Nr.618. 36.Jahrg.
Bezugspreis:
Biertelfährt. 10,50 Wtt, monatl. 3,50 mt fret ins Saus, voraus zahlbar. Boft bezug Monatlich 3.50 9 erl. Bu ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 6,75 ML, für das übrige Auslanb 10,75 ML, bei täglich einmal. Ruftellung 208.73 Mt. Boftbeftellungen nehmen au Dänemart, Solland, Curemburg Schweden u die Schweiz . Eingetragen in die Boft- Zeitungs- Breislifte. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolf u. Reit" ericheint mochen. täglich zweimal Sonntags einmal
Abend- Ansgabe.
Vorwärts
Berliner Volksblatt
15 Pfennig
Anzeigenpreis:
De achtgespaltene Ronpareillezetle Loftet 1,80 M., Teuerungszuschlag 60% Aleine Anzeigen", das tette gebrudte Wort 75 Bfg.( zuläffig zwei fettgebrudte Borte), fedes weitere Bort 50 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 65 Bfg., jedes weitere Wort 40 Big. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Teuerungszuschlag 50% Familien Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1,60 ML die Belle. Anzeigen für die nächfte Nummer müiffen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin 6 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.
Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.
Berniurecher: Aunt Mortsblas, Nr. 15190-13197.
Mittwoch, den 3. Dezember 1919.
Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Feruivrecher: Amt Morigplat, Nr. 117 53-54.
Die Antwortnote.
nen maßgebend it, auf den 1. Dezember feftgesetzt hatte. Anfbait angesichts der Fülle bon Material und angesichts der Pflicht zu fich an den in Aussicht genommenen Abilußberhandlun gründlich arbeitender Gerechtigkeit, deren er fich nicht entziehen Dem deutschen Vertreter in Paris ist am 2. Dezember een zu beteiligen, hat die deutsche Regierung eine dilatorife barf. Es besteht von selbst ein deutsches Intereffe, einem Ge( verzögernbe) Haltung eingenommen und in einem unerträg richtshof der Entente, der zum mindesten der Parteilichkeit folgende Note zugegangen: lichen Zon eine Grörterung über die Heimschaffung der Gefange- verdächtig ist, vorzugreifen, und wir fömmen diese Gelegenheit eröffnet,
Sie haben am 27. November ein Schreiben über die Heim- nen jaffung der deutschen Kriegsgefangenen an mich gerichtet, das eine Reihe von Behauptungen enthält, beren schnet. Benber Ton nicht ausreicht, um ihre unrichtigteit zu ber deden.
Ganz allgemein hatte Deutschland in der Kriegsgefangenenfrage nur ein in dem von ihm unterzeichneten Friedensvertrag formuliertes Recht, nämlich auf Beginn der Heinschaffung mit dem Tage der Infraftiebung des Vertrages, die auf den endgültigen Austausch der Ratifitationsurfunden folgt. Jede Ab weidung von diesen Bestimmungen, die für die Vertragsteile Gejet find, ist eine Vergünstigung.
Die Behauptung, die Gefangenen feien schulblos und für bie Kriegsvorgänge nicht verantwortlich, hält übrigens der Brüfung nicht stand,
obwohl es in ihrer Macht stand, bas biefe fogleich, noch Ende borigen Monats, b. b. nach wenigen Tagen, heimkehrten. Der hinhaltende Charakter dieses Borgehend und die in der Ratifitation durch das eigene Berhalten Deutschlands eingetretene Berzögerung laffen die volle Verantwortung für das Verbleiben der Gefangenen in Frankreich , wo sie übrigens nicht nur human, fondern mit Wohlwollen behandelt werden, auf Deutschland
zurüdfallen.
nicht ungenügt vorübergehen laffen, ohne auf die Dringlichkeit beschleunigter Anflageerhebung hinweisen zu müssen.
