Nr. 295 36. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts Prozeß Ledebour.
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Das Gericht beschloß, dem Zeugen Dr. Meher, die Frage| Verneburung Fischers kommen sollte, dann werde jeder Versuch, borzulegen, ob und was ihm darüber bekannt sei, daß Leutnant die Wahrheit über die beabsichtigte Ermordung zu verschleiern, Fischer den Angeklagten habe ermorden lassen wollen. verhindert werden. Wir wollen auch sagt der Angeklagte Lede bour unter Beweis stellen, daß die Regierung von unserer Verhaftung vorher benachrichtigt war. Trotzdem haben die Mitglieder der Regierung, vor allem Landsberg , als sich meine Frau wegen meiner Verhaftung an sie wandte, wahrheitswidrig behauptet, sie wüßten nichts von der Sache.
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Als der Zeuge Dr. Meher vereidigt werden sollte, wider sprach der Staatsantvalt der Verteidigung, weil Meyer als Mittäter in Frage kommen sollte. Rechtsanwalt Rosenfeld stellt dagegen fest, daß Meher sich nicht in Untersuchungs, sondern in Schubhaft befindet und daß bis heut tein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet ist. Zeuge Meyer wird hierauf bereidigt. Auf Antrag des Rechtsanwalts Rosenfeld wird nach anfänglichem Widerspruch des Staatsanwalts die Antwort der Regierung auf die gerichtliche Anfrage wegen der Genehmigung zur Ausfage des Zeugen Anton Fischer verlesen. Sie ist unterzeichnet vom Reichswehrminister Noste und geht dahin, daß dem Zeugen Fischer mit Rücksicht auf die Sicherheit des Reiches untersagt wird, über Gegenstände, die unter seiner Amtsverschwiegenheit stehen, auszu jagen. Diese Aeußerung- so heißt es in dem Bescheid Nostes gilt auch für das Reichsministerium. Angeklagter Ledebour : Was die Reichsregierung durch das Verbot der Aussage Fischers verhindern will, wird sie nicht verhin dern können. Wir werden die Wahrheit doch herausbringen. rung Fischers der Zeuge Füllbrand vernommen, der seinerzeit einer Auf Antrag des Rechtsanwalts Herzfeld wird zur Charakterisie. der Führer in der Boltsmarine- Division war: Er sagt, als während der Januarunruhen Klawunde anstelle Fischers zum Stadtkommandanten ernannt war, sei Fischer zu den Matrosen in den Marstall gekommen, habe sich sehr ungehalten über seine Zurücsehung geäußert und die Matrosen gefragt, ob sie hinter ihm ständen. Vor drei bis vier Wochen habe Fischer in einer Versammlung in der Chausseestraße gegen die Regierung gesprochen. Während dieses Brozesses habe er, der Zeuge, Fischer im Gerichtsgebäude getroffen, ehe derselbe vernommen war. Da habe Fischer zu ihm gesagt, er, Fischer, jei jetzt stellungslos, aber er habe eine Stellung bei der Regierung in Aussicht, wo er von niemandem abhängig und sein eigener Herr sei. Er werde seine Beugenaussage so einrichten, daß er sich die Aussicht auf diese Stellung nicht verscherze.
Donnerstag, 12. Juni 1919
fundgebung, welche Ebert zum Präsidenten der Republik ausrief, während gleichzeitig der Versuch gemacht wurde, den Vollzugsrat zu verhaften. Das sei ein Fall, der besonders gravierend zeige, daß militärische Stellen ihre Hände im Spiel hatten. Auch bei dem Matrosenkonflikt am 23. und 24. Dezember sei der Scheidemann und Landsberg hätten ohne Wissen der Volksbeaufgroße Einfluß des Militärs unverkennbar gewesen. Ebert, tragten der Unabhängigen an die alten Militärs den Befehl ge= geben
mit Kanonen gegen die Matrofen im Marstall vorzugehen. Dadurch sei der Weg der Verständigung, der schon beschritten gewesen sei, verlassen worden. Man habe die Matrofen durch Gewalt zur Uebergabe zwingen und den Autoritätsstandpunkt zur Geltung bringen wollen. Die Dinge hätten sich dann immer mehr zugespikt, die Unabhängigen hätten verlangt, daß der Zentralrat als Kontrollorgan der Regierung über die Dezembervorgänge gehört werden solle, was dann auch geschehen sei. In dem nur aus Rechtssozialisten bestehenden Zentralrat jei eine starke Strömung gegen das Verhalten von Ebert, Scheidemann und Landsberg vorhanden gewesen. Man sei geneigt gewesen, diese drei Volksbeauftragten durch andere Rechtssozialisten zu erseben, aber das habe den Unabhängigen nicht genügt, fie hätten gefürchtet, daß die Regierung auf dem einmal beschrittenen Wege der Gewalt weiter gedrängt wer den würde. Darum hätten es die Unabhängigen vorgezogen, aus der Regierung auszutreten.
