Nr. 97.
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Vorwärts
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
Der Streik
der Bergarbeiter
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Dienstag, den 28. April 1891.
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Expedition: Beuth- Straße 3.
Die deutsche Presse war durch etwa fünfzig Berichterstatter
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beiter zerstören, und dem Bischen Koalitionsrecht der deut- lung der Bergleute des rheinisch- westfälischen Kohlenbeckens abschen Arbeiter den Garaus machen wollen. gehalten werden. Auch hier versteht man sich eben auf die Lokalabtreibung. Und der Staat der Beschützer der Schwachen"? Gegen 11 Uhr füllte sich der lange, schmale und niedrige Er hat sofort Partei ergriffen für die Herren Gruben- Raum mit Delegirten und zuschauenden Bergleuten. Bald war ist im rheinisch- westfälischen Kohlenrevier seit Sonntag Mor- besitzer, obgleich diese bekanntlich an der Spitze der er überfüllt, er faßt nur etwa 1000 Personen, und die Nachziggen allgemein. Die gestrige Bergarbeiter- Ver- Fronde" gegen die Reichsregierung sind. Sobald der ler mußten den Verhandlungen vom Garten aus an den offenen sammlung in Bochum , auf der sämmtliche Bechen jammlung in Bochum , auf der sämmtliche Zechen lassenkampf entfesselt ist, tritt regelmäßig, mit Elementar- Fenstern des Saales folgen. jenes Reviers mit einer einzigen Ausnahme vertreten gewalt, die wahre Natur des Klassenstaates zu Tage. Alles war in Bewegung, in der Unruhe vor der Ents waren, hat sich bei 274 Delegirten mit allen gegen fcheidung. Da setzte ein Delegirter dem anderen auseinander, eine einzige Stimme für den Streit entschieden. Oder müssen den Kampf allein ausfechten Wir können den Bergarbeitern nicht helfen-sie welchen Auftrag seine Belegschaft ihm mit auf den Weg gegeben und das wußten habe, dort wurden Beschwerden und Klagen ausgetauscht und die richtiger: für die Nothwendigkeit des Streiks. sie von vornherein. Unser Herz ist mit ihnen und unsere systematisch aufgereizt worden seien. Bedrückungen aufgezählt, durch welche die Kameraden fast Denn alle bekannteren Führer" ohne Ausnahme er besten Wünsche; und in diesem Moment können wir klärten auch noch auf der gestrigen Versammlung, daß sie unsere tiefe Sympathie nicht besser beweisen, als indem vertreten. den Streik mißbilligen müßten, aber daß sie es, bei der wir den Rath wiederholen, den ihnen auf der sonntäg- bürgermeister Bollmann und der Polizeikommissar Bernhardt erherrschenden Sachlage und Stimmung, für ein hoffnungs- lichen Versammlung alle Führer gegeben haben: Zur Ueberwachung der Versammlung waren der Oberloses Beginnen hielten, den Ausbruch verhindern zu wollen. schienen, ein früherer Wachtmeister von der Berliner politischen Gegen die ungeheuere Wucht seit Jahren aufgehäufter forderung, durch keine Maßregel, und handlungen wurden von einem amtlichen Stenographen des Ber ,, Laßt Euch durch durch keine Heraus- Abtheilung", der nach hier versetzt worden ist. Die Ver Erbitterung ließ sich nicht ankämpfen. kocht auch das Blut auf, zu irgend liner Polizeipräsidiums aufgenommen. Troz grimmigster Erbitterung sind die Bergarbeiter einer Gewaltthätigkeit, zu irgend einer bandes, Joh. Meyer- Bochum , die Versammlung mit der Punkt 11 Uhr eröffnete der Verbandskassirer des alten Vermit ruhiger, konzentrirter Entschlossenheit in den Kampf ungefeßlichkeit hinreißen! Die Feinde lauern Mittheilung, daß er die Verhandlungen felber nicht leiten könne, gegangen. Sie sehen und kennen die erdrückende darauf, daß Ihr Gelegenheit bietet, das rauchlose da er das Vergnügen habe, um 11/2 Uhr auf Strafappell Uebermacht, die ihnen gegenübersteht. Sie wissen- und Pulver" an Euch zu erproben und auf Euren zucken-( m. ist Pionier der Reserve) zu erscheinen.