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Nr.358.36.Jahrg.

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Telegramm- Adreffe: Sozialbemotrat Berlin".

Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

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Die achtgespaltene Nonparetegeffe Loftet L20 Maleine Anzeigen", bas fettgedruckte Bort 50 Bfg.( auläffts 3 fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 25 Big. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen bas erste Bort 40 Bfg jedes weitere Bort 20 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50% Familien Anzeigen. politische und gewertschaftliche Vereins Anzeigen 1,20 ML die Belle. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 5 Ahe nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin G 68, Simbenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr frith bis 5 Uhr abends

NO

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Morinplay, Nr. 15190-15197.

Mittwoch, den 16. Juli 1919.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplah, Nr. 117 53-54.

Agrarier gegen Landarbeitertarife.

Stralfund, 15. Juft.( Eigener Drahtbericht des Bor- Verhandlungen über die Gestellungen von Streiks in der Landwirtschaft.

wärts") Die Melbung bürgerlicher Blätter, bas ber General. #reif in Borpommern in Zusammenhang siche mit einer

waren

Arbeitern in Versailles .

Zu allem Unglüd, das über Deutschland hereingebrochen ist, drohen jetzt noch in vielen Teilen des Reides Streits der Bandarbeiter, die das Einbringen der Ernte, auf die das darbende Volf hofft und wartet, gefährden. Wenn die Ernte nicht in die Scheuern gebracht werden kann, wenn sie, allen Witterungseinflüssen ausgefeßt, auf den Feldern liegen bleibt, dann müssen unermeßliche Werte und die ein­fadten Garantien für den Fortbestand der physischen Eristenz des deutschen Volkes zugrunde gehen. Streits der Land­

Stadtverordnetenfiuung in Stralsund , ist falfch. Der General- Berlin, 15. Juli. ( Teleunion.) Wie die deutschen Delegierten fireik hat seine Ursache in bem provokatorisch verhängten Belage aus Berjailles mitteilen, find die Verhandlungen bisher von seiten rungszustand über ein ganz ruhig gewefenes Land. Die Ursache der Alliierten durchaus in fonzilianter Form geführt worden. Sa zur Berhängung des des Belagerungszustandes überlich bestehen sie aber auf der genauen Durchführung sämtlicher triebene Meldungen des Landrats von Franz Baragraphen. Besonderes Gewicht legen sie auf die baldige Stel burg. Der ftellvertretende Regierungspräsident Geh. Reg.- Rat lung bon freiwilligen Arbeitern für den Wiederaufbau. Auf die von Winkelmann hat in Umgehung aller Justanzen, und selbst des Schwierigkeiten, die die Stellung von solchen freiwilligen Arbeitern Oberpräsidiums, bas Generalfommande des 2. Armeekorps ersucht, Deutschland verursachen würden, wie dies von den deutschen Dele­gierten auch zum Ausdrud gebracht purbe, fönne nicht eingegangen ben Belagerungszustand zu verhängen. Die ganze Bes werden. Der Vorsigende der französischen Abordnung erwiderte, völkerung einschließlich vieler Behörden siebt daß Deutschland alles tun müsse, die für diese Zvede benötigten arbeiter bedeuten aber nicht nur große Verluste an Feld­darin eine ein feitige Barteinahme zugunsten Arbeiter zu stellen. Ferner wurde von den Antierten bei der deut­ber bis auf die Zähne bewaffneten 2andbarone. fchen Delegation dahin gewirkt, die nötigen Schritte für die im Der Magiftrat der Stadt Stralsund hat gemeinsam mit Friedensvertrage vorgesehenen deutschen Kohlenlieferungen zu ber organisierten Arbeiterschaft, die in den General- benanlaffen. streit getreten ist, beraten. Die Nahrungsmittelversorgung ftocht. Alle Betriebe, auch die Wasserwerte, stehen fill. Die Arbeiterschaft forbert die Abfegung des Regierungspräsidenten, bie Suspendierung aller fchuldigen 2andbräte, bie sur Rechenfchaft gezogen werben follen, bie Aufhebung des Be. lagerungszustandes und bic sofortige Buräd.

siehung allen fremben Militärs. Der Magiftrat

ist diesem Antrag beigetreten. Telegramme in diesem

Die französischen Genossen lehnen ab!

früchten, sondern auch an anderen landwirtschaftlichen Pro­duften. Die ganze Bichhaltung, Viehpflege und Fleisch produktion muß durch spontane Arbeitseinstellungen auf dem Lande erschüttert und gefährdet werden.

