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Nr.498.36.Jahrg.

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Sozialdemokrat Berlin ".

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

Anzeigenpreis:

Dte achtgespaltene. Nonpareillezette foftet 1.50 Mt Kleine Anzeigen", bas tettgebruckte Wort 60 Pfg.( zuläffig fettgedruckte Borte), tedes weitere Wort 40 Bfg. Stellengefuche unb Schlafftellenanzeigen das erste Bork 60 Bfg. tedes weitere Wort 80 Bfg. Borte über. 15 Buchstaben zählen für zwet Worte: Teuerungszuschlag 50% Familien Anzeigen, politische und, gewertschaftliche Bereins Anzeigen 1,50 ML bie 8etle Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Whe nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abenda.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

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Montag, den 29. September 1919.

Elsaß- Lothringen vor dem Generalstreik.

1. Anerkennung der Organisation.

2. Organisationsgwang für jeden Arbeite. 3. Berstaatlichung aller Gruben.

4. Beseitigung aller unfähigen Beamten.

5. Mindestlohn und allgemeine Lohnerhöhung.

Das Ultimatum der Arbeiterschaft. Bericht unseres elsaß - lothringischen Korrespondenten.) Das Hauptaugenmert der elsak- lothringischen Bevölkerung richtet sich nach Lothringen , wo bereits seit 10 Tagen der große Generalstreit der Berg unb üttenarbeiter an­6. Neuwahl der Arbeiterausschüsse und Sicherheitsmänner. bauert. Die Unternehmungen haben die von den Bergarbeitern auf­geftelten Forderungen, die in einem geftaffelten Tarifvertrag feft­Als erster erklärte in dieser Konferenz der Vertreter des Metan gelegt find, abgelehnt und find bis heute noch nicht in Unter- arbeiterverbandes, daß 21 000 organisierte Metallarbeiter bereit sind, handlungen eingetreten. in ben Generalstreit einzutreten.

Der Vorsitzende des Lothringer Bergarbeiterverbandes, Charles

Offerlé, hat an das Generalkommissariat für Elsaß- Lothringen in Straßburg zin Schreiben gerichtet, in welchem er demselben mit. teilt, daß die Unternehmungen die Forderungen der Arbeiter abge lehnt haben, und das Generalfommissariat ersucht, seinen Einfluß bei den Unternehmungen dahin geltend zu machen, daß sie die Forde rungen, die nur gerecht und in keinem Falle übertrieben End, afgep tieren. Mit Nachdrud wird betont, daß die Arbeiter nicht aus Luft und Bergnügen die Arbeit niedergelegt haben, sondern aus aus bitter ster Not, weil das Einkommen mit den Ausgaben nicht mehr in Einklang zu bringen war. Die Regierung hat bis jetzt zu ben Forderungen der Bergarbeiter noch nicht Stellung ge nommen; aber es war auch festzustellen, daß militärische Ber­nommen; aber es war auch festzustellen, daß militärische Ber ftärfungen bis jetzt noch nicht ins Streifgebiet dirigiert wurden, da der Streik ruhig und normal verläuft und bis jezt noch keine Zu­

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Mieternot

und. Behördenschachtelung.

