Einzelbild herunterladen
 

Nr. 489.36.Jahrg.

Bezugspreis:

Bierteljährl 8,- ML, monatl. 8,- L frei ins Haus. voraus zahlbar Boft. bezug Monatlich 8- Mt. ertl 8u. ftellungsgebühr. Unter Kreuzband fült Deutschland und Defterretch- Ungarn 6.25 t, für das übrige Ausland 10 25 ML, bet täglich einmal 8uſtellung 8.25 Mt. Boftbestellungen nehmen an Dänemart Solland Luxemburg, Schweden u die Schwetz. Eingetragen in die Bost- Zeitungs- Breislifte Der Borwärts" mit der Sonntage beilage Bolt u. 8ett" erscheint wochen. täglich zweimal Sonntags einmal

Telegramm- Adresse:

Sozialdemokrat Berlin ".

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

Anzeigenpreis:

Seatgripaltene Ronparetezeile Beet 1.50 1. Aleine Anzeigen". bas fettgebrudte Bort 60 Bfg.( zulässig 8 fettgebrudte Borte), jebes weitere Wort 6 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 10 Bfg jebes weitere Bort 30 Bfg. Berte über 15 Buchstaben zählen für gwet Borte. Teuerungszuschlag 50%- Familien Anzeigen, politische und gewertschaftliche Bereins Anzeigen 1,50 ML. die Beile. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhe nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin 6% 68, Sindenstraße 8, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. wernivrecher: Amt Moritplas, Nr. 13190-15197.

Mittwoch, den 24. September 1919.

Das Friedensangebot Rußlands .

( Drahtbericht unseres Kopenhagener Korrespondenten.) Aus Helsingfors wird gemeldet: Die finnische Regie­rung wird das Friedensangebot der Bolsche wisten den Reichstagsfraktionen voricgen, den Reichstag jedoch nicht einberufen.

portarbeiterverband die Beteiligung am Streit abgelehnt, doch werden seine Mitglieder an der Arbeit verhindert. Auch die Fischbampferbesaßungen streifen. Der Verkehr im Hafen ruht fast völlig. Verhandlungen find im Gange. Heute mittag ift eine große Demonstration der Streifenden auf dem Rathausmarkt zu erwarten.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Sernbrecher: Amt Morigplag, Nr. 117 53-54.

Haltloses Schwanken.

Beginnende Einsicht und trampfhafte Versuche, eine Bolitik verfehlter Experimente zu stüßen, machen sich augen­blidlich in jener bürgerlichen Bresse geltend, die sich zurzeit meines Rüdtritts vom Amt des Wirtschaftsministers über­laut der Freude hingab, daß nunmehr wieder der freie Handel in seine alten Befugnisse eingesetzt werden würde. Die in den letzten zweieinhalb Monaten gemachten Erfahrun­gen reden auch eine gar zu deutliche Sprache. Wo wirklich volkswirtschaftliche Einsicht vorhanden ist, werden die Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen, wo sie fehlt und doch ein unwiderstehliches Bedürfnis zum Schreiben über volkswirt­schaftliche Dinge treibt, kommen geradezu mitleiderweckende ie aus Stettin gemeldet wird, ist dort heute morgen der Ergebnisse zutage. Nicht, daß die bessere Einsicht restlos die Tatsachen würdigen fönnte dem steht eine vorgefaßte Mei­Streit der Seeleute ausgebrochen. Wie aus Bremen gemeldet wird, ist daselbst unabhängig nung entgegen, aber es zeigt sich doch, daß die Erfahrun­vom Hafenarbeiterstreit gestern durch den Streit der Stra gen nicht ganz ohne Einfluß auf die Haltung der Presse vom Hafenarbeiterstreit gestern durch den Streit der trageblieben sind. Daß allerdings diese Erfahrungen der Bresse ßenbahner der gesamte Straßenbahnverkehr stillgelegt worden. recht peinlich" find, wird in ihr von volkswirtschaftlichen Der Streit begann mit der Arbeitsnieberlegung der Hilfsarbeiter, Waisenfnaben, offenbar recht unbedacht, ausgesprochen. Vor Am Sonntag wurden allenthalben in den Stahlwerken Berdenen sich wegen Lohnforderungen selbst die Angestallten der zwei Monaten wäre es undenkbar gewesen, daß im Berliner fammlungen abgehalten, wovon einige durch die Stadt Straßenbahn angeschlossen haben. Tageblatt", wie es in Nr. 437 mun tatsächlich der Fall, Säße polizei gesprengt wurden. Es besteht ein ziemlich starker Gegen- Die Heimbeförderung der Kriegsgefangenen gefährdet. wie die folgenden zu lesen gewesen wären:

