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Sonnabend, den 10. Mai 1919.
Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 117 53-54.
An die Sozialisten aller Länder!
Der Versailler Entwurf eines Friedensvertrages hat die Bevölkerung soll, ohne im geringsten befragt zu werden, schlimmsten Erwartungen der Friedensfreunde aller unter das Joch der Fremdherrschaft gezwungen werden. Länder übertroffen. Der Gewaltfriede, der uns nach dem Ebenso uuerträglich ist die Diktat der Versailler aufgezwungen werden soll, ist die beste Rechtfertigung der Haltung der deutschen Sozialdemokratic
verschleierte Annexion des Saargebiets.
zur Landesverteidigung. Wir wußten immer, was dem deutschen Wahrlich, Bismarck war ein elender Stümper gegen die Bolke drehen würde, wenn die Imperialisten der Entente ihn Gewaltmenschen, welche heute die Zerstückelung Deutschlands den Frieden diftieren würden. Deshalb wollten wir mit allen betreiben und die uns noch dazu raten, zu einem Bölkerbunde Mittelu verhindern, daß dieser Zustand eintrat. Sozialisten Vertrauen zu haben, den sie allein gründeten und den sie der anderen Länder, versteht Ihr jest unsere weiterhin zur dauernden Niederhaltung des deutschen Volkes Haltung? beherrschen wollen.
Die Imperialisten der anderen Länder sind nicht besser Solche aller Gerechtigkeit hohnsprechenden FriedensDer Siegerfriede, der uns heute auf- bedingungen können keinen Dauerfrieden bringen.
als die unferen. gezwungen werden soll, trifft die deutsche Republik mitten ins Herz.
Sie züchten den Haß. Sie würden den Reaktionären die nationalistische Agitation erleichtern und den Sozialisten die Er soll nach der Absicht der kapitalistischen Regierungen Frank- Aufklärung der Massen erschweren. Sie würden zu einer reichs, Englands und Amerikas das Aufblühen eines sozias ewigen Gefährdung des Friedens werden. listischen Deutschlands unmöglich machen und damit Den Weltfrieden zu erhalten, muß nach Abschluß jener zugleich den internationalen Sozialismus treffen. Wir deutschen Sozialdemokraten find während des ganzen Krieges für einen Frieden der Versöhnung und der Verständigung der Völker eingetreten, der so beschaffen sein sollte, daß er nicht
den Keim zu neuen Kriegen
greulichen, mehr als vierjährigen Menschenschlächterei aber die vornehmste Aufgabe der Arbeiter aller Länder sein. Das haben die Sozialisten der kriegführenden Länder erkannt. In Bern haben sich die Sozialisten der neutralen Länder mit Sen Sozialisten der Ententeländer und mit den Sozialisten Zentraleuropas auf ein
gemeinfames Friedensprogramm
Verbrennen, oder aus dem
Fenster springen?
Wir Deutschen sind ein gründliches und genaues Bolt, selbst noch im Unglück. Wir befinden uns- man gestatte dieses Bild unserer Lage im dreißigsten Stockwerf eines brennenden Wolfenkrazers und fangen nun eine tiefgründige Diskussion darüber an, ob es richtiger sei, die Flammen an sich herankommen zu lassen oder mit einem kühnen Rud aus dem Fenster zu springen.
arbeiten mit äußerst überzeugenden Argumenten. Die An
Beide Theorien haben ihre Anhänger, und beide Seiten hänger der Verbrennungstheorie weisen haarscharf nach, daß man sich beim Sprung aus dem dreißigsten Stockwerk die Senochen zerbricht, während die Befürworter des Hinausspringens den wissenschaftlichen Beweis antreten, daß der menschliche Körper der Temperatur eines Hausbrandes nicht gewachsen ist. Natürlich fehlt es nicht an Berwünschungen der Gegenseite, die nicht begreifen wolle, daß ihre Methode zum Tode führt.
