Nr.250. 36. Jahrg.
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Sonnabend, den 17. Mai 1919.
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Wachsender Widerstand Italiens .
In Italien wächst die Unzufriedenheit mit den Bocifer Machens| Scheidemanns bie Schlußfolgerungen, die ber Chefredakteur des Ichaften immer stärker. Orlando und Sonnino bestehen, wie Campolongi im„ Secolo" ausführt, nun auf stritter Durch führung des Londoner Vertrages, die vielleicht für Italien vorteilhafter sein werde als die bisher verfochtene Revision dieses Vertrages. Bei der Beratung über Südtirol oder der Beratung des gesamten italienischen Problems werde die italienische Delegation wohl auch den Anschins Deutschösterreichs an Deutschland auf die Tagesordnung seyn.
Vorwärts" und der frühere Gesandte in London , Fürst Lich. nowsky, in ihren Artikeln gezogen hätten. Scheidemann stände auf demselben Boden wie Brockdorff- Rantau, und es sei bezeich nend, daß er an teiner Stelle jagt, er werde nicht unterzeichnen. ( Scheidemann hat aber in seiner Nebe die Friedensbedingungen der Gatente ausdrücklich als„ unannehmbar" bezeichnet! Red. d.„ B.".) Renaudel hat seine Interpellation in der französischen Rammer betreffend der Politk der Regierung gegenüber der Arbeiterschaft, weil Clemenceau nicht selbst anwesend sei, zurüdgezogen.
Versailles, 14. Mai 1919. Wenn ein deutscher Sozialdemokrat sich von Versailles aus an die französischen Genossen in Paris im siebenten Nach dem„ Corriere della Sera " verweigert der franzöfifche Monat des Waffenstilstandes und in der zweiten Woche der Friede bem Besiegten jebe Möglichkeit, wieder Friedenspräliminarien wenden will, dann ist er noch immer festen uk on faffen. Wir Italiener dürfen nicht aus Versailles , 15. Mai. Es wir täglich Marer, daß die französische auf den kleinen I mweg über Berlin angewiesen. Denn falich verstandener Freundschaft für Frankreich diesen Schmerz ver Bresse mit allem Nachdruck auf den Sturz der Regierung ein Baun trennt uns hier von dem französischen Wolfe, wie bergen. Wir glaubten, Frankreich wäre es mit seinen Worten von Ebert- Scheidemann hinwirkt, um eine Regierung in in einem 8oologischen Garten die Raubtiere bom harmlosen Gerechtigkeit und Freiheit eraft. Solange feine Gintracht zwischen Deutschland and Ruder zu bringen, welche nach Ansicht dieser Publikum. Die amtliche Version lautet allerdings dahin, die Frankreich und Deutschland besteht, gibt es auch feinen Frieden in Bresse den Friedensvertrag unterschreiben würde. Von der Aufstellung des Baunes sei nötig gewesen, um uns, die Raubheutigen nationalistischen Abendpresse wird darauf hingewiesen, wie weigerten
Deutschland und feine Sicherheit für Frankreich . Clemenceau hat
einen diplomatischen Sieg ohnegleichen davongetragen, aber nur einen Byrrhussieg. Die Kraft, welche Deutschland todbringend machen wird, beruht nicht auf Waffen, sondern in seiner Seele. Mandarfes uns 3talienern nicht verargen, wenn wir nicht über einen Brieben jubeln, der grant, reichs Vorherrschaft in Europe festlegt. Wir wollen nicht nur ein freies Frankreich , sondern ein freies Italien und stehen ben der Untersuchung ab, ob sich die französische Hegemonie vorteilhaft von der deutschen unterscheidet. Frankreich erscheint ben Italienern als das Land, das von greisenhaftem Chrgeize ergriffen, ein romantisches Leben mit der Verwirklichung des Unmöglichen schließen will. Denn es ist unmöglich, ein Europa zu schaffen, in bem Frankreich als Despot regiert."„ Gorriere della Sera" beklagt es am 15. Mai, daß mit Hilfe Frankreichs ein neues Desterreich mit neuem italienfeindlichen Programm entstehe. So werde auch der Friede mit Defterreich zu einem italien feindlichen Baiz francaise. Die italienische Delegation müffe sich mit aller & raft gegen diesen& rieben# räuben.
