Nr.370.36.Jahrg.
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Dienstag, den 22. Juli 1919.
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Nach den Tumulten.
Die Enttäuschung.
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nationale geben. In ernster geistiger Arbeit, in eindrin- ring mich durchaus zur Verfügung stelle, im übrigen mich vor gendem gegenseitigem Verständnis und in Bruderliebe, statt Gewalt nicht fürchte, sondern mich nur für ihn und seine Genossen in Bruderhak. schäme. Darauf ließ man mich passieren.
Dann werden die Tage nicht fern sein, an denen der unabhängige Nebel fällt und die Sonne der internationalen Solidarität aufs neue und stärker als vorher leuchtet. Die Tumulte im Gewerkschaftshause.
Grich Ruttner
Bir müssen auch einmal aussprechen was ist: Die Hoffnung, Bon den Unabhängigen wurde behauptet, daß der Revolver Daß das Proletariat der ganzen Welt sich am 21. schüße ein in Uniform befindlicher Postschaffner, der sich zur MehrJuli wie ein Mann zu einer gewaltigen Demonstration gegen heitspartei bekannte, gewesen sein sall. Der Bericht der Frei. den Schmach- und Vergewaltigungsfrieden von Versailles erbeit selber gibt zu, daß der traurige Revolverheld ein ande. beben würde, hat sich nicht erfüllt. Außer in Italien ist es in rer Mann gewesen ist, von dem ich selbst gesehen habe, wie ihm feinem der zur Entente gehörigen Großftaaten zu irgendeiner auf dem oberen Treppenpodest der Revolver abgenommen wurde. Das Schuldgeständnis der Freiheit". nennenswerten Demonstration, gefchweige denn zum GeneralDieser Mann aber gehörte zu den Versammlungssprengern. Wahr Ms Referent der Versammlung im Gewerkschaftshaus er ist nur, daß einige der unabhängigen Hezer, um die Schuld von streit gekommen. England und Fransreich haben völlig versagt. Was nügt es dem gegenüber, wenn sich die deutschen Prole. fläre ich: tarier von den Unabhängigen in einer Anzahl Städte In ihrer heutigen Morgenausgabe versucht die Freiheit" bie fich abzuwälzen, nachher der Menge den Briefträger als den zum Generalstreit haben treiben lassen? Wir Deutschen sind unglaublichen Robeitsszenen, die gestern von ihren Anhängern im Schuldigen bezeichneten, und baß diefer völlig unschuldige Manu nun einmal bei Gewerkschaftshaus aufgeführt wurden, taum noch zu bemänteln. von der aufgehezten Menge barbarisch verprügelt wurde. das muß offen ausgesprochen werden diejer Demonstration das wertloseste Glied, weil es für die Was sie zur Entschuldigung, schreibt, ist absolut hinfällig. Opfer eines Gewaltfriedens wirklich kein Verdienst bedeutet, Bunächst heißt es in einer allgemeinen Betrachtung der Freiheit" gegen die riederdrückenden Bestimmungen zu demonstrieren. über die Versammlungssprengungen: Wir sind ja die, auf deren Stimme man nicht gehört hat. Das deutsche Proletariat fönnte sozusagen Bäume ausreißen vor Wut und Entrüstung, dadurch würde der Frieden doch um kein Saar anders. Es hatte also gar keinen 3wed, wenn das deutsche Proletariat sich bei dieser Demonstration in den Vordergrund drängt, indem es seine verzweifelte Lage durch den Gene zafftreit noch verzweifeltar gestaltete. Es genügte vollfommen, menn es nach dem Plane der Mehrheitspartei handeln, durch eine Rundgebung ohne Arbeitseinstellung den Brüdern jenseits der Grenzen die Sympathie ausgedrückt hätte mit dem Buruf: Wir fühlen mit euch, wir reichen euch über die Grenzen die Sand, aber wir sind ohnmächtig, nur ihr fönnt es schaffen, nur ihr könnt die imperialistischen Beherrscher der Welt auf die Knie zwingen." Eine solche Sprache wäre allerorten verstanden worden
„ Soweit die Redner der Nechtssozialisten fachlich sprachen, wurden fie ruhig angehört. Als sich einige jedoch zu Provokationen der Versammlungsteilnehmer der Verjammlungsmehrheit hinreißen ließen, tam es zu stürmischen Unterbrechungen, die schließlich in mehreren Fällen die Redner zivangen, ihre Vorträge vorzeitig abzubrechen."
