Nr.129. 36.Jahrg.
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Dienstag, den 11. März 1919.
Lichtenberg vor der völligen Besehung.
Im Laufe des heutigen Tages wird sich die völlige Besehung ichtenbergs vollziehen. Man rechnete dabei, daß es zu keinen großen Kampfhandlungen mehr kommen, wird. Ueber den Einmarsch der ersten Bataillone in Lichtenberg teilte der Kommandeur eines Bataillons der Deutschen Schußdivision folgendes mit:
,, Unser Bestreben war, den Spartakiden in den Rücken zu fallen, um ein weiteres Zurückweichen der Banden unmöglich zu machen.
Nach 7 Uhr die Straße verboten.
Tut Einhalt dem Morden! Auf militärische Anardnung hin haben die Bewohner der Schilling, Marfilius, Markus Krautstraße. Die Freiheit", die nach eintägiger Bause wieder erGrüner Weg, Blumen, Blankenfelder, Andreas. und Große Frankfurter Straße um 7 Uhr abends scheint, bringt einen ruhig und maßvoll gehaltenen Leitauaufe zu sein. Wer sich nach dieser Zeit auf der Straße artikel, der mit den Worten schließt: sehen läßt, wird erschossen.
Aushebung eines Spartakistenneftes in der Brunnenstraße Truppen der Brigade Reinhard ist es in der heutigen Nacht gelungen, ein großes Spartafistennest in der Brunnenstraße, wo ein riefiges Waffendepot angelegt werden sollte, auszuheben und die Waffen zu beschlagnahmen. Am gestrigen Nachmittag bemerkte eine Batrouille, daß in der Nähe der Invalidenstraße zahlreiche verdächtig aussehende Personen in einer Weiberkneipe zusammentamen. Er machte über seine Beobachtungen Meldungen und das Lotal wurde nunmehr durch Beamte observiert. Gegen 8 Uhr abends fuhr Sort ein Rollwagen vor, der mehrere schwere Kisten ablud, welche in das Lotal durch den Hintereingang gebracht wur den. Gegen 9 Uhr versammelten sich etwa dreißig Personen dort, welche von ihrem Führer, einem Russen, der im Dezember vorigen Jahres hier die preußische Staatsbürgerschaft erworben Batte, inftruiert und bewaffnet wurden. Jeder Mann erhielt eine Jagd flinte und Munition. Die Gewehre wurden auseinandergefchraubt, fodaß fie fich leicht unter dem Anzug berbergen liegen. Die KoTonne follte sich über den Badeschen Markt und die Rosenthaler Straße verstreuen und von den Dächern aus Patrouillen und Verstärkungen brachten, unter Feuer nehmen. Auf ein Signal namentlich ankommende Militärfuhrwerte, die Lebensmittel oder wurde die Sneipe befeßt und die Antvesenden sahen sich von Solbaten umringt. Bei der Spartafiften feuerten mit Revolvern
Jetzt ist aber vor allem Eines not: die Beendigung des Kampfes; der nutlosen Opfer find allzu viele gefallen, der blutige Wahnsinn hat allzu lange gerast. Es ist genug, übergenug. Tut Ginhalt dem Morden!
Leider ist der übrige Inhalt der Nummer nicht auf denfelben friedlichen Ton gestimmt. An anderer Stelle wird 3. B. berichtet, daß ,, die Noskegarde nicht nur in Berlin wie blutgierige Tiger gehaust" habe. Wieder an anderer Stelle wird gesagt, Noste lasse sich immer, Spartakistenumtriebe" melden, wenn er Gelegenheit haben wolle, einzugreifen. Als ob Noste zu seinem Privatvergnügen schießen ließe und nur nach Vorwänden suchte, um seine neronischen Leidenschaften nach vorwänden suchte, um seine neronischen Leidenschaften zu befriedigen.
Ueberflüssig zu sagen, daß sich in derselben Nummer der Freiheit" fein Wort des Tadels gegen diejenigen findet, die das gräßliche Morden über Berlin heraufbeschworen haben, die an den entsetzlichen Leiden eines Teils unserer Mitbürger und natürlich gerade wieder eines Teils der Arbeiter bevölkerung die Schuld tragen.