Der Kongreß der finnischen, estnischen, lettischen und fitanischen Sozialisten in Riga beschloß, die Regierung In Hamburg wird dem Streit der Safenarbeiter eine aufzufordern, auf einen Frieden mit den Boliche- große Bedeutung beigelegt. Das Ausladen der Lebensmittel­wi ste n energisch hinzuarbeiten. Der Kongres richtete außer- fchiffe wird fortgesetzt. Der Transportarbeiterverband, steht dem dem eine Aufforderung an die Arbeiterparteien der Entente, Streif ablehnend gegenüber. ihren Einfluß geltend zu machen, damit die Alliierten deu Friedensunterhandlungen keine Hindernisse in den Weg

legen.

Der amerikanische Stahlftreik.

sas zwischen den ausländischen und amerikanischen Ar­beitern, da die letteren wenig zum Streit geneigt find. Der Stahl- deutschen Dampfer, die nach England fahren follen, um die Hamburg , 24. September. W. Die Abfertigung der trust engagierte 10 000 Wächter für den Sicherheitsdienst. deutschen Kriegsgefangenen heimzubefördern, Bianche Kleineren Stahlwerte arbeiten, auch mindestens die Hälfte der Trustwerte, wenngleich viele mit so knapper Mann- wird durch die Streiflage in Frage gestellt. Die Mannschaft des schaft, daß die völlige Stillegung der Betriebe zu erwarten ist. Dampfers Villareal" erflärte gestern, sich den Streitbeschlüſſen Unter den größeren geschlossenen Trustwerken find 16 Drahtfabriken, anschließen zu müffen.

30 Hochöfen. Ungünstig für die Trustwerke ist, daß die Streif­Eu st der Dampfmaschinisten und Transportarbeiter groß ist. 35 000 Arbeiter der Bethlehemwerte streifen nicht, stellen aber Forderungen.

Die Zahl der Streifenden in der Stahlindustrie betrug am Montagmittag 284 000, wovon 60 000 in Chita go und 30 000 in Cleveland .

Ein Massenstreik in England. Kopenhagen , 24. September. ( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Wie aus London gemeldet wird, haben gleich zeitig mit dem Ausbruch des amerikanischen Stahl. treits 50 000 Former in Großbritannien die Arbeit niedergelegt.

Die Kohlennot in Wien .

Die Kohlenzufuhren nach Wien sind immer noch so unzureichend, daß frühestens am tommenden Sonntag mit der Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs gerechnet werden kann. Die Entscheidung über die fünftige Kohlenversorgung Wiens wird heute in Brag bei der Konferenz mit der tschechischen Regierung

fallen.

Oesterreichische Auslandsvertretung.

In der Wiener Staatskanzlei und im Staatsamt des Aeußeren werden bereits die Vorbereitungen für die Er­nennung der Gesandten getroffen. Man rechnet damit, daß Gesandtschaften in Berlin , Paris , London , Rom , Washington, Bern , Haag, sowie in den Hauptstädten der Successionsstaaten, nämlich in Prag , Warschau , Budapest und Belgrad errichtet werden. In Berlin besteht bereits heute eine Gesandtschaft.

In der Schweiz und in den Successionsstaaten hat Desterreich ebenfalls diplomatische Vertreter, ohne daß diefe jedoch den offiziellen Titel eines Gesandten führen. Es wird sich nun darum handeln, welche von den bisherigen Vertretern auf ihrem Posten verbleiben. Von den in den Ententestaaten zu errichtenden Gesandtschaften er­fcheint jene in Paris am dringendsten, da Baris auch der Sitz der Wiedergutmachungsfommission sein wird.

Das Betriebsrätegesetz.

Bon einer Seite, der es nur darauf ankommt, alles Rechtsso Rechtssozialistische" schonungslos herunterzureißen, ist der Gesezentwurf über die Betriebsräte als gänzlich wertlos hin­gestellt worden. Richtiger haben die Vertreter des alten Herrn- im- Hause- Standpunkts in der Unternehmerschaft die grundsätzliche Bedeutung dieser Vorlage erkannt, gegen die sie jest mit allen Mitteln Sturm laufen. Die Rührigkeit ihrer alten Gegner muß der sozialistischen Arbeiterschaft zeigen, daß hier etwas Bedeutendes für sie auf dem Spiele steht und daß der Kampf gegen alle Versuche, den Entwurf zu entwerten, wichtiger ist als das kritiklose Geschimpfe über die Rechts­sozialisten", die es eben nie recht machen können.