Die gegenwärtige Mieternot hat atvei Seiten: Die eine ist bie Wohnungsnot, d. h. der Mangel an geeigneten Wohnräumen, die andere nicht minder wichtige kommt daher, daß die Mietpreise in einer Weise gestiegen sind, die bei­nahe ans Unerschwingliche grenzt. Beide Seiten der Mieter­not bedürfen der ausgiebigen Beachtung und Bekämpfung. Man versucht alles mögliche, um diese Bekämpfung zu einem Erfolg zu führen. Auf der einen Seite laffen sich die Ge­meindebehörden Groß- Berlins Ermächtigungen geben, unt Bereits am Mittwoch haben die lothringischen Arbeiter die alle leerstehenden Räume su erfaffen und möglichst nach Arbeit niedergelegt; die Arbeiter der Berkehrs- und Trans. einheitlichen Gesichtspunkten zu verteilen. Als Ergänzung portanstalten find vorläufig noch ausgenommen. Am gleichen hierzu ist unbedingt notwendig, daß auch die jetzt noch beset­Tage fanb in Straßburg eine Landesversammlung der elsa fen, aber aus irgendeinem Grunde freiwerdenden lothringischen Gewerkschaften statt, um über einen allge- Wohnräume nach demselben Gesichtspunkt verteilt werden, meinen elfah- lothringifden Landesstreit enb. und zwar unter Ausschaltung feglicher pri­gültigen Beschlukan faffen. In einer besonderen Berater Wohnungsvermittlung, die gerade in fammlung haben die Organisationen ber Eisenbahner bereits legter Beit eine außerordentlich merkwürdige Blüte gezeigt beschlossen, daß fie der Parole auf Generalftreit Folge leisten befchloffen, daß fie der Parole auf Generalftreit& Ige leisten hat. Eine Reihe von Gemeinden hat sich bereits die Geneh­werben. migung eingeholt, neue Mietverträge nur in Kraft treten zu lafsen nach vorheriger 8 ustimmung des Wohnungs­58 D. Mieteinigungsamtes. Darüber hinaus hat Wilmersdorf als erste Gemeinde den Antrag gestellt, daß auch die gesamte Wohnungsvermietung lediglich durch das Wohnungsamt geschieht, daß also alle Verträge, die zwischen Vermieter und Mieter geschlossen werden, nicht erst nachträglich vom Wohnungsamt genehmigt werden, sondern unter Mitwirkung des Wohnungsamtes bereits abgeschlossen werden, ein Beispiel, das den anderen Berliner Gemeinden durchaus zur Nachahmung empfohlen werden kann.

Swischen dem Streikgebiet und dem Saargebiet ist eine ftrenge Sverre durchgeführt worden; damit ist jeder Verkehr zwischen den Bergarbeitern in Lothringen und denen im Saargebiet völlig unter bunden, aus Furcht, der Streit könnte auch ins Saargebiet über

greifen.

sammenstöße zwischen Militär und Streitende zu verzeichnen sind. Die lothringische Arbeiterschaft hat die Sache der Bergarbeiter. Gegenüber den Aeußerungen der bürgerlichen Breffe, schaft zu der ihrigen gemacht und einmütig in einer Bezirks. daß die herrschende Kohlennot im Elsaß auf den Streit in fonferenz beschlossen, wenn nicht bis Montag, den 29. Se p- Lothringen zurüdzuführen sei, erklärt das Streiffomitee, bas Kohlen tember, die Forderungen der Bergarbeiter be. maisenhaft vorhanden seien und auf Depot gearbeitet willigt find, in den Generalftreit einzutreten. werde; wenn Rohlennot vorhanden sei, so sei bizse auf Sie hat dafür noch folgende allgemeine Forderungen aufgestellt: mangelnde Transportmittel zurückzuführen.

Wirkung des englischen Eisenbahnerstreiks.

Giner Radiomeldung zufolge berichten die englischen Blätter, daß die englische Regierung große Vorbereitungen getroffen habe, um die Lebensmittelverforgung sicherzustellen. Ge besteht die Absicht, den Hydepart abzusperren und dort einen Automobilpark und die Hauptverwaltungsstelle für die Lebensmittel in London einzurichten. 25 000 Chauffeure haben sich freiwillig gemeldet., Marschall aig hatte am Sonnabend eine lange Unterredung mit dem Transportminister Sir Eric Gedd: 8.

Was ist los?

Hamburg , 28. September. Die Marine- Echiffsbesichtigungs­Tommission teilt mit:

Auf Grund eines aus London plöblich erfolgten Befehls hat bie englische Marinekommandantur auf dem Kreuzer Conventry in Hamburg die deutsche Behörde ersucht, die zum Rüdtran 3- port unferer Kriegsgefangenen in England be­stimmten Dampfer zur dzuhalten. Der Grund für diese An. ordnung ist der englischen Marinetommandantur nicht bekannt. Nach ihrer Ansicht wird diese Verzögerung nur von kurzer Zeit sein. Die beiden am Sonnabend aus Hamburg ausgelaufenen Dampfer Billareal und Melilla find daher in Gughaven vor Anker gegangen.

Der Wiedereintritt der Demokraten, Die Vorstände der Mehrheitssozialistischen, der Zentrums- und der Deutschdemokratischen Fraktion werden heute nachmittag 5 Uhr beim Reichstanzler zusammentreten, um die endgültige Entscheidung über den Wiedereintritt der Demokraten in die Re­gierung zu treffen.