Sierzu tonstatiere ich: Ich habe im Gamerfschaftshaus, soweit ich im Tumult zu Wort tommen fonnte, auch nicht eine ein. sige probotatorische Aeußerung getan. Meine Ausführungen bestanden einzig und allein darin, daß ich die Versanumlungsteilnehmer zur Ruhe beschwer und ihnen flar zu machen, ber fuchte, wie wenig ein Bruderkampf des Proletariats der Bedeutung und dem zwed des Tages entspreche. Hierauf antwortete allerdings ein Teil der Radaumacher mit höhnischem Gelächter!
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Zu der Schießerei erhalten wir noch von anderer Seite Mits teilung darüber, daß der mißhandelte Postbeamte, der von Ver sammlungsteilnehmern beschuldigt wurde, geschossen zu haben, hierfür nicht in Frage tommt. Er selber wurde, auf dem Podjum stehend, von Bierfeibeln getroffen, die ihm mehrere Kopfwunden verursachten. Die Personen, die ihn zur Bache führten, untersuchten ihn sogleich auf Waffen, fanden aber nichts bei ihm vor.
Der 21. Juli im Reich.
Kiel , 22. Juli. ( Eigener Srahtbericht des Vorwärts".) Hier ist der gestrige Tag durch vollkommene Arbeitsruhe begangen worden. Die Vertrauensleute sowohl unserer Partei als auch die der Unabhängigen hatten entsprechend einstimmige Be Die Freiheit" schreibt nun allerdings, die Versammlung habe ichlüsse gefaßt, denen restlos Folge gegeben wurde. Alle Werften, mich speziell nicht hören wollen, weil ich einer der wüfteften Kriegs- Fabriken, alle Verkehrsmittel, Dampfer, Straßenbahnen waren stillBerdienst, eine moralische Tat bedeutete der General- heber" gewesen sei. Diefer verleumderische Vorwurf ist schon ein- gelegt, alle Bäden, Geschäfte blieben geschlossen, nur die Gastwirte streif mur in den Ländern des Sieges, wo er sich mal in der Freiheit" von Dr. Rudolf Breitscheid gegen onnten bis 2 Uhr mittags arbeiten, um den Betrieb in den Kriegsgegen die triumphberauschten Imperialisten und Weltbe mich erhoben worden. Ich habe daraufhin Beweise verlangt und füchen und Krantenhäusern sicherzustellen. An der Kundgebung herricher gerichtet hätte. Aber gerade dort ist ein vöi Dr. Breitscheid aufgefordert, aus den während des Krieges unter unserer Partei, die in einem riesigen Demonstration 3- liges Berjagen zu fonstatieren. Die französischen Ge- meinem Namen veröffentlichten Schriften und Artifeln mir auch 8 uge und einer Maffenbersammlung unter freiem Himmel bestand, noffen hatten den Generalstreik von vornherein auf ein rein nur eine einzige friegshegerische Aeußerung nachzuweisen. Herr beteiligten sich etwa 10 000 Personen; an der Kundgebung der Unwirtschaftliches Gleise geschoben, in ihrem Generalstreifs- Breitscheid hat darauf nur geantwortet, daß er sich nicht die abhängigen beteiligten sich etwa 3000-4000 Perfonen. Die Kunda beschlug stand nichts vom Versailler Frieden. Dagegen Mühe genommen habe, meine schriftstellerische Tätigkeit zu gebungen fanden getrennt statt. Am Grabe der Revo. genügte ihnen eine drohende Geste Clemenceaus, um den verfolgen Ich richte heute an die Freiheit" zum zweitenmal die Tutionsopfer vom 3. November wurde von unserer Partei ein Streit abzusagen. In England ist es erst gar nicht erst öffentliche Aufforderung, ihre niederträchtige Berleumdung zu bes riefiger Strana niedergelegt. Alle Veranstaltungen verliefen ohne zum Generalftreitbeschluß gekommen. weisen. Dabei will ich aber bemerken, daß andere Unabhängige ieben störenden 3wischenfall So haben denn nur die Unterlegenen geallerdings meine schriftstellerische Tätigkeit während des Krieges sehr streift, nicht die Sieger. Eine etwas