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Nr.245.36.Jahrg.

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.Sozialdemokrat Berita",

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

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Mittwoch, den 14. Mai 1919.

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplats, Nr. 117 53-51.

Neue Noten Brockdorff- Rantaus.

Versailles , 18. Mai. Reichsminister Graf von Brockdorff DieStrafanträge im Liebknecht- Luxemburg-|

Rantau hat heute an den Präsidenten der Friedenskonferenz

Clemenceau folgende drei Noten gerichtet:

Bersailles, den 13. Mai 1919.

Herr Präsident!

Enisprechend der Ankündigung in meiner Note vom 9. Mai d. J. überreiche ich die nachfolgende Aeußerung der bolts. wirtschaftlichen Kommission, die beauftragt ist, die Rückwirkung der in Aussicht genommenen Friedensbedingungen auf die Lage der deutschen Bevölkerung zu begutachten:

,, Deutschland war im Laufe der letzten beiden Generationen bom Agrarstaat zum Industriestaat übergegangen. Als Agrar­staat fonnte Deutschland 40 millionen Menschen ernähren. Als Industriestaat war es in der Lage, die Ernährung einer Be­völkerung von 67 Millionen sicherzustellen. Die Einfuhr von Lebensmitteln betrug im Jahre 1913 rund

12 Millionen Tonnen.

--

Vor dem Kriege lebten in Deutschland vom auswärtigen Handel und der Schiffahrt- entweder direkt oder indirekt durch die Ver. arbeitung auswärtiger Rohstoffe rund 15 Millionen Menschen. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages foll Deutsch­ land seine für den Ueberfeehandel taugliche Han­belstonnage und Shiffsneubauten auslefern. Auch sollen die Werften in den nächsten fünf Jahren in erster Linie für die alliierten und affogiierten Regierungen bauen. Deutschland büßt ferner seine Kolonien ein; die Gesamtheit seines Besitztums, seiner Intereffen und Titel in den alliierten und assoziierten Ländern, in deren Kolonien, Dominien und Protektoraten follgur teilweisen Dedung der Entschädi. gungsansprüche der Liquidation unterliegen und jeder anderen wirtschaftlichen Kriegsmaßnahme ausgefeßt sein, toelche die alli ierten und assoziierten Mächte in der Friedenszeit aufrechtzuer­halten oder neu einzuführen beschließen mögen.

Bei Ausführung der territorialen Bestimmungen des Friedens vertrages würden im Osten die

wichtigsten Produktionsgebiete für Getreide und Kartoffeln verloren gehen; das wäre gleich bedeutend mit einem Ausfall von 21 Bros. Der Gesamternte in diesen Lebensmitteln. Ueberdies würde unsere Landwirtschaftliche Produktion in ihrer Intensität start zurüdgehen. Einmal wäre die Zufuhr von bestimmten Rohstoffen für die deutsche Düngemittelindustrie, wie Phosphaten, erschwert, sodann würde diese, wie iede andere Induftrie, unter Rohlen mangel leiden, denn der Friedensvertrag sieht vor, daß wir fast

ein Drittel unserer Kohlenproduktion berlieren; außerdem werden uns für die ersten 10 Jahre unge Heure Lieferungen an Kohle an bestimmte alliierte Bänder auf­erlegt.

Weiter soll Deutschland nach dem Vertrage fast drei Viertel feiner Eisenerzproduktion und mehr als drei Fünftel feiner Produktion an 8int zugunsten seiner Nachbarn abtreten. Nach dieser Einbuße an eigener Produktion, nach der mirt schaftlichen Lahmlegung durch den Verlust der Kolonien, der San­delsflotte und der austrärtigen Befißtümer, wäre Deutschland nicht mehr in der Lage, genügend Rohstoffe aus dem Auslande zu beziehen. Die deutsche Industrie müßte daher in einem gewaltigen Umfange erlöschen. Gleichgeitig würde der Bedarf an Lebensmitteleinfuhren erheblich steigen, während die Möglifeit. ihn zu befriedigen, außerordentlich finden müßte. Deutschland träre daher in kurzer Zeit außer Stande, den vielen Millionen auf Schiffahrt und Handel angewiesenen Men­schen Arbeit und Brot zu gewähren. Diese Menschen müßten aus Deutschland auswandern;

das ist aber technisch unmöglich, zumal sich viele der wichtigsten Bänder der Welt gerade gegen die deutsche Einwanderung sperren würden. Außerdem würden hunderttausende ausgewiesener Deut fcher aus den Gebieten der mit Deutschland Krieg führenden Staaten sowie aus den abzutretenden deutschen Territorien und Kolonien nach dem übrig bleibenden deutschen Gebiet einströmen. Werden die Friedensbedingungen durch eführt. so bedeutet das einfach. der viele Millionen Menschen in Deutschland zu Grunde gehen müssen.

Diefer Prozeß würde sich rasch entwideln, da durch die Blockade während des Krieges und deren Berschärfung während des Krieces und deren Verschärfung während des Waffenstilstandes bie Wolfsgefundheit gebrochen ist.

Prozeß.