( Rufe: So wird's all ihre Führer ohne Ausnahme haben es ihnen gesagt, so den Leibern eine Schreckens herrschaft des gemacht!) wie die sozialdemokratischen Vertreter und Zeitungen es Kapitalismus aufzurichten Die weitere Leitung übernahm Bauer Weitmar. Er. ihnen gesagt haben, daß sie allein stehen, daß sie Aera des Sozialistengesetzes. schlimmer, als die vertagte die Versammlung zunächst auf zehn Minuten. Während auf keine Unterstützung zu rechnen haben, und daß dieser Zeit wurde der Saal geräumt und die Delegirten einzeln Alles gegen fie vereinigt ist. Aber es war Ihr Euren Interessen und dem Klasseninteresse Eurer ftimmungen möglich, und verhindert, daß sich Zuschauer ohne " Ihr seid Männer und werdet nicht vergessen, was nach den Schächten aufgerufen und in einem bestimmten Theile des Saales gruppirt. Nur so wurde Uebersicht bei den Abtein Halten mehr. Lieber Kampf ohne Aussicht auf Sieg Arbeitsbrüder in Deutschland und der ganzen Welt Mandat an den Abstimmungen betheiligten. als diese Bedrückung und Quälerei und Schinderei ohne schuldig seid!" Es wurde festgestellt, daß alle Schächte des rheinisch- westEnde. Wie für den Körper, so giebt es auch für die Seele einen Punkt, wo die Fähigkeit des Empfindens auf- ausdehne. Es wird jedoch kaum zu vermeiden sein. Wir wollen hoffen, daß der Streik sich nicht weiter fälischen Kohlenbeckens mit Ausnahme des Schachtes" Westfalia" Dortmund vertreten waren, der in derselben Zeit eine Beleg hört, wo Furcht und Schmerz nicht mehr vorhanden sind: schaftsversammlung abhielt. Außer diesen 274 Delegirten von Jedenfalls offenbart sich in diesem Bergarbeiter- 166 Schächten waren als Vertreter anderer deutscher Kohlendie Gefahr schreckt nicht mehr, das Furchtbarste läßt Streit die ganze Ungerechtigkeit und Unvernunft der bezirke noch anwesend: Warten- Saarbrücken , Thomégleichgiltig. In einen solchen Seelenzustand sind die herrschenden Gesellschaftsordnung. Wird derselbe auch aller Artenwald, Reckenwald Altenwald, Ottens rheinisch- westfälischen Bergleute durch Jahre raffinirtester menschlichen Berechnung nach den Arbeitern und ihrem ein Vertreter des Braunkohlenreviers in der Provinz Sachsen . Wurmrevier, Reichelt- Altwasser( Schlesien ) und Tortur versetzt worden. Die 130 000 Bergleute des guten Rechte nicht den Sieg bringen, so wird er doch in ein Bertreter des Braunkohlenreviers in der Proving Sachsen. Ruhrbeckens die größere Hälfte verheirathet- In das Bureau wurden gewählt: Bauer- Weitmar, erster, fehen Sie weitesten Kreise die Erkenntniß tragen, daß eine Gesell- Warken- Saarbrücken, zweiter Vorsitzender, Siegel- Dortmund, die Noth, das Elend, das ihrer und ihrer Familien harrt, schaftsordnung, die derartige Früchte zeitigt und so erster, Otten- Wurmrevier, zweiter Schriftführer. allein in ihrer dumpfen Verzweiflung sind sie unempfind- himmelschreiendes Unrecht duldet und züchtet, mit der lich für das Schreckliche. Humanität und Zivilisation sich nicht verträgt, Wie schwer ist an diesen Männern gesündigt worden! und beseitigt perden muß, je eher je besser.
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Welche Summe des Unrechts und der Bedrückung gehörte dazu, um einen solchen Seelenzustand zu erzeugen, einen solchen Entschluß zur Reife zu bringen.
Das Gerede von den„ aufhezzerischen Agitatoren" muß hier verstummen. Während die„ Agitatoren", und namentlich die Sozialdemokraten, wie Ein Mann abmahnten, stehen die Hetzer", die verbrecherischen Urheber dieses Streiks leiblich und greifbar vor uns im hellen Lichte der Sonne: es sind die Herren Grubenbesizer, die sich die Taschen füllen, das bischen Organisation ihrer" Ar
Feuilleton.
Nachbruc verboten.]
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Die Falkner von St. Vigil. Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol von Robert Sa, weichel.
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Der rheinisch- westfälische Bergarbeiterstreik.
Unser Berichterstatter, den wir zu der entscheidenden
Nun konnte in die Tagesordnung eingetreten werden. Zunächst verlas der Borsitzende folgenden Brief, den die belgischen Kameraden an die Versammlung gerichtet haben:
Charleroi , den 24. April. Werthe Kameraden! Aus den Zeitungen haben wir erfahren, daß es bei Euch zu einem partiellen Streit gekommen ist. Wir sind für einen großen Streit, wenn Belgien und Deutschland bei sammen sind. Wir bitten um sofortige Nachricht, was Ihr heute beschließt. Wir haben am 26. d. Mts. in Charleroi Versammlung. Wenn der Generalstreit ausbrechen sollte, so werden wir solidarisch auf Eurer Seite stehen und Euch auf jede denkbare Weise unterstützen. Es lebe die internationale Solidarität!
Defuisseaux."
