Nr. 180.
Erscheint täglich außer Montage, Preis pränumerando: Viertels jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30mt. pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste
für 1894 unter Nr. 6919.
Vorwärts
11. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Sonntag, den 5. August 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!
Die
Toziale Kurpfuscherei
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und niemals sind dem ,, armen Mannes"; Bruder schönen guten alten Zeit des Mittelalters, da noch die Bauer" und dem Bruder Handiverksmann" solche Leibeigenschaft herrschte. Schmeicheleien und Zärtlichkeiten gesagt worden, als zu, In diesen beiden Richtungen, mit der mittelalterlichen jener Zeit, wo ihnen von den Sängern das Fell über die Raubritterei als dem einen und der mittelalterberuht, insoweit sie ehrlich" ist, das heißt nicht bewußter Ohren gezogen würde, wie es seit dem Mittelalter in lichen Leibeigenschaft als dem anderen Jdealziel, Schwindel und planmäßiger Betrug, auf Unkenntniß der feinem anderen Staate mit gleicher Gründlichkeit geschehen bewegen sich alle Gedanken unserer Agrarier. sozialen und ökonomischen Gesetze ebenso wie die medis ist. Das ist es, was der Aera Bismarck den sie fenu- Das eine Ideal ist, soweit der heutige Staat es fann, zinische Kurpfuscherei auf Untenntniß der menschlichen zeichnenden Stempel widerlichster, cynischst er durch Liebesgaben", Kornzölle, und das Adelsmonopol für Natur und der hygienischen Gesetze. Jusoweit sie bewußt, e u che lei aufdrückt, was sie freilich auch den schienen- Zivil- und Militärpfründen nach Möglichkeit verwirklicht. ist die Kurpfuscherei ein Appell an die Dummheit. flickenden, steuerhinterziehenden Schlotjunkern und den Desto mehr hapert es mit dem anderen. Die neuJedenfalls, sb ehrlich oder nicht, lebt sie durch die nimmersatt um„ Liebesgaben" bettelnden Großgrundbesizern modischen revolutionären Gleichheitsideen sind unglücklicher Dummheit und von der Dummheit. Die ganze soziale so theuer gemacht hat, und was diese Gesellschaft mit so tiefer Weise auch auf's Land gedrungen, und sogar der sozia Kurpfuscherei, der Fürst Bismarck Thür und Thor ge- Sehnsucht die Rückkehr an die Gewalt des Mannes er- listische Bazillus hat sich in den Hütten der Bauern und öffnet hat, um seine sogenannte„ Wirthschaftspolitik" zu hoffen und erstreben läßt, der zwanzig Jahre lang den Landarbeiter festgesetzt, so daß die verführte Unschuld vom decken und den Raubzug in die Taschen des arbeitenden wilden Tanz um das goldene Kalb als Vortänzer an- Lande sich Menschenrechte andichtet, eine menschenwürdige Volkes zu mastiren, hat zur gemeinschaftlichen Wurzel die geführt, und seiner Sippe Milliarden über Milliarden in Behandlung verlangt, und in schnöder Begehrlichkeit sogar den Thatsachen ins Gesicht schlagende Annahme, daß es den Schooß geworfen hat sich selber dabei nicht ver- menschenwürdige Löhne zu beanspruchen die Frechheit möglich sei, Millionäre zu züchten", ohne den kleinen geffend. hat. Natürlich fällt es den christlichen Junkern nicht ein, Mann" zu beraubendaß die Förderung des Kapitalis Zwei Gedankenrichtungen hat der Geist unserer Agrarier: diesem unchristlichen Streben Rechnung zu tragen. Und die mus in Stadt und Land verträglich sei mit der Hebung" Als würdige Nachkommen der alten Raubritter haben Folge ist: das verblendete, nur auf irdischen Vortheil erdes Handwerker- und Kleinbauernstandes. sie das legitime" Recht das Recht von Gottes Gnaden" pichte Landvolk wandert in die Städte, wo die teuflische In demselben Augenblick, wo Fürst Bismarck durch auf Kosten der Gesammtheit nicht nur zu leben, sondern Sozialdemokratie ihm auflauert und es in sein Garn lockt. rücksichts- und gewiffenlose Fruttifizirung" der Atten auch ein bevorzugtes standesgemäßes" Leben zu Diesem Zug in die Stadt", der das Junkerthum zu tate des Stöderianers Hödel und des National- führen. Und da der schlapp" und" sentimental" ge- Grunde richtet, dem Staat und der Gesellschaft den Unters liberalen Nobiling einen gefügigen Reichstag bei- wordene