In der heutigen Verhandlung des Liebknecht- Luxemburg- Pro­jeffes stellte der Anklagevertreter folgende Strafanträge:

Gegen Rapitänleutnant Pflug artung, Leutnant Stiege, Leutnant Littmann, Oberleutnant Rittoen Todesstrafe wegen vollendeten Mordes.

Gegen Oberleutnant Bogel 5 Jahr 1 Monat 3uchthaus wegen versuchten Mordes, außertem 6 Wochen Haft wegen Erstattung einer falschen Meldung, die durch die Untersuchungs­haft als verbübt angesehen werden sollen.

Gegen Runge 3 Jahre 6 Monate Gefängnis wegen ver. fuchten Todfchlages unter Zubillioung mildernder Umstände, Ab­erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 4 Jahre, außerdem 2 Wochen Haft wegen Wachtbergehens.

Gegen Hauptmann Weller 3 Monate Gefängnis wegen Begünstigung.

Gegen Hauptmann Bflug ariung und gegen Leutnant Schulze Freisprechung.

Richtige Fragestellung.

Qualifiziertes oder unqualifiziertes Nein.

Bon Eduard Bernstein .

Bei allen Entscheidungen, welcher Art sie auch seien. fommt außerordentlich viel darauf an, wie die zu beantwor tende Frage gestellt wird. Eine falsche Fragestellung fana mit geradezu zwingender Notwendigkeit eine falsche Antwort zur Folge haben.

Das ist denn auch mit der Frage der Fall, wie sich die deutsche Sozialdemokratie zur Frage der Friedensbedingun gen der alliierten Mächte stellen, beziehungsweise für welche Antwort Deutschland auf sie sie sich erflären joli. Stelite man sie auf Annehmen oder Ablehnen, wie es Vorwärts" und Freiheit" im ersten Augenblid in Uebereinstimmung mit der großen Mehrzahl der deutschen Blätter getan haber. so mußte man notwendigerweise au einer falschen Antwort tommen. Annehmen wie ablehnen hat beides Konsequen zen, die fein gewissenhafter Bolitiker verantworten fann. Die Friedensbedingungen enthalten Be stimmungen, die ich als internationaler o im Klaren find, wie sie unvermeidlich eintreten würden, wenn si aliit nicht unterzeichnen fönnte, ohne mich an Deutschland , soeben noch ein dichtbevölkerter, mit der ganzen Welt- den Grundsägen der Internationale über das Stecht Ser wirtschaft verknüpfter, auf gewaltige Rohstoff- und Lebensmittel. Völfer, wie sie jetzt erst wieder von der Berner internati einfuhr angewiesener Industriestaat, plößlich auf eine Entwid. nalen Sozialistenkonferenz bekräftigt worden sind, gröbisch lungsstufe zurückgestoßen wird, die seiner ökonomischen Konstruf zu verfündigen. Und diese wie andere Bestimmungen farm lion und seiner Bevölkerungsziffer von vor einem halben ich als Deutscher nicht unterzeichnen, ohne berechti Jahrhundert entspricht.

Wer diesen Friedensvertrag unterzeichnet, spricht damit das Tobesurteil über viele Millionen deutscher Männer, Frauen und Kinder aus."

Ich habe es für meine Pflicht gehalten, vor lleberreichung wei terer Einzelheiten diese allgemeine Aeußerung über die Wirkung des Friedensvertrags auf das deutsche Bevölkerungsproblem zur Renntnis der alliierten und assoziierten Friedensdelegation zu bringen. Die statistischen Nachweise stehen auf Wunsch zur Ver­fügung.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus gezeichneten Hochachtung. gez. Broddorff- Ranhau.

Bersailles, den 13. Mai 1919. Herr Präsident!

In dem den deutschen Delegierten vorgelegten Entwurf eines Friedensvertrages wird der VIII. Teil, betreffend die Wiedergut­machung, mit dem Artifel 231 eingeleitet, welcher lautet:

Lebensintereffen einer großen Anzahl meiner Landsleute elend zu verraten. Ein Ja kam also diesen Bedingunges gegenüber, wenn es hieß, fie bis auf den I- Punkt zu unter schreiben, für mich ganz außer Betracht. Es fornte fich de meines Erachtens zunächst nur um ein Nein handel: Sollte, durfte es aber ein Rein sein, wie man es in eine Teil der Presse sofort marktschreierisch proklamierte und in: großen bürgerlichen Bublikum gläubig nachbetete?

Gewiß, wir können das Dokument, das der deutscher Friedensdelegation in Versailles vorgelegt worden ist, mit allen seinen jezigen Bestimmungen nicht unterschreiben. Aber unser Nein tann fein unbedingtes Nein sein, denn das meiste wird, so hart es uns ankommt, schließlich doch unier schrieben werden müssen. Es bat ieder das Recht, für seine Berson so heroisch zu sein, wie es ihm angezeigt ericheirt. Niemand aber ist berechtigt, von fomme, was da wolle" zu reden, wo das Wohl und Wehe eines ganzen Volkes in Be tracht tommt. Unser Nein ist ein qualifiziertes Nein, tann nur ein qualifiziertes Nein fein.