Angeklagter Ledebour fragt den Zeugen, ob nicht der Vollzugsrat nach den Vorgängen am 6. Dezember beschlossen habe, Ebert seines Amtes als Voltsbeauftragten zu entsegen, weil die Soldatenkundgebung, die ihn zum Präsidenten ausrief, mit seinem Wissen und Willen standgefunden habe.
Nach einer Erörterung über die Zulässigkeit dieser Frage be schloß das Gericht, sie nicht zuzulassen, weil sie Beweggründe des habe bereits als wahr unterstellt, daß nach der Ueberzeugung des Handelns des Angeklagten betreffe, aber nicht Tatsachen, die mit den Strafhandlungen in Zusammenhang stehen. Das Gericht Angeklagten der Volksbeauftragte Ebert die Demonstration der Sol baten am 6. Dezember veranlaßt habe. Auf die objektive Wahrheit dieser Ueberzeugung komme es nicht an.
Zeuge Dr. Meher sagt: Als ich mit Ledebour zusammen auf der Kommandantur eingeliefert wurde, gab der damalige Stadtkommandant Klawunde auf unsere Frage die Auskunft, er wisse nicht, wer unsere Verhaftung veranlaßt habe. Er habe sie nicht veranlaßt, feines Wissens auch keine Behörde. Wir verlangten unsere Freilassung und Feststellung der Namen der beiden Herren, die als Führer der Soldaten unsere Festnahme ausgeführt hatten und von denen der eine als Oberleunant angeredet wurde. Klawunde weigerte sich, dies Verlangen zu erfüllen. Er sagte, er tenne die beiden Herren nicht. Ich sagte dagegen, einer derselben habe einen von Klawunde unterschriebenen Bassierschein, wonach der ihn als Vizefeldwebel Matuschka ausweise. Es fiel mir auf, daz, als wir in das Auto gebracht werden sollten, Matuschka und der Oberleutnant wie im Einverständnis sich anlächelten. Ich verlangte deshalb, mich mit der Reichskanzlei telephonisch zu verbinden, aber das wurde verweigert. Man wollte uns ohne militärische Begleitung zurüdfahren lassen, was wir aber ablehnten. Darauf sagte Klawunde, er habe es ja gleich gesagt, daß wir besser täten, die Nacht in der Kommandantur zu bleiben. Er wies uns dann ein Zimmer an. Nach einiger Zeit fam ein Herr, der uns aufforderte, ihm zu folgen. Auf Ledebours Frage, ter er fei, antwortete der Herr, er sei der Stadtkommandant Reutnant Fischer. Wir wurden nun aus der Kommandantur nach dem Kronprinzenpalais gebracht. Die Soldaten, die uns auf Diesem Wege begleiteten, berhielten sich ganz anders als die, die uns nach der Kommandantur gebracht hatten. Diese benahmen sich durchaus anständig Unsere Begleiter nach dem Kronprinzen palais aber schimpften auf uns und äußerten, die Kerle müßte man gleich niederschießen. Die Soldaten gingen nicht, wie es sonst bei Transporten üblich ist, neben uns, sondern in einiger Entfernung hinter uns. Aus einer Aeußerung Fischers entnah n ich, daß man damit rechnete, wir würden einen Fluchtversuch machen und dann würde man uns niederschießen. Als Ledebour Fischer fragte: Wozu sind wir denn hier?", antwortete Fischer: Verhandelt wird nicht, hier wird nur gehandelt." As Ledebour bormittags gegen 10 Uhr verlangte, freigelassen zu werden, weil er an den Verhandlungen in der Reichstanzlei teilnehmen müsse, fagte Fischer: Sie werden hier festgehalten. Wenn ein Angriff auf die Kommandantur gemacht oder etwas zu Ihrer Befreiung unternommen werden sollte, dann werden Sie Beide erschossen." Ich hatte den Eindruck, daß das Vorgehen gegen uns auf eine fand sich Fischer, als er seine Aussage machte, nicht in einem hatte, fragte der Angeklagte Ledebour den Zeugen Dittmann, ob Angeklagter Ledebour : Wenn das richtig ist, dann beNachdem der Vorsitzende den Ablehnungsbeschluß verkündet Vereinbarung zwischen Fischer und der Regierung zurückzuführen Amt. Er hat ja auch gar nicht davon gesprochen. Erst der Staats- bie Angabe der B. 3." richtig sei. Zeuge Dittmann