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Nr.547.36.Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin".

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 25. Oktober 1919.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., GW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplas, Mr. 117 53-54.

Ein letzter Versuch.

Friede mit allen Völkern!

Kriegstarte erfolgten. Erzungen durch militärischen Su fammenbruch tamen sie zu spät. Denn fie fanden alsdann die Vertreter eines gerechten Verständigungsfriedens auf der Gegenseite ihres besten Argumentes beraubt: der Widerstands. fraft Deutschlands . Auch wurden fie, weil erzwungen, nicht mehr geglaubt.

Das Mitglied der Nationalversammlung Professor b. Schulze Gäberniz bittet uns im Anschluß an die Berhandlungen im Untersuchungsausschuß In der Sigung der Nationalbersammlung vom Frei­um die Aufnahme folgender Mitteilung: tag hat Genoffe Scheidemann einige Bemerkungen über unser Nur eine Riesentraft hätte Ausgang Januar 1917, nach- Berhältnis zu Rußland gemacht, über die nur sehr unvollkommen dem der rücksichtslose U- Bootkrieg im Großen Haupt- in der Presse berichtet worden ist. Wir lassen deshalb die Aus­quartier beschlossen worden war, das Steuer noch herum. führungen unseres Genoffen nach dem Stenogramm hier folgen: Aber wie weit waren wir 1917 von einer derartigen Lö­Ich bin gewöhnt, getroffene Abmachungen zu halten, respektiere fung entfernt! Militärs und Schwerindustrielle, Reaktionär, werfen können, und diese Riefenfraft hätte der leitende Staatsmann nur gewinnen können durch Verbindung also auch die Bereinbarung des Aeltestenausschusses. Ich will mich welche die preußische Wahlreform fürchteten, Gefühls­mit der Sozialdemokratie bis zum legten. beshalb darauf beschränken, eine Behauptung bes Kollegen Cohn politiker, die über Wilson sich entrüsteten", hatten das deutsche Dem heranrollenden Verhängnis fuchte ich nach schwachen richtigauftellen. Schicksal in der Hand. Für die Verblendung jener Der Herr Minister Müller hat gestern hier Mitteilungen ge- Tage hier nur einige Belege: Kräften in allerlegter Stunde mich entgegenzuwerfen, indem ich am Morgen des 30. Januar dem Abgeordneten Ebert macht über das Verhalten der Voltsbeauftragten, als bie nachstehendes Schriftstüd unterbreitete und mündlich begrün- page aufgeworfen wurde, ob Beziehungen zur russischen dete in Rücksicht auf die Besprechung, die am nämlichen Tage Sowjetregierung aufgenommen werden sollten. Diese Mit­

Ebert beim Reichskanzler haben sollte:

1. England tämpft um sein Weltmonopol. Geht Deutsch land aus dem Striege als ungebrochene Großmacht hervor, so ift bas britische Weltmonopol durchbrochen. Kommen die Friedensverhandlungen überhaupt in Gang, so ist Deutschlands Lage um so stärker, als die Gegner wissen, daß ihre Soldaten zur Wiederaufnahme des Kampfes nicht zu bringen sind, sobald einmal Waffenruhe eingetreten ist.

2. Indem Wilson und mit ihm ein breider Zeil der öffent. lichen Meinung der Bereinigten Staaten für einen Rom. promißfrieden eintreten, scheinen unsere bernünftigerweise zu erstrebenden Kriegsiele mit Wilson und unter dem Schlag wort der Selbstbestimmung der fleinen Nationen nicht uner reichbar.

3. Wilson kann den Frieben erzwingen, wenn er will. Es genügt hierzu ein Embargo, das die Ausfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln fowie Striegsmaterialien nach England ber hindert. England fann gegen den Drud der Vereinigten Staaten

Den Arieg teine zwei Monate fortjeßen.

teilungen des Herrn Ministers Müller waren durchaus richtig.