Aber Herr Clemenceau muß begreifen: Wenn die deutfchen Gefangenen marten sollten, bis sich die Schuldigen freiwillig den Gerichten stellen, den unseren oder denen der Entente, dann fönnen sie warten bis sie sterben. Ohne auf die( im übrigen der Richtigstellung bebürfarben) Ber- Frankreichs zu nationalistischer Hebe auszunüßen, die Not der Die Verantwortlichen sind wohl fähig, die Hartnäckigkeit teidigungsverfuche hinsichtlich Schleswigs und Oberschlesiens , auf die Gefangenen für ihre reaktionäre Bolitik auf das gemeinste zu Frage der baltischen Probingen( wo Deutschland sich erst auf ft armißbrauchen, auf den Tisch zu schlagen und frech zu werden fen 8 mang hin zur teilweisen Erfüllung seiner Verpflich tungen verstanden hat) noch auf Artikel 61 der Berfaffung( der ben im übrigen reicht ihr Geldentum so wenig wie im Striege über Anschluß Deutschösterreich& an Deutschland vorsteht), der das Kafino hinaus. bis zum beutigen Tage noch nicht aufgehoben ist Herr Clemenceau hat nicht das Recht, wenigstens moraljici ( wartet doch die deutsche Regierung stets den letzten Augenblick und nicht, im Namen seiner Verbündeten zu reden, die alle einen moralifchen und tatsächlichen Awang ab, ehe fie ihren Ver- ihre Menschenpflicht erkannt und danach gehandelt haben. Er pflichtungen nachkommt), noch schließlich auf die Bühne Behauptung hat dafür Gründe, die verständlich sind, denen aber nicht einzugehen, daß Deutschland auf feine Propaganda ber 8ichtet habe( von der die Alliierten so viele ungweifelhafte Bes durch die weitere Veshängung einer Stlaberei über Sunmeife befiben), will ich mich nur mit der Frage der derttausende, sondern nur durch die freiwillige r- beitsgemeinschaft der beiden Völker im Dienste des Auslieferung der Schuldigen Wiederaufbaues gerecht zu werden ist.
Ihre Note erklärt, die französische Regierung babe zuerst am 29. August 1919 und später aus gß der deutschen Kohlenliefes 29. August 1919 und später aus der deutschen Kohlenliefe rungen oder bei der Zahlung einer billion an das Note Streus als Sühne für die Ermordung des Sergeanten Manheim in Berlin bestimmte Verpflichtungen hinsichtlich der früheren Heim schaffung der deutschen Kriegsgefangenen übernommen. Diese brei fache Behauptung entbehrt der Begründung. Niemals ist die fran sösische Regierung eine eigene Verpflichtung in der Frage einge gangen, die zur Zuständigkeit der Gesamtheit ber Berbeschäftigen. bündeten gehörte.
Woran es hängt.
Die Deutschen leugnen selbst nicht, daß zahlreiche Ber. Die Erklärung vom 29. Auguft, die aus Gründen der Mensch. breden begangen worden sind und daß das fittliche Gefühl ber liteit und nicht gegan etwaige Bugeständnisse von deutscher Welt berlebt wäre, wenn die Verbrechen, deren Urheber bekannt find, Seite den Entschluß der Verbündeten verfündet hat, das Infraft- ungeahnbet blieben. Rein Mensch, der durch die nördlichen Die Basler Nachrichten" ftellen in thrent heutreten bes Friebensvertrags hinsichtlich der Heimschaffung der Ge- Teile Frankreichs und Belgiens tommt und mit eigenen Augen fiebt, tigen Leitartikel fest, daß die Nichtunterzeichnung des Straffangenen vorzubatieren, ist später erfolgt, als die Besprechungen wie Brovinzen planmäßig verwüftet, alle Industrieanlagen bem über die Stohlenfrage und diejenigen über den Gergeanten Man. Boden gleich gemacht, wie Wohnstätten mit methodischer Wilbheit Protokolls und die damit zusammenhängende Ausbort lieferung 400 000 Tonnen Dod material für hein, die dabei jedenfalls eine bollauf befriedigende Lösung da in Echutt verwandelt, alle Obftbäume einen Meter über dem Boden burch gefunden haben, burchgefägt, die