Nr.620.36.Jahrg.
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Abend- Ausgabe.
Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernivrecher: Amt Mortsplas, Nr. 15190-15197.
Der Belagerungszustand.
Die Nachricht eines Berliner Mittagsblattes, daß das Kabinett die Aufhebung des Belagerungszustandes beschlossen habe, eilt den Tatsachen voraus. Ueber die Aufhebung des Belagerungszustandes ist ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt worden, doch ist die Aufhebung sehr wahr. scheinlich.
Lohn und Lebenshaltung.
Donnerstag, den 4. Dezember 1919. Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3.
Eine Konferenz.
Slowakischen Stegierung zur Sicherung der Sohlentransporte an Desterreich zur Verfügung gestellt.
Die Entente scheint denn doch zu erkennen, wie wenig ihr Der Vertreter des Staatsamtes für Verkehrswesen, Sef an einem wirtschaftlichen Busammenbruch der Besiegten ge- tionschef Enderes, legte die traurige Waggonlage legen sein kann. Die fürchterliche Notlage Wien& beranlaßt dar. Der englische Gesandte, Lindley, wies auf den Beschluß fie zu Maßnahmen, denen im Interesse der unglücklichen Stadt des Obersten States hin, eine interalliierte Kommission einnur Erfolg gewünscht werden kann. Der Oberste Stat zusehen, welche die Transportfrage zwischen Desterreich und den Nachdem die Springflut vorwiegend politischer Streits beschloß eine Kommission zu ernennen, die mit der Verteilung Nachfolgeftaaten regeln soll berebbt ist, ist für die kommenden Monate ein starkes An- bes rollenben Materials inter den verschiedenen Der Staatssekretär für Finanzen legte die Katastrophalen schwellen von Lohnbewegungen wirtschaftlicher Natur zu er Staaten Desterreichs beauftragt ist. t die Ernennung einer finanziellen Folgen dar, welche die Beschaffung der Lebenswarten. Bewegungen, die ihren Ursprung in der immer Rommission in ihrer praktischen Bedeutung eine sehr wenig mittel gegen Barzahlung für die österreichischen Staatsstärker werdenden Spannung zwischen Entlohnung und Le fruchtbare Handlung, so wird sie hier zu einem Nichts dadurch, finanzen habe. benskosten finden. Nach einem ökonomischen Gesetz soll der daß noch ein Sachverständiger zu befragen ist, ob der Ausschuß Arbeitslohn mindestens die Summe darstellen, die der Ar- überhaupt tagen soll. beiter für die Neproduktion feiner Arbeitskraft braucht. Das heißt mit anderen Worten, der Arbeitslohn soll dem Arbeiter Wesentlicher ist schon, was man über die Konferenz nicht nur seine naďte Existenz garantieren, sondern darüber des Staatskanzlers tenner und der Staatssekretäre der hinaus die Gründung und Erhaltung der Familie, Erziehung wirtschaftlichen Refforts Deutschösterreichs mit den Vertretern mültigkeit der Nationalversammlung und der Staatsregierung, der Kinder und anderes ermöglichen. Englands, Frankreichs , Ameritas, Italiens den St. Germainer Friedensvertrag zu erfüllen, aber und Japans erfährt, die am Mittwoch in Wien stattfand. 8uerst müiffe" bas ökonomische und politische Dasein Desterreichs gesichert werden. Politisch Der Staatskangler bat die Gesandten, ihre Regierungen befinden wir uns, sagte der Staatsfangler, mit unseren Nachund die Pariser Konferenz um Antwort auf folgende baritaaten in immer besseren Beziehungen. Nur eine Fragen zu ersuchen: einzige politische Gefahr besteht, die in den letzten Tagen auf
War das schon früher in zahllosen Fällen leider nur eine Forderung der grauen Theoriz, io hat die Kriegszeit und der ihr folgende Busammenbruch Deutschlands für Arbeiter, Angestellte und Beamte eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltung gebracht. Zwar haben wir im gesamten Wirtschaftsleben ein sehr starkes Anziehen der Arbeitslöhne zu verzeich nen, die Ausgaben für Ernährung, Bekleidung, Miete, Steuern usw. sind aber in einer nod) sprunghafteren Beise in die Höhe geschnellt. Unleugbar ist, daß bei der übergroßen Mehrzahl der Arbeitenden trok der Erhöhung des Lohnes bie wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten Monaten sich stark zu ihren Ungunsten verschoben haben.
Der amerikanische Oberkommiffar Salstaad erklärte namens seiner Kollegen, daß sie die vorgetragenen Wünsche ihren Regierungen fofort übermitteln würden. Der Staatsfanzler betonte zum Schluß die Ein
1. Ist die Friedenskonferens geneigt, einen Zas swifchen taucht it, und die unsere materielle Not noch gewaltig verdem 10. und 15. Dezember zu bestimmen, an dem der Staats- getaucht ist, und die unsere materielle Not noch gewaltig verfangler und bie beteiligten Staatssekretäre ihre Bitten verfön- ermutigt, von Deutschösterreich abzufallen. Die öfterLidh in Baris vorbringen könnten, um die unmittelbare reichische Regierung hat alle moralischen Mittel aufgeboten, Entscheidung au erreichen?