Die industriellen Streifs treffen uns darum so hart, weil jeder Streittag ein verlorener Produktionstag ist, und meil wir so arm geworden sind, daß wir nicht eine Produk­Der Nationalansschuß gegen Ratifizierung. tionsstunde entbehren können. Notwendiger als indu­Baris, 15. Juli. Der Nationalausschuß der Sozialisten strielle Produkte, soweit diese nicht zum unmittelbaren Ein­beschloß mit 1420 gegen 54 Stimmen bei 501 Stimmenent- tausch gegen Lebensmittel bestimmt sind, ist aber die haltungen, die Ratifizierung des Friedensvertrages abzulehnen. Sicherstellung des für die Ernährung der Von Sozialisten durfte ein anderer Beschluß nicht er- Bevölkerung notwendigen. Wir stehen wartet werden. Befremdlich bleibt nur die hohe Zahl der Rande unserer Lebensmittelreferben, und nur die Fredit­

Stimmenenthaltungen.

Arbeiteraktion in Norwegen .

Sinne find an alle in Betracht kommenden Behörden abgegangen. Die Arbeiterschaft ist ganz ruhig. Nichts ist vorgekommen. Aber fie ist zu allem entschlossen. Die Lage ist aufs höchste gespannt. Es wird bringend ersucht, daß unverzüglich die geforderten Aspenhagen, 15. Juli. ( Eigener Drahtbericht des Bortearts".) Maßnahmen getroffen werden, da souft das schlimmste unvermeid. Die norwegische Arbeiterpartei und die gewerkschaftliche Landes­lich ist.

Die Wahrheit über den Laudarbeiterstreif. Unsere pommerschen Genoffen protestieren auf das schärfte gegen die Berhängung des Belagerungszufiandes anläßlich des Landarbeiterftrcits. Die Schuld trägt nur der großagrarische pom mersche Landbund, der jeden Berfuch zu einer tariflichen Einigung smischen Befißern und Landarbeitern in der schamlofesten Weise bintertrieb. Eine Konferens der Kreistagsabgeordneten, Stadtver ordneten und Gemeindevertreter der S. B. D. faßte in Stralsund folgende Entschließung:

,, Die besonderen Verhältnisse Pommerns mit der noch immer bominierenden Junkerherrschaft erfordern auf das brine gendste die baldmöglichste Ernennung eines neuen Regierungs­präsidenten für unseren Bezirk und die Neubesesung aller Land­ratsämter, da hier nur tatkräftige Sozialdemokraten in Frage Tommen dürften."

In Anklam ist ber Generalftreit ausgebrochen. Foft elle Be­triebe find ftillgelegt, bis auf das Wasserwert.

organisation haben gestern gemeinsam einen Aufruf an die nor wegischen Arbeiter erlassen, am 21. Juli, an dem Tage, an dem die Arbeiterpartei der Entente in einen Generalstreit eintrete, gleich­falls eine Rundgebung der Arbeitseinstellung zu veranstalten. Es sollen Massenbersammlungen in ganz Norwegen abgehalten werden. Es heißt in dem Aufruf, daß das Biel sei: 1. unseren Einspruch gegen die schädliche Verlegung des freien Selbstbestimmungsrechts der Völker seitens der Entente durch den Einfall in Rußland zu befunden; 2. unserer eigenen Regierung eine ernste Warnung zu erteilen, daß auch fie sich in feiner Weise an der feindlichen Haltung der Entente gegen das neue Rugland beteiligen darf; 3. die Arbeiter zu einer machtvollen Kundgebung für folgende Forderungen zu bereienen: gerechte Wahlordnung mit sofortiger Neuwahl, vollständige Auflösung des Militärwesens und Sozialisie rung des Wirtschaftslebens.

