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Mr.224.36.Jahrg.

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Der Borwärts" erscheint wochentäglich zweimal Sonntags einmal

Telegramm- Adreffe:

.Sozialdemokrat Berlin .

Morgen Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Die achtgeibalte ne Nonpareille zeile loiter 1,20 Mr. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bori 50 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jede weitere Bori 25 Bfg. Stellengefuche und Schlafstellenanzeigen das erite Wort 40 Big., jedes weitere Wort 20 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwer Worte. Teuerungszuschlag 50% Familien- Anzeigen, politische und gewerffchaftliche Vereins Anzeigen 1,20 Mt. die Zeile. Anzeigen für dic nächste Rummer müssen bis 5 hr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW.68. Vindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 3. Mai 1919.

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 117 53-54.

Ungarn vor dem Zusammenbruch.

Wien , 2. Mai. ( S.N.) Die Neue Freie Presse" mel-| Kohlen- und Lebensmittelsendungen aus Amerika nach Italien ein­det: Wie die Independence, Rumains" zu berichten weiß, hat gestellt werden. Ferner soll Italien keinerlei Kredite erhalten, falls das Oberkommando der Ententetruppen nach Bukarest die es weiter darauf bestehen sollte, den Südslawen den Zugang zum Note Bela Khuns übermittelt, in der die territo. Meere gewaltsam abzuschneiden. rialen Ansprüche Rumäniens anerkannt wer­

den und um Einstellung der Feindseligkeiten.

Reaktionäre Katzenmusik.

gebeten wird. Da bis Freitag kein Miniſterrat stattfindet, Stürmische Maifeier in Paris . heimgebliebene Spießer und Reaktionär in ſeinen vier Bän

ist über die Angelegenheit noch kein Beschluß gefaßt worden. Wien , 2. Mai. ( H.N.) Die Mittagspost" meldet aus Hunderte von Verletzten. Budapest : Mit den fremden Truppen wird auch eine un­Versailles, 2. Mai. Zur Feier des 1. Mai ruhte gestern garische Legion in Budapest einziehen, die in Szegedin kon- in ganz Frankreich die gesamte Arbeit. In Paris selbst waren alle zentriert wird. Es ist aber nicht unwahrschein- Betrieb, Fabriken und Geschäfte geschlossen. Automobile, Drosch­lich, daß die Räteregierung noch vor dem militen, Omnibusfe und Straßenbahnen verkehrten nicht. Der Vor tärischen Zusammenbruch mit Rücksicht auf mittag verlief ruhig. Erst gegen Mittag begannen die Straßen sich die in den Städten immer steigende antikom zu beleben. munistische Bewegung unter der Arbeiter- Kurz vor 2 Uhr begannen die ersten Demonstrationszüge sich schaft gezwungen fein wird, das Feld zu räu- in Richtung auf die innere Stadt in Bewegung zu sehen. Polizei men. In diesem Falle würde eine sozialistische oder und Truppen waren zur Aufrechterhaltng der Sicherheit auf­Koalitionsregierung gebildet werden. Man spricht geboten worden. Sie versuchten die Zugänge zum Place de la Con­aber auch von einer aus Bürgerlichen und Sozialdemokraten corde, wo die Hauptkundgebung geplant war, zu versperren. Die bestehenden Regierung mit Tibor Batthany als Minister- Kordons wurden gesprengt. Es kam zu den ersten 3u präsidenten. fammenstößen in der Nähe der Madelainekirche. Diese Bu sammenstöße dauerten dann bis zum Abend an verschiedenen Stellen

Friß Vogel oder stirb.