Staat ihnen heute verbietet, auf die Landstraße zu gang droht, muß tünstlich gesteuert werden. Und das ge= sammen hatte, ließ er den Doppelruf erschallen: Schutz gehen und das edle Handwerk der Urgroßväter im Stile schieht auf zweierlei Weise. Bunächst negativ, indem der nationalen Arbeit und Landwirthschaft!" und" Für der Apenninen auszuüben, so ist der Staat verpflichtet, die Fortwanderung aus dem ländlichen Paradies sorge für den armen Mann"!" nur " Schutz der nationalen ihnen aus der Tasche des gemeinen Volts, der misera con- selbstverständlich im Interesse der ihres hohen Arbeit und Landwirthschaft" das hieß Bereicherung der tribuens plebs des zum Steuerzahlen verdammten Glückes sich nicht bewußten Einwohner erschwert, die Großindustrie und des Großackerbaues auf Kosten des Böbels- genügende Mittel( Liebesgaben" u. s. w.) zur gottlose Freizügigkeit beschränkt, oder wie man das arbeitenden Volks. Und die Fürsorge für den armen Führung eines standesgemäßen" Lebens zu beschaffen, und euphemisch ausdrückt:„ geregelt" wird. Mann" bedeutete die Preisgebung des armen ihre Söhne mit fetten Pfründen im Zivil- und Militär- 3weitens positiv durch Züchtung eines gesunden, Mannes" der Arbeiter, Handwerker und Kleinbauern an dienst zu versorgen. ansässigen Stammes von wie sollen wir sagen? Beson die Kumpane des Fürsten Bismarck: die plebejischen Schlot- Das ist die eine Gedankenrichtung. ders kühne und unverfrorene Agrarier- Phantasie nennt es barone und die junkerlichen Großgrundbesizer. Und die andere: Bauern", offiziell heißt es" Erbpächter",„ HeimstättenMan kann nicht zween Herren dienen Sintemalen der Landbesitz nach mittelalterlich feudaler, Inhaber"," Rentenguts- Besizer"," Militäranwärter- Kolone" Armen und den Reichen zu gleicher Zeit. Wer dem Mam- von Gott verordneter Sitte die Grundlage der Obrigkeit( die jüngste Erfindung); und die brutale Kritik nennt diesen mon des Großkapitalismus huldigt, untergräbt die Existenz und Staatsmacht bildet, das Junkerthum also auf den künstlich zu erzeugenden agrarischen Homunculus( homunculus des kleinen Mannes"; und wer dem kleinen Mann" helfen Landbesitz angewiesen ist und es unstandesgemäß wäre, rusticus) einen verkleideten Leibeigenen. will, muß den Opferaltar König Mammons umstürzen. irgend ein bürgerliches Geschäft zu treiben, von dem man Alle diese verschiedenen Projekte laufen auf das Näm Entweder oder; eins schließt das andere aus. Und wer sich zwar ernähren könnte, das aber eine unstandesgemäße liche hinaus unter verschiedenen Namen und in verdem kleinen Mann" Liebe betheuert, und dabei„ Millionäre Hirn- Anstrengung erfordern würde; und sintemalen es die schiedener Verkleidung hat der Homunculus immer dieselbe züchtet", hat die Liebe des Mannes, der mit der einen Natur leider so eingerichtet hat, daß der Landbesitz nicht gesellschaftliche Funktion: Sen Interessen des GroßHand Jemanden streichelt, mit der anderen den Bravo be- ohne Arbeit erhalten werden kann, die Arbeit für einen grundbesizers zu dienen. Das bischen Land, das zahlt, der den Gestreichelten meucheln soll. gottbegnadeten Junker jedoch etwas unstandesgemäßes ist, er bekommt vom besten wird's sicherlich nie sein
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nicht den
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Alle wirthschaftlichen Maßregeln des Fürsten Bismarck so muß dafür gesorgt werden, und hat der Racker von reicht nicht aus, ihn zu ernähren, es macht ihn zum scheinbezweckten die raffinirteste Pflege des Großkapitalismus. Staat dafür zu sorgen, daß dem gottbegnadeten Junker baren Eigenthümer und wirklichen Proletarier, zum scheinbar Mitten im tollsten Tanz um das goldene Kalb wurden aber Arbeit geliefert wird für seinen Landbesitz, aus- freien Mann und wirklichen Sklaven. Es feffelt ihn an die voll christlicher Salbung Psalmen gesungen zum Preise des reichende. Arbeit und billige Arbeit, wie in der Scholle und erträgt zu wenig, um ihm die wirthschaftliche Un
Feuilleton. Der Inde.
Deutsches Sittengemälde
aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts.