Das ist im Kerne der Streit, der jetzt un die beiden Worte, annehmen" oder„ ablehnen" entbrannt ist. Es ist ein Streit um zwei Tobesarten. Dabei ist allerdings die Ablehmungstheorie von vornherein stark diskreditiert durch die in sich trug. Bon den Staatsmännern der Entente wurde Tatsache, daß auf ihrer Seite sich die 2ärmmacher um während des Krieges so oft in alle Welt posaunt, daß sie nur geeinigt. Sie haben gegen jede Berfälschung der Wilson- jeden Preis, die Männer der hohlen nationalen Geste für Recht und Gerechtigkeit ftritten, daß sie gegen den schen Grundsätze protestiert und für die Streitfragen, wie z. B. und des törichten Handelns befinden, die Narren, die eine Kaiser und die Junker kämpften, nicht aber gegen das deutsche die des Saargebiets, Danzigs , Löfungen gesucht, die nicht fünftige Revanche bebrüten oder gar am Ende noch jezt gleich Bolt. Der Versailler Friede aber richtet sich gegen das den Keim zu nenen Kriegen enthalten würden. den Krieg in irgendeiner Weise wieder aufnehmen wollen. deutsche Bolt! Wenn alle die vorgeschlagenen wirtschaft- Die Sozialisten aller Länder haben feierlich anerkannt, daß Aber es wäre falsch, die Gesamtheit derer, die jetzt lichen Knebelungen und finanziellen Vergewaltigungen durch- deutsche Volksteile das Recht haben müssen, bei Deutschland zu auf dem Standpunkt ablehnen!" stehen, dem alldeutschen geführt werden sollten, würden bleiben, und daß die Deutschen Desterreichs das Recht haben, Heerbann zuzurechnen und eines offenen oder verkappten sich mit ihren deutschen Brüdern zu vereinigen. Die Chauvinismus zu zeihen. Es sind auch Leute darunter, die die deutschen Arbeiter auf ewige Zeit versklavt Ententeregierungen pfeifen auf solche Versuche, einen wirt- vielleicht von vereinzelten Entgleisungen abgesehen werden und den Außen davon hätten lediglich lichen Dauerfrieden zu sichern und ziehen es vor, sich auf die während des ganzen Krieges in schärfster Gegnerschaft zum Gewalt zu verlassen. Alldeutschtum gestanden haben, und es ist nicht ohne Interdie Kapitalisten der anderen Länder. Wird die sozialistische Internationale effe, daß der von den Andeutschen so viel geschmähte Theodor Das deutsche Volk ist bereit, den Schaden zu ersetzen, ihre Stimme gegen einen Gewaltfrieden so Wolff im Berliner Tageblatt" mit am kräftigsten den Geder auf Geheiß seiner durch die Novemberrevolution gestürzten laut erheben, daß in den siegreichen Ländern danken der Nichtunterzeichnung vertritt. Schließlich waren Machthaber pölkerrechtswidrig angerichtet wurde. Es will für die Machthaber von heute auf fie hören auch Lenin und Tropki, welche die Unterschrift des Friedeu Wiederaufbau Belgieus und Nordfrankreichs aufkommen. müssen? dens von Brest - Litowst veriveigerten, feine russischen BourAber dazu bedarf es geordneter Wirtschaft. Der vorges geois oder Chauvinisten, sondern die Vertreter des allerradischlagene Friede jedoch bedeutet falsten Bolschewismus, und sie glaubten damals, mit der Nichtunterzeichnung des ihnen vorgelegten Friedensvertrages, mit der Ausgabe der Parole:„ Kein Frieden und kein Strieg", einen beispiellos revolutionären Schritt zu tun.
das Todesurteil
Wir erwarten es.
Aber es ist die höchste Zeit! Das deutsche Volt soll zugrunde gerichtet werden. Aber es handelt sich schließlich einer geordneten Volkswirtschaft. Seine Bestimmungen um mehr, um das Schicksal Europas ! Nach Abschluß sind unerfüübar und deshalb wird der Versuch, sie im einzelnen dieser entsetzlichen Welttragödie werden in allen Ländern die durchzuführen, zu ewigen Reibereien führen. Dadurch Massen unerhörte Leiden auszustehen haben. Wird da ein wird die Quelle des Hasses im Flus bleiben und das in vier- Volt gänzlich zugrunde gerichtet, so trifft das auch alle anderen jährigem Kriege gemarterte Europa wird nie mehr zur Ruhe Völker schwer. Deshalb, tommen.
Der Versailler Friedensvorschlag ist in jedem einzelnen Kapitel der reine
Proletarier aller Länder, vereinigt Eure Kraft, um einen Gewaltfrieden zu verhindern,
Hohn auf die vierzehn Punkte Wilsons. Für das deutsche Volk soll es tein Selbstbestimmungsrecht geben. der Europa nicht zur Ruhe kommen lassen würde und die soReindeutsche Gebiete wie Danzig , der Regedistrikt und andere, zialistische Bewegung in allen Ländern auf das schwerste schäsollen vom Boden der deutschen Republik weggeriffen und ihre digen würde.