=

Während am 1. Mai das Proletariat mit wehenden Bannern und klingendem Spiel die Straßen Groß- Berlins durchzog, und so den Maigedanken kräftig vor der Deffent­lichkeit zum Ausdruck brachte, tröstete sich der verärgert da­den mit dem Kazenkonzert, das seine Presse mit allen jour­nalistischen Mitteln der Kakophonie anstimmte. Man braucht nur einmal die Ueberschriften aneinanderzureihen, welche die alldeutsche Presse ihren Maibetrachtungen gibt, um den Grad der Wut und des Hasses zu ermessen, der die Gemüter der Herrschenden von gestern beim Anblick des feiernden Proletariats erfüllte. Der National- Jammertag", Der Bußtag des Proletariats", Das Tanzfest der Totengräber Deutschlands ", das sind nur einige Proben aus dem Schimpf. lexikon ohnmächtig geifernder Wut. Es war allerdings wenig konsequent von einem Bruchteil des Proletariats gehandelt. wenn diese Ergüsse am Morgen des 1. Mai in die Hände der Leser gelangen konnten, während die sozialistische Presse an diesem Tage nicht mehr ausgetragen wurde, so daß diese Haßgefänge allein das Feld beherrschten. Den Ueberschriften entsprach der Inhalt der Artikel:

Die Prüfung der Friedensbedingungen. berinneren Boulevards fort und nahmen den ernstesten Charakter stupideste Verständnislosigkeit gegenüber den Idealen, die der Nähe des Opernplates, auf dem Place de la Republique und das arbeitende Volk an diesem Tage beseelten. In der auf dem Boulevard du Temple an. Die Truppe ging gegen die Schrift eines liberalen Politikers, die mehrere Jahre vor Manifestanten vor. Die Kavallerie griff ein, Schüsse dem Kriege erschien, erinnern wir uns, folgende Klage ge­fielen. Die Manifestanten bedienten sich aller erreichbaren Wurf- lesen zu haben: Das deutsche Bürgertum habe jeden höhe­gegenstände und rissen die Gitter aus. ren dealismus preisgegeben, es huldige nur noch dem Besonders heftig waren die Zusammenstöße am Ostbahn- Geiste des Bismarckschen Erfolgmenschentums. Ideale gelten hof, der von Manifestanten besetzt und dessen Zugänge ver- als lästiger Ballast. sie störten nur die Karriere, deshalb rammelt waren, so daß Polizei und Truppe eine richtige Belagerung fort mit ihnen! Die Pflege von Welt-, Menschheits- und beginnen mußten. Von 5-6 Uhr abends dauerten hier die Kämpfe. Kulturidealen, die überlasse man so seufzte der liberale Erft um 8 Uhr wurde die Ruhe völlig wiederhergestellt. Verfasser mit Seelenruhe sozialdemokratischen Maurer­gesellen!

Genf , 2. Mai. ( TK) Pariser Informationen zufolge wird der deutschen Friedensdelegation eine Frist von 14 Tagen zur Prü­fung der Friedensbedingungen gewährt werden. Den deutschen Vertretern ist von seiten der Alliierten eine entsprechende Mitteilung gemacht worden, daß dieser Zeitpunkt der äußerste Termin für die Uebersendung der schriftlichen Repliken ist.

Aus Pariser diplomatischen Kreisen wird mitgeteilt, daß die Alliierten für ihre Gegenantwort höchstens fünf Tage benötigen werden. Nach der Ueberreichung dieser Duplik an die deutsche De­legation soll die Debatte über die Friedensbedingungen beendet sein und die deutsche Vertretung wird wesentlich die Erklärung ab­zugeben haben, ob sie gewillt ist, die Friedensbedingungen anzu­nehmen oder ob die deutsche Regierung den Vertrag ablehnt.

Es wird demnach nun doch der Frieden der Gewalt dem der Verständigung vorgezogen. Die deutschen Delegierten haben nach anderen Meldungen absolute Vollmacht, den Frieden in Versailles slebständig zu unterzeichnen. Sie werden ihn wohl unterzeichnen müssen. Nicht, weil sie ihn für Recht halten, sondern weil sie sich der Gewalt fügen müssen. Der wahre Frieden wird erst später kommen.

Das enttäuschte Belgien . Prioritätsrechte an der Kriegsentschädigung nicht

anerkannt.