Bergwerke gesprengt und erfäuft, die menschliche Deutschland eine höchst materielle Lebensfrage und nicht baß die franzöfifche Regierung der Heimschaffung zugestimmt hat. Arbeit ganzer Jahrhunderte haberfüllt vernichtet ist, kann das eine Prestigefrage ist, wie die französischen Blätter, wie Zögern Deutschlands begreifen, fich mit der Wiedergutmachung dieser das Journal", glauben machen will. Zum Be Diese Erklärung ist nicht zwischen der französischen Regierung und Frevel abzufinden. Wenn derfelbe unparteiische Beobachter dann weise zitiert bann bas Blatt eine in diesen der deutschen Regierung in der Form eines aus Berhandlungen aus dem Munde der Bewohner hört, welche Behandlung fie bier Tagen zu lesende Anzeige des britischen Miniherborgegangenen Berjprechens berembart worben. Es ist Jahre hindurch erfahren haben, welche abscheulichen Gewalttätig. fteriums für Ariegsmunition, in der mitgeteilt bies eine humanitäre Erklärung aller Verbündeten über bie Ge feiten und Awangsmittel gegen Mädchen angewendet wurden, die samtheit der von ihnen gemachten deutschen Gefangenen. Die Er- in rober Weise von ihren Familien getrennt worden waren, wird, daß ein Vertreter des Disposals Board in dieser Woche Erin flärung verkündet: fönnte er feine Entrüstung über die Stellungnahme Deutschlands die Schweiz besuchen werde, behufs Erteilung jeder Aus1. Den sofortigen Beginn der einfchaffung und den an ma benden Ton feiner Note nicht zurüdhalten. Die funft bezüglich Verkaufsbon Kriegsmaterialien, 2. Die mögliche Unterbrechung dieser wohlwollenben Alliierten find aufs höchfte erstaunt, zu feben, daß die öffentliche unter denen auch Betriebs- und AusrüstungsBolitik für den Fall, daß die deutsche Regierung und das deutsche Meinung in Deutschland fich noch jest der beutschen Verantwortlich- materialien für Dods, Schwimmdocs, MaBolt nicht alle die Berpflichtungen aus dem 23affenftin. feit so wenig bewußt ist und nicht felbft die gerechte Beftrafung der schinen und Boote für Stüstenverkehr, Wal . ftande, ber sie bis zur endgültigen Ratifizierung des Bertrages, begangenen Berbrechen fordert, ba ferner die Verbrecher felbit fifchfängerdampfer, Motorboote, Motorweber Mut noch Baterlandsliebe genug befizen, um freiwillig bem chlepper ufw." angeführt find. verbienten Urteil entgegenzugehen, ihre Handlungen vor Gericht zu verteidigen und ihrem Lande die Erfüllung feiner Verpflichtungen Die„ Basler Nachrichten" schließen: Während diese au erleichtern. Solange das deutsche Gewissen nicht, wie die Gegenstände für Deutschland wirtschaftlich unbedingt notganze Welt, begreift, daß das Unrecht wieder gut gemacht werben wendig find, find fie also für England altes Gifen, das es Wiederum gemäß der Erklärung vom 20. Auguft wurde die Deutschland nicht erwarten, baß es in die Gemeinfchaft der fättigt ist. Daran hängt der Friebe, daran hängt es. muß und die Verbrecher ihre Strafe finden müffen, darf im Ausland verkaufen woll, weil das Inland damit überHeimsendung der Gefangenen eingestellt wegen der Verlegungen. Iter wieder eintreten noch bei den Antierten Berbak die armen Striegsgefangenen auch zu Weihnachten Der Nichterfüllung und der unvollständigen Erfüllung der Bebinaeibung für feine Berachungen und Milderung der gerechten 1919 nicht werden heimkehren dürfen. gungen des Waffenstillstandes durch die deutsche Regierung. Friedensbedingungen erlangen werde.
bindet, erfüllen sollte.
Gemäß diesem einheitlichen Beschluß der Verbündeten hat die Seinschaffung fo foci begonnen und ist mehrere Monate lang burch die Nüdkehr der deutschen Gefangenen aus England, Amerika und Belgien verwirklicht worden.