peinliche at- genau berfolgt haben, indem unabhängige Blätter- wie fache, für die ursprünglich auch der Zentralvorstand der Un- 3. B. das Hallesche Boltsblatt" mit besonderer Vorliebe abhängigen Verständnis gehabt hat, als er nach München die Anweisung gab, nicht zu streiken, denn die Verhältnisse in den Ententeländern träfen für Deutschland nicht zu. Die ..Freiheit" bestreitet das zwar mit der Angabe, daß der Beschluß der unabhängigen Barteileitung schon am 15. Juli gefaßt worden sei, daß also das Münchener unabhängige Organ nicht am 17. Juli eine entgegenstehende Aufforderung derselben unabhängigen Parteileitung bringen könne. Die Freiheit" behauptet bann, im Gewerkschaftshause hätten Das ist kein Widerspruch.( Denn in dem ersten unabhän- die Unabhängigen die Mehrheit gehabt und deswegen das gigen Aufruf stand fein Wort von Arbeitsruhe.) Diese bat Bureau für sich beanspruchen können. Erstens war das schon für fich erst einige Tage später als unerläßliches Demonstrations. den Saal sehr zweifelhaft, und zweitens ging es im Gewertmittel eingefunden. Die unabhängige Parteileitung fann fchaftshaus ähnlich zu wie die Freiheit" von der Versammlung in fich also noch am 15. Juli sehr wohl gegen Streit aus- Riems est sälen mit zynischem Behagen feststellt. Sie schreibt gesprochen haben. Außerdem ist doch nicht anzunehmen, daß Das Münchener Blatt der Unabhängigen eine Aufforderung ihrer zentralen Leitung fälschen könnte. Mit dem Irrtum" der Freiheit" ist die Münchener Enthüllung also auch nicht aus der Welt geschafft.
meine Kriegsschilderungen nachdruckten, in denen ich als erster in Deutschland versucht habe, dem deutschen Volfe einen Begriff von dem wirklichen Aussehen des Krieges, von den unerhörten 2eiden und Strapazen des einfachen Sol. daten zu geben, in ähnlicher Weise- wenn auch mit geringerem schriftstellerischen Können wie Henry Barbusse in seinem berühmten Buch„ Le feu" in Frankreich.
darüber:
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Schon eine Stunde vor der festgesetzten Zeit hatten die Anhänger der U. S. P. sich zu Tausenden eingefunden und vor dem noch geschlossenen Lokal Aufstellung genommen. Als der Saal geöffnet wurde, war er im Augenblick bis auf den letzten Platz beseßt, wer später fam- und das waren der fand keinen Einlaß mehr. Tatsache bleibt, daß nur in Deutschland auf Veranlassung in der Mehrzahl Rechtssozialisten der Unabhängigen in einer Reihe von Industriestädten Teile Im Gewerkschaftshaus hatten die Unabhängigen zwar mit ihrer der Arbeiterschaft durch Arbeitsruhe demonstriert haben. In Schar nur einen Teil des Saals beseßen können, dafür hatten sich den Ländern der Entente marschieren die Massen der Völker ihre Sprengkolonnen hier auch schon zwei Stunden vor Versammnoch hinter den Fahnen der Sieger einher. Auch erhebliche lungsbeginn eingefunden. Ohrenzeugen haben dabei gehört, wie Teile der Arbeiterschaft. Das wird sich erst allmählich jene ganz ungeniert sich über die Sprengung der Versammlung ändern. Erst nach und nach ist die Internationale wieder verständigten. Diese war also von vornherein beabsichtigt. Mit dem aufzurichten. Es gilt zähe unermüdliche Arbeit. Es gilt, die Geständnis der Freiheit" ift der volle Beweis erbracht, daß bie moralischen und intellektuellen Verheerungen des Krieges all- Unabhängigen den Standal planmäßig herbeigeführt haben und mählich zu überwinden. Seute sind wir noch nicht so weit. daß fie die volle moralische Verantwortung für alles trifft. Man baut nicht in fünf Monaten auf, was fünf Jahre verwüstet haben.
München, 22. Juli. Der gestrige Tag ist in München voII. fommen ruhig verlaufen. Entsprechend den Beschlüssen der beiden sozialistischen Parteien wurde in allen Betrieben gearbeitet. Das Organ der Unabhängigen„ Der Kampf" tritt mit folgenden Worten noch einmal gegen den Streifgedanken auf:„ Wir können die Acbeiter in den Ententeländern nicht dadurch unterftüßen, daß wir uns inmitten rüdsichtsloser realtionärer Willkür mit einer bollkommen aus dem Rahmen der revolutionären Entwidlung in Deutschland gefallenen fonfusen und wirkungslosen Aktion gegen den Friedensvertrag von Versailles wenden, einer Aftion, die lediglich Wasser auf die Mühlen der Nationalisten und Chauvinisten treiben würde.
Wer hat gelogen?
Unabhängige Blätter beschuldigen einander der Fälschung. Die Freiheit" schreibt in ihrer heutigen Morgenausgabe:
Der Vorwärts" brudt aus unserem Münchener Parteiblatt " Der Kämpfer", vom 17. Juli, eine angebliche Zuschrift der 3entralleitung der U. S. P. D. ab, in der gesagt wird, daß eine Aktion der U. S. P. D. für den 21. Juli nicht beabsichtigt sei; ein Grund für einen Demonstrationsstreit liege nicht vor. Demgegenüber stellen wir fest daß eine solche Zuschrift unserer Parteileitung nicht erfolgt ist und nicht erfolgen konnte, da der Aufruf der Parteileitung, der zu der Kundgebung aufforderte, bereits am 15. Juli beschlossen war und im Morgenblatt der Freiheit" am 16. Juli erschienen ist. Damit beschuldigt also das Berliner Organ das Münchener Organ der Unabhängigen einer schier unglaublichen Fälschung. Denn wenn die Darstellung der Freiheit" richtig ist, so müßte das Münchener unabhängige Parteiblatt den Brief, der unabhängigen Parteileitung glatt erfunden, d. h. ge= Da verschiedene bürgerliche Blätter meine Verwundung in fälscht haben. Es ist ja bezeichnend, daß die Freiheit" ihr übertriebener Weise geschildert haben, so möchte ich hier feststellen, eigenes Bruberorgan einer solchen Handlungsweise für fähig hält, Will man aber an den Aufbau gehen, dann hat man sich daß ich in dem Trommelfeuer der Bierfeidel durch ein Wurfgeschoß aber wir urteilen hier doch milder. Wir glauben nicht, daß der borerst zu ber stehen. Nicht aber sich vorerst zu bekämp eine zwar start blutende, aber sonst unbedeutende Schnittwunde Brief gefälscht ist, sondern daß er egiftiert und daß die„ Freifen. Noch weniger mit Stublbeinen und Bieran meinem friegsverlegten Arm babongetragen habe. Einige der heit" nur nichts von ihm weiß. Die Beweisführung der gläfern auf den Andersdenkenden einzubringen, wie die radikalen Radaubrüder waren freilich mit diesem Erfolge nicht Fretheit" ist nämlich nicht stichhaltig. Der Brief der Parteileitung Unabhängigen es zur Weibe des Demonstrat onstages in aufrieden, denn als ich nach der Sprengung der Versammlung der U. S. B. ist in München am 17. Juli erst im Drud ver. Berlin getan haben. Sie haben durch ihre Gewalttoten dielen ohne Begleitung bas Gewerkschaftshaus verließ, fuchte auf der öffentligt worden, woraus tar hervorgeht, daß der Brief selber Zag geschändet, und sie werden an dieser Schande noch Straße ein besser gekleideter älterer Mann einen noch dort stehenden älteren Datums ist. Es wird doch schon notwendig sein, daß die fange und schwer zu tragen haben Haufen seiner Gesinnungsgenossen gegen mich zu hesen. Ich era un abbane Barteileitung felber sich zu der Sache Wir anderen wollen an den Wiederaufbau der Inter. Härte dem Feigling, baß ich für einen zweiten Fall Reu. äußert