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Nr.360.36.Jahrg.

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Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplay, Nr. 15190-15197.

Parteigenossen!

Donnerstag, den 17. Juli 1919.

Der 21. Juli.

Wilder Generalstreik in Stettin .

Kommissare mit weitgehenden Vollmachten in Pommern . Stettin , 16. Juli. Der hente ausgebrochene General.

Der Parteivorstand hat durch Rundschreiben vom 7. Juli die Parteiorganisationen aufgefordert, Versammlun- treit ftellt sich als eine I eberrumpelung der Arbeiter gen und Demonstrationen großen Stils vor­zubereiten.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 117 53-54.

Die Bahn ist frei.

Von Richard Lohmann.

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Der Kampf um die Schule im neuen Deutschland burch die Unabhängige Sozialdemokratie bar. Eine ist durch die in Weimar getroffenen Vereinbarungen heute nachmittag abgehaltene Bersammlung des Aktionsausschusses mit dem Zentrum zu einem vorläufigen Abschlusse ge­Es gilt, dem Treiben der Reaktionäre ent- der Mehrheitsfozialisten, an der Vertreter aller Gewerkschaften teil- kommen. Es ist ein bedeutsames Zeichen für die geistige Reife gegenzutreten, die die durch den Krieg so drückend trizitätswerten Ste Arbeit sofort wieder auf- materieller Not und der brennenden Sorge um die Zukunft nahmen, beschloß, daß in den Gas-, Waffer- und Elek- unseres Volkes, daß dieser Kampf auch in den Tagen größter gewordene Lage in verleumderisch- demagogischer Weise für genommen, im übrigen aber der Streit fortgesetzt werden solle, unseres Vaterlandes nicht nur die Zünftler, sondern auch die ihre Parteizwede auszunügen suchen. Es muß dem Volke bis eine auf morgen Bormittag einberufene Bersammlung der Berbreiten Massen unseres Volkes in Erregung zu sehen und in zum Bewußtsein gebracht werden, daß die Revolution als trauensleute des Wahlvereins weiter beschließen wird. Die Bet- Atem zu halten vermochte. Hüben und drüben wußte ein elementares gesellschaftliches Ereignis die unausbleib- tungsverleger haben beschlossen, die Zeitungen vorläufig nicht er jeder, was auf dem Spiele stand. zu lassen. Der Oberpräsident und der Zentralarbeiterrat liche Folge der Kriegspolitik der ehemals herrschenden der Brovinz Pommern haben sich telegraphisch an die Minifterien Klassen war und daß diese allein die Schuld an dem politi- gewandt und um Aufhebung des Belagerungszustandes über Bom­schen und wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Volkes mern gebeten. tragen. Berlin , 16. Jult. Die Preußische Staatsregierung hat foeben Ebenso muß der katastrophalen Politik der Una b- bes Innern und kreczinski vom Kriegsministerium über beschlossen, die Unterstaatssekretäre Dr. Meyer vom Minifterium hängigen und Kommunisten entgegenge- Stettin nach Stralfund als Kommiffare mit weit treten werden, die, wie gebannt auf die baldige Weltrevo- gehendsten Vollmachten sofort zu senden, um an Ort und lution hoffend, durch putschistische Aktionen und General- Stelle in Stralsund die Ursachen des Landarbeiterstreiks zu prüfen streiks der allmählichen Gesundung unseres Wirtschafts - find die Kommiffare in die Lage verfekt worden, den Belagerungs­und möglichst Abhilfe zu schaffen. Nach Prüfung der Berhältnisse Lebens, dem sozialistischen Aufbau eines neuen demokrati- zustand über Stralsund evtl. aufzuheben und den Arbeitszwang zu schen Deutschlands unausgesett hindernd in den Weg treten. beseitigen. Am 21. Juli protestieren die Sozialisten Frankreichs , Englands und Italiens gegen den gewalttätigen Imperialismus der Entente. Der deutsche Imperialismus liegt vernichtet am Boden, der Kampf der Entente geht und ging gegen Deutschland , als das Land, in dem der sozialistische Aufbau der Gesellschaft unter demo­fratischer Einwirkung des ganzen Volkes sich vollziehen soll. Wir fordern unsere Parteiorganisationen entsprechend der ihnen zugegangenen Weisung auf, die Aktion unserer Genossen in den Ländern der Entente mit der unseri­gen zu vereinen und sie zu einer Kundgebung aller Sozialdemokraten Europas zu gestalten. Es lebe die Demokratie! Es lebe der Sozialismus! Der Parteivorstand.

Zentralisierung des Steuerwesens. Beschlüsse der Finanzministerkonferenz. Karlsruhe , 16. Juli. In der Sitzung des badischen Haus. haltausschusses am 15. Juli machte Finanzminister Dr. Birth über die Konferenz der Finanzminister der deutschen Gliedstaaten folgende Mitteilungen:

Ausbreitung des Stettiner Generalstreiks.