Herr Cohn hat die Mitteilungen heute bestritten. Im Einber­ständnis mit meinem Kollegen Landsberg , der damals mit mir als Boltsbeauftragter tätig gewesen ist, will ich ausdrücklich feststellen: Die Frage, ob mit der russischen Sowjet regierung in Be. iehungen getreten werden sollte, wurde von den Volks­damals als Beigeordneter im Auswärtigen Amt tätig war, auf beauftragten nach Besprechungen mit Herrn Karl Kautsky , der Borschlag Stautstys ein mütig abgelehnt.( Sört, hört! bei ben Sozialdemokraten und bei den Demokraten.)

Als der erste Rätetongreß in Deutschland stattfinden follte, wurde mitgeteilt, daß Delegierte des russischen Sowjettongreffes an diesem ersten Rätetongreß in Deutsch­ land teilnehmen sollten. Daraufhin ist einstimmig be. schlossen worden, daß diese Teilnahme abzulehnen sei. ( Sört, hört! bei den Sozialdemokraten und Demokraten.) Die Boltebeauftragten haben einmütig beschlossen: Falls die Russen unsere Ablehnung nicht beachten sollten, bie. Ginreise der; russischen Delegierten an der Grenze durch Anrufung unserer deutschen Soldatenräte verhindern zu lassen.( Sört, hört!

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Kapitän 3. See v. Pust au schrieb in der Täglichen Rundschau" vom 15. Juli 1917: Unsere Gegner befinden sich ohne Zweifel in der Lage von Wahnsinnigen, sonst würden sie schon seit Monaten eingesehen haben, daß es gegen den U- Bootkrieg feine Waffe gibt."

Tirpik in der Deutschen Tageszeitung" bom 15. Dezember 1917:" Der Gintvand, wir könnten England und Amerika nicht zwingen, fällt angesichts der wachsenden Fracht­raumnot unseres rücksichtslosen Todfeindes dahin. 2odungen aum borzeitigen Frieden liegt für uns die allerschwerste Gefahr."

In seiner Eigenschaft als Vorstand der Deutschen Vater­ landspartei erklärte Tirpib am 12. Oftober 1917: Gegen englische Friebensfühler müssen wir hart sein; benn in absehbarer Zeit werden wir England ganz anders gegen­überstehen."

Derselbe Tirpik schrieb in den Kieler Neuesten Nach­richten" noch Januar 1918: Amerikas militänische Hilfe ist und bleibt ein Phantom."

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Als Ausgang September 1918 die Oberste eeres. leitung den Banterott anmeldete, wurde zugleich der Mißerfolg des U- Bootkrieges zugestanden, der nach einer! Dauer von zwan zig Monaten nicht die Wirkung gehabt hatte, welche nach sechs Monaten versprochen worden war. Erschüttert uns der Rückblick auf die furchtbare Tragik des

4. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß 23 ilson bei den Sozialdemokraten.) tatsächlich den Frieden erzwingen will unter Anmen­bung der ihm zu Gebote stehenden Druckmittel. Er ist vom Westen Sie aber ausdrücklich, mich nicht mißzuberstehen. Die Tatsachen Das sind la uter Tatsachen. Ich stelle sie feft, bitte und Mittelwesten auf ein Friedensprogramm gewählt. Ford, fallen in eine ganz bestimmte Situation. Wie zu allen Ländern Weltgeschehens, so bleibt uns im Ausblick aus trostloser Gegen­der eine große finanzielle und moralische Straft in den Ber - ber Welt, wünschen wir selbstverständlich auch zum russischen Bolt wart ein Hoffnungsschimmer: Die deutsche und die amerika­einigten Staaten bedeutet, trat für Wilsons Wahl als die Wahl die denkbar besten Beziehungen. Wir wollen auch mit unische Demokratie verfolgten bei aller Mannigfaltigkeit der eines Friedensbringers sin. In gleicher Richtung arbeitet die land, das genau so traurig dasteht wie wir selbst und genau so Probleme und bei aller Verschiedenartigkeit des Ausdrucks das von Wilson täglich gelesene Chicago Daily News". Ist es aber au leiben hat wie wir, selbstredend in Frieben und F re un b. felbe Ziel: Weltfreiheit, Meeresfreiheit und wahrscheinlich, daß Wilson den Frieden erzwingen will, so gebe fchaft leben.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) man ihm 8eit au zeigen, was er tann.

