Nr. 119/123. 36. Jahrg.
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.Sosialdemokrat Berlin.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Bernsprecher: Amt Meritplas, Nr. 15190-15197.
Sonnabend, den 8. März 1919.
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Abbruch der Streiks!
Befchlüffe der Gewerkschaftskommiffion und des Arbeiterrats.
Die Berliner Gewerkschaftskommission hat gestern be. schlossen, den sofortigen Abbruch des Berliner Streits zu empfehlen. Sie richtet folgenden
Aufruf an die arbeitende Bevölkerung. Die Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend beschloß
em 4. März 1919:
gekommen war und die den Mob Berlins zum blutigen Mord- und Raubwerk ermutigt hatte, feinen Schritt weiter folgen dürfe.
Der Vollzugsrat wurde als Streifleitung eingesezt. Die die auf die Rutschbahn zum Törichten und Verbrecherischen Spartakisten schieden aus und erklärten fich für eine eigene fommunistische Streifleitung, die ihre putschistischen Biele verfolgen sollte. Der Bollzugsrat wurde um je 10 Mitglieder der S. P. D. und der 1. S. P. D. verstärkt. Die Demokraten lehnten, wie die Spartakisten, eine Beteiligung an der Streifleitung ab.
Die Getvertschaftsfommission fordert die Gewerkschaftsmitglieder auf, fich an dem von der Vollversammlung der A. und Streif Am Dienstag früh wußte ganz Berlin , daß der General Räte befchloffenen Generalstreit zu beteiligen. Sie macht sich die Streit gar fein Generalstreif war. Ueberall wurde von der Vollbersammlung aufgestellten Forderungen zu eigen. gearbeitet, überall waren die Gastwirtschaften und BerkaufsNachdem inzwischen ein Teil der Forderungen der streifenden läden geöffnet. Allmählich siderten dann die Resultate der Arbeiterschaft von der Regierung bewilligt wurde und andererseits Betriebsabstimmungen durch, die nachträglich von den geder Streit durch die Ausdehnung auf bie Elektrizitäts-, Gas- und wiffenhaften Elementen der Berliner Arbeiterschaft durch Wasserwerte sowie Lebensmittelanstalten einen so scharfen Gharat. gefegt wurden. Faft überall eine ungeheure Mehrheit gegen ter angenommen hat, daß er unsere Bolksgesundheit auf bas Den Streit. Da zeigte sich das wahre Bild der Afterdemo. schwerste gefährdet, empfiehlt die Gewerkschaftskommission ben fo.tratie, die sich in der Vollversammlung des Arbeiterrats ausfortigen Abbruch des Streifs. gebrüdt hatte. Der Mehrheit in der Vollversammlung ftand feine Mehrheit der Berliner Arbeiterschaft zur Seite. In Wirklichkeit war es aber so, daß, als sich die Arbeiterräte der S. 8. D. der Mehrheit der Bollversammlung beugten, die Mehrheit des Berliner Arbeitervolfes sich einer Minderheit fügen follte. Ein Berrbild der Demokratie!
Die Gewerkschaftskommission: Alwin Nörften. Diese Refolution ist in einer paritätischen Sigung gegen 5 Stimmen angenommen.
Das Ende.
Der verworrenfte aller Generalstreiks, den je die Belt erlebt hat und der ausgerechnet von der Berliner Arbeiterschaft ausgcbabet werden mußte- ist zu Ende. Ja wohl, der Generalstreik war eine Erscheinung unglaublichster Verworrenheit und kopflosester Stimmungsmache. Es war ein milder Generalstreif.
Wilde Streits nennt man, im Gegensatz zu den regelrecht organisierten, die Ausstände, die ohne böllige Klarheit der Forderungen und ohne sorgfältige Vorbereitung brisk vom Zaune gebrochen werden. Das war bei diesem General streit der Fall und zeigte sich an seinen Nebenerscheinungen: Ausschreitungen, Berfahrenheit, Zielunsicherheit, tonfuse Berirrung, waren ganz wie bei anderen wilden Streifs.