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Bir ma.schierten bis Kaulsdorf und setzten uns von dort nach Lichtenberg in Marsch. Unterwegs fanden wir Radfahrer, junge Bivilisten, die sich nicht gehörig ausweisen fonnten, in bestimmten Zwischenräumen auf den Chausseen postiert. Man geht wohl faum fehl, diese Meldefahrer als Vorposten der Aufständischen zu bezeichnen, welche dem Gros die Ankunft der Truppen melden sollten. Deshalb wurden diese Radfahrer festgenommen und erst in Lichtenberg wieder entlassen. Wir rüdten nicht direkt in die Stadt ein, sondern beschten ein weiter draußen gelegenes Gebäude, das gewissermaßen die Basis für die weite en Operationen sein soll. Unsere Leute brangen dann in die einzelnen Straßen vor. Die Kommunisten waren äußerst verblüfft, als sie uns mitten in Lichtenberg auf tauchen fahen. Sie benahmen sich recht feige und warfen schon in größerer Entfernung die Waffen fort, um sich zu ergeben. Manche weinten bei ihrer Gefangennahme. Wir brangen, ohne großen Widerstand zu finden, bis zu dem befohlenen Ziele vor und besetzten diefes. Die Bürger Lichtenbergs jubelten, als sie die Truppen fahen. Denn das Gesindel hat in dem Vorort fürchterlich gehaust. Vor allen Dingen suchte ich festzustellen, was aus den Polizei- und Bostbeamten geworden war, die van den Aufrührern am Sonnabend verschleppt worden sind. Ich konnte bisher feststellen, daß im der rechten Gesinnung erfüllt zu sein, in der man dem MorSo scheint uns die Freiheit" leider noch nicht ganz von Lichtenberger Postgebäude bier Soldaten und den Einhalt gebieten kann. Um so mehr wollen wir uns awei Beamte ermordet worden sind. Die Kämpfe am Polizeipräsidium haben sich in der Mittagspause abgespielt, als die Mehrzahl der Beamten zum Eisen fortgegangen war. auf der Fludyt erschossen. Die anderen dagegen ebenso wie der tadeln müssen, und wenn wir feststellen, daß die Freiheit" spielt, als die Mehrzahl der Beamten zum Effen fortgegangen war. auf die Soldaten und versuchten sich durchzuschlagen. Sie wurden hüten, in denselben Fehler zu verfallen, den wir an ihr Nur so war es überhaupt möglich, daß die Spartatisten Herren des Rur fo war es überhaupt möglich, daß die Spartatiften Herren des Ruffe wurden unter sicherer Bebedung abgeführt und werden durch Partei im Bürgerkriege ist, so wollen wir ruhig Gebäudes werden fonnten. Glüdlicherweise bestätigt uſe zugeben, daß wir es auch sind. Die Freiheit" hat zu fich die Ermordung aller Beamte'n nicht. Von den das Kriegsgericht abgeurteilt werden. weggeschleppten 20 oder 25 Beamten sind drei zurückgekehrt, die von lange den verblendeten Haß gegen die Mehrheitspartei geden Sparbatiften, allerdings unter schweren Mißhandlungen, ent- Bom Bülowplaz wurden gestern die Regierungstruppen, die predigt, als daß fie iegt, wo der tragische Konflikt zu blulaffen und zurüdgeschickt worden sind. Diese behaupten, daß die in der Schönhauser Straße und in der Schönhauser Alee Ba- tiger Schärfe gediehen ist, sich leidenschaftsloser Objektivität But des Gesindels sich hauptsächlich gegen die Kriminalbeamten trouillendienst taten, von den Dächern beschossen. Das durch Freis befleißigen fönnte. Wir aber, das geben wir ruhig zu, richtete, während man die uniformierten Beamten zum Teil schon willigentorps hermetisch abgeschloffene sogenannte Scheunenviertel find leidenschaftliche Feinde und Bekämpfer von Bestrebununterwegs laufen ließ. Die 8urüdgelehrten find von ist durchaus noch nicht von Spartatiften völlig gefäubert. An gen, die nach unserer tiefwurzelnden Ueberzeugung nur den kommunisten mit Gewehrtolben fürchterlich vielen Stellen haben sich Spartalisten auf den Dächern eingenistet namenloses Unheil über die Arbeiterklasse bringen fönnen bearbeitet worden. Sie schildern übereinstim und belegen von dort aus die Regierungstruppen mit beftigem und die mit Demokratie und Sozialismus, wie wir sie zwei mend, daß die Frauen sich dabei am robesten be. Feuer. Die Säuberung des Scheunenviertels wird planmäßig nahmen, fie anfpiehen, schlugen und ihnen den Abler von den fortgesetzt. Bei den Schießereien find wiederum zahlreiche unschule Menschenalter lang vertreten, nicht das geringste mehr zu Müßen riffen. Der Standrechterlaß des Ministers Noste hat auf bige Personen zu Schaden gekommen. So wurden in der Dragoner tun haben. die Aufständischen sehr heilsam gewirft, denn man fann feststellen, straße mehrere Männer und Frauen durch abirrende Kugeln schwer Wer einen Gegner leidenschaftlich bekämpft, wird immer daß es sich jetzt jeder lieber dreimal als einmal überlegt, ehe er auf verwundet. Auch in der Warschauer Straße gab es in der letten geneigt sein, dem Schlechten, das ihm über ihn zugetragen Truppen oder wehrlose