Geht es also nicht an, einen jeden, der fürs Nichtunterschreiben ist, von vornherein unsozialistischer und antipazifistischer Motive zu verdächtigen, so muß dennoch eine Kritik seiner fachlichen Beweisführung gestattet sein. Im B. T." jetzt uns Theodor Wolff mit allen Mitteln feiner Beredsamfeit auseinander, daß der von der Entente vorgelegte Vertrag der politische und wirtschaftliche Tod Deutschlands ist. Er bestätigt, was schon Scheidemann ausgeführt hat, daß zahlreiche Bestimmungen dieses Vertrages unmöglich, weil physisch unausführbar sind. Dieser Vertrag versflabt das deutsche Bolt, er raubt es bis aufs lezte aus, er nimmt ihm alle Hilfsmittel zum Wiederaufbau seiner Wirtschaft, er macht vor allen Dingen auch den deutschen Arbeiter auf Jahrzehnte zum rechtlosen Sklaven der gegen uns verbündeten Welt. Gerade wir sind es, die es mit am schmerzlichsten empfinden, wie wenig dem deutschen Proletariat seine eben gewonnene Freiheit nützt, wenn es den einheimischen Kapitalisten mit den noch viel grausameren und mitleidloseren ausländischen aller Sozialisierung, nicht nur das, er ist der Tod aller Sozialpolitik, gerade der deutsche Arbeiter solle fich morgens, mittags und abends inmer wieder fagen, daß er durch diese Bedingungen zu m recht- und schutlosen Sklaven der Welt, zum Ausbeutungsobjekt der Entente gemacht wird, und daß ihn keine noch so ideale Gesetzgebung im nnern auch nur um ein Haar vor diesem Los schützen fann. Ob die deutschen Sapitalisten als Schweißtreiber und Zwischenmeister der Entente im Amt belassen werden, oder ob diefe ihre eigenen Fronvögte einfegt, das ist gegenüber der Gesamttatsache der absoluten Versflabung Deutschlands nur eine Frage zweiter oder dritter Ordnung.
Deutschösterreich gegen den Gewaltfrieden. Eine Kundgebung der badischen Regierung. Fronherren bertauscht. Dieser Frieden ist auch der Tod
Anschluß an Deutschland . Karlsruhe , 9. Mai. Das badische Staasministerium erläßt eine Erklärung an das badische Volf, in der es unter anderem heißt: Wien , 9. Mai. ( Corrbureau.) Den Blättern zufolge veranstalten die Großdeutsche Vereinigung, der Deutsche Steinem Bolt der Erde hat je eine Bergewaltigung gedroht, wie fie veranstalten die Großdeutsche Vereinigung, der Deutsche die Friedensbedingungen darstellen. Nichts wird unversucht geVolkerat für Desterreich, der Deutschnationale Berein und die zum Wiener Arbeiterschaft am Sonntag anläßlich des Versailler lassen werden, eine Wilderung der harten Bedingungen zu er Gewaltfriedens Versammlungen, in denen neuerlich das Selbst. reichen. Das deutsche Wolt wird sich in dieser Schidbestimmungsrecht und das Recht des Au- falsstunde gefchloffen hinter die Reichsregie fchlusses au Deutjaland gefordert werden wird.
Der Gegenentwurf.
tung stellen. Wenn es nicht gelingen sollte, den Friedensbedingungen einen Inhalt zu geben, der dem deutschen Volte das Weiterleben als Bolt möglich macht, dann werden wir vor die ernste Frage gestellt werden, ob wir uns dem Feinde beugen müssen oder ob nicht einmütig dieser Friedensschluß zurüd gewiesen werden muß
Der Gegenentwurf für die Friedensbedingungen, ben bie Reichsregierung ausarbeitet, fügt sich auf die Wilfonschen 14 Punkte und Die weitere Befehung von Kehl durch die Franzofen ist uns auf die Erklärung des Staatssekretäre Zanfing vom 6. November Badener unerträglich. Dem wirtschaftlichen Leben unseres Landes vorigen Jahres. An den Verhandlungen, die jetzt täglich in der Reichs-| tbürde dadurch ein tödlicher Stoß bersetzt. Wir erheben Widertanzlei stattfinden, nebmen als Vertreter der preußischen Regierung spruch gegen diesen Sohn auf das Selbstbestimmungsrecht der Böller. die Minister Hirs, Seine und Fischbed teil
Das alles wissen wir und noch mehr. Diese Erkenntnis hält uns davon zurüd, wie die unabhängige Freiheit" mit bollen Baden zu rufen: Wir müssen annehmen".
Auf der anderen Seite fragen wir die Anhänger der Ablehnungsparole, was sie uns denn bieten fönnen außer einer schönen Geste? Dem deutschen Arbeiter