antwortet, jet. Auf eine Frage des Angefl. Ledebour antwortet der anwalt hat es ihm suggeriert, daß er Beamter und zur AmtsverZeuge:„ Der als Oberleutnant angeredete Herr, der uns festnahm, schwiegenheit verpflichtet sei. Ist es so, wie der Zeuge Füllbrandt morgens aufgestanden und von da an jederzeit im Reichstage zur Jit die Angaben seien falsch, Ledebour ſei am 9. November um 6 Uhr führte einen von Fischer unterschriebenen und wie ich glaube jagte, dann hat Noste tein Recht, die Vernehmung Fischers zu unauf den Namen Jörgens lautenden Ausweis bei sich. Später habe tersagen. Die Frage Fischers an die Matrosen, ob sie hinter ihm Verfügung gewesen, er habe auch mit den wegen Uebernahme der ich erfahren, daß Jörgen gar nicht Oberleutnant war, sondern ständen, könne nur so aufgefaßt werden, ob er auf die Matrosen verhandelt. Vertrauensstellung bei der Regierung hatte und Einzelheiten rechnen könne, wenn er etwas gegen die Regierung unternehme. Ledebour überreicht die B. 3." einem seiner Verteidiger mit aus der Waffenstillstandskommission, die zu seiner Kenntnis ge- Der Mann, der sich hier rühmte, die Matrofen am 6. Januar für den Worten:" Das ist der Dank dafür, daß ich dem Menschen( ge= kommen waren, in die Presse gebracht hat. Die Soldaten, die die Regierung gewonnen zu haben, suchte sie kurz darauf zu einer meint ist Wels. Red.) das Leben gerettet habe. mich aus meiner Wohnung geholt hatten, habe ich gesprochen Bewegung gegen die Regierung zu gewinnen, sobald er aus dem während ich mit ihnen allein war als Ledebour aus seiner Woh- Amt entlassen war. Das ist sehr wertvoll zur Charakterisierung rung geholt wurde. Sie wußten nichts von dem Zweck unserer Fischers. Festnahme und sagten, fie handeln auf Befehl. Ich hatte den Eindruck, daß die Soldaten eigens zu unserer Festnahme zufammengesucht waren, daß es Fischers Leute waren und daß Fischer unsere Festnahme veranlaßt hat. Die Soldaten können von sich aus gar nicht die Absicht gehabt haben, etwas gegen uns zu unternehmen, sie haben sich ja auch ganz anständig gegen uns berhalten.
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Ledebour bemerkt, die vom Zeugen Meher befundete Warnung Fischers vor einem Fluchtversuch habe gelautet: ,, Bei einem Fluchtversuch erfolgt fofort die Kugel." Die Warnung in dieser Form und unter de nderzeitigen Umständen sei höchst auffallend, denn der Weg von der Kommandantur nach dem Kronprinzen palais führte durch eine Reihe enger, mit schußbereiten Soldaten besetter Höfe, so daß es geradezu irrfinnnig gewesen wäre, hier an einen Fluchtversuch zu denken. Wenn es noch zur weiteren
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Die Amnestie.
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Nobelle von Emilia Pardo Bazan . Uebertragen bon H. Hesse.
Herr des Himmels, was für Geseze! Die Unmenschen, die sie gemacht haben, müßten am ersten damit bestraft wer den!" rief der entrüstete Chorus aus.
Leit?"
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Während der Beratungspause hatte der Angeklagte Ledebour die B. 3. am Mittag" erhalten, die im Anschluß an die beiläufige die Revolution verschlafen, ausführt, als Ebert und Scheidemann Bemerkung des Genossen Wels auf dem Parteitage, Ledebour habe am 9. November im Reichstage erschienen, um mit den Führern der Unabhängigen über die Besetzung der Regierung zu sprechen, fei Rebebour, der sich seit dem 8. november im Reichstage aufgehalten habe, in einem Zimmer des Reichstages schlafend gefunden worden. man habe ihn um 12 Uhr mittags getvedt und ihm mitgeteilt, daß die Republik ausgerufen sei.
Die weitere Verhandlung wird auf Donnerstag vertagt.
Groß- Berlin
Das Begräbnis Rosa Luxemburgs.