Delegirtenversammlung nach Bochum geschickt hatten, schreibt uns: Bochum , 26. April 1891. Nicht wie ursprünglich bestimmt im Schüßengarten", sondern Der Brief wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, dann der Wirthschaft von Philipps mußte die Delegirtenverfamm- ergriff Siegel das Wort:
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Ambros suchte sich seinen Bedarf an Brettern aus und diesem und dem Vater und bestellte an sie von Ambros belud damit den Handschlitten, den er vor der Thür hatte Grüße, obgleich ihm keine aufgetragen waren. Der armen stehen lassen. Afra sah ihm durch das Fenster zu, wie er Lisei that es wohl, mit ihm von ihrem Bruder und Stafi, ab und zu ging; aus ihren Mienen war die Entmuthigung, die er sehr lobte, sprechen zu können, und sie hielt ihn für die ihr nur kurz vorher Thränen ausgepreßt hatte, einen guten, treuherzigen Menschen. Wie hätte sie denken verschwunden und an deren Stelle ein gewisser Trotz ge- können, daß er unterdessen nur auf eine günstige Gelegentreten. Jerg, der mit den Knechten beschäftigt war, die heit paßte, um den Schmied unschädlich zu machen. Um Baumstämme von den Schlitten zu werfen, rief Ambros die Abneigung der Vigiler gegen Wolf zu schüren, dazu laut bei seinem Vornamen an. Ambros möchte auf ihn bedurfte es keiner großen Geschicklichkeit, und jetzt bot die " Jetzt schau, wie gut es die Weiber haben," lachte der warten, er sei gleich fertig und wolle ihn ein Stück Weges neue Getränksteuer Jerg eine feste Handhabe. Die VerAlte, Ambros die Hand schüttelnd. Da muß ich draußen das begleiten. Ambros entschuldigte sich, daß er keine Zeit theuerung von Wein und Schnaps verursachte in ganz schlechte Wetter ertragen und mich ärgern, daß es der hätte. Er mochte nicht seinen beladenen Schlitten ziehen, Tyrol böses Blut und überall kam es in den Trinkstuben Schnee den Pferden so schwer macht, und derweilen sitt während Jerg neben ihm her bummelte. Dieser und die zu tumultuarischen Auftritten. Auch in denen Mutschleitner's meine Frau hier im Trocknen und Warmen und ist ver- Knechte hatten ihre Hebel, auf die sie gleichzeitig mit aller und des Bäckers. Es hätte nicht viel gefehlt und die Er gnügt mit Dir. Jetzt will ich's aber auch so gut haben." Kraft drückten, unter einen Stamm gesteckt. Der Baum bitterung hätte sich gegen die Wirthe gewendet, obgleich diese Er breitete seinen nassen Mantel über das Ofengestänge rollte in den Schnee und Jerg fagte:" Da liegt er!" Er unter der neuen Steuer und den damit verbundenen und ließ sich behaglich an dem Tische nieder. Ambros lachte, indem er Ambros nachsah, der sich mit seinem be- Scheerereien zunächst und zumeist litten. Das Verdienst des sollte sich zu ihm sehen und schwätzen. Dieser verspürte ladenen Handschlitten entfernte. In seinen Gedanken war es jungen Arigaya war es, daß der Sturm unschädlich an dazu jedoch wenig Luft und brachte sein Geschäft zur Sprache. Ambros, der da lag. ihnen vorüberbrauste und sich ein anderes Opfer suchte. " Freilich, freilich, ein junger Ehemann hat immer Gile, Seitdem er das Zusammentreffen seines besten Freun- Aber Jerg besaß eine so große Bescheidenheit, daß er Nienach Hause zu kommen," scherzte der Müller. Ich kann's des" mit dem Klosterbauer in der Kirche beobachtet hatte, mand sein Verdienst ahnen ließ. mir denken, daß Deine Frau schon sehnsüchtig nach Dir aus- stand es bei ihm fest, Lisei zu seiner Frau zu machen, nicht Es war am Sonnabend, wo die Leute wie gewöhnlich schaut. Gelt, Müllerin?" Er sah nach seiner Frau, indem weil er jetzt auf eine größere Mitgift hoffen durfte, sondern einen frühen Abend machten und ihren Wochenlohn in der er das linke Auge halb zudrückte. weil er darauf rechnete, an Ambros' Stelle zu treten. Er Tasche hatten. Lechner arbeitete noch. Seine muskulösen belustigte sich an der Vorstellung, was Ambros für ein Ge- nackten Arme führten den wuchtigen Schmiedehammer ſicht machen würde, wenn der Jerg eines Tages als Kloster wie spielend, und jeder klingende Hammerschlag lockte bauer aus den Fenstern des stattlichen Gehöstes schaute? einen Sprühregen von Sternen aus dem weißglühenden war er langweilig? War er ein Affe? Jetzt lohnte es Eisen auf seinem Ambos. Der Feuerschein der Esse lag der Mühe, sich ernstlich um Lifei zu bewerben, und wo sich auf seinem berußten Gesicht und seiner gelben Löwenmähne. Wieder lachte er herzlich, stand auf und führte Ambros eine Gelegenheit bot, näherte er sich ihr als Freund Plötzlich rief der kleine Bursche, der den Blasebalg zog: in den Holzschuppen neben der Mühle. ihres Bruders, bedauerte das Zerwürfniß zwischen Meister, schaut Euch um; da sind Leute!"
Wie kann ich denn das wissen?" fragte Afra kurz. " Boyz Tausend!" lachte er." Wie lang' ist's denn her, daß wir verheirathet sind? Nun fich Einer! Am Ende hältst Du mich gar für einen alten Mann, nach dem es nicht mehr lohnt auszuschauen?"