Bersailles, 16. Mat,( WTB) Die Pariser Bresse, einschließlich ber sogenannten ernsteren Blätter, bringt seit einigen Tagen fortwährend Meldungen über Borgänge innerhalb der deut fchen Delegation oder Aeußerungen von Mitgliedern der felben, die nur beweisen fönnten, daß allerhand Leute beauftragt tourden, die Gespräche stwischen den Mitgliedern der Delegation zu belauschen und in Ermangelung positiver Ergebnisse ihrer Phantaste freien Lauf zu lassen. Gestern wußten die Blätter über angebliche Direttiven zu erzählen, bie Präsident Beinert ben deutschen Journalisten für ihne weitere Tätigkeit gegeben hätte. Heute bringen sowohl die„ Debats" wie der In tranfigeant angebliche Aeußerungen von Mitgliedern der Dele gation über die Frage der Unterzeichnung. Intransigeant" will bon einem Sekretär erfahren haben, daß Graf Brockdorff- Rantau nunmehr entschloffen fei, zu unterzeich nen, nachdem er darüber nur in den ersten 24 Stumben nach lebergabe des Friedensdokumentes nicht schlüssig getvesen sei. Sodann weiß Intranfigeant" von einem abgelauschten Gespräch zwischen zwei Mitgliedern der Delegation zu erzählen, aus dem ebenfalls her borgehen soll, daß die Delegierten schließlich unteraeichnen würden. In den„ Debats" wird eine ähnlich lautende Aeußerung in den Munb des„ Spesialübersebers" des Grafen Broddorff- Ranbou gelegt. Ginen solchen Würdenträger hat die deutsche Delegation nach Versailles nicht mitgebracht.
tiere, vor Ünannehmlichkeiten zu schützen... Wie dem auch sei, da es den Franzosen streng verboten ist, mit uns zu sprechen, und da wir von Vertretern der französischen so zialistischen Presse nicht erwarten dürfen, daß sie einem Befohl der Regierung Clemenceaus zuwiderhandeln, ist eine Aussprache zwischen uns und Euch, zwischen Versailles und Paris , nur über Berlin möglich.
" Biberté", welche fich fragt, wer wohl die Nachfolge Ghert Scheidemann übernehmen tönnte, meint, daß sich in Deutschland schwerlich jemand bereitfinden werde, der die Verantwortung über nehmen würde, den Vertrag zu unterschreiben, um dann sofort in folge der allgemeinen Mißstimmung Deutschlands zurücktreten zu müssen. Das Blatt weist auf einen Artikel der Beipziger Coltszeitung" bin, welche ber Ansicht sei, daß die Milliarden Eine Woche ist nun seit jenem Mittwoch vergangen, an für die Wiedergutmachung des Kriegsschadens von denen getragen dem das Ergebnis einer monatelangen sehr geheimen Diplowerden müssen, die schuldig sind, also von den deutschen , nicht matie den Bölfern allergnädigst mitgeteilt wurde. Eine aber von den franzöfifchen Steuerzahlern. Nur dieses unabhängige Woche, in der ich mit fieberhafter Hoffnung Eure Blätter geOrgan führe die Sprache des gesunden Menschenverstandes. Gs lesen habe. Jawohl! Ich bestreite es nicht. Ihr wart bedürfe wohl nur der Blockade und des Vormarsches der alliierten meine Hoffnung. Ihr wart die Hoffnung aller deutArmeen, um Deutschland sofort zur Nachgiebigkeit zu bringen. schen Sozialdemokraten. Möge dieses Geständnis Euch unMit aller Deutlichkeit läßt obenstehende Notia die Gebequem sein oder Euch mit Stolz erfüllen wir waren überwiffenlosigkeit der Politik der Unabhängigen erkennen. Man sieht, zeugt, daß ein einmütiger Schrei der Empörung aus allen daß das von ber 1. S. B. so oft geforderte rückhaltlose Bekenntnis| sozialistischen Stehlen nach der Bekanntgabe der sogenannten unserer Schuld durchaus nicht die erwartete Wirkung bei unseren Friedensbedingungen in allen Blättern, die sich soziaGegnern hat und dieje milder gegen uns stimmt, sondern daß sie alles im imperialistischen Sinne auszuschlachten wiffen. Die Politik der Leipziger Volkszeitung" zeitigt etwa die Wirkung, die ein Elefant im Borzellanladen hervorbringt. Man weiß nicht, ob man ihre Verantwortungslosigkeit oder Gewiffenlosigkeit mehr bewundern soll.
