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Nr.128.36.Jahrg.

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Gezisibemotret Berlin

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.

Redaktion und Expedition: GW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mortsplan, Nr. 15190-15197.

Dienstag, den 11. März 1919.

Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., GW. 68, Lindenste. 3. Berasprechert Amt Moritplay, 9tr. 11753-54.

Der Krieg um Berlin .

Das waren die Regierungstruppen f

Ein ehemaliger Soldat fchreibt uns:

ber Beſchlegung durch de Neglerengers Herren Vereinheitlichung und Sozia­

Wie man lebter age oft beobachten tonnée, verfuchen bie spartakiftifchen Agitatoren auch befondens dadurch Stimmung gegen die Regierungstruppen zu machen, baß fie bei jebem Ein schlag einer Mine der Bombe in ein Gebäube mit Rennermiene erklären: Das waren die Regierungstruppen", unb dann wird es fo dargestellt, als ob diese nur aus Nebermut ober Bosheit im bie Gebäude hineinschicken. Da der Anblick eines zerschoffenen Gebäudes inaner ettvas Schmerzliches und Aufpeisenbes au fich bat, so finden solche Agitatoren auch immer gehee bat, so finden solche Agitatoren auch immer big reträchtliche Bertärkungen der Regierungstruppen Behauptungen.

In Wirklichkeit kann es natrlich nicht vecmieben werben, bas auch einmal ein Schuß außerhalb der gewünschten Richtung geht. Aber vor allem ist zu beachten, baß auch bie Spatialien -toas viele nicht wiffen mit zahlreichen Gefbilben und Minen wwerfern aller Raliber anbetten. Ein großer, wagridein­lich der allergrößte Teil der finalefen Gebäude­beschädigungen tommt auf das Konto der( parte tistischen Artillerie Bährend die Regierungstruppen umbesetzte Gebäude nach Röglichkeit schonen, i bielfach beobachtet worden, daß die partafiftische Artillerie gans walios ihr Feuer auf irgendwelche Stadtgegenden aiebeccasseln äßt Bielleicht tommt bas auch balber, daß bei den Spartafiften teilweise In Fundige das edib bedienen.

muß darauf hingewiesen werden, daß die Kommunisten eben­falls über nicht zu unterschätzende Artillerie verfügen, die rüdsichtslos eingefekt wird. Benn auch der Aufruhr in der Innenstadt durch die Besetzung der Regierungstruppen nieder­geschlagen, ein Wiederaufflammen daselbst zumindest nieder­gehalten wird, so beweist doch die Ausbreitung und die er­bitterte Seftigkeit der Kämpfe an der östlichen und füdlichen Beripherie der Stadt, daß mit einer endgültigen Nieder­Schlagung der Revolte für die allernächsten Tage noch nicht gerechnet werden darf. Aus diesem Grunde find weitere be­nach Berlin beordert, die zum Teil schon eingetroffen find. Nach der Verhängung des Standrechts setzen fich die Rom­munisten mit einer fanatischen Kampfestout zur 2ehr, die nichts mehr zu verlieren hat.

Die Gäuberung von Wents. bis es gun Bahnhof Creston in one ingentvede Smpfe und obne Berufe glatt burchgeführt. Die Spartafiften leifteten air­gens nadhaftigen Biberftank Des böse Stadtgebiet bis eva an die Spree ist fest in der Hand ber Stegierungstruppen. Sie sehen nörblich der Spree in ber Birie Edlefischer Bahnhof stiebrichshain- Güterbahnhof der Nordfladt bis an die Grenze bon Roabit. Get mehrfach zu Schießereien gelommen, ohne bay von worden war. In mehreren Straßen haben die Spartafiften Barci­Jeiten ber Regierungstruppen ein weiterer Bormarsch beabsichtigt taben gebaut, mit ber Gaubeuung und Durchsuchung ber befepten Stadtteile wird fortgefahren.