Aus den Ausschußverhandlungen gewinnt man den Ein­druck, daß die Agitation des Scharfmachertums nicht ohne Einfluß auf die Haltung der bürgerlichen Parteien geblieben Mehrheit der Demokraten gegen die Vorlegung der Bilanz ift. So wurde gestern von Erkelenz erklärt, daß die und gegen die Teilnahme der Betriebsräte am Aufsichtsrat der Gesellschaft seien Diese demokratische Erklärung braucht für einen Regierungsentwirf nicht unbedingt tödlich zu sein, da eine Mehrheitsbildung mit Hilfe des Zentrums und eines Teils der Demokraten möglich ist. Soffentlich werden ge­gebenenfalls auch die Unabhängigen ihre Mithilfe im Kampf gegen das industrielle Herrentum nicht versagen!

Es kann auch feinem Zweifel unterliegen, daß wir auf eine Kontrolle unseres Außenhandels zurzeit und für eine gewisse Zukunft noch nicht berzichten fönnen. Dieser Ginsicht verschließen sich nur ganz wenige Leute in Deutschland ." Wir haben gar nichts dagegen, daß die Einfuhr gewiffer ent­behrlichen, nur dem Lugustonjum dienenden Waren noch strenger als bisher kontrolliert, ja verhindert wird, und daß bei der Einfuhr von Halbfabrikaten das Ginfuhr­bedürfnis von Fall zu Fall geprüft werden muß, aler.

"

Dasjenige, was die Anhänger der Planwirtschaft den freien Sandel nemmen und was in Wirklichkeit gegenüber dem freien Handel der Friedenszeit noch ein start kontrollierter Handel ist und sein muß

Bir selbst haben wiederholt auf die schweren Beden= fen hingewiesen, die grundfäßlich dem freien Devisen­handel entgegenstehen.

Die Freihandelserperimente, die man jetzt mit dem Hafer und dem Leder gemacht hat, sind keineswegs sonderlich nach un­serem Geschmack gewesen, und wir haben auf die Bedenken, die einer jähen Aufhebung der Regelung für solche Einzelprodukte entgegenstehen, welche aus einer zusammenhängenden Waren­gattung herausgegriffen find, wiederholt hingewiesen. Die Re­gierung hat wohl, als sie sich zu diesen Experimenten entschloß. geglaubt, vor Weltmarktverhältnissen zu stehen, die den Anfang einer Ueberleitung unserer Blockadewirtschaft auf Weltmarkiver hältnisse gestatteten. Man hat mit einer Senfung der Preise auf Sem Weltmarkt gerechnet, während in Wirklichkeit eine Steige= rung eingetreten ist. Man hat auch wohl eher an eine Besserung. als an eine so rapide Verschlechterung der deutschen Valuta ge= glaubt, wie sie jetzt eingetreten ist. Die Ggperimente find minglückt und wir müssen die Lehre daraus ziehen, daß das deutsche Wirtschaftsleben im allgemeinen noch nicht reif aur völligen Be­freiung aus der Uebergangswirtschaft ist."