Borigen Sonnabend schon waren nervöse Arbeits. niederlegungen erfolgt. Am Sonntag sprach man in Arbeiterfreisen allenthalben davon, daß am Montag oder Dienstag in Berlin der Generalstreit ausbreche". Am Montag stand auf der Tagesordnung der Vollversammlung des Arbeiterrats von Großberlin der Generalstreif und er wurde beschlossen, obwohl noch kein Mensch daran gedacht hatte, die Forderungen dafür vorzubereiten.
Der geregelte Gang eines Streits ist, daß man zunächst gewissenhaft sich über die Forderungen einigt, daß man diese Forderungen aufstellt und vorbringt, daß man verhandelt und daß man falls die Verhandlungen nicht zu einem befriedigenden Resultat führen dann als legtes und äußerstes Zwangsmittel den Streit anwendet. Bei diesem Generalftreif ist ungefähr der umgekehrte Weg eingeschlagen worden.
Der Streifbeschluß entpuppte sich im Laufe der Lage immer mehr zu einer Bergewaltigung der Arbeiterschaft.
Als es schließlich nach langer Aussprache, die einmütig zum fofortigen Streifabbruch riet, zur Abstimmung kam, redte sich ein Wald von Arbeiterhänden hoch, um zu betonen, daß der Streit sofort abzubrechen und die Arbeit fofort in vollem Umfange wieder aufzunehmen sei. Von etwa 900 Stimmen waren nur 7 nicht für sofortigen Streifabbruch.
Die Arbeiterschaft, die vernünftige Arbeiterschaft, wird nun wieder zur Arbeit geben und ihre Straft weiterhin dem wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands widmen. Sie kann das tun in dem Besige aller Garantien für poli. tische und wirtschaftliche Demokratie und für die allmähliche Sozialisierung des deutschen Wirtschaftslebens.
Sie wird in ernster, sozialdemokratischer pflichttreuer Tätigkeit diesen Generalftreit" zu vergeffen suchen, der in der Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung wahrlich kein um esblatt bildet.
Die letzten Tage.
Noch am Mittwoch erschienenen die Berliner Zeitungen. Die Buchbrucer hatten mit überwältigender Mehrheit den Bir hatten am Mittwochabenb ben Vorwärts" fo giemlich Generalstreif" abgelehnt. Aber das jollte aufhören. Ber fertiggestellt, als die Vertrauensmänner unserer technischen MitIin sollte ohne Nachrichten sein, sollte in Un- arbeiter uns erklärten, daß die Buchdrucker fich dem Streit anwiffenheit, in eine gerüchtenschwangere Tollhausatmosphäre schließen. Das geschah ausschließlich, um die zur Erawingung bes gestürzt werden. Den Buchdruckern wurde mit Gas-, Wasser- Nichterscheinens der Beitungen- es lebe die Preßfreiheit, siehe und Lichtstreif gedroht, wenn sie nicht ebenfalls ftreiften. Diese gewissenhaften und mit Berantwortlichkeit erfüllten Männer wollten diese fürchterliche Drohung abwehren und erklärten nun, ebenfalls in den Streif einzutreten. Seitdem erschien in Berlin teine Zeitung mehr.
Trotzdem hat aber am nächsten Tag Wahnwib, Berblendung, Dummheit und Berstodtheit in der Vollversamm Tung des Arbeiterrats einen von den Unabhängigen gegen wenige Stimmen beschlossenen Antrag angenommen, bas Reben der Berliner Bevölkerung mit der verbrecherischen Absperrung von Gas, Wasser und Licht zu gefährden.
