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Nr.485.36.Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin .

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

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Die achtgespaltene Nonpareillezetle foftet 150 ML. Aleine Anzeigen", bas tettgedruckte Bort 60 Bfg.( zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 40 Bfg. Stellengefuche und Schlafftellenanzeigen das erste Work 60 Bfg.. jedes weitere Wort 30 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Teuerungszuschlag 50% Familien Anzeigen, politische und gewertschaftliche Vereins Anzeigen 1,50 ML. die geile Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhe nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr abends.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mortsplas, Nr. 15190-15197.

Montag, den 22. September 1919.

Die Lage in Wien .

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 117 53-54.

Schwadroneure als Betriebsräte

Ueber die Kohlennot in Wien erfahren wir folgende Schwere Wahlniederlage der Unabhängigen fünftigen Betriebsräte seßen sich rechtzeitig auf die Hosen und in Braunschweig .

Einzelheiten:

Die Lage hinsichtlich der Kohlenversorgung ist unber­

fönnen.

Entweder entwickelt sich das Rätesystem in unserer Wirt­fchaft zu einem Tummelplatz für Schwadroneure oder die zu­lernen in die Aufgaben hineinwachsen, suchen mit nüchternem Wirklichkeitsfinn die Dinge zu meistern. Es ist kein gweifel, daß um die Durchführung des Rätesystem& inner­ändert ernst. Am Sonnabend ist für die sämtlichen Bei den am Sonntag in Braunschweig , Wolfen halb der Arbeiterbewegung die leidenschaftlichsten Elektrizitätswerte ein einziger Waggon Kohlen büttel, Blantenburg, elmstedt und Bad Harz Kämpfe bevorstehen. eingetroffen, am Sonntag überhaupt keiner. Der Re- burg vorgenommenen Magistratswahlen haben, wie ferent für die Kohlenversorgung weilt zurzeit in Mäh die Braunschweigische Landeszeitung" berichtet, die una braditaler Seite sucht man die Gewerkschaften auszuschalten; Zwei Richtungen ringen miteinander. Bon links­risch- Ostrau zu Besprechungen über die Sicherstellung hängigen eine gänzliche Niederlage erlitten. In wir dagegen fönnen uns die Verwirklichung des Rätegedan­der Kohlenversorgung, bei denen natürlich die Wiener Kohlen- der Stadt Braunschweig wurde der bisherige Oberbürger- fens erfolgreich für die Arbeiterbewegung nur unter dem Ge­not den ersten Gegenstand der Beratungen bilden wird. Man meister gegen den Kandidaten der Unabhängigen mit über- fichtspunkt vorstellen, daß wir auf dem Boden der Ge­hofft, daß es gelingen wird, durch vorläufiges Abkommen wältigender Stimmenmehrheit wiedergewählt. Von fünf be- werkschaften weiterbauen. An dieser Stelle ist schon wenigstens in etwas der furchtbaren Kohlennot steuern zu foldeten Magistratsmitgliedern kommen die Unabhängigen wiederholt darauf hingewiesen worden, daß im Betriebs­gegen einen in aussichtslose Stichwahl, von sieben unbe- rätegese die Grundgedanken jener Forderungen ihre Seit Donnerstag rubt der Straßenbahnverkehr foldeten mit einem in Stichwahl und mit einem vielleicht zu Verwirklichung finden sollen, die von den Gewerkschaften schon vollständig und es besteht keine Aussicht, daß er auch nur in einem Sig. In Harzburg erhielt der ehemalige unab- immer umfämpft worden sind: Mitbestimmung am Arbeits­beschränktem Umfange wiederaufgenommen werden könnte. hängige Ministerpräsident Sepp Orter nur etwa 300 John, Arbeitsleistung und Arbeitsbedingungen. Die Auswer­Die Kraftwagen- und sonstigen Fuhrwerksbefizer nußen die tung des durch die Gewerkschaften organisatorisch geschulten Notlage der Wiener Bevölkerung in unverschämter Weise aus, Wo die Unabhängigen felber regieren mußten, da haben Menschenmaterials ist einfach nicht zu entbehren. indem sie Hunderte von Kronen für die einzelne fie in fürzester Zeit fürchterlich abgewirtschaftet. Untersuchen wir das Wirtschaftsfeld, in das die Fahrt verlangen. Für das Aerztewesen bedeutet die Braunschweig , 22. September. ( Eigener Drahtbericht des Betriebsräte für die Zukunft eintreten werden. 3wei ge­Einstellung des Straßenbahnverkehrs und die Unmöglichkeit, zu erschwinglichen Preisen Ersatzfuhrwerk aufzutreiben, einen Borwärts".) Das Wahlresultat für die Magistratsratswahlen in trennte Welten stoßen aufeinander: die kapitalistisch schweren Schaden. Die Regierung ist bemüht, die Kohlen- Deutschnationale 14 960, Deutsche Demokraten 11 683, Unabhängige ihrent reichen können tritt den Arbeitervertretern gegenüber, schweren Schaden. Die Regierung ist bemüht, die Kohlen- der Stadt Braunschweig stellt sich folgendermaßen dar: schaffende Bourgeoisie mit ihrer wirtschaftlichen Stabskunst und verhandlungen mit allen Mitteln zu einem schnellen und be­friedigenden Ergebnis zu führen, berhehlt sich jedoch nicht, 15 755, Mehrheitssozialisten 5350 Stimmen. In Wolfenbüttel die auf wirtschaftlichem Gebiet nicht auf der gleichen Höhe daß der Erfolg dieser Bemühungen nicht von Desterreich erhielten die Mehrheitssozialisten 1922, die Unabhängigen 1939, stehen. die vereinigten Bürgerlichen 3542 Stimmen. selbst abhängt, sondern von der Entente, deren Aufgabe es wäre, die Tschechen und Polen zur Innehaltung und