Wie der„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus Bonbon meldet, berichtet Daily News" aus Paris : Die Note Nanbaus über das Arbeitergeseb habe eine interessante folge gehabt. Wenn die Alliierten darauf geantwortet hätten, daß feine weitere Aftion notwendig erscheine, so sei boch daraufhin der Ausschuß für die Arbeiterangelegenheiten, und zwar auf Ersuchen des Rates der Bier, zusammengetreten, um zu erwägen, ob es nicht erwünscht wäre, daß Deutschland als dauerndes Mitglied der geplanten internationalen Arbeiterorganisation beitritt. Es sei jedoch auch möglich, daß der Nat der Vier Deutschland auffordern wird, sogleich mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Bersailles dem Völkerbund beizutreten.
Es bleibt bei der Zweiwochenfrist. gabe, will wiffen, die deutsche Delegation werde eine Verlänge Bersailles, 16. Mai. ( WTB) New York Herald , Barter Aus rung der 14tägigen Frist zur Prüfung des Vertragsentwurfes verlangen, die aber abgelehnt werden werde; bon hiesiger amt licher deutscher Stelle ist solch Antrag weber gestellt, noch be. absichtigt.
aris, 16. Mai. ( Savas.) Die deutsche Breffe Begann mit Diese in den Pariser Blättern in allen möglichen Formen der Veröffentlichung von Auszügen aus dem Gesamtvertrag. Im immer wiederkehrende Behauptung, Deutschland werde schließlich Sinblick auf diese Lage beschloß die franzöfifche Regierung, ber ben unmöglichen Vertrag unterzeichnen, mag biel leicht für das Beruhigungsbedürfnis des französischen Publikums notwendig sein, sie widerspricht den Ansichten innerhalb der deut schen Delegation, und hoffentlich bilbet sich die Pariser Breffe nicht ein, daß fie damit die Beschlüsse der deutschen Delegierten irgendwie beeinflussen fönnte.
Bresse den genauen und vollständigen Tegt der durch die beutsche Presse bekanntgegebenen Artikel zu über. geben. Diese Beröffentlichung wird am Freitag mit dem Kapitel über die Gebietsfragen beginnen.
Unabhängige gegen Unterzeichnung.
Bern , 16. Mai. ( Gigener Drahtbericht des Vorwärts".) Die Baviser Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Nede Scheidemanns und der Berliner Nationalversammlung. Der Ein Protest ans Oberschlesien . Temps" nennt fie im Stile Bethmann Helhvegs geholten und der Oppeln , 16. Mat.( Eig. Drahtbericht des Borwärts".) Das mißt einen Abschluß an ihr. Obgleich alle Nebner gegen den Frie Verhalten der Parteileitung der Unabhängigen sozialdemokratischen bensvertrag protestiert hätten, fo sei dech nicht verfündet worden, Bartei findet in Oberschlesien schärfsten Widerspruch. In einer daß Deutschland nicht unterzeichnen werde. Die Aeuße. Sigung in Bresiau, in der Minifter Seine antvesend war, sprach rungen des Ministerpräsidenten, daß die Ketten von der nachfolgen sich der Führer der oberschlesischen Unabhängigen, Rechtsanwalt ben Generation zu brechen seien, lasse vermuten, daß Deutschland Lichtenstein, für die Einigkeit aller Parteien im Protefte unterzeichnen werde. Die Berliner Nationalbersammlung habe in gegen die Friedensbedingungen aus. Die Haltung der Berliner Baris leinen Ginbrud gemacht, weil ihre Stumbgebung zu wenig Freiheit" werde von den oberfchlesischen Unabhängigen nicht verSpontan gewesen sei. Det Bettt Parifien" bezmigt bei bez tebe tanben.
