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Nr.531. 36.Jahrg.

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Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin ".

Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernivrecher: Amt Morisplag, Nr. 15190-15197.

Freitag, den 17. Oftober 1919.

Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplay, Nr. 117 53-54.

Eine neue Verhandlungsgrundlage.

Entschiedene Schulreform.

Genoffe Konrad Haenisch hat sich in zwei Vorwärts". haben gestern in später Nachmittagsstunde begonnen und Auffäßen zur Wehr gefeßt gegen Angriffe, die auf der Tagung zogen sich bis in die elfte Stunde hin. Der letzte Vermitt­des Bundes entschiedener Schulreformer gegen ihn gerichtet lungsvorschlag des Reichsarbeitsministers Schlide wurde wurden. Er tut das in einer so sympathischen Weise, daß es fast schmerzlich ist, bei der Stritit zu verharren. Aber es geht nochmals eingehend erörtert. Es wurde schließlich eine neue nicht anders! So mögen mir als Bundesvorsitzenden einige Verhandlungsgrundlage in Aussicht genommen. Ueber die Darlegungen vergönnt sein. endgültige Stellungnahme dazu sollen beide Parteien dem Reichsarbeitsminister bis heute Freitag abends 6 Uhr Mit­teilung machen.

Haenisch ist ein Optimist in dem Grade, daß er seine rühmlichen Absichten schon zu Zaten verwirklicht sieht, daß er daran glaubt, die Todfeinde unserer Volks- und Menschheits­auffassung überzeugen zu können. Das bismärdisch­wilhelminisme Zeitalter hat aber jahrzehntelang die Menschen so sehr schablonisiert, jede Schicht derart in ein Gesinnungsschema gepreßt und so geruhsam in Bestimmungen und Vorschriften eingebettet, daß die Söhne dieser Epoche sich berzweifelt dagegen sträuben, aus den Schranken ihrer frei willig- unfreiwilligen heldenverehrerischen Untertänigkeit her­ausgerissen und in die scharfe Luft der Selbstverantwortung gestellt zu werden. Sie wollen nicht umlernen, fiè wollen nicht einmal prüfen, sie sind starr; solange die alten

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Die vom Reichsarbeitsministerium angeregten Verhand- Für die Elternbeiräte ist immer noch keine Neu­lungen der Arbeiter und Unternehmer der Metallindustrie ordnung heraus daß die vorrevolutionäre Verfügung, dies Dokument autokratischen Geistes, immer noch besteht, ist un­verständlich, die Vorschultlassen fangen an, sich neu zuberantern", weil der Minister trotz vielfacher Aufforde rung feine Klarheit darüber schafft, daß die Vorschullehrer, unter Wahrung aller materiellen Rechte, an andere Schulen bersetzt werden dürfen, der Religionserlaß die Be­freiung vom Religionsunterricht ist verfassungs­widrig aufgezogen, denn in der Reichsverfassung( Artikel 149 Absatz 2) ist eine Willenserklärung über Teilnahme am Religionsunterricht vorgeschrieben, der Ministerialerlaß bom 22. August aber sagt: Die Befreiung vom Reli­gionsunterricht findet zu Beginn des Schulhalbjahrs für das Schulhalbjahr statt!!" Die Handhabung ist denn auch streng verfassungswidrig und hat den Erfolg, daß niemand fern zu bleiben wagt!

Eisenbahner gegen politische Streiks.

Eine Maffenverfammlung ber Deffauer Eisenbahner faßte eine Entschließung gegen den politischen Umsturz und die Streitbewe­gung. Sie erwarten von der Regierung gegebenenfalls Schub und Sicherung des Dienstes.

Protest gegen die Ostseesperre.