Auch die Eisenbahner ausständig. Stettin , 16. Juli. In einer heute abgehaltenen Versamm lung der Eisenbahner von Stettin wurde beschlossen, sich dem Gene­ralstreik anzuschließen und einen Aktionsausschuß einzusehen, der transporte fortgeführt werden, dagegen foll der Güter- und Per­das nötige veranlaffen soll. Es sollen nur einige Lebensmittel sonenverkehr aufhören.

( Weitere Nachrichten auf der dritten Seite.)

braucht man vor politisch Mündigen nicht viel Worte zu Ueber die Notwendigkeit einer Verständigung machen. Eine neue Regierungsfrisis, eine Desperado- Politik unserer Partei hätte neue Wirrungen, neues, unübersehbares Unglück über unser Vaterland heraufbeschworen. Und doch die Weltanschanmgsparteien sind wie teine andere sonst, in mußte es für uns in diesem heißen Ringen zweier Parteien, diesem Ringen um wertvolle und unerfeßliche Kulturgüter eine Grenze des allenfalls möglichen Entgegenkommens geben: wir mußten uns die Möglichkeit sichern, unsere pro­verfassungsmäßig festgelegten Rahmens der neuen Schule grammatischen, fulturpolitischen Forderungen innerhalb des durchzuführen; wir mußten darauf bestehen, daß der Damm niedergerissen würde, den die Schuile bisher der inneren Be­freiung des Bolles, der freiheitlichen Erziehung der Jugend entgegentürmte; mir mußten die Gewähr haben, Schulen gründen und weiterbilden zu können, die Geist von unserem Geiste sein sollen und sein werden. Wenn uns schon der erste Schritt auf dem Wege zur Schule der Zukunft nicht die welt­liche Einheitsschule und die Erfüllung unseres sozialistischen Erziehungsideals bringen konnte, so mußte wenigstens die Bahn dafür frei sein.

Ist diese Mindestforderung durch das Kompromiß er­reicht? Drei Punkte in der neuen Vereinbarung bedeuten einen ganz wesentlichen Fortschritt, bedeuten die Erreichung des hier gekennzeichneten Zieles und haben darum unseren Partei­genossen die Zustimmung zu dem Kompromiß ermöglicht. Dazu gehört vor allem die nunmehr festgelegte Anerken­nung unserer Programmforderung der weltlichen Schule durch die Reichsverfassung. Es besteht die Freiheit, durch Beschluß der Erziehungsberechtigten, d. h. der Eltern, also letzten Endes des Volkes selbst, überall die beraltete konfessionelle Schule durch die weltliche zu ersetzen. Jeder 3wang ist nunmehr gefallen. Der neue Staat will ihn weder nach der einen, noch nach der anderen Richtung hin ausüben.