Haag, 2. Mai. ( H.N.) Aus Amsterdam wird gemeldet: Aus Regierungskreisen erfährt der Antverpener Norrespondent des " Telegraaf", daß der Rat der Drei das Prioritätsrecht bei der Bezahlung der Kriegsentschädigung für Belgien nicht anerkannt habe.

Belgien hat demnach mit seinem Verlangen, von den Deutschland aufzuerlegenden Kriegsentschädigungen vor allen anderen seinen Teil zu erhalten, feinen Erfolg gehabt. Man darf daraus schließen, daß man argwöhnt, Deutschland werde die Bedingungen nicht restlos erfüllen.

Bei den Zusammenstößen wurden Jouhaug, der Abgeordnete Poncet und der Munizipalrat Sellier verwundet; insgesamt wurden etwa 250 Polizisten verwundet, davon 50 ziemlich schwer. 50 Verhaftungen wurden vorgenommen.

Die Zahl der Manifestanten wird sehr verschieden an­gegeben. Laut Humanité" näherte sie sich einer Million, während mehrere bürgerliche Blätter etwa 100 000 nennen. Die Confédé ration Générale du Travail sowie der Verband der Pariser Ge­werkschaften protestierten gegen die Gewalttätigkeit der Polizei, die auf Befehl der Regierung die Zwischenfälle herbeigeführt habe. Die sozialistische Preffe führt eine sehr scharfe Sprache. Die ,, umanité" schreibt: Da die Regierung beschloß, die großen Ereignisse des 1. Mai blutig zu gestalten, trägt sie allein die weit­gehenden und gefährlichen Folgen ihrer verbrecherischen Handlung. Journal du Peuple" fagt: Neue Zeiten beginnen. Cle= menceaus Aufgabe auf der Friedenskonferenz endet. Seine Bolks­tümlichkeit nimmt ab. Er muß zurücktreten. Die Arbeiterklasse hat ihm und seiner Regierung ihren Willen gezeigt. Wolken türmen fich auf. Morgen wäre es zu spät. Die bürgerliche Presse meint dagegen, daß nicht das Bolk, sondern nur die Führer der Sozialisten gestern manifestiert hätten, und daß nur diese Führer die ganze Schulb der blutigen Borgänge trügen.

Der 1. Mai in Brüssel . Ruhiger Verlauf.

Brüffel, 2. Mai. Havas. Der 1. Mai ist hier ruhig verlaufen. Die Geschäfte waren geöffnet. In sozialdemokratischen Versamm­lungen wurde das allgemeine Stimmrecht gefeiert und der Achtstundentag gefordert. Nachrichten aus der Provinz ver­zeichnen Arbeitsniederlegung in den Industriegebieten. In Wien .

Diese Armut an wirklichen Kulturidealen spricht aus jeder Zeile, die reaktionäre Blätter zum 1. Mai geschrieben haben. Dos angebliche Ideal, das sie pflegen, das natio­nalistische. ist ja auch nur eine Erweiterung des schranken­und rücksichtslosen Egoismus, der das Wesen der weiland preußischen Herrscherkaste ausmacht. Wir sind die Besse­ren, wir sind die Auserwählten, unsere Interessen sind die allein maßgebenden, erst kommen wir, dann die andern", diesem Fundomentalsat entsprang sowohl ihre innere wie äußere Politik. Leute, die ihr angebliches Christentum nicht ostentativ genug betonen konnten, huldigten einer denkbar unchriftlichen Geistesrichtung, der ödesten und blindesten Selbstverberrlichung.