liftisch nennen, ertönen würde, daß alle Erben des großen Jaurès wie ein Mann, wie er es getan hätte, aufgesprungen wären und in die Welt hinausgerufen hätten: " Das ist die größte Schande der Weltgeschichte! Das ist ein niederträchtiger Worbruch, begangen gerade von denen, die sich als Rächer eines Wortbruches ausgegeben hatten! Das ist der schamloseste Diebstahl aller Zeiten! Das ist bewußter Massenmord, der im Interesse einiger Hundert Kapitalisten an Millionen von Proletariern begangen wird!"
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Das hatte ich von Euch allen erwartet, ganz gleich, ob hr uns für am Krieg schuldig haltet oder nicht, ganz gleich, ob Ihr uns als Verräter an der Internationale betrachtet oder nicht, ganz gleich, ob die Lage des französischen Volkes, trop des Sieges, schlimm ist oder hoffnungsvoll. Denn was hat unsere vermeintliche Schurteret, was hat die Erschöpfung Frankreichs mit der Vergewaltigung der heiligsten Grundsäße der Menschheit zu tun, wie sie, teils heuchlerisch, teils zynisch aus jeder Seile der 208 Seiten des Friedensbuches spricht? Und wenn wir tausendmal mitschuldig am Ausbruch des Weltgemegels und an seiner daß wir Sozialdemokraten Brest - Vitost zugestimmt hätten, von Euch es behaupten( aber es ist eine unerhörte Lüge), langen Dauer wären, und wenn es wahr wäre wie einige wir fragen: wäre das eine Entschuldigung dafür, daß man mit Millionen von Deutschen wie mit Ladungen Gefrierfleisch Schacher treibt. daß man zwanzig Millionen deutscher Industrie- und sonstiger Arbeiter erwerbslos, daß man andere Millionen von Deutschen , die das Bech hatten, im Auslande zu leben, einfach rechtlos und zu Bettlern macht? Unsere Hoffnung hat sich nur teilweise erfüllt, und das ist vielleicht das Entmutigendste von allem, was wir in dieser ersten Woche erlebten und empfanden. Es ist geschehen, daß Männer, die fich Sozialisten nemmen, die neben Jaurès in derselben Kammerfraktion saßen, diesem Dokument ihren Beifall spendeten. etwas anderes als diesen Frieden erwarten können. Freilich, von einem Elemenceau hatten wir taum Wir wußten durch Euch alle, was wir von diesem Greis zu halten hatten. Und von einem André Tardieu , diesem Manne, den Ihr alle bis Kriegsausbruch für die größte Seanaille der bestechlichsten bürgerlichen Bresse Europas bezeichnet, von dem Sozius eines Jswolsfys, war man nicht berechtigt, etwas anderes als etwas Schmachvolles au erwarten. Und das war so sehr Eure eigene Ueberzeugung, Eure eigene Angst, daß Ihr Euch vom ersten Tage an an die einzige, die legte Hoffnung geflammert hattet: Wiljon!
Werdet Ihr noch bestreiten wollen, daß dieje Hoffnung bersagt hat? Und da ist eben das Unglaubliche geschehen, moran wir niemals geglaubt hätten: es gibt in Frankreich Menschen, die sich Sosialisten nennen und die fein Wort des Proteftes gegen das Friedensdokument geschrieben haben, vielmehr es in ihren Blättern, in ber France Libre