Für den Laien ist es burchaus nicht etafach, einwandfret feft guftellen, wober ein Edus abgegeben worden ist. Jeber Solbat, der im Echahengmoben leg, weiß, wie oft weifel barüber ent­sbanden, ob Ginschläge von der eigenen ober feindlichen Artillerie Herrührten. Ueberhaupt wird der erfahrene Solbat über vieles Südlich der Spree bei der Schillingsnilde gelang es te weit vorsichtiger arbeilen, als der Baie, der fofort, wenn er bas gierungstruppen, mehrere Spartatiftennefter auszuheben, eine An­Biel eines Kampfes nicht fiebt, über die atvedlose und mutvillige sal afchinengewehre wurden dabei erbeutet. Beiber ging Knallerei Stnalle vei schimpft. Der erfahrene Golbat weiß, daß oft schon es nicht ohne Berlufte ber Truppen ab. eine Veränderung des Standpunktes um wenige Steter, ein einer Höhen aber Richtungsunterschieb ein Biel unsichtbar machen fann, das der Schießende vor fich hat. Auch verfällt der Baie fortwäh­vend in Sinnestäuschungen, er hält Einschläge für Abschüsse und umgefehrt oder den in den Straßen befonders häufigen Wieber Hall des Schuffes für den Schuß felber. Wir erinnern uns cines Falles aus den Januarlämpfen, wo auf Regierungssette stehende Bibilperfonen fich getvaltig über eine ihrer Meinung nach finnlose Anallerei" bon Regierungssolbaten aufregten, bis sie zu ihrem Er­fbanen erfuhren, daß die angeblich fimlos fnallenben, Golbaben zwei Verwundete in ihren Stethen aufzutveisen hatten.

lisierung des Verkehrswesens.

Bon Dr. Grimm- Berlin .

3m Entwurf der fünftigen Reichsverfaffung bas öffentliche Verkehrswesen, und zwar die Eisenbahnen, soweit fie bisher Staatsbahnen waren, die Binnenschiffahrt auf den mehreren deutschen Greiftaaten gemeinsamen Wasserstraßen, die Poft und Telegrafie, der Verkehr mit Kraftfahrzeugen au Lande und in der Luft als Reichsangelegenheit genannt, die ausschließlich der Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches unterliegt, und in der Begründung des Entwurfs wird die Bereinheitlichung des großen Berkehrswesens als dringende Notwendigkeit bezeichnet, zumal es wirtschaftlich wie politisch gleich widerfinnig sein dürfte, wenn sich die Ber­tehrssysteme nicht an die große politische Einheit des Reiche anlehnen.

Diese Abficht, das gesamte Verkehrswesen als ein Gebiet eigner unmittelbarer Reichsverwaltung zu be­bandeln, stellt, auch vom freiftaatlichen Standpunkt aus be frachtet, die allein richtige Lösung dar. Die Aufrechterhaltung bon Gobeitsrechten einzelner größerer Freistaaten auf diesem Gebiete( welche die Saltung eines überflüffigen Behörden unferer Wirtschaft bilden, sondern auch die Konkurrenzfäbig­apparates in fich birgt) würde nicht nur ein großes Hemmnis feit des Reichs gegenüber anderen europäischen Staaten un­günftig beeinflussen, ganz abgesehen davon, daß fie in ihrer Wirkung auf das Ausland dem Ansehen des Reiches schaden dürfte. Neben diesem prinzipiellen Grund spricht für eine Vereinheitlichung die zur wirtschaftlichen Sebung notwendige Wiederherstellung unseres gesamten, durch den Krieg zu einem gefchloffene, einheitliche Arbeit unter Aufwendung von Lorso gewordenen Eisenbahntoefens, welches mur durch eine Milliardentoften und Durchführung von Reformen in bezug auf Betrieb, Tarif und Finanzen, Beamtenanftellung und Neubau wieder aufgebaut werden kann.