Die deutsche Delegation in Versailles ist beauftragt worden, Mächte, Adel, Militär, Korpsstudenten und Geistlichkeit, wegen der über die deutsche Schiffahrt in der Ditsee verhängten herrschten, erklärten sie es ohne jede Sentimentalität" für Sperre, insbesondere wegen ihrer Ausdehnung auf die eine Anstandspflicht, daß jeder, der irgendwie republikanisch Territorialgewässer, unter Hinweis auf die durch oder sozialistisch angetränkelt sei, fein Amt zu quittieren habe. Die Maßnahme herbeigeführten verhängnisvollen wirt Damals waren disziplinarische Vernehmungen, Verwarnungen schaftlichen Folgen dringende Vorstellungen bei der Entente zu und Strafen die selbstverschuldete" Reaktion darauf, daß ein erheben. Beamter auch nur von einem Zusammengehen mit der Sozial­demokratie zu reden wagte:" Das tann sich der Staat doch nicht gefallen lassen, daß seine Lehrer mit baterlandslosen Gesellen Umgang pflegen."

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33000 Rotgardisten gefangen. Die ,, Times" melden von der Ostfront vom 12. Oktober: Nun hat fich, nach einer unerhörten Drgie von Blut, Die rote Armee in Dft- Turkestan wurde umzingelt und ge­Betrug und Lüge, nachdem die Schul wie die anderen amungen, sich bedingungslos zu ergeben. Es wurden 33 600 Behörden vier Jahre lang den Geist der Unehrlichkeit Gefangene gemacht. und Unmoral über die Jugend ergossen, jede pazifistische,

ja jede ehrliche Regung mit plumper Gewalt unter­

Das sind nur einige Wirklichkeiten. Es kommt soviel anderes hinzu, was mittlerweile den Willigsten müde macht. In der Frage der Mustereinheitsschule ist bisher nichts geschehen, kein Versuch gemacht und doch wird ohne solche Versuche alles versumpfen, da niemand bisher weiß, wie die vielgerühmte Einheitsschule" aussieht. Ein dummes Allerweltgeschwäge aller möglichen Leute läßt als einzigen Effekt erwarten, daß alles Alte bleibt, nur ein wenig neu auflackiert. Für solche Versuche muß Geld da sein und Leute finden sich auch, man muß nur nicht des Glaubens sein, daß jeder erst durch den Gamaschendienst hindurch muß. wird meist mehr verdorben als erlernt. Wenn Milliarden über Milliarden in den Schlund des wirtschaftlichen Zu­fammenbruchs unwiderbringlich hinabkollern, so müssen sich Millionen für die Versuchsarbeit an unserer Zukunft, für die Boltsjugend, finden. Kein Finanzminister kann der wirklichen Energie und Beredsamkeit bersagen, kein Parlament wird dem Zatträftigen die Gefolgschaft verweigern. Aber man muß wissen, was man will, gestern, heute, morgen!

Da

Die Koalitionsregierung!? Wer 20 Jahre politisiert, weiß was Resultanten inpolitischen Strästekompleren drückt haben, das Blättchen gewendet. Und nun nung, dies Ministerium sei zu belehren, von Schlimmerem bedeuten, aber er weiß auch, wie ich Konrad Haenisch schon geht teiner der alldeutschen Gewalt gar nicht zu sprechen. Die paar Schulgemeinden verbluten im Herrenhause sagte, was der zähe, impulsive Wille vermag. menschen! Sie fügten" sich zuerst, nun- warten oder werden langsam erdrosselt, die alldeutschen Lehrer wissen, Der andere darf freilich nicht im voraus wissen, daß der sie der baldigen Wiederkehr. Und fäen fonter um was es geht. Leisten sie nicht offenen Widerstand, so Eine nachgeben wird. Er wird es sich zehnmal überlegen, ob revolutionären Samen in die Herzen der höheren" Schüler! fuchen sie den Betrieb durch ostentatives Fernbleiben zu er um eine einzelne Frage einen Stampf ums Ganze wagen Es wird Zeit, daß sie merken, daß wir die Republit fabotieren. joll: die Wählerschar tönnte wanken, besonders, wenn ihnen behalten wollen! Daß wir jede Ueberzeugung achten, Aus diesen Erfahrungen heraus, nicht aus Gegnerschaft von der anderen Seite aus einer fonsequenten Politik daß jeder außerhalb der Schulmauern reden und tun tann, gegen eine Person, habe ich auf der Schulreformertagung vom heraus flare Ziele gezeigt werden können. was er will wir durften das nicht, uns hielt man Minister gefordert, er solle fich endlich einmal Respett Nochmals: Mit Worten überzeugt man nicht die Nutz­Läppische und brutale Ansprachen, daß aber der ihm an- berschaffen. Das Erempel statuieren", das über die nießer und Jllusionisten eines verflossenen Regiments. Sie bertrauten Jugend gegenüber der Lehrer neu- linge springen lassen" ist eine Sache, die ich stets verabscheut müssen merken, daß es ernst ist, daß die Hoffnung tral zu sein hat. habe, aber hier handelt es sich ja nur um die Bestrafung auf Umkehr ein Schemen ist; sie müssen sehen, daß die