Ungeheuere Preise für Lebensmittel in Oesterreich . Desterreich steht unmittelbar bor ber Erhöhung des Preifes
um das Band von einer solchen Entscheidung abzuhalten. 2. Steht bie Erledigung wenigftens ber Reebitfrage wird von den Iliierten nicht rasch die Hoffnungslosig nebies fon in ben nächsten Tagen bevor, so daß eine bies. feit folcher Unternehmungen ausgesprochen, und jedermann bezügliche mündliche Borbringung in Paris entfallen könnte? largemacht, daß derartige Bersuche aussichtslos sind, dann wird Gewiß ist die Tatsache richtig, daß wir ein armes Bolf Berner erklärte der Staatssekretär für Bolfsernährung, die Anschlußbewegung weitergreifen. Dann aber ist geworden sind, daß wir uns noch eine ganze Reihe von Jahren Löwenfeld- Sus, fofortige Silfe durch 3uichub von Gebas Subjekt, das den Frieden geschlossen hat, nicht mehr durchhungern und durcharbeiten müssen, che wir unsere Betreibe für den Monatsbedarf von 50 000 Zonnen, ferner die vorhanden. Wien wäre so isoliert, daß ein Verzweif bensbedürfnisse auch nur einigermaßen so befriedigen fönnen. Gewährung eines Valuta trebites somie Bereitstellung Iungsausbruch der Wiener Bevölkerung zu befürchten wie wir es vor dem Kriege gewöhnt waren. Aber eine an- bes erforderlichen Frachtraumes, für unbedingt er for- wäre. Balutakrebites dere Wahrheit darf man dabei nicht vergessen: it benn berlich. Die Gesandtan Alizé und Marquis Loretta nur das arbeitende Bolt dazu ba, sich durch erklärten, daß Italien mit der Berfchiffung von hungern zu müssen? Wer die Verhältnisse objektiv und offenen Auges über eine günstige Entscheidung über die Verschiffung weiteret mehl wird ohne Unterschieb der Beschaffenheit 10 Kronen für das Wer die Berhältnisse objektiv und offenen Auges über. 10 000 Tonnen bereits begonnen habe, und daß von 1250 Gramm Brot von 2 Kronen auf 5 Kronen, Ro blidt, wird zugeben müssen, daß die Nurgenießer, die Beute, die 20 000 Zonnen Getreide in Fürzester Beit zu Kilogramm toften. Der Fleischpreis wird im Durchschnitt von 42 jeglicher Arbeit Beit ihres Lebens aus dem Wege gegangen erwarten sei. Die Bezahlung dieser Getreidemengen werde auf 78 Kronen erhöht werden. find, noch nie fich so breit gemacht haben wie in der Jetzeit. aus dem von dem 48- Williarden- Dollars- Kredit herrührenden reichischen Valuta hat die Preise für ausländische Nahrungsmittel Das rasche Sinfen der österWir sind zwar ein armes Volk geworden, aber die Augusgast- test von ungefähr 4 Milliarden Dollars erfolgen. häuser, in denen man für Phantasiepreise auch den verwöhnberart gesteigert, daß bei den jetzt abgeschlossenen Käufen gegentesten Gaumen befriedigt, verschwinden nicht nur nicht von Der Staatssekretär für Handel und Gewerbe, Berdit, über den gegenwärtig geltenden Preisen der Staat bei jedem Zaib der Bildfläche, sondern schießen geradezu wie Pilze aus der schilderte die troftlofe Sohlenjituation. Gesandter Brot 9 Kronen, bei jedem Kilo Mehl 8 Kronen Draufzahlung zu Erde. Zum Beweise dafür sei nur angeführt. daß der Reichs- IIi3 6. teilte den Beschluß des Obersten States mit, daß leisten hat. Dadurch ergibt sich bei Brot und Mehl für den Staat wohnungskommissar mit scharfan Berordnungen gegen die 250 000 Tonnen Kohlen monatlich aus Ober ein täglicher Verlust von 13 Millionen Kronen. In der NationalSchädigung der Allgemeinheit durch Errichtung von Lurus- fchlesien an Oesterreich zu liefern feien. Ferner versammlung hat der Staatsfefretär für Finanzen einen Nachtragsbauten sich wenden mußte. Aber alle papierenen Verordnun- babe die franzöfifche Regierung 3000 Waggons der tichecho- tredit von 3265 Millionen Kronen eingebracht. gen, Erlasse und Verfügungen haben bisher nicht verhindern können, daß für die wenigen Murgenießer alle AnnehmlichFeiten des