"

Heinrich Mann hat in seinem Roman Der Untertan" den Tnp des vom bismärckischen Erfolgstrebertum verseuch­ten Bürgers der wilhelminischen Nera in seiner ganzen gei­stigen Sohlbeit und deenlosigkeit für alle Reiten festgehal­ten. Wor nicht dieser Mangel an jedem tieferen Geist und ieder wirklich großen dee das typische Kennzeichen der staat­lichen Feiertoge. wie wir sie vor dem 9. November kannten? An Kaisers Geburtstag wurde einem Menschen gehuldigt, den keine geistige Leistung. kein hervorragendes Können, sondern der platte Rufoll der Geburt an die Svite des Stootes neftet hotte. Seinen eigenen Serviltsmus, seinen beschränkten Untertonenverstand, der sich eine eingebildete Erhobenheit als wirkliche Größe vorseßen ließ, feierte der loyale Miiraer an diefem Tage.

Und der andere staatliche Festtaa? Das war der Se­Italienisch- französisches Feuergefecht. danstag. die ausgesprochene Verherrlichung des brutalen Er­Der Streit um Fiume. folges. der stärkeren Mocht. der besseren ononen. Und hier wie dort nichts als alänzender Porodeflitter zur Ver­Agram, 29. April. ( Corrbureau.) Französische deckung der unfäglichen aeiftiaen Armseligkeit. Truppen haben die Brücke zwischen Fiume und Mehrlich. einer Denkumasart, die in folchen Anschauum­Suffat befest, weil die Italiener die Absicht hatten, nach Wien , 2. Mai. ( Eigener Drahtbericht des Vorwärts".) Die aen groß geworden ist. fann man es kaum berübeln. wenn Suffat vorzubringen, welches von serbischen Bataillonen gehalten in jedem Stadtbezirk veranstalteten Versammlungen und Umzüge fie ein eft nicht begreift. das nicht dem ich gilt. sondern wird. Der französische Kommandant hat die Italiener verständigt, hatten eine Massenbeteiligung zu verzeichnen. Die Kom- der omnemeinheit. nicht einen Menschen verherrlicht, son­baß er jeden Uebergangsversuch mit Waffenge- munisten unternahmen einen eigenen Umzug, an dem ungefähr dern die Menschheit, nicht einen einmaligen blutigen Sieg walt verhindern werde. Montag erfolgte der erste 3u1500 Personen teilnahmen und der ohne Zwischenfall verlief. Am der offen feiert. fordern einen Siea. der täglich, der stünd­sammenstoß zwischen franzöfifchen und italie. Nachmittag fanden in allen Theatern und den großen Kinos Vorlich errungen wird in den Köpfen der Menschen, den Sieg nischen Truppen, die nach Suffat vordringen wollten. Es stellungen für die Organisationen statt, auf den Sportpläßen wurden der hee. kam zu einem Feuergefecht. Die Italiener mußten sich zurüd- Wettspiele abgehalten. Die reaktionäre Breffe hot den Saa für qut gehalten, zieken und ließen 3 Berwundete zurück. Englisches Militär hat um uns all die Wirrrisse und Schmierinfeiten oufanzählen, Suffak besest. in denen wir uns immer noch befinden. 11m für zehn Beispiele eines anzuführen, zitieren wir aus der Kreuz­ zeitung ":

Mai- Zusammenstöße in Spanien .

Zahlreiche Verwundete.

Eine amerikanische Drohung an Italien . Amsterdam , 2. Mai. ( TK.) Nach Meldungen amerikanischer Blätter aus Washington bereiten die Vereinigten Staaten für den Haag, 2. Mai. ( HN) Aus London wird gemeldet: Reuter mel­Fall, daß Italien mit seinen Drohungen an den Friedensberatungen det aus Madrid , daß es bei der Feier des 1. Mai dort zu Stolli­nicht mehr teilzunehmen Ernst macht, wirtschaftliche Re- fionen gekommen ist, wobei 29 Gendarmen und eine größere preffalten gegen Stalien bor. Es sollen sämtliche Anzahl Demonstranten verwundet wurden.

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Das, leuchtende Maigetvand", von dem sozialistische Schtvär­mer fafelten, sieht grau und zerrissen aus und aus seinen Feßen scheint die Dürftigkeit und Hilflosigkeit der in die Praxis über­festen Marrschen Theorie erbarmungsvoll hervor. Nur fünft­