Mitbürger schießt. Diese Leute wissen, daß Nacht wieder Kämpfe zwischen den Regierungstruppen, die den wird, Glauben zu schenken. Auch in der Size des Gefechts sie von den Truppen, deren Kameraden fie oft auf so heimtüdische Ringbahnübergang über die Spree und den Hochbahnhof Stralauer soll man sich daher in dieser Beziehung vor Leichtgläubigkeit Weise ums Leben gebracht haben, nicht die geringste Gnade au Tor besetzt halten. Auch in dieser Gegend wurden Bassanten durch hüten. Möglich, daß wir, obwohl wir uns dieser Gefahr erwarten haben. Die Stimmung unter unseren Truppen ist eine so Gewehrschüsse verletzt. Gin ruhig des Weges gehender Arbeiter bewußt blieben, da oder dort dem Fehler eines zu raschen erbitterte, daß wir Mühe haben, die, welche die Spartatiften grund- erhielt an der Warschauerbrüde einen Bruftschuß. Da alle Bolizei- Urteils berfallen sind! Auf der andern Seite aber hat man licher kennen gelernt haben als andere, zurüdzuhalten. Ich rechne, rebiere des Biertels geschlossen und von fünf in der Nähe wohnen so scheint es wenigstens uns geradezu toll darauf los daß die Besetzung ganz Lichtenbergs sich im Laufe des heutigen den Aerzten nur einer bereit war, nach dem Verwundeten zu sehen, Dienstag bollzieht und daß dann Ruhe und Ordnung hier wieder so mußte dieser inzwischen seinen schweren Verlegungen erliegten. Nachtkämpfe in der Frankfurter Allee.
eintehren."
Schießereien am Bülowplak.
Wo find die Lichtenberger Polizeibeamten.
teilichkeit wäre und ohne ihn kann, man dem Morden Wenn bei ihnen auch nur noch ein Funken von Unparteilichkeit wäre nicht Einhalt gebieten so müßten sie doch zugeben, daß die mehrheitssozialistische Politik seit der Novemberrebolution leidenschaftlich den Weg einer friedlichen Entwicklung über die Demokratie zum Sozialismus gesucht hat und daß von der anderen Seite auf die zweite Revolution", den blutigen Bürgerkrieg hingearbeitet worden ist.
gelogen und verleumdet. Unsere Gegner fennen uns aus langer Arbeitsgemeinschaft doch gut genug, warum stellen fie uns immer wieder ihren doch ohnehin genug erregten Die Kommunisten, die am Berbinder" und länge der BahnEs cheint fo, als ob die Nachricht, daß alle Beamten des Bo- Anhängern wider besseres Wissen als Mörder und ftrede fich festgenistet haben, gaben auch gestern abend, nachdem lizeipräsidiums Lichtenberg von den Spartatiften ermordet worden Bluthunde hin, die nur Gelegenheiten" zu gewaltsamem schon ein Teil des in ihrem Rüden gelegenen Lichtenbergs bejezt sind, sich glücklicherweise nicht bestätigt. Ein Beamter des Lichten Eingreifen suchen? war, den Kampf noch nicht auf, obwohl sie sehen müßten, daß ihr berger Präsidiums, namens Hoppe, der die Kämpfe dort mitmachte, Spiel verloren ist. Lichtenberg ist von allen Seiten umftellt, ein teilte der Militärbehörbe mit, baß im ganzen 16 Beamten weiteres Ausweichen der Freischäcler nicht mehr möglich. Trotzdem bon den Spartatiften verschleppt worden seien. fämpfen sie weiter. Im Laufe des gestrigen Abends machten die Bon diesen seien zwei Mann zurüdgefehrt, die aus der Gefangen Kommunisten sogar einen Ausfall durch die Frankfurter Allee bis fchaft zu entkommen bermochten. Hoppe rettete fich, als die Be zur Warschauer Straße, wahrscheinlich, um den Versuch zu machen, fabung des Präsidiums sich ergeben mußte, durch einen Sprung sich hier durchzuschlagen. Maschinen- und Artilleriefeuer verlegte durch das Fenfter auf das hinter dem Hause gelegene Terrain. Ein ihnen hier jedoch den Weg und so blieb den Aufständischen nichts bort stehender Spartakist versuchte Soppe festzunehmen, wurde aber übrig als die gewonnene Bofition so gut als möglich zu befestigen. von dem Polizeibeamten niedergeschoffen. Gie requirierten" in der üblichen Weise aus den umliegenden Eine nächtliche Störung hatte unserem Betrieb ein Dachschüße Häusern Bretter, Balten. rissen das Pflaster auf und türmten in fürzester Zeit eine Barrikade empor. Die Regierungstruppen beschoffen Siese neue Stellung mit Granaten und Minen. Infolge der Dunkelheit war jedoch ein wirksantes Feuer kaum angängig, da fonit die umliegenden Säuser sich in allzu schwerer Gefahr befunden hätten. So wurde denn im Laufe der Nacht ein Banzerwagen borgeschickt, der jedoch über das mit Trümmern übersäte und durchlöcherte Gelände nicht allzu weit vorkommen konnte. So be schränkte man sich im allgemeinen darauf, die Brustwehr unter Maschinengewehrfeuer zu halten, um ein weiteres Vordringen des Geaners unmöglich zu machen. Bei Tagesanbruch begann wieder Wirkungsschießen der Artillerie. In kaum einer halben Stunde war die Position sturmreif. Die Spartatiften flüchteten über die Dächer der in der Nähe befindlichen Säufer und ließen zwei MaIchinengewehre zurüd.