Die Weltorganisation der Nahrungsmittel­versorgung.

Wie der Streit zustande tam. Weiter erfahren wir über den Streit: Die Brennpunkte ber ganzen Bewegung liegen in der Provinz Pommern. Ueberall Amerika gegen den englischen Vorschlag. bort, mo den berufenen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerberbänden Saag. 15. Juli( 6. N.) Amerila habe bem britischen Plan die Bildung paritätischer Schlichtungsausschüsse möglich gewesen ist, die die Festsetzung von Tarifverträgen zwischen beiden zu erledigen der Organisation der Nahrungsmittelversorgung noch nicht zuge stimmt und. werde dazu auch nicht geneigt sein, denn die Ameri­hatten, haben Streits bisher nicht stattgefunden. In der Probing faner wollen nicht länger als notwendig einen Teil der Verant Bommern ist durch den Bommerschen Landbund die Bildung von wortung ber europäischen Angelegenheiten tragen oder Europa in Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden hintertrieben worden. amerikanischen Angelegenheiten einen Einfluß einräumen. Der Hierdurch ist naturgemäß einer fommunistischen Agitation für einen Lebensmittellontrolleur Robert teilt mit, die Regierung habe be Bandarbeiterstreit der Boden bereitet worden. In den meisten folofien, das Lebensmittelamt feine Arbeit fortfegen zu laffen, um Fällen ist die Grundlage der Forderungen der vom Landwirtschafts- während des Winters Vorräte. Breife und Berteilung der wichtigsten ministerium aufgestellte Mustertarifvertrag, der den örtlichen Ver. Lebensmittel zu regeln. Brot, Fleisch, Fett, Milch, Butter, Marga hältnissen angepakt wurde. Daß es zum Streit gekommen ist, liegt rine unb Gier follen bierbei eingeschloffen sein. Robert hofft jedoch. meist an den Arbeitgebern, die durch ihr Verhalten das daß eine Beschränkung des Konjums und Biedereinführung des Bustandekommen eines Tarifvertrages bereitelt haben. Die Bes Rationierungssystems nicht notwendig sein werbe. enbigung der Streits ist in sehr vielen Einzelfällen bereits nach

wenigen Stunden, durch Verhandlungen erzielt worden, nur selten waren Tage zur Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeit nehmern notwendig. Bon einer Bedrohung der Ernte durch die Streits kann nicht die Rede sein.

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mäßige Zufuhr ausländischer Lebensmittel vermag uns noch vor dem Schlimmsten zu behüten. Kommt in erheblichen Teilen des Reiches die Ernte nicht berein, so werden wir es das ganze Jahr an unseren Nahrungsmittelportionen spüren, und viele Menschen werden an den Folgen davon im Laufe der Zeit bis zur nächsten Ernte zugrunde gehen müssen. Erntestreit ist unmittelbare Lebensgefahr für unser Bolt. Schon jegt erreichen uns Meldungen von Streifs in der Landwirtschaft. An diesen Meldungen mag viel Tendenz sein, viel Geschrei, das die landwirtschaftlichen Grundbefizer nur darum erheben, um zu alarntieren. In den von diesen Streifs betroffenen Gegenden steht die Ernte noch bevor. Aber die Gefahr von Bandarbeiterstreiks darf darum doch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nach Mel­dungen, die seit Wochen bei uns einkaufen, steht fest, daß politische Agenten der Tintsradifalen Areise unter der Landarbeiterschaft für die Gefährdung der deut­ schen Ernte wirken, um durch die Erschütterung unserer Nah­rungsmittelversorgung außerordentliche Notzustände und da mit die Grundlage für innerpolitische Unruhen zu schaffen. Gegen solche Elemente muß eingeschritten werden.