Genehmigen Sie
Das Versprechen und die Drohung, die von der Gesamtheit der Altierten aus freien Stüden ausgesprochen wurde, find hiernach stritt ausgeführt worden. Durch die Note vom 1. November find der deutschen Regierung ihre Berstöße gegen bie beim Clemenceau hat recht und unredyt. Nun ist es freilich Waffenstilstand vom 11. November 1918, gerade vor einem Jahre, fein Kunststück, wenn man Advokat ist und einen gewonnenen übernommenen Verpflichtungen vorgehalten worden. Sie wurde Krieg mit einem Gewaltfriedensvertrag abgeschlossen hat. von den Maßnahmen und Strafen unterrichtet, die vorgesehen find, diesen Vertrag, der alle Sandhaben zu allem bietet, als Recht um die vollkommene Durchführung der im Friedensvertrag nicht fertigung einer Kulturschande zu benügen. Das Un. erneuerten affenftillstandsbedingungen zu sichern. recht Clemenceaus beginnt da, wo er die moral einschaltet. Die franzöfifche Regierung berfolgt eine auf die Burüdhaltung Er tut es nicht einmal flug; denn wenn er fagt, er wolle ber Kriegsgefangenen geftüste Politit und bediant fich ihrer nicht die Kriegsgefangerien nicht als Drud mittel benügen, fo als Drud mittel Gie hält sich lediglich an die Bestimmungen bes Bertrages, und wenn die im Monat Auguft eingeleitete wohl. widerlegt er sich schon in der nächsten Beile. Gegen den Mut, wollende Maßnahme nicht bis zu Ende durchgeführt wurde, so ist die wehrlosen Opfer der alten, durch eine Revolution belei bies ausschließlich auf die Verstöße der deutschen Regie- tigten deutichen Gewaltherrschaft für diese verantwortlich zu rung gegen ihre eigenen Verpflichtungen zurüdzuführen. machen, ist polemisch nicht anzukommen, das kann man nur Die Verantwortlichkeit Deutschlands für die Berzögerung in der als für die Geiftesverfaffung Clemenceaus bezeichnend Heimschaffung der deutschen Gefangenen ergibt sich unmittelbar und feststellen. Wenn fich Herr Clemenceau zum Süter der Welt. schlagend aus der Tatsache, daß auf die Note der Alliierten vom moral berufen glaubt, so müßte er fühlen, daß er sich wider 1. November feine Antwort erteilt wurbe unb bak die beut, spricht, wenn er das Schidial der Kriegsgefangenen mit der fchen Vertreter, nachdem sie zur Regelung der Arbeit der zur Aus Sühne der deutschen Berbrechen auf Frankreichs führung des Friedensvertrages eingefesten& ommiffionen nach Boden zusammenkoppelt. Baris entfandt waren, zwei Tage nach ihrer Ankunft wieder nach
Die deutsche Regierung ist es, bie fich der Frage der Striegs. Erregung der deutschen öffentlichen Meinung gegen die Antierten
gefangenen zur
Debesche in die Welt, die sehr dunkel ist, aber gerade wegen Die offiziöse Korrespondenz Stefani in Rom schickt eine Depesche in die Welt, die sehr dunkel ist, aber gerade wegen ihrer Plumpheit mancherlei merken läßt. Infolge einiger fleinerer Zwischenfälle", deren Natur zu erwähnen Stefani für unwesentlich hält, wurde in Rom, Mailand, Flo renz der Generalftreit erklärt. Der Streit ist allgemein. Wörtlich heißt es dann:„ Der Ausstand gab in den drei genannten Städten Anlaß zu patriotischen undgebungen und überall Eldeten sich Umzüge unter Sochrufen auf Italien und den König, die indeffen, un Störungen zu vermeiden, von der Polizei schließlich verboten wurden." Swischenfälle waren bis jetzt nicht gemeldet, ach nein, ja doch... in Mailand, wo bei einem Zusammen Stoß zwei Manifeftanten getötet und zahlreiche Personen
Berlin zurüdberufen wurden, obwohl das Datum und das Wir tönnen die franzöfifche Geiftesverfassung angefichts verlegt wurden. Auf der Piazza Termini in Rom, wo fich Berfahren für die Prüfung der aufgeworfenen Fragen im Einver. des Tragischen, was Frankreich an Deutschland erlebt hat. Manifeftanten angefammelt hatten, wurde auf die Carabi. nehmen mit diefen Delegierten festgefest worden waren. bollkommen verstehen. Würden wir wagen, die Barbanieri gefeuert; diese erwiderten das Feuer; es gab reien, die von dem Konto der deutschen Striegsleitung nicht einen Zoten und sechs Verwundete. megzuwischen find, zu verteidigen, würden wir versuchen, fie abzuleugnen, fo würden wir morgen von Tausenden ehemali- daß die Maffen der italienischen Arbeiter in den Generalftreif Los ist jedenfalls etwas gewesen. Wer glauben möchte, ger deutscher Soldaten eine protestierende Bestätigung der franzöfifchen Vorwürfe erhalten. eintreten, um Umzüge für Re Bambino zu machen, wer daran Was die Sü bn ung dieser Verbrechen anlangt, besteht glaubt, daß die Carabinieri monarchistisch- nationalistische ein Untersuchungsausschuß, der allerdings Tangiam arbeitet| Manifestanten zusammenschießen, soll dabei felig werden.