5. In Sachen des U- Bootkrieges ist Wilson durch seine Gr. flärungen gebunden und kann, wenn wir den rüdsichtslosen U- Bootkrieg erklären, nicht anders, als die diplomatischen Beziehungen zu uns abbrechen, womit der Krieg in allernächste Nähe gerüdt ist. Insbesondere auch in Anbetracht der inneren Schwäche unserer Bundesgenossen wäre dieser Krieg mit Amerita für Deutschland eine Ratastrophe.

6. Es ist damit nicht gesagt, daß man nicht in borsichtiger Weise und ohne davon viel Nedens zu machen, bie Bedingungen runseres U- Bootkrieges schrittweise etwas verschärfen tönnte, ohne den Widerspruch Wilsons hervorzurufen. Jedoch ist hier ein tastendes Vorgehen bis an die Grenze des Möglichen dringend geboten, welches Wilson erlaubt, feinen Grundjag festzuhalten.

7. Wir haben heute die Hoffnung, in erreichbarer Nähe eines annehmbaren Frieben zu stehen und hätten dazu folgende Schritte zu tun:

a) Ausdrückliche Aufgabe des geplanten rüdfights. Tosen U- Bootkrieges und begeisterte 3uft i m'm ung Deutschlands zu der Rede Wilsons an den Senar unter besonderer Betonung der Freiheit der Meere"; Ber­langen der Neutralisierung der Seestraßen fofort; Ersuchen

an Wilson um Friedensvermittlung.

sehr gebunden, um die Sozialdemokratie gegen die militärische Autorität auszuspielen.

Selbstbestimmungsrecht der Völker durch deutsche Freiheit! Diese Tatsache in das Bewußtsein der beiden Bölfer emporzuheben, ist heute eine der wichtigsten Aufgaben aller Vaterlandsfreunde diesseits und jenseits des großen Wassers. Sie ist die Grundlage einer zukunftsvollen Neuordnung der Menschheit und zugleich die Voraussetzung einer Revision des undurchführbaren und ungerechten Frie­dens von Versailles .

So war denn auch dieser Iazte Schritt erfolglos! Am 31. Januar 1917 erfolgte die Erklärung des rüdsichtslosen U- Bootkrieges durch Note an den Dem amerikanischen Bolte muß die Tatsache bekannt wer­Botschafter der Bereinigten Staaten. Am 30. Januar nad den, wie Deutschland wider den Willen des freiheitlich gerich mittags besuchte ich das Auswärtige Amt. Der Staatssekretär teten Boltsteils in den von vornherein hoffnungslosen Krieg war abwesend, aber die Meinung des Amtes" vom Unter mit den Vereinigten Staaten hineingeführt worden ist. Um staatssekretär bis zum Assessor war eine einheitliche. Gin deswillen enthalten vorstehende Ausführungen nicht nur Spezialist für die Bereinigten Staaten bemerkte: Mit der Trümmer zusammengebrochener Vergangenheit, sondern auch höhnischen Ablehnung unserer Friedensnote vom 12. Dezember Stücke aufzubauender Zukunft. 1916 hätten die Jingos den deutschen Michel in Empörung berseßen und zum rücksichtslosen U- Bootkrieg verführen wollen; aber heiliger Born" sei in der auswärtigen Politik ein schlech­ter, weil blinder Berater."