Die pommerschen Landarbeiter hinter dem Landwirtschaftsminister.

Mehrere hundert Landarbeiter von Bärwalbe und Umgebung haben am 27. September( charfen Protest erhoben gegen die bort am 24. September von der Deutschnationalen Volks. partei veranstalteten Protestversammlungen gegen den Land­wirtschaftsminister Genoffen Braun. Die Landarbeiter von Bär­ walde und Umgebung erklären, daß sie zum Landwirt. fchaftsminister bas größte Bertrauen haben. Sie wissen, daß fie im Stampfe um ihre gerechten Forderungen von dem Genoffen Braun jederzeit unterstügt werden.

Die bayrische Partei für Regierungsumbildung.

Nürnberg, 29. September .( Eig. Drahtbericht des Borwärts".) Die bayerische Landestonferenz, die am 27. und 28. September in Nürnberg tagte, war von 122 Teilnehmern besucht. Nach eingehender Erörterung der politischen Lage in Bayern wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen:

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Auf der anderen Seite follen die Mieteinigungsämter dazu dafein, um dem wahnsinnigen Emporschnellen der Miet­preise Ginhalt zu tun. Die Mieteinigungsämter haben sich dieser ihrer Aufgabe aber zu einem sehr großen Teil nicht gemachien gezeigt. Sie fehen nach wie vor ihre Aufgabe im wesentlichen darin, die gesamte Steigerung der Unkosten, die an sich unzweifelhaft vorhanden ist, dem Mieter, aufzu­bünden, und sie versuchen dies felbft in Fällen gu bunt, in denen die persönlichen Verhältnisse des Mieters eine weitere Belastung mit Mietsteigerung unmöglich machen, in denen also der Mieter, wenn er es mit der Erfüllung seiner Ber­Die in Nürnberg am 27. und 28. Geptember tagende Landes- pflichtungen ernst meint, nur die Wahl hat, entweder fich den fonferenz der sozialdemokratischen Partei Bayerns hat eingehend ihm zugewiesenen Mietzins absuhungern oder die Wohnung die politischen Schwierigkeiten der sozialdemokratischen Regie- zu verlassen, ohne Aussicht zu haben, unter den gegentvär rungsmitglieder und die Stellung der sozialdemokratischen Partei tigen Verhältnissen eine andere Wohnung zu erhalten. Ame zur Gefanttregierung besprochen. Die Landeskonferenz spricht diese Verhältnisse sind zu offenkundig, als daß man sich bar­ben sozialdemokratischen Vertretern im Ministerium ihr volles Vertrauen aus. Gie empfindet es als eine besondere Schwierigkeit der sozialbemokratischen Bartei in Bayern, daß die jebige Regierung, genannt Regierung Soffmann, als eine fozial demokratische Regierung gilt, während es klar ist, daß die Zu­fammensetzung des Landstags eine rein fozialdemokratische Bolitik ausschließt. Deshalb fordert die Landeskonferenz eine gründliche Umbildung des Ministeriums. Sie ermächtigt die Ges noffen Hoffmann, Segit und Endres, ihre Mandate in der Ne­gierung niederzulegen, falls die von der Landeskonferenz für notwendig erachtete Umbildung der Regierung nicht durchgeführt

werden kann.

Ueber den Mitgliederstand der Partei in Bayern wird folgendes berichtet: Der Stand der Partei vor dem Kriege betrug 91 604, der Tiefstand während des Krieges 29 911, der iepige Stand beträgt 132 100 Mitglieder, also über bierzigtausend mehr als vor dem Kriege.

Ludendorff gibt nichts!

über weiter berbreiten müßte; aber trotzdem geschicht von seiten der maßgebenden Faktoren nichts, um eine durch greifende Abhilfe zu schaffen. Dabei haben toit einen Woh­nungsfommiffar und einen Wohlfahrtsminister und alle möglichen sonstigen Einrichtungen. Es fehlt uns nur eines, nämlich ein Mann, der tatkräftig genug ist, um endlich hier einmal Wandel zu schaffen.

Wer sich längere Beit bemüht, im Interesse der Mieter etwas zu erreichen, wird alsbald auch eine derjenigen Quellen finden, aus denen die Unmöglichkeit zu positiven Resultaten sich ergibt. Das ist die Ineinanderschach­terung der zuständigen Behörden.