herziger Gott, entsündige die, die mich zeugten, und sollten zu schreien, doch seine Stimme war erloschen! alle Sinne ihre Laster alle auf mein Haupt fallen; laß ober auch die und Kräfte schienen allmälig von ihr zu entweichen; nur schmachtende Unschuld nicht verderben, wenn es in Deinem das Dhr blieb in grausamem Gehorsam, denn sie mußte Rathschlusse ist, und schone dann mein Herz nicht." hören, hören, wie nach und nach das Geschrei zum Ges 105 Ihrer aufgeregten Einbildungskraft war es just, als ob jammer, die Klage zum Gewimmer wurde, wild unter aus dem bleischwarzen Sumpf eine weiße Hand sich heraus- brochen von Zodick's fluchender Wolfsstimme. Und schwächer streckte, lang und hager, die ihrige zu fassen, wie zum wurde das Gestöhne, und endlich gelang es der gefolterten Pfande ihres Gelöbnisses, und sie riß sich entsetzt von der Tochter, sich zu ermannen und loszureißen von dem Plate unheimlichen Stätte. Indem sie mit Befriedigung dem des Entsetzens. Allein, nicht hinweg von dem Orte des Hufschlage der Pferde Tauschte, die aus der Scheune her- Schreckens, hin drängte fie der schwarze Geist des Verblendete Welt!" rief sie endlich, zwischen Dagobert austrabten und sich jenseits gen Bergen hin verloren, Augenblicks. Sehen-sehen wollte sie, und dem Wüthrich und Esther tretend: Ist es an der Zeit, im Rachen des indem sie Gott dankte, daß er die fremde Jungfrau in ins Auge schauen. Wie eine wuthentflammte Löwin die Todes sündliche Flammen zu schüren? Mann! Seid Ihr seinen Schutz genommen, hörte der Regen auf, und Büge bald in bleiche Angst, bald in rothen Born getaucht, ein Chrift? und umarmt eine ungläubige Jüdin? Weib, die zerreißenden Wolken ließen schwaches Licht hernieder. stürzte sie in die Hütte und vernahm in der Stube das willst Du also das Bad der Taufe verdienen? Flieht, Es leuchtete gräßlich für Judith, denn sie erblickte den Aechzen der Mutterstimme, die Verwünschungen des Un rettet Euch. Hier ist Eures Bleibens nicht. Mörder find Schatten eines Mannes durch das Dunkel nach der Hütte holden, der Thüren zu sprengen, Kisten und Kasten zu zers um die Wege. Fort, ohne Säumen, denn ich weiß... ich eilen und darin verschwinden. Der Gedanke: Wenn Bodick schlagen im Begriff zu sein schien. Welch ein Anblick, weiß... die Zeit, die ich fürchte, ist da." nicht todt... wenn der Jude jener Schatten wäre! stieß da Judith in das Gemach drang? Umgestürzt die Rohr
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Ohne weiter ein Wort zu verlieren, eilte Judith davon, wie ein scharfes Schwert in ihr Gehirn, und die Erinne wand und blutend darauf ausgestreckt die Wirthin des um zu den Eltern wiederzukehren. Aber am Sumpfe hielt rung an seine entsetzliche Verheißung schlich fröstelnd durch Hauses... das Messer in der Brust. Des Vaters starrer fie ihre Schritte an und lauschte scheu nach dem schwirren- ihre Adern. Wenn er wirklich zurückgekehrt wäre aus Leichnam halb aus dem Lager geschleudert, in welchem die den Röhricht, auf welchem die Tropfen des langsamer dem gelogenen Tode!" murmelte sie zwischen den Zähnen gierigen Hände des Räubers gewühlt hatten. Schrank fallenden Regens knisterten, und aus dessen Grunde und sah vor sich hin in das Dunkel: D, welch ein Ende und Truhen erbrochen; der Raub von manchem Jahre Schatten zu nicken schienen, mit glühenden Augen und ver- würde das Elend nehmen? Aber nur auf Gott vertraut! hervorgezerrt ans Licht der Heerdesflamme, und zerstreut Noch eine Weile auf dem Boden liegend. Und mitten in dem Gräul dieser zerrten Gesichtern. Hier an dem Ufer warf sich die Dirne Er kann binden, er kann lösen!" auf die Knie und breitete ihre Hände aus über das stille horchte sie, dann drang ein entsehliches Geschrei aus der Umgebung der schändliche Zodick selbst stehend, durchnäßt Moor, und sprach wie eine beschwörende Herenfrau:" Un Hütte. Herrgott! die Mutter!" stotterte die heftig Bu- von Regenfluthen und Blut, plünderud, wählend, verwers schuldig Gestorbener auf dem Grunde und im Schilf! Bürne sammenfahrende:" Weh mir! Der blutige Mann bringt sie fend, und Gotteslästerungen und gräuliche Flüche aus dem nicht mehr der Seele meines Vaters, denn sie verläßt den um." Und fort wollte sie, um dem Mörder die eigene giftigen Munde sprudelnd. Das schauderhafte Bild ent Leib gerade jetzo mit Angst und Seufzen. Zwei Augen Brust zu bieten, statt des Mutterherzens. Aber ihre Füße lockte der eintretenden Judith einen lauten Schrei. Die haben sich zugethan, die den Herrn nimmer erkannt haben. tonnten nicht von der Stelle. Riesenträftig strebte sie vor endende Mutter hörte ihn noch, faltete bittend die Hände In er gegen die Tochter und verschied. Aber auch dem MordBergieb den beiden, die noch offen stehen, um des Erlösers wärts, aber wie eingewurzelt hielt sie der Boden. In er- gegen die Tochter und verschied. Willen, und ruhe fürder im Frieden! Und Du, barm- bärmlicher Angst arbeitete ihr Busen; der Mund versuchte buben war die Gegenwart der verhaßten Judith nicht ent