Richtlinien des Vollzugsrats, Punkt freie Berufe angedrohte affer und Lichtsperre zu verhüten. Seit Mittwochabend ist in Berlin teine Zeitung erschienen auch das Witteilungsblatt" lett als eine neue Beitung und wollte bie unter dem Belagerungsder Streiffeilung nicht. Das Oberkommando betrachtete dieses auftand zur Serausgabe erforderliche Genehmigung nur erteilen, wenn das Bluit fich auf nichtpolemische Nachrichten befchränke und von je einem Mitglieb bez G. 3. D. unb ber 1. S.. B. gezeichnet werbe. Darüber tam es, wie ichard Müller in der Räteverfammlung am Mittwoch mitteilte, zunächst zu feiner Ginigung. Als dann die Ginigung endlich erfolgt war, ging fie infolge des beschloffenen die aus dem Bollzugsrat gebildete Streiffeitung flog auf und mit Glass, Wasser und Gleftrigitätsstreits fofort wieder in die Brüche,
zulehnen und sofort aus der Streifleitung auswärts gebrudtes Egtrablatt gelang mur gum geringsten Teil, da Nun erklärten unsere Genoffen, jede Berantwortung ab.hr auch das geplante Mitteilungsblatt. Der Versuch einer Aufklärung Groß- Berlins burch ein ausautreten. Sie vereinigten sich, nachdem sie schon durch Mannschaften der Republikanischen Soldatenwehr auf dem Görlizer eine eigene Rommission erfahren hatten, daß die Regierung Bahnhof die ganze Riefenauflage beschlagnahmt" hatten und nicht hinsichtlich der Zukunft der Arbeiterräte, der Sozialisierung berausgaben. und der Betriebsdemokratie die weitestgehenden Bugeständ Einige Vorortblätter find übrigens trok bes Streifs erschienen nifie gemacht hatte, zu dem Beschlusse, am Freitag, nach dem Bericht der offiziellen Deputation der Streifleitung über die Verhandlungen in Weimar , den sofortigen Abbruch des Streits zu beantragen.
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Den Mittelpunkt der
Straßenfchlachten
bilbele wieberunt der Meganberplay. Nach Angabex bee. S. W. Die Arbeiterräte der rabikalen Linfen hatten natürlich foll am Mittwoodjabend eine Abteilung ber ,, Boltsmarinebivifion" ton Um Montag wurde plötzlich gewaltsam, und gans gewiß eingesehen, daß der verbrecherisch befchloffene Waffer, Richt- ber Kommandantur, bie bas entschieden bestreitet, su Räumungeunter dem Druce unreifer fommunistischer Butschisten, den und Gasstreif den Streif weil dadurch unsere Genoijen weden auf ben Aleganderplas entfendet worden sein. Sie wurte fich der größte Teil der unabhängigen Arbeiterräte nicht au zum Abschwenfen gezwungen worden waren total veron ber aus Auguftanern und Freiwilligen bestehenden Silfeentziehen vermochte, der Generalftreif gafordert und zur pfuscht hatte. Nun stellten in der Freitagsversammlung auch befasung des Polizeipräsidiums beschoffen; follte man die Absichten Abstimmung gestellt. Die Arbeiterräte der alten Partei fie einen Antrag auf Abbruch des Streifs. Jedoch sollten taben der lesben Reit, insbesondere ihrer Parteinahme für Schiverder Watrosen verkannt haben so wäre das noch ell ben Matrofenber Matrofen verkannt haben so wäre das nach all ben Watrosenwußten, daß diefer Zatiache nicht mehr auszuweichen war, aubor noch folgende Bedingungen gesichert werden: Keine verbrecher gegen die Sicherheitsorgane, tein Wunder. Sie wurden fie mußten aber auch, daß die Stimmung der Berliner Arbei- Maßregelung, fofortige Entlassung der wegen Streitbeteilt- beidoijen. terschaft sehr geteilt war, und sie beantragten darum, die Ent gung Verhafteten, Entsegung der militärisch besetzten Be- Darauf beschlossen bie Matrofen ben scheidung in die Sände der Arbeiter selbst zu legen und diefe triebe, sofortige Zurüdziehung der freiwilligen Truppen aus Angriff auf das Polizeipräsidium. in geheimer Urabstimmung über den Streit be- Berlin . Drei von den elf Depots der St. S.