Die alliierten und affoziierten Regierungen erflären, und treten in Erörterung der Einzelbeiten ihrer Wir müssen alles aufbieten, von der anderen Seite Ein­Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Vorlage zu erlangen. Es ist vieles an ihr unflar, in unbe­Urheber für alle Verluste und alle Schäden verantwortlich sind, stimmten Wendungen ausgedrückt und mag infolgedessen welche die alliierten und affoziierten Regierungen und ihre Staats- beim ersten Lesen schlimmer erscheinen als beabsichtigt. Dos angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und dürfte unter anderem von einer Anzahl Bestimmungen zu­feiner Berbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben." treffen, die sich auf die finanziellen Regelungen beziehen. Deutschland hat die Berpflichtung zur Wiedergrtmachung über- Anderes ist widerspruchsvoll und bedarf deshalb der Ani nommen auf Grund der Note des Staatssektears Lansing vom 5. No- klärung. Wieder anderes wird taum aufrechterhalten mer­bember 1918, unabhängig von der Frage der Schuld am Striege. Den fönnen, wenn von deutscher Seite flargelegt wird, do; Die deutsche Delegation vermag nicht anzuerkennen, daß aus einer es Konsequenzen in sich birgt, die den Verfassern der Vor­Schulb der früheren deutschen Regierung an der Entstehung des lage wahrscheinlich in ihrer Schwere nicht zum Bewußtsein Weltkrieges ein Recht oder Anspruch der alliierten oder affoziierten gekommen sind und auch, weil ihnen die Dinge fern liegen Mächte auf Entschädigung durch Deutschland für die durch den Krieg faum zum Bewußtsein fommen konnten. erlittenen Berluste abgeleitet werden könne. Die Vertreter der alliierten und affoziterten Staaten haben zudem wiederholt erklärt, Nehmen wir z. B. die Bestimmung der deutschen Oft­daß das deutsche Volt nicht für die Fehler feiner Regierung berant- punkten die Alliierten sich bei Riehung der Grenze zwischen grenze. Es ist schmer ersichtlich, von welchen Gefichts. wortlich gemacht werden solle. Das deutsche Volt hat den Krieg nicht gewollt und würde Saben fie das Polen wieder herstellen wollen, wie es vor der Deutschland und dem neuen Polen haben lenfen lassen. einen Angriffstrieg niemals unternommen haben. Im Bewußtsein ersten Teilung( 1772) beschaffen war? Das würde schon des deutschen Bolles ist dieser Krieg steis ein Verteidigungskrieg mit den Grundsägen der sozialistischen Internationale in gewesen.

Widerspruch stehen, deren in Bern gefaßte Refolution one Auch die Auffassung der alliierten und assoziierten Regierungen drücklich die gewaltsamen oder verschleierten Annexionen of darüber, wer als Urheber des Strieges zu beschuldigen ist, wird von Grund sogenannter historischer Ansprüche oder angeh. den deutschen Delegierten nicht geteilt. Sie vermögen der früheren licher ökonomischer Notwendigkeiten verwirft und flir deutschen Regierung nicht die alleinige oder hauptsächliche Schuld Gebietsänderungen die Willenserklärung der Bo an diesem Kriege zuzusprechen. In dem vorgelegten Entwurf eines bölkerung fordert. Immerhin wäre es, so sehr es die Friedensvertrages findet sich nichts, was jene Auffaffung tatsächlich Ansprüche der lebenden Generation ganzer Bezirke ignorier begründet. Reinerlei Beweise werden für sie beigebracht. Die deutschen Delegierten bitten daher um Mitteilung des Berichts der Bestimmung der Grenze Oberschlesiens wird er plöglich ver wenigstens ein in fich einheitlicher Gesichtspunkt. her bei Rein Silfswer!, noch so groß und langfristig angelegt, ton den alliierten und affoziierten Regierungen eingesetzten Kom- laffen. Es ift awar mehr als abgefchinadt, wenn deutsche fönnte biefem Massensterben Ginhalt tun. Der mission zur Prüfung der Verantwortlichkeit der Urheber des Blätter ihren Lesern erzählen, Oberschlesien gehöre feit mehr Friede würde von Deutschland ein Mehrfaches der Men- Arieges. fdbenopfer fordern, die ber viereinhalbjährige Krieg verschlang als 700 Jahren au Deutschland . Durch solche Drehung ge­Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus- schichtlicher Tatsachen wird die deutsche Sache nur geschädigt. ( 1% Millionen im Felde gefallen, fast 1 Million Opfer der Blodabe). gezeichneten Hochachtung. Ganz Oberschlesien war mit vorübergehenden Ausnahmen Wir wissen nicht und möchten es bezweifeln, ob die Delegierten gez. Broddorff- Rantau. den größten Teil des Mittelalters ein Teil des polnischen ( Fortsetzung folgt.) Staatswesens, tam im 14. Jahrhundert unter böhmisch­

ber alliierten und assoziierten Mächte sich über die Konsequenzen

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