Schießereien gekommen, die aber leichterer Ratur waren. Gegen Im Laufe des Tages ist es an verschtebenen Stellen zu 4 lbr wurde bas in ber Ralfer- Friebrich- Straße Ede Bildenbruch­ftraße gelegene Neuköllner Bolizeipräsidium von den Dächern gegen überliegender Häufer befchoffen. Die Befapung des Amtsgebäudes erwiderte bas Feuer, bas fich etwa eine Biertelftunbe hinzog und bann verftummie. Etiba zur gleichen geit lam es zu einer Die dem Vereinheitlichungsplan widerstrebenden parti­Schießerei in der Richardstraße und am Hohenzollernplas, be fularistischen Tendenzen Süddeutschlands , insbesondere Bay­fonnte bisher nicht festgestellt werben, ob hierbei Berfonen verlegt erns, find von einfichtigen Streifen wie z. B. der Sandels­oder gar getötet worden find. Im weitaus größten Telle des Ren- fammer München , welche die irrige Bewertung bisheriger Sonderrechte verworfen hat und eine Vereinheitlichung for­töllner Stadtgebietes herrschte tagsüber Rube Die Attien gegen Bichtenberg i la Ber- berte nicht mitbetrieben worden, wie auch größere deutsche bereitung Berkehrsvereine fich in Sundgebungen ähnlich gehaltener Art unmittelbar an die Nationalversammlung Sonntag abend gegen 12 hr wurde in der Gegend der Wahrscheinlichkeit, daß mit dem größten Teil der Refervat wandten. So besteht nach der gegenwärtigen Sachlage die Michaelfinch- und Markusstraße ein Spartatiften neft ausgerechte der einzelnen Staaten aufgeräumt wird und zuforderst hoben, bas den ganzen Tag über die dortige Gegens mit Maschinen- eine über das bisherige Maß hinausgehende Reichsaufficht gewehrfeuer bestrichen hatte. Dabei wurden in Ausführung des über das Verkehrswesen einsetzt. Diese Reichsaufsicht bedingt Erlasses über die Einführung des Standrechtes 30 Spartakiften die Schaffung ftandrechtlich erschossen, ba fie mit Waffen in der Hand angetroffen rium 3", das vor allem eine zielbewußte Bolitik in Reichs­eines Reichsverfehrsministe­worben waren. Der Neft der Spartatiften wurde in Saft ge- Verkehrsfragen in Hinsicht auf Betriebstechnik, Verkehrsrecht nommen. usw. und die Ausschaltung eines übertriebenen unpraktischen Wettbewerbs der Verkehrswege, ficherzustellen hat. Das Ministerium, als höchste Behörde in sämtlichen Verkehrs­fragen gedacht, hätte alle Tarife nach Anhören des oder der auftändigen Staatssekretariate oder Unterstaatssekretariate

Man hute fich also bor voreiligen Vorurteilen und Schliffen über das Verhalten ber Stegierungstruppen in Situationen, die ber Baie aft gar nicht übersehen tann. Welcher Baffant weiß auch, was an der anscheinend so frieblichen Ge, wo er fich in seinem Spaziergang Gefiört fühlt, 10 Minuten borber fidh ereignet hat?! Man bengeffe auch nicht, daß es eine furcht bar schwere Situation ift, gegen einen Feind zu dämpfen, der teine Abzeigen trägt und beffen Striegslift gerabe darin be­fteft, sobald die Situation für ihn fritisch wird, sich in einen harmlosen Baffanten" zu verwandeln. Oft ist auch der harm lose Baffant die Schußmaste für einen hinterlißigen Ueberfall. Daß bei solcher Stampfestaftif auch mancher wirt­lich. harmlofe Baffant mit Mißtrauen betrachtet wird, ift unber meiblich. Aber die Schulb trifft nicht die Regierungstruppen, bei beren Verhalten man doch berücfichtigen muß, daß the Leben jeber­geit meuchlerischen Ueberfällen preisgegeben ist, sondern die Leute, die unter der Maste frieblicher Bünger einen blutigen Rampf Das Gericht, daß durch die Brigade Reinbarb 2000) ge­führen.

Der Norden Berlins besetzt.

Am Montagnachmittag hat die Brigade Reinhard ben Korben Berlins , die Friedrichstraße, Chauffeestraße und Brunnenstraße be fest. In der Brunnenstraße wurden mehrere affen. tager bei Saussuchungen entbedt und etwa 20 Berfonen berhaftet.

fangene Spartalisten ohne Berhör erfchoffen worden feien, entspricht in feiner Weise den Tatiachen. Alle von Angehörigen der Brigade Reinhard eingebrachten Gefangenen werben bem Kriegsgerii vorgeführt, dort berhört und berurteilt.

Man lasse sich also nicht durch geschichte Stimmungsmache in blinde Wut gegen bie Regierungstruppen hineingehen. Oft gemug sind es Spartafiftentaten, bie der Regierungs- Heber den Angriff auf das Rathand Weißenfee

truppe zur Bast gelegt werden.