Amerika und der Friedensvertrag. Wilson selbst mit seinem Werk unzufrieden. Amsterdam , 16. Juli. Telegraaf" zufolge erklärte Wilson in feiner Rede, die Mitglieder der Friedenskonferenz hätten dauernd versucht, ihre Interessen den Grundsätzen anzupassen, über die man übereingefommen war. Diese Aufgabe sei furchtbar schwierig gewesen Der Friede sei unmöglich, ohne daß die Ordnung der Dinge in Mitteleuropa nach eigenem Recht geregelt, und eine neue Ordnung geschaffen werde, die fich auf die freie Wahl der Wölfer fichen Grenzen gefunden werden Deutschland habe seine Kolonien gründe Bei der Bildung dieser neuen Staaten konnten teine natür­Damit ist für uns, für die Umgestaltung der Schule im abtreten müssen, da es sie nicht verwaltet, sondern nur ausgebeutet Sinne unserer programmatischen Forderungen die Bahn in Es soll die Gesetzgebung über sämtliche Steuerquellen nur habe, ohne den Rechten der Eingeborenen Rechnung zu tragen dem Reiche zukommen, und die erzielten Einkommen sollen nach Haag, 16. Juli. Aus New York wird gemeldet: Nach Mit der Tat frei. Es kommt jezt alles darauf an, daß die Eltern, einem noch aufzustellenden Schlüssel zwischen dem Reich, den Ländern teilungen aus Wilfons engster Umgebung betrachtet Wilson selbst das Volk selbst von den ihnen verliehenen Rechten, von ihrer und Gemeinden, unter Berüdsichtigung der Lebensnotwendigkeiten den Frieden als schlecht. Er hoffe, daß der Völkerbund den Frieden Freiheit auch den richtigen Gebrauch machen. Für uns bleibt aller Beteiligten, verteilt werden. Die gesamte Finanzverwaltung schaffenheit die Macht, die dazu notwendig ist. Deshalb muß auch von uns stets verworfenen Zwangsmittel mit den Waffen berbessern mürde. Aber dem Bund fehlt in seiner jegigen Be- es also nach wie vor die wichtigste Aufgabe, an Stelle aller der Abgaben soll von einer 8entralstelle einheitlich ge- ber Wölferbund verbessert und geändert werden. Dies könne aber des Geistes, mit unermüdlicher Aufklärungsarbeit der leitet werden. Nach Auffassung des Finanzministers bedeutet nur gefchehen, wenn es Regierungen gäbe, die bereit seien, dabei um bildung unserer Schule allüberall den Weg zu diefes Verlangen der Reichsregierung das größte Dpfer, das man mitzuwirken. Diese Regierungen gäbe es aber im Augenblid nicht, bereiten. den Bundesstaaten zumuten tönne. Das Reich beabsichtige, die die meisten seien zu konservativ. Deshalb wäre es nötig, in ver In den weltlichen Schulen ist fortan auch der Bundesstaaten in einem noch zu bestimmenden Umfange an den schiedenen Ländern Regierungen zu bilden, die freisinniger als die Religionsunterricht fein ordentlicher Lehr­Erträgnissen gewiffer Steuern, wie Einkommensteuer und Erbschafts - jezigen find. steuer teilnehmen zu lassen. Die Bundesstaaten hätten dann Wilson. Wir müssen ihm das Recht absprechen, sich zu beklagen, neue Kompromiß einen ganz erheblichen Fortschritt gegen­Die ich rief, die Geifter, werd' ich nun nicht los," feufzt genstand mehr. Gerade in diesem Punkte beedutet das noch Gelegenheit, besondere Ertragssteuern oder etwa die Vergnügungssteuer für sich auszubauen, sofern das ist es doch sein Verhalten gewesen, daß diese konservativen Regie. über dem ursprünglichen, noch mit den Demokraten gemein­Reich auf die bereits eingebrachte Vorlage einer Vergnügungssteuer rungen" die Macht über Europa gegeben hat. Gespannt kann man sam geschloffen. Waren sie es doch, ide Demokraten, verzichte, damit die finanzielle Selbständigkeit der Gemeinden im fein, wie er die freisinnigere" Gestaltung dieser Regierungen durch- die entgegen dem Willen der gesamten frei. wesentlichen beseitigt wird. Sie werden der strengen Aufsicht der ben Clemenceau und Lloyd George gegenüber machtlos ist? Den tung des Religionsunterrichts eintraten. Und es ist ein leicht führen will. Ist er nicht endlich zur Einsicht gekommen, daß er heitlich gesinnten Lehrerschaft für die Beibehal Bundesstaaten hinsichtlich ihrer Ausgaben unterworfen. mahren Völkerbund, Herr Wilson, werden wir erst bekommen, wenn zu durchschauendes Manöver, wenn die demokratische Presse Der Finanzausichuß des bayerischen Landtages, der sich mit das Proletariat der Welt seine Geschide in die eigenen Hände ge- unter Führung des Berliner Tageblattes" die Lehrerschaft diesen Plänen beschäftigte, verfaßte eine Entiließung, die nommen hat. Neugierig muß man auch sein, wie die Ausbeuter nun gegen die Sozialdemokratie als Verräterin" heßen den Fraktionen zur Beratung vorgelegt werden foll, in der gegen Indiens , die Mörder tausender Iren- und Burenfrauen und möchte. Die Lehrer sollen es aber wissen, daß die Beseitigung die Reichsfinanzverwaltungspläne Brotest eingelegt wird, da sie finder die Rechte der Eingeborenen" wahrnehmen werden. des Religionsunterrichts, die Möglichkeit einer weltlichen den Untergang der politischen Selbständigkeit der Einzelstaaten be­deuten. Die bayerischen Abgeordneten in Weimar müßten sich ge­Schule von der Sozialdemokratie erreicht worden schlossen hinter die bayerische Regierung stellen. ist gegen den Willen der Demokraten. Und noch in einem anderen Punkte geht das neue Rom­promiß bedeutend über das von den Dematraten Sugestan­dene hinaus: Wurde bisher für die Befreiung eines Schülers vom Religionsunterricht eine besondere Willens­erklärung der Eltern verlangt, so wird nunmehr die Teil­na hme daran von dieser Willenserklärung abhängig ge­macht. Wer die Macht der Tradition und die Angst der meisten Eltern vor solchen Erklärungen" kennt, wird den grundfäßlichen Unterschied zwischen der alten und der neuen

werden, wie nachstehende Meldung zeigt: Der Friedensvertrag wird wohl von Amerika doch ratifiziert

Haag, 16. Juli. Der Manchester Guardian" erfährt aus Netp Bürgerstreik in Stralsund . York , daß in der Wallstreet fich eine Stimmung für die Ratifi zierung des Friedensabkommens bemerkbar mache, die von den Stralsund , 16. Juli. Heute mittag 12 Uhr ist die Bür Senatoren, die die Ratifizierung verhindern wollen, direkt als ge gerschaft in den Abwehrstreit eingetreten. Sämtliche Ge- fährlich angesehen wird. Diese Senatoren sind von befreundeter schäfte und Bureaus wurden geschlossen. In dem Landarbeiterstreit Seite bereits darauf aufmerksam gemacht worden, daß es besser haben heute vormittag neue Berhandlungen zwischen dem Senatoren eine Gefeßesvorlage zur Vornahme einer strengen Unter­Arbeiterverband und dem pommerichen 2andbund fuchung der Kriegsgewinne durchdrücken würden. Man hofft, daß bies der Oppofition der Finansleute ein Ende machen werde

begonnen

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