Befreiung vom Religionsunterricht. Diese Staatsweisheit verhallte wirkungslos hinter der Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolfsbildung hat in bekannten Türe der zwei Sphinge. Draußen aber auf der einem neuerlichen Erlaz vom 15. Oktober die Frage der Befreiung Wilhelmstraße pfiffen es die Spaßen von den Dächern:" Gebom Religionsunterricht geregelt. macht wird er doch!" Der Rte ich stag, dessen Hauptausschuß Der Absatz 2 des Runderlasses vom 22. August 1919, welcher am 31. Januar zusammentrat, wurde nicht gefragt, laute: Die Befreiung vom Religonsunterricht findet zu Beginn sondern vor die vollendete Tatsache des rücksichtslosen U- Boot- des Schulhalbjahres für das Schulhalbjahr statt", war viel b) Sofortige Rüdsendung der belgischen frieges gestellt. 3wangsarbeiter aus Deutschland und Frankreich unter Gab es im Jahre 1917 noch ein Entrinnen? War jeit. fach dahin mißverstanden worden, als solle die dahingehende Mei­entsprechender Aufmachung. dem noch die Möglichkeit eines Einlentens gegeben? Ein her nungsäußerung des Erziehungsberechtigten halbjährlich wiederholt c) Proklamierung der deutschen Kriegsziele, borragender Amerikaner schrieb mir im Oktober 1917, daß und halbjährlich neu darüber entschieden werden. Das entspricht worin die Unverletztheit Frankreichs aber auch Deutschlands Wilson der friedlichen Massenstimmung nicht wird widerstehen selbstverständlich weder dem Sinn, noch der Absicht des Erlasses. und die Wiederherstellung Belgiens voranstehen können, wenn in Deutschland sichtbar und den Amerikanern Gemeint ist vielmehr folgendes: Die Schüler und Schülerinnen dürfen naturgemäß nicht bas müssen. Freilich kann die Regierung diese Schritte nur tun berständlich eine Parlamentarisierung und Demo­unter Gegnerschaft der gesamten Rechten und in offenem fratifierung eintritt. Etivas Dramatisch es muß Recht haben, nach Belieben einmal von der Religion fortaubleiben, Bündnis mit der Sozialdemokratie. zu der nächsten Stunde wieder zu erscheinen, sondern wer sich ein­geschehen, ein Signal muß gegeben werden." In demselben Sinne erklärte Präsident Wilson am mal entschlossen hat, von der Dispensationsbefugnis feinen Gebrauch Die Sozialdemokratie war damals neben Ludendorff das 27. August 1917 in seiner Antwort an den Bapit, er könne au machen und also am Religionsunterricht teilzunehmen, der foll einzige selbständige Willenszentrum in Deutschland . Alles das Wort der gegenwärtigen Beberricher fo lange baran teizunehmen berpflichtet fein, bis bie Befreiung andere Rulisse. Deutschlands nicht als Bürgschaft für irgendwel- ordnungsmäßig auf Grund einer Mitteilung des Erziehungsberech Serr Ebert stimmte mir lebhaft bei und berchen dauernden Vertragsschluß gelten laffen, sondern er erwarte tigten ausgesprochen ist. Dieser Befreiungsantrag fol tun sprach sein Möglichstes zu tun, aber gegenüber, der straffen einen überzeugenden Beweis des Willens und der lichst nur zu Beginn des Halbjahres eingereicht militärischen Gewalt, die damals in Deutschland gebot. waren Absicht des Boltes felbst". werden, damit nicht irgendein Vorkommnis während des Religions­feine Machtmittel beichränkt. Auch war der Kanzler Bethmann Alles kam darauf an, daß die inneren Reformen Deutsch unterrichts, zum Beispiel ein Tabel oder eine dem Schüler unbe­Sollweg durch Umgebung und Ueberlieferung piychologisch zu lands freimeillig und bei noch günstigem Stande der queme häusliche Aufgabe, au seiner Einreichung Veranlassung gibt