Kranzdeputationen der S. P. D.
nach den Gründen, welche die Unabhängigen zum Austritt aus dem Beuge Dittmann, Sekretär der U. S. P. D ., wird befragt Rat der Volksbeauftragten veranlaßten. Der Zeuge sagt im wesentlichen, die Unabhängigen seien in die Regierung eingetreten unter der Voraussetzung, daß das sozialdemokratische Programm verwirk licht werde. Das hätten die Mitglieder der Rechtssozialisten auch zugesagt, aber bald habe sich gezeigt, daß sie den tapitalistischen Der Vollzugsrat Groß- Berlin hat folgenden U. S. P.- Antrag Parteien und den Vertretern des alten Militärregiments Ronzessios bei Stimmenenthaltung der Mitglieder der S. P. D. angenommen: nen machten. Namentlich hätten sich die militärischen Einflüsse Der Vollzugsrat ersucht alle Kreise des werftätigen Bolles stark bemerkbar gemacht. Infolgedessen habe sich im Rat der Volks- der einem ruchlofen Verbrechen zum Opfer gefallenen Vorkämpferin beauftragten ein fortwährender stiller Kampf zwischen den beiden des Proletariats, Genoffin Rosa Luxemburg , durch eine allgemeine Barteirichtungen abgespielt, dem aber keine persönlichen, sondern Beteiligung an der am Freitag, den 18. Juni, stattfindenden Benur rein sachliche Gegensäße zugrunde lagen. Dann sei der Zu- erdigung die legte Ehre zu erweisen und gleichzeitig Protest gegen sammenstoß am 6. Dezember gekommen, das Schießen der Solda - alle Schandtaten der Reaktion zu erheben." ten auf Demonstranten in der Chausseestraße und die Soldaten
Die Aufwartefrau scheuerte gerade die Treppe. Als sie nun diese Prophezeiung vernahm, legte sie die grobe Schürze ab, und die aufgesteckten Röcke loslassend, ging fie fort wie im Traum, stumm und falt wie ein Steinbild. Wenn man aus den Häusern, in denen sie arbeitete,.nach ihr schickte, ließ sie sagen, sie wäre frant, obwohl in Wirklichkeit das, wis fie empfand, nur eine allgemeine Vernichtung bedeutete, die Ohnmacht, die Hand zu einer Arbeit zu regen.
Es gibt also keine Möglichkeit, Frau, keine Möglich- Welt erblickte, zählte sie die Kanonenschüsse, die dumpf in An dem Tage, da ein königlicher Sproß das Licht der ,, Er sagte, wir könnten uns trennen nach einem Ver- ihrem Geiste wiederhallten, und da ihr jemand sagte, es sei fahren, das man Scheidung nennt."
Und was nennt man Scheidung, Frau?" ,, Einen langen, langen Prozeß." Entmutigt ließen alle die Arme sinken. Prozesse die nahmen ja nie ein Ende, und es war noch schlimmer, wenn sie entschieden wurden, denn der Arme und Unschuldige verlor mit tödlicher Sicherheit.
,, Und dabei müßte ich noch obendrein beweisen, daß mein Mann mich mißhandelt!" fügte die Tagelöhnerin hinzu. O grausame Ironie der Worte!
Großer Gott, hatte dieser Unhold denn nicht ihre Mutter ermordet...? War das etwa keine Mißhandlung....? Und pfiffen es nicht die Spaten von den Dächern, daß er ihr mit dem Tode gedroht hatte.....?
Aber niemand war Zeuge der Drohung. Der Advokat fagt, daß man ganz klare Beweise haben muß!"
Eine wahre Revolte kam zum Ausbruch. Einige Frauen waren entschlossen, sagten sie, einen Tatbericht an den König selbst zu senden und um Revision des Gnadenaktes zu bitten, und jede von ihnen würde abwechselnd im Hause der Tagelöhnerin übernachten, damit die arme Frau ein bißchen Schlaf fände.
Zum Glüd tam am dritten Tage die Nachricht, die Amnestie sei nur beschränkt, und der Sträfling müsse seine
Ketten noch ein paar Jahre schleppen.
Die Nacht, die dieser Kunde folgte, war die erste, da Antonia sich nicht mehr mit weitaufgerissenen Augen im Bett aufrichtete und um Hilfe schrie.
nur ein Mädchen, feimte in ihr die Hoffnung auf, die Amnestie sei nicht so allgemein wie bei der Geburt eines Prinzen.
Warum sollte sich ferner die Begnadigung auf ihren Mann erstreden? Man hatte seine Strafe ja schon herab gesetzt, und es war ja ein schreckliches Verbrechen, das er begangen. Eine wehrlose alte Frau ermorden, die ihm in feiner Weise zur Last war, nur um ein paar elender Goldstücke wegen!