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Hinaus mit dem deutschnationalen Jugendbund und ähn- eines der vielen Fälle offener Auffässigkeit. Tau- Menschen, die aus ihrer Mißwirtschaft die Trümmer über­lichen, alle, Gemeinschaft, alles Schulleben untergrabenden sende der Herren harren des Tages der Wiederkehr der nahmen, bis zur Dransetzung ihres Lebens gewillt sind, neues Setgesellschaften, hinaus aus der Schule! Man berleitet die Monarchie, und dann wird man sehen, wie nach altem Leben zu erbauen. Dann werden die, die nicht gänzlich un­Jugend zu unverantwortlichen Umtrieben, bie nicht möglich Rezept brutal jeder Republikaner, Demotrat und Sozialist| belehrbar sind, sich allmählich zurechtfinden, dann werden wären, wenn nicht Eltern und Lehrer schürend dahinter niedergeknüttelt und niedergehauen wird. Sehen wir beizeiten andere es wagen, ihre Schifflein an das neue Staatsschiff zu ständen! Und würden die Schülerstreits nicht sofort zu, daß die Reaktion unserer nicht Herr wird. hängen. Wir brauchen überzeugte, ehrliche, furchtlose Partei­ein Ende haben, wenn man dem Schüler, der unmotiviert Jedes Mitbürgers Ueberzeugung sei geachtet, aber gänger des Neuen, die unbedenklich ihre Aufräum- und Auf­dem Unterricht fernbleibt, bedeutete, daß der Staat niemandem hinaus mit der nationalistischen, monarchischen, antisemitischen bauarbeit verrichten. seine Wohltaten aufdrängt? Agitation aus der Schule. Es muß endlich aufhören, daß Wir Akademiter im Bunde entschiedener Schulreformer Aber leider ist der Reipettben können die Leute der jeder Schulleiter bei jeder Aulazusammenkunft verhüllt oder- unsere Schar wächst fast lawinenhaft wollen diese Ar­alten militärischen Schule nicht entbehren, für die freie Ein- unverhüllt die Jugend aus der schrecklichen Gegenwart" beit tun, soviel mir vermögen, soviel noch zu retten ist. ordnung sind sie noch nicht reif- zum guten Zeil verscherzt. zurüd in das goldene monarchische Zeitalter weist! Es ist Denn es ist hohe Zeit! Wir wollen in unserm neuen Reichs­Im Dezember und Januar waren die Herren zu allen Kon- jahrzehntelang die Schule ein offenes Parteiinstrument bunde alle versprengten Reformer, Männer und Frauen, zeffionen bereit, damals war man damals hatte man gegen die Linte gewesen; jegt verlangen wir, daß unter den Akademifern sammeln, nicht zu bormierter Absonde­Logit! auf alle Aenderungen gefaßt und wollte fie ertragen, Sas aufhört! Die befliffenen Diener der alten Ordnung rungsarbeit, sondern weil die höheren" Schulen, die auch die die Zeit erforderte. Damals hätte man all' die Namen fahren wahrhaftig nicht schlecht. Wer tut ihnen etwas? weiterhin dem Volte viele Führer" liefern werden, nur dann der byzantinischen Periode Hohenzollern -, Vittoria- Luise, Nein, Erlasse und Verfügungen machen es nicht! Haenisch dem Bolte geöffnet werden können, wenn die Besatzung dieser Cäcilie-, Auguste - Biftoria- usw. usw. Schulen durch zeit hat Recht, sondern der Geist, sondern der Wille, sondern die Forts den anstürmenden Revolutionären sich zuneigt. Wir gemäße ersehen, die Bilder unfähiger Fürsten ( nicht des alten Stenntnis der Menschen und Dinge. Und da fehlt viel! Es stehen alle, jeder an seiner Stelle, in seiner Partei, in Reih Frigen) entfernen können, damals hat man diese Notwendig hat wenig Wert, daß Tausenderlei unvollendet bleibt: Eines und Glied mit allen Schulreformern, wir sind alle teit, diese so ungemein wichtige, des Alltags verfäumt. Nun nach dem andern, in stetigem Fortschritt. Die Revolution Republikaner und Demokraten, viele Sozialisten. Wir find diese Dinge, die schon halb auf dem Schutthaufen lagen, hat die Wege frei gemacht. Nun fann es vielleicht langiam wollen Revolutionäre des Geistes sein, die leiden­zu Symbolen" aufgerückt und man fann sich um fie schlagen, gehen, aber es muß geben. Und es humpelt taum! Was fchaftlich eine wahre Volfsgemeinschaft erstreben, wir sind da man teine Folgen zu fürchten hat. Das Ministerium hat die meisten oder viele Ausschüsse an wertvoller Arbeit" darum verpflichtet, nach Musterhaftigkeit im Leben zu streben, fich ja alles gefallen lassen, es ist darauf pochen die leisten, hat nur retardierenden Wert. Während man Er- damit wir unangreifbar werden. Wer Pflichtenlosigkeit be­Herren! verpflichtet, sich alles gefallen au laffen, denn es hebungen über die Schulgemeinde anstellt, ist sie unfelig ent- gehrt, gehört nicht in unsere Reihen, er muß, will er uns befennt sich doch zur Bekehrung durch Güte! schlafen. eine Verstärkung sein, Doppeltes tragen. Wer dazu bereit