Die Lage am Montagabend.

es stehen als solche die für Eisenbahnwesen, Binnenschiff­fahrt, Boft-, Telegrafen- und Fernsprechverkehr, Luftverkehr und Kraftfahrzeugverkehr in Frage festzusehen und die allmähliche Umgestaltung des gefanten Verkehrsivefens ( gegen eine unverzüglich vorzunehmende Umgestaltung sprechen in erster Linie finanzielle Gründe!) zu einer Reichs­sache" vorzunehmen, so z. B. die vielfache Verschiedenheit der tungen nach und nach abzubauen. Diensteinkommen des Bersonals der verschiedenen Verwal­

wird uns noch mitgeteilt, daß die Verteidiget des Rathauses, bie es gegen dreimaligen Angriff der Spartalisten hielten, nicht An­Die B. P. N." melden von zuständiger Stelle: gehörige der Republikanischen Soldatenwehr, sondern der Repu Mit dieser Umgestaltung hat Hand in Hand die So­Blifanifchen Soustruppe, Regiment Liebe, waren. Die 3ialisierung fortzuschreiten. Verkehrswesen, Waffer­Unverkennbar nimmt die spartakistische Aufruhrbewegung Berteidiger waren von Ihrem in Moabit liegenden Regiment einige wirtschaft, Elektriziätsversorgung usw. bilden als Betriebe, weitere Ausbreitung nach Süden und Südoften. Es Sage fait bolltemmen abgeschnitten, mehrere ihnen zugedachte die über das ganze Land gehen und selber Boraussetzungen ist daher an ein baldiges Abflauen der erbitterten Lebensmittelransporte wurden im Norden Berlins von den Spar eines Fortgangs der nationalen Wirtschaft sind, ebenso wie Nämpfe taum zu denken. Auch in Neukölln haben talisten berfallen und trog heftiger Gegenwehr der Bedeckungs- fie umgekehrt zu deren Vereinheitlichung beitragen, die ersten die Unruhen größeren Umfang als bisher angenommen, und mannichaften vernichtet. aus diesem Grunde werden die Regierungstruppen mit aller ments, bestehend aus awei Lafttraftwagen, erlitten, der zum Lebens. Zweckes, der Umfang, die Gleichmäßigkeit und allgemeine Ein ähnliches 208 bätte faft ein anderer Transport des Regi- Objekte der Sozialisierung. Die Natur und Dauer des Energie an die Säuberung Neukölln 3 gehen. Der mittelempfang nach Lichtenberg gefidt worden war. An der Bar Berbreitung des Betriebes charakterisieren die Verkehrsmittel Bahnhof in Lichtenberg ist von den Spartafisten befeht. Sie schauer Straße fließ er auf Barrikaden, die die Weiterfahrt bemmten, bon bornherein als Objekte der Gemeinwirtschaft. Sie sind haben alle Schienenstränge aufgeriffen. Spartatistische Streit- gleichzeitig wurde von allen Seiten Feuer auf den Transport er von Haus aus öffentliche Einrichtungen und im wesentlichen träfte sollen im Anmarsch auf das Artilleriedepot Reiniden öffnet. Der entfchloffenex Gegentoehr der Befagung gelang es, die nur als Monopolbetriebe möglich. Schon im Jahre 1878 dorf sein, um fich in den Besit des Geschhüpparks zu fehen. 23 agen trobem aurudzubringen. Einer der Kraft wurde die Verstaatlichung des preußischen Eisenbahnnekes Gegenüber der unter der Bewohnerschaft der südöstlichen wagenführer erhielt einen schweren Bruftschuß, steuerte aber trop eingeleitet und in wenigen Jahren bis auf einen Fleinen Teil Stadtviertel verbreiteten Meinung, daß die schweren dem den Wagen bis in die Kaserne zurück, wodurch er seinen Kame- durchgeführt. Ende 1913 waren neben den 34 381,6 Allo­Schäden an Menschenleben und Häusern, die metern vollspurigen staatlichen Hauptbahnen nur noch 276,4 Durch die heftige Artilleriewirtung hervorgerufen find, von Kilometer Privatbahnen in Deutschland vorhanden, deren

raben das Leben rettete.

( Beitere Nachrichten auf der 2. Grite.)