Wir haben einen Reichswohnungsfommiffar, welcher dem Reichsarbeitsminister unterſtellt ist. Dieser Reichswohnungskommissar ist gleichzeitig preußischer Wohnungstommissar und untersteht als solcher dem preußischen Wohlfahrtsminister. Sollen aber allgemeine An­ordnungen herausgehen, die sich insbesondere auf dem Gebiet der Notverordnungen bewegen, bann ist der Reichs­Unsere Meldung, wonach Herr Ludendorff gedenkt, den iustisminister zuständig; und handelt es sich um die riesigen Gewinn aus seinem Striegsbuche den berst im Freimachung irgendwelcher Räume, die bisher für andere melten deutschen Soldaten zuzuführen, ist ein rr- Swede benutzt wurden, für die fie vielleicht gegenwärtig nicht tum. Herr Ludendorff dementiert. Er gibt nicht 3. Die so dringend notwendig sind, dann ist der Ste ich s finanz­" Deutsche Tageszeitung", die ihre Pappenheimer fennt, hat minister zuständig. Und so erlebt man das erbauliche Bild, vorsichtshalber angerufen und fann feststellen, daß unsere daß immer eine Behörde sich hinter der an­Meldung jeder Tatsächlichkeit entbehrt. deren berstedt, daß immer eine Behörde der anderen Ueberhaupt eine unverschämte Zumutung. Wer nicht die Berantwortung für etwaige Eingriffe zuschiebt. weiß, was Herr Ludendorff für die Kriegsopfer schon getan Die Korrespondenz zwischen dem Berliner Oberbürger hat, der leje auf Seite 370 seiner Seriegserinnerungen" nach:| meister Wermuth und dem Wohlfahrtsminister hat das " Die Bubendorffipende brachte weit über 150 mil ja bezüglich der freizumachenden öffentlichen Ge.. lionen Mart. In der Revolution erhielt die Spende den Namen bäude in Berlin deutlich gezeigt. Auf den Notschrei des BoIts spenbe". War es... ber ersten Regierung der Repu- Berliner Oberbürgermeisters hat das Wohlfahrtsministerium blit nicht recht, daß mein Name mit einer Wohltätigteitsveranstal- in etwas fpiter Weise erwidert, die Gemeindebehörden tung verbunden blieb, bie gerade meines Namens halber soviel brauchten sich ja nur entsprechende Vo II machten geben gebracht hatte..." zu lassen und das Wohlfahrtsministerium erledige darauf hin­zielende Anträge umgehend; alles übrige sei dann die Sache der Gemeindebehörden.

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Freigabe eines Groß- Schiffahrtsweges. Die Admiralität gibt bekannt, daß die deutschen Minensuchverbände längs der Jütlän Herr Ludendorff bat recht. Nicht um der Krüppel, son­dischen Küste einen 10 Seemeilen breiten Groß- Schiffahrtsweg dern um seines Namens willen" gab die Witwe, die ihren on Minen gesäubert haben. Die neugeschaffene Schiff einzigen Sohn verloren hatte, den letzten Bettelgroschen, der fahrtsstraße berbindet in einer Längenausdehnung von etwa 60 ihr im Namen Ludendorffs abberlangt wurde. Und Luden­Seemeilen das minenfreie Gebiet der inneren deutschen Bucht mit den gleichfalls minenfreien Gewässern der nördlichen Nordsee and dorff gab seinen Namen. Das ist gerecht und genug. Dabei des Stagerraks und ermöglicht dem Schiffsverkehr auf beibt es. direttem Wege den Zugang zu den norwegischen Häfen und den Nun soll noch einer kommen und sagen, daß uns ein Bolk Fangplägen der nördlichen Fischgründe.. der Welt unseren Ludendorff nachmacht, Heil!

hat sich sein Oberbürgermeister zu diesem Rotschtei beranlaßt Berlin hat entsprechende Anträge gestellt, und trotzdem gesehen; denn was nugen ihm papierene Vollmachten, in denen wieder andere Reichsbehörden ihm hindernd in den Weg treten. So wie es hier geht, geht es aber allent­halben. Mag man bei der Wohnungsfrage oder bei der