durch Vermittelung der Gemeinden an die Konsumenten verteilt werden. An der Verbesserung der Lebensmittelerfassung wird dauernd gearbeitet.
Die Forderungen
der sozialdemokratischen Fraktion
Gesetzliche Verankerung der Arbeiterräte. Die Forderung des Berliner Generalstreiks, die die Demokratisierung der Betriebe und die Sozialisierung der rechtlichen Institution der Arbeiterräte gein Weimar schon vorher vertreten worden. Und die sozialsichert wissen will, ist von der sozialdemokratischen Fraktion demokratische Fraktion der Nationalversammlung steht rückhaltlos auf dem Boden der Anerkennung und gesetzlichen und berfassungsmäßigen Verankerung der von der Revolution geborenen Arbeiterräte.
mokratie, die Mitbestimmung der Arbeiterin der Produktion werden gesetzlich festgelegt. Und darüber hinaus wird nun, wie die Reichsregierung bereits durch das Alle nach dem allgemeinen Strafgeset strafbaren Hand- fertige Gefeß der Sozialisierung des Kohlensyndikats und lungen werden auch bei Militärpersonen den bürger- durch eine Reihe anderer Gesegesvorlagen für die Sozialilichen Gerichten zugewiesen. Ein dementsprechender Ge- fierung angekündigt hat, die Arbeiterratsfrage in Angriff febentwurf ist von der Reichsregierung bereits vor einer genommen. Woche in der Nationalversammlung angekündigt worden und die Arbeiterräte gejeklich und verfassungs- Produktion mit Hilfe der gesetzlichen, öffentlichAuch die berechtigten Forderungen der Arbeiterräte, daß wird mit Beschleunigung fertiggestellt werden. mäßig als öffentlich- rechtliche Institutio Reiches, für die Kontrolle der Produktion und für die Sozianen für die Erfüllung der sozialpolitischen Aufgaben des lisierung der dazu reifen Leile unseres Wirtschaftslebens veranfert werden, wird von jetzt ab ihre Erfüllung erfahren. Die Arbeiterräte der S. P. D. Berlins haben sich mit diesen Forderungen seit geraumer Zeit schon beschäftigt. Diese Verhandlungen sind gegen Ende der vorigen Woche bis zu Der Wille der Arbeiterschaft, die Errungenschaften der dem Punkte rfistallisiert worden, daß die Forderungen präziStevolution, nicht nur die der Demokratie, sondern gerade die siert und an die Reichsregierung weitergegeben werden korincuf wirtschaftlichem Gebiete auszuwirkenden gesetzmäßig zu ten. Darum hat ausgangs voriger Woche die Fraktionsververankern und für alle Zukunft sicher zu stellen, ist außeror- fammlung der Berliner Arbeiterräte der S. P. D. dentlich geschlossen. Die Arbeiterschaft ist sich klar, daß das eine viergliedrige Kommission ernannt, die den neue Deutschland in wirtschaftlicher Hinsicht nicht ein bloßer Auftrag bekommen hat, nach Weimar zu reisen und diese Abklatich des alten kapitalistischen Wirtschaftssystems sein Forderungen der Regierung zu übermitteln. Diese Kom- die unorganisierten noch mehr als die organisierten in diese fann. Die privatkapitalistische, von der einseitigen Herrschaft mission ist heute nach Berlin zurückgekehrt und sie ist in der des Unternehmertums diktierten Wirtschaftsordnung muß Lage gewesen, für die Berliner Arbeiterschaft und für die planmäßig und weise abgebaut und sozialistisch neugeordnet Arbeiterschaft im ganzen Reiche die große Genugtuung mitzuwerden. Nicht nur die politische, auch die wirtschaftliche bringen, daß den Forderungen der Arbeiter im vollen UmDemokratie soll die Zukunft Deutschlands überstrahlen. fange entsprochen wird.
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Am Freitag voriger Woche führte der Genosse Richard Fischer als Redner unserer Fraktion in der Nationalver sammlung das folgende aus
" In immer neuen Formen kämpft die organisierte Arbeiterschaft um diese verfassungsrechtliche Anerkennung. Die Revolution hatte uns die neue Form der Arbeiter- und Soldatenräte gebracht. Die Hoffnung und das Vertrauen, daß die Arbeiter Räte setzen, fließen zum Teil aus dieser elenden Lage der Arbeiterklasse infolge der Ueberanstrengung und Unterernährung der lebten vier Jahre. Gewiß, die Arbeiter- und Soldatenräte haben bielfach wilde Uebergriffe gemacht ist das in dieser bewegten revolutionären Zeit nicht zu verstehen?-, aber wir haben doch aus dem Munde der Reichsregierung gehört, in wie vielen unzähliWie die politische Demokratie alle Boltskreise gemeinsam Bon heute ab ist die Gesetzgebungsma- gen Fällen sie sich bewährt zum Wohle der Revolution und des an den Aufgaben des Staates beteiligen soll, so soll auch auf schine des Reiches auf die gesetzliche Rege Landes. Heute, nach Schaffung der Reichswehr, nach der Aufwirtschaftlichem Gebiete, die Bestimmung in die Hände des lung der Arbeiterratsfrage eingestellt. Die lösung des alten Heeres, find die politischen Funktionen Rolfes, in erster Linie in die Hände der produktiv tätigen Arbeiterräte werden in der Berfassung aufgenommen, fie iber Soldatenräte gegenstandslos geworden. Aber auch in