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zugedacht, der in der Nacht zum Mittwoch, etwa um 12 Uhr, bon Sen Häusern der Gitschiner Straße her das Feuer auf den Vorwärts" eröffnete. Da die Hinterfront des Vorwärts"-Gebäudes nach den Januarkämpfen frisch hergerichtet worden ist, fonnten heute Morgen die frischen Einschläge am Gebäude festgestellt werden. Die Bortvärts"-Wache, gestellt von der Republikanischen Schuttruppe", war jedoch gut auf dem Posten und brachte in wenigen Minuten mit Maschinengewehrfeuer den Schüßen zum Schweigen. Auch um 2 Uhr, als der Spektakel nochmals anfing, wurde ihm burch die Wache schnell ein Ende bereitet.
Anerkennung verdient auch bie Haltung des Borwärts"- Personals, das auf seinen Blägen verharrte und sofort nach Beendigung des Gefechts die Arbeit wieder aufnahm, sodaß der Betrieb nur auf ganz turze Zeit gestört wurde.
Bu fleineren Gefechten fam es in der Nähe der Andreasstraße. Sier hatten sich Dachschüßen festgesetzt und herfuchten die Truppen mit leichten Maschinengewehren zu stören. Zur Sperrung des Telephonverkehrs in Berlin . Eine Durchfuchung die Häuser ergab den gewünschten Erfolg. Man Von militärischer Seite wird mitgeteilt: Die Sperrung des fand auf einem Dack awei junge Burschen. Der eine sprang, um Telephonverkehrs erstreckt sich lediglich auf Privatgespräche oder auf der Berbaftung zu ergehen, in die Tiefe und blieb mit zerschmet- Gespräche geschäftlicher Art. Ausgenommen von der Verfügung terten Gliedern auf em Pflaster liegen. Der andere wurde ge- find Gespräche für Preffe, Aerate, Krantenwesen und ähnliche Anfangen und dem Ger ht zugeführt. ftalten, für Waffer-, Gas- und Glektrizitätsmerte,
Bir schließen uns dem Wunsch, daß dem Morden Einhalt geboten wird, an und erweitern ihn dahin, daß dem Morden ein für allemal Einhalt geboten werden soll. Es sind schon genug Häuser in Berlin zerschoffen, genug Unschuldige verwundet und getötet worden, und wir wollen nicht all dies Entfeßliche bei nächster Gelegenheit in perstärktem Maße erleben.
anderen Seite auf alle Versuche, die durch die Revolution Was kann uns davor schützen? Nur der Verzicht der bom November gefchaffene demokratische Staatsordnung gewaltsam umzustürzen. Rönnten sich die Unabhängigen dazu aufraffen, sich fest und entschieden auf den Boden der durch die Novemberrevolution geschaffenen Tatsachen zu stellen, wollten fie fich auf das sozialdemokratische Bro. gramm zurüderinnern, das stets den freien Volksstaat mit allgemeinem Wahlrecht und Boltsabstimmung, aber niemals die russisch - bolfchemistische Räterepublik gefordert hat. wollten sie mit uns den Weg friedlich- demokratischen Aufstiegs zum Sozialismus betreten, dann wäre ein entscheidender Schritt zum ineren Frieden getan.
Solange aber die Unabhängigen mit dem Gedanken des