Erfüllung der ihnen im Friedensvertrag von St. Germain auferlegten Verpflichtungen zur Belieferung Defter­reichs mit Kohlen anzuhalten. Das gestrige Wiener Derby litt naturgemäß ebenfalls außerordentlich unter der Ein­stellung des Straßenbahnverkehrs.

Gegen d'Annunzio .

Stimmen.

Rücknahme geraubten Parteieigentums. Der Braunschweiger Boltsfreund" wieder mehrheits­sozialistisch.

Wie die Braunschweigische Landeszeitung" melbet, ist ber Bolksfreund", das Organ der Braunschweiger unabhängigen Sozialisten, in der vergangenen Nacht von den rechtmäßigen Eigentümern, den Braunschweiger Mehrheitsfosia. Die italienischen Sozialisten erheben schärfften Bro- listen, unter dem Schutz von Reichswehrtruppen in Besitz ge­test gegen das Abenteuer von Fiume. Die Parteileitung des nommen worden. Die unabhängigen Sozialisten hatten den Gewerkschaftsverbandes erklärt, die iesigen Ereignisse Bolksfreund" in der Revolutionsnacht im November vorigen feien eine Episode des großen Kampfes, den der italienische Jahres befest, obgleich die Zeitung nach der Spaltung ber alten Militarismus und die italienische Schwerindustrie zur Partei durch Gerichtserkenntnis den früheren Inhabern Behauptung ihrer Stellung führten. der Firma Rieke u. Co.( Mehrheitsfozialisten) sugesprochen wor­

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Das ist nicht unsere Schuld, sondern zunächst die Schuld der politischen Entwicklung. Der Arbeiter stand vor dent Wirtschaft. Wo er tatsächlich als Machtfaftor in Erscheinung Krieg rechtlich außerhalb jeder Mitarbeit in Politik und getreten ist( in der Wirtschaft z. B. durch die Tarifentwicklung erfolgreicher gewerkschaftlicher Rämpfe) mar es ein Resultat zäher organisierter Selbst hilfe. In die Gesetzgebung aber als gleichberechtigter Kontrahent war der Arbeiter nicht ein­gegliedert. Die Gründe brauchen hier nicht näher erörtert zu werden, die Ausnahmestellung der Sozialdemo fratie als politische Partei, der Herrenstandpunkt der Unternehmer und die Nachgiebigkeit der alten Re­gierung diesen Auffassungen gegenüber, die Tatsache z. B., daß furze Zeit vor dem Krieg unser verstorbener Genosse Seine­mann sein bekanntes Warnungssignal an die Deffentlichkeit fundgab, den Bogen nicht zu überspannen, als man auch die Gewerkschaften unter ein neues Ausnahmegesez bringen wollte, fennzeichnen die Entwicklung der Dinge. Die Verbitte­rung der Arbeitermassen, der Mangel an Gelegen­