Die furchtbare Szene stand ihr wieder vor Augen. Wir sie denn überhaupt des Mitleids würdig, die Bestie, die mit so sicherer Hand den tödlichen Stoß geführt? Antonia entfann sich noch der großen Wunde, und es war ihr, als jähe sie das geronnene Blut noch zu den Füßen des Feldbettes. Sie schloß sich in die Wohnung ein und setzte sich auf einen Schemel am Kamin.
Bah, wenn man sie denn einmal töten wollte, war es schon besser, sich zu Tode zu grämen. Nur die klägliche Stimme des Kindes entriß sie ihrem Sinnen, ihrem Gebrochensein.
er tommt da?" Mutter, ich habe Hunger... Wer ist da an der Tür? Endlich an einem schönen sonnigen Morgen zudte sie die Achseln, raffte einen Back schmutziges Seug zusammen und ging zur Wäsche.
Nur langsam und wortkarg antwortete sie auf die herzlichen Fragen, die man an fie richtete, und verwirrt und ein wenig irr richtete ihr Blick sich auf den Seifenschaum, der ihr ins Gesicht spritte.
Als diese große Aufregung vorüber war, verging ein Jahr, und die arme Tagelöhnerin, die sich ganz ihren nied- Woher kam die unverhoffte Neuigkeit eigentlich gerade rigen Arbeiten hingab, fand die Ruhe wieder. Da eines in dem Augenblick, da Antonia die gewaschene und ausgeTages glaubte ein Dienstbote in dem Hause, in dem fie arbeitete, dieser blassen Frau, deren Mann im Gefängnis saß, eine Freude zu bereiten mit der Neuigkeit, daß die Königin in Hoffnung sei und gewiß bald eine neue Amnestie kommen würde.
wrungene Wäsche zusammenpadte und nach Hause gehen wollte? Hatte man sie in barmherziger Absicht erfunden? Oder war jenes geheimnisvolle Raunen unbekannten Ursprungs, das am Vorabend großer Ereignisse im Leben der Völker oder einzelner Menschen in der Luft liegt.....?
Die Fraktion der S. P. D. gab hierzu folgende Erklärung ab: Als Antonia es erfuhr, legte sie unvilltürlich die Hand aufs Herz und setzte sich auf die feuchten Steinplatten nieder: Wie, warhaftig? Er ist tot?" fragten die frühen Wäscherinnen die anderen, die erst später famen. a, Frauen."
Ich hörte es auf dem Markte!" Und ich im Laden!"
,, Und wer hat es dir erzählt?" Mir....? Mein Mann."
,, und deinem Mann?"
,, Der Bursche des Hauptmanns." ,, und woher weiß es der Bursche?" ,, Von seinem Herrn."
Hier genügte die Autorität. Niemand wollte es nach näher ergründen, und die Nachricht wurde für echt und wahr
erklärt.
Der Verbrecher gestorben, am Vorabend der Begnadi gung, bevor er den letzten Tag seiner verkürzten Strafe
erlebt!
Die Tagelöhnerin hob den Kopf, und zum ersten Male färbten sich ihre Wangen mit gesunder Röte. Der Quell ihrer Tränen brach hervor sie weinte vor Freude und niemand nahm daran Anstoß.
Sie war ja die Begnadigte, und ihr Jubel war berechtigt.
Immer reichlicher rannen die Tränen, und ihr Herz lebte auf, denn seit dem Verbrechen war sie wie bedonnert geblieben und hatte nicht zu sprechen vermocht.
Von ihrem Alpdruck befreit, atmete sie nun erlöst auf.
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An jenem Abend ging Antonia später als gewöhnlich nach Hause. Sie holte den Kleinen in der Kinderschule ab Renabe sich schon seit langer Zeit wünschte, und beide streiften und faufte ihm Brezeln und andere Näschereien, die der durch die Straßen und blieben vor den Schaufenstern stehet. Sie verspürten gar keinen Hunger und empfanden nur den einen Drang, in freier Luft zu atmen.... sich über das normale Leben, zu freuen, das sie nun wieder führen würden. Antonia war in einer wahren Berzüdung und bemerkte gar nicht, daß ihre Tür halboffen stand.
Ohne die Hand des Kindes loszulassen, trat sie in den Kleinen Raum, der ihr als Küche und zugleich als Wohnzimmer diente. Doch bestürzt wich sie zurüd, als sie sab, daß der Delleuchter schon angezündet war. Und da am Tische richtete sich eine dunkle Gestalt empor- der Schrei, der sich ihr auf die Lippen drängte, erstickte ihr in der Kehle. Er war es! ( Schluß folgt.)