Nun stehen wir vor der Tatsache, daß Hafer und Heu ins Ausland gehen, daß Brotgetreide verfüttert wird, daß die Leder- und Schuhpreise eine Höhe erreicht haben, daß sich kein Sollte also die angekündigte Saltung der Demokraten Arbeiter mehr ein Paar Stiefel kaufen kann, daß der auch dem Zustandekommen des Gesetzes nicht schaden, so bliebe Zentner Wolle im Großhandel etwa 1200 2. kostet, daß der sie doch außerordentlich bedauerlich für alle jene, die für die Wert der deutschen Mart im Ausland einen unerhör­nächste Bufunft in einem Zusammengehen von Sozialdemo- ten Tiefstand erreicht hat. Das sind die Erfahrungen, fratie und bürgerlicher Demokratie die immer noch befte der von denen ich eingangs sprach. borhandenen Möglichkeiten erblicken. Ein solches Zusammen- Bor 9 Wochen hätte feine Zeitung der handelspolitischen arbeiten fett fozialpolitisches Verständnis bei Nichtung des Berliner Tageblatts" geschrieben, daß unser den Demokraten voraus, das man in diesem Fall schmerzlich Handel noch ein start fontrollierter Handel sein müsse, daß bermißt. Dadurch muß sich der Eindruck verstärken, daß der das deutsche Wirtschaftsleben im allgemeinen noch nicht reij Einfluß der Arbeitervertreter in der demokratischen Fraktion sei zur völligen Befreiung aus der Zwangswirtschaft. Nur noch nicht einmal so groß ist wie im Zentrum und daß jene die Frankfurter Zeitung " hat damals auf die schweren Be­Partei im Begriffe ist, sich einseitig nach der Unternehmerseite denken hingewiesen, die dem freien Devisenhandel entgegen­hin zu orientieren. stehen, nicht das Berliner Tageblatt". Dieses schrieb noch Das Betriebsrätegefeh, in dem die Demokraten auf ein- am 9. Juli, es sei im Interesse des soliden Außenhandels mal die Gefahr der Syndikalisierung erbliden, hat mit Syn- dringend geboten, mit der Aufhebung der Devisenord­dikalismus gar nichts zu tun, desto mehr aber mit jenem nung unverzüglich vorzugehen, oder doch, wenn das erst fonstitutionellen Fabriksystem", das in früheren Beiten nach dem Friedensschluß möglich sei, die beabsichtigte Auf­gerade von bürgerlichen Demokraten mit starfer Uebertrei- bebung mitzuteilen, damit sich der Handel darauf einrichten bung als Lösung aller sozialen Schwierigkeiten gepriesen fönne. Lediglich bezüglich gewiffer 2ugusartikel könne wurde. Der jetzige ablehnende Standpunkt eines großen ja die Einfuhr von besonderer Erlaubnis abhängig gemacht Teils der demokratischen Fraktion gegen das Betriebsräte- werden. Und am 12. Juli schrieb das Berliner Tageblatt", geset ist nicht antisyndikalistisch und auch nicht antisozialistisch, die Aufhebung der Devisenordnung an eine strengere Kon­Der Streik an der Wasserkante. sondern schlechtweg antidemokratisch, denn er verrät trolle der Ein- und Ausfuhr zu knüpfen wie ich es genau dasselbe Mißtrauen in die breiten Massen des Volfes, wollte, jei der kriegswirtschaftliche Bureaukratismus in Samburg, 24. September. ( Eigener Drahtbericht des das den alten Machthabern zu eigen war und jeden politischen verstärkter Form. Weiter wurde betont, daß die Rücksichten, Borwärts".) Unter der fortgesetten Sege der Kommunisten und Fortschritt verhinderte. Er verrät ebenso auch mangelndes die man während des Krieges dauernd auf die Valuta des fundikalistischen Seemannsbundes gewinnt der in Bremen Verständnis für die Tendenzen der Entwicklung, die, nad nehmen zu müssen glaubte, heute ziemlich hinfällig er. angezettelte Hafena beiter und Seemannsstreit auch in Hamdem Deutschland durch die Macht der Arbeiterklasse eine demo- schienen. Die hinfälligen" Nücksichten auf die deutsche burg an Ausdehnung. Der Streit ist um so unkluger und unver- fratische Republik geworden ist, fein absolutes Fabrifkönigtum Valuta haben es seitdem bewirkt, daß hundert holländische antwortlicher, als der Transportarbeiterverband zurzeit gerade in in den Betrieben dulden wird. Darum sollten sich die Demo- Gulden am 18. September 1919 eintausendzweiund­Verhandlungen wegen Erhöhung des bestehenden Tarifs traten schon aus Slugheit hüten, einen Standpunkt einzu- fünfzig Marf und 63 Pfennige kosteten, gegen. nehmen, der ihre Geschichte schwer belasten. wird, und der über 558,66 am 8. Juli 1919. Wie die P. P. N. melben, ist der Streit der Hafenarbeiter in zwischen bürgerlicher und sozialistischer Demokratie den Bremen nahezu allgemein geworden. Zwar hat der Trans- Klassengegensatz weit aufreißt.

Der bescheidene d'Annunzio. d'Annunzio. beanspruchte in einer Rede, die er am Na ttonalfeiertage gehalten bat, außer der Stadt Fiume uns deren Landgebiet auch den Hafen und die Eisenbahn für Italien . Jede andere Lösung sei unannehmbar.

fteht.

Am 16. Juli schrieb die gleiche Zeitung bezüglich der Freigabe der Lederwirtschaft, daß schon auf die