-W. fchloffen sich ihnen an, und schließen zu lassen. Das lehnte die Versammlung ab. Unsere Das war das tattijdje Manöver, umt abermals bas ist bezeichnend für die Stellung der Matrofen, es wurden aud Genossen enthielten sich der Abstimmung, die durch Hand- Zeit zu gewinnen und den schon totgefahrenen General- fchwerbewaffnete Siviliften, die Terroristen von Borsig und der aufheben nunmehr eine Mehrheit für den Streit geitigte. ftreit" noch etliche Lage hinzuziehen. Unsere Genossen sollten. G. G. herangezogen. Acht Geschüße, mehrere Weinenwerfer und Unser Fraktionsredner gab angesichts des Mehrheitsbeschluf gegen ihre Ueberzeugung noch länger am Streifferren vei Bangerautos, alles ehelich gestohlenes Geeresgut, bildeten die fes die Erklärung ab, daß die sozialdemokratische Arbeiter- herumziehen. Aber sie waren entschloffen, ein Ende zu Hauptfampfmittel. Bon 2 Uhr morgens an wurde das Bolizeischaft Solidarität üben werde. machen. Sie waren entschloffen, dieses Grausame nicht länger präsidium fräftig, aber vergeblich beschossen, wie schon tags gubor aus Maschinengelvehren. Auch die Stadtvogtei turbe in Angriff Nun erst wurden in rasendem Tempo die Forderungen zu dulden. genommen und fast dentoliert. Bon den flüchtenden Insassen wurden für den Streit, meist ohne Debatte, festgestellt. Ein Die Entscheidung der Vollversammlung fiel natürlich mehrere durch Geschoßeinschläge getötet. Rachmittags erit griffen die Zuruf aus der Versammlung, Händeaufheben und ein Be- den Wünschen der Unabhängigen entsprechend. Freiwilligentruppen ein, die bis dahin zurüdgehalten worden waren. fchluß von größter Tragweite war fertig. Es war eine Am Freitag abend fand dann in den Kammerfälen eine Gie verjagten die Angreifer und gwangen das Marinehaus zur Gr Affenfomödiel In ihr fam zum Ausdruck, daß man nicht bon fast tausend Menschen besuchte Bersammlung unserer Be- gebung. Die Mairofen früchteten unter Buzüdlaffung einer großen um wohlerwogene Forderungen den Streit führte, sondern triebsvertrauensleute, Bezirksobmänner enge Waffen und Munition. Etwa 150 Menschen wurden gedaß man um des Streifs millen streifen wollte. und Arbeiterräte statt, die hinter diese unheilvolle, fangen abgeführt. In einem lichten Augenblicke gewann die Bernunft noch wild entstandene und fonfus verlaufene Generalftreiks Freiwilligeniruppen ausgehoben, das erstere nach Kampf und unter Die Depots Marshall und Sansoversche Straße wurden von einmal die Oberhand: man beschloß, die für das Leben der geschichte den Schlußtein fetzte. Gefangennehme von 85 Bermännern und einigen Bisiliften. Die Bevölkerung wichtigen Betriebe: Sanitätswesen , Feuerwehr, Das war eine impojante Rundgebung der Vertrauens- Bajabung bes anderen Dapsis und ihr Führer, ber einige Zeit feftLebensmitelproduktion und zufuhr, Waffer, Gas, Licht vom männer des Berliner sozialdemokratischen Proletariats. Ein- gehalten worden war, erhielten ihre Freiheit wieder. Angeblich soll Streife auszunehmen. mütig kam dort zum Ausdruck, daß man dieser Bewegung, infolge Einschreitens der Goldafenräte ein Abfonimen getroffen