Aber es ist unrichtig, die Streitgefahr in der Land­wirtschaft mur unter dem Gesichtswinkel der politischen Heze zu betrachten. Die Landarbeiterschaft befindet sich tatsächlich in wirtschaftlichen Verhältnissen, die eher alles andere als rosig sind, und die dringend einer Verbesserung bedürfen. Die Bandarbeiter sind vielfach auf Deputat, d. h. auf Entlohnung in natura gestellt. Durch die Zwangsbewirt­shaftung der landwirtschaftlichen Produktion aber kann ihnen nur der Teil an Produkten ausgegeben werden, der der amt­lich festgesetzten Station entspricht. Der reftliche Teil muß ihnen zu den gefeslichen Höchstpreisen in Geld ausgezahlt werden. Die dadurch an den Bandarbeiter fallen­den Geldbeträge sind aber durch die viel stärfere Verteuerung der industriemäßig hergestellten Lebensbedürfnisse: Kleider, Schuhwerf, Genußmittel, viel zu gering, um die begründeten Bedürfnisse befriedigen zu können.

Es muß also eine höhere Geldentlohnung für die Landarbeiterschaft gefordert werden, wenn ihre Existenz Kundgebung des italienischen Ministers Nitti in erträglichen Grenzen gehalten und wenn ihre Arbeits­freude und ihre bekannte Arbeitswilligkeit nicht gefährdet Einigkeit der Alliierten, Gewalt gegen innere Unruhen. werden sollen. Was nügt es dem Landarbeiter, wenn er auf Rom , 15. Juli. Nitti sprach in der Kammer über die dem Papier viele Bentner Kartoffeln, eine große Menge auswärtige Politit und billigte die Ausführungen Tittonis. Roggen, so and so viel Liter Milch und andere schöne Sachen Gelöschen des ofipreußischen Landarbeiterstreits. leber die Ergebnisse der Pariser Konferenz erflärte er, daß erhält, wenn ihm in Wirklichkeit aber nur das zur Ernährung Berlin , 15. Juli. Aus Mohrungen in Ostpreußen die Grenzen im Norden bekannt seien und daß die Regierung Nolvendige gegeben wird, und wenn er mit dein nach den erfahren wir: Der Streit ist erloschen; er hat etwa acht Tage alles tun werde, um gegen Umtriebe zur Trennung der Höchstpreisen festgesetten Wert der beschlagnahmten Produkte gebauert und erftpedte fich auf etwa 70 Ortschaften. Alliierten zu kämpfen; sie werde, wenn nötig, gegen die Presse sich Industrieartikel faufen soll. Die Getreidepreise sind nach Die Forderungen waren in den verschiedenen Ortschaften mit den schärfften Mitteln vorgehen. Von dem geplanten ben jezigen Erhöhungen gegenüber den Friedenspreisen un ganz verschiedener Natur. 3. B. wurde in einzelnen der Streit am 20. und 21. Juli fagte Nitti, die italienischen Ar- etwa 100 Bros. geftiegen. Die Industriewaren aber find ums Streif damit motiviert, daß zuviel Aufsichtsbeamte vor- beiter hätten dazu am wenigften Anlaß. da fich Italien weder mehrfache teurer als in früberen Beiten. Die Landarbeiter. handen seien. Es wurde eine Teuerungszulage gefordert gegen Ungarn , noch gegen Rußland beteiligt habe. Es feien schaft leidet an Bekleidungsstücken und Haushaltungsgegen­während der Ernteperiode. Ueber diese Forderung wird alle Mehnahmen getroffen, um Unruhen im Reime zu erständen weit mehr Not, als irgendeine andere Arbeiter zwischen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sticken.

in Königsberg noch verhandelt. Es ist in einzelnen Fällen auch zu Ausschreitungen gekommen, indem diejenigen, die Streit der New- Yorker Werftarbeiter. fich dem Streit nicht anfchlichen wollten, verprügelt worden Haag, 15. Juli. Aus New Dort wird gemeldet: Das Schiff find. In einzelne Gutshöfe wurde eingedrungen und Bor- fab samt hat sich vergebens bemüht, den Streit der Werftarbeiter räte dabei entwendet. zu berhindern. Der Streil ist heute ausgerufen worden

fategorie Deutschlands .

Wenn den Landwirten jegt eine 33prozentige Erhöhung der Getreidepreise zugesprochen worden ist, so bedeutet das für die größeren und Großgrundbefizer, beren Grund und Boden meist seit vielen Jahren schon in ihrem Besiz ist, eine Erhöhung der Grundrente, die sie nicht einfeitig