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Als der in der Form verfehlte, dem Inhalt nach prächtige Bon tollegialer Schulleitung merken wir an ist, ist uns willkommen. Und wird mit uns siegen! Denn Wynefensche Schulgemeindeerlaß so von vielen Direktoren den höheren Schulen garnichts, so wenig wie von einem der Sieg ist stets da, wo Vertrauen zur Voltsfraft und migachtet wurde, daß sie nicht einmal die vorgeschriebene Be- modernen Konferenzrecht". Die alte Dienstanweisung hätte Bukunft, Wille und Glauben zu Neuem, Wagemut und Zu­fragung der Schüler bornahmen und trog aller Bar- längst aufgehoben sein müssen, es geht ohne sie. Statt dessen versicht sind.

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nungen das Ministerium das hingehen ließ, nicht wenig. fuchte man sogar dem Lehrer wieder das Recht freier Bähl- Wenn Konrad Haenisch , dessen freundliche Worte wir stens die formelle Befragung erzwang, da war der pincho- barfeit zum Gemeindeverordneten zu nehmen und der gern annehmen, mit uns sein will, wird er weniger logische Moment verpakt. Seitdem glauben Schulleiter und Schöffe foll immer noch um Bestätigung einfommen: ein tonziliant sein müssen. Wir wünschen das von Herzen. Oberlehrer, diese Regierung sei eine vorübergehende Erschei-| Rest des alten Mißtrauens und der alten Bevormundung! Paul Destreich.