Die italienische Regierung hat den Kommandanten der den war. 8. Armee Robilant feines Postens enthoben, weil er nicht recht- Braunschweig , 22. September. ( Eigener Drahtbericht des zeitig Maßregeln zur Abwehr des Sandstreiches auf Fiume er- Borwärts".) Im Laufe des heutigen Vormittags fanden mehrfachheit, praktisch an der Gestaltung von Wirtschaft und Politit griffen hat. An feine Stelle tritt der Admiral Gagni. Immer Ansammlungen von Arbeitslofen und U. S. P.- Anhängern vor mitarbeiten zu lernen, sind die Folgen jener Politik, die neue Truppenteile treten zu d'Annzunio über. Trot ber dem Gebäude des Bolksfreund" statt, weshalb dieses eine Besich gerade heute bitter rächt. Blockade wird Fiume von venezianischen äfen aus mit allem Nötigen versorgt. Gestern ist ein Eisenbahnzug mit Lebensmitteln dort angekommen. Heer und Marine in ihrer Mehrheit stehen zu d'Annzunio, der der Bewegung eine immer größere Ausdehnung zu geben sucht.

fazung von Reichswehrtruppen erhielt.

Abbruch der estnisch- russischen Friedens­verhandlungen.

Die

In einem Aufruf an die Venezianer bezeichnet d'An. nunzio fich als obersten Führer sämtlicher Truppen und Friedensverhandlungen in Pstow Schiffe in Fiume und fordert die Benezianer auf, fich ihm an- zwischen Estland und Sowjetrußland find abge­auschließen und das Joch der italienischen Regierung abzuschütteln. brochen worden. Die estnischen Delegierten fehrten nach Eine ähnliche Auforderung hat er auch an die Gesinnungsgenossen Reval zurück. Die Ursache hierzu ist die Forderung Est­in der Lombardei gerichtet. Gorriere della Sera" beschwört lands, gleichzeitig Verhandlungen zwischen den anderen d'Annzunio, von seinen Unternehmungen abzulassen, die zum baltischen Staaten und Rußland aufzunehmen. Die Bürgerkriege führen müßten. Verhandlungen werden nicht wiederaufgenommen werden, bevor nicht die Antwort dieser Staaten eingegangen ist.

Neue Streikbewegung der Pariser Transportarbeiter. Unter den Pariser Transportarbeitern ist eine neue Aktion im Gange. Sie fordern Gewährung einer Teuerung 8. zulage sowie Pension; Einschung eines Rates, welcher die Unfälle beim Metroverkehr beurteilt.

Die Verschleppung der Ratifikation. Ueber die Verschleppung der Friedensdebatte in der französischen Rammer macht der linksrepubli­fanische Lyoner Progres" folgende Bemerkung:

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Die estnische Preffe fagt zu der Rüdlehr der Friedens­delegation: Wir mußten in die Löwenhöhle geben, um uns zu überzeugen, wie ernst die bolichetistischen Friedenswünsche sind und was wir und unfere gegen die Bolichewisten fämpfenden Freunde vom Friedensangebot erwarten dürfen. Die estnische Delegation ging nicht, um sofort Frieden zu schließen, sondern um die Möglichkeit festzustellen und den Standpunkt Estlands und feiner Freunde darzulegen.

Ohne Zweifel besteht nirgendwo der Wille, nicht schnell Die Sowjet- Regierung zu Verhandlungen bereit. abzuschließen. Man wartet, wie es scheint, ab, bis der amerikanische Senat sich für oder gegen den Ver Aus Petersburg wird gemeldet, daß die Sowjet­trag entich eben habe, denn die Amerikaner schwanken. Aber Regierung beschlossen hat, mit den Ententemächten auf es leuchtet doch ein, daß unsere Langsamkeit dieses Schwanken der von diesen aufgestellten Grundlage in Berhandlungen ein­und Bögern nur berstärken fann. Aber alle verbündeten zutreten. Nationen haben schon ja gesagt, warum sollen wir es nicht

tun?

Lansing verlangt die Ratifizierung.

Aufhebung der Sommerzeit in Frankreich . Die Aufhebung der Sommerzeit in Frankreich wird auf den 4. bis 5. Of tober geplant.

Einstellung der dänischen Kriegsgefangenenfürsorge. Nach Aus New york wird drahtlos gemeldet: Der amerikanische jahrelanger jegensreicher Tätigkeit hat das dänische Rote Kreuz Staatssekretär Lansing hat erklärt, daß der Friedensvertrag ohne feine Arbeit auf dem Gebiete der Kriegsgefangenenfürsorge ein weitere Vorbehalte unverändert ratifiziert werden müsse. Es sei gestellt.

nichts im Vertrag, was im Widerspruch zu der Souveränität Ein fozialdemokratischer Senator. Der langjährige Getretär der Bereinigten Staaten stehe. Die ganze Welt rufe nach unserer& übeder Parteiorganisation, Genosse William Frieden und der amerikanische Patriotismus und das ganze Land Bromme, wurde in den Senat der Freien und Hansestadt rufe gleichfalls danach. Man habe bereits zu lange gewartet. übed gewählt.

Die wichtigsten Verhandlungsfragen der zukünftigen Be­triebsräte werden nun betriebswirtschaftliche Dinge berühren. Alle Lohnfragen, Produktionsvorgänge, Angelegenheiten der Arbeitsbedingungen im weitesten Sinne des Wortes, Preis- und Bilanzfragen machen es zur Vorausseßung, die Einzelheiten im Betrieb selbst genügend zu beherrschen. Und darüber kann fein Zweifel bestehen, daß zunächst auf absehbarer Zeit die wirklichen Sachkenner viel zahlreicher auf der Unternehmerseite bertreten sein werden.

Als Franz Mehring uns noch in jedem Spizenartikel der Neuen Zeit" die Weisheit predigte, daß die Bourgeoisie an innerlicher Kraftlosigkeit ihrem Zusammenbruch entgegeneile, fahen diejenigen, die sich im Wirtschaftsleben mit den Dingen praktisch auseinanderseßen mußten, wie fern dieser Zusammen bruch war. In den Geschäftsräumen der Unternehmerverbände fand ein wunderbar organisierter Erfahrungsaustausch statt, in den wissenschaftlichen Fachbereinen wußte man miteinander und boneinander zu lernen. Die kapitalistische Wissenschaft in den technischen Hochschulen und Handelshochschulen schuf die geistigen Arbeiter, die Bourgeoisie war durchaus noch nicht am Ende ihres Lateins angelangt, und darum sehen wir heute in diesem Lager eine Fülle von Intelligenzen und schaffenden Kräften, bie fähig find, wirtſchaftlich führende Arbeit zu Iziſten.

Bei der Gelegenheit ein Wort zu dem Wunderglauben von linksradikaler Seite an die Mitarbeit der Ange­ftellten. Ich will nicht bestreiten, daß es sehr darauf an­fommen wird, die Fähigkeiten und Kenntnisse der Angestellten, die neben den Arbeitern den Betriebsräten angehören werden, ertragreich zu verwerten. Aber werden die Angestellten hier in ziemlich großem Umfang nicht zuerst selbst Lernende sein müssen? Weite Kreise der Angestellten müssen sich erst einmal politisch und in ihrem wirtschaftlichen und fozialen Denken selbst hineinfühlen in die neuen Verhältnisse. Der politische Radikalisierungsprozeß ist erst während des Krieges und im Laufe der Revolution erfolgt, es fehlt jegt noch an der pupillarischen Sicherheit" des Urteils und es wäre mehr als optimistisch, wollte man sich auf eine gradlinige Stellungnahme zu den Fragen allzusehr verlassen. Dann aber auch wird es an den rein praktischen Rennt­niffen fehlen. Besonders wichtig ist die Entscheidung über betriebswirtschaftliche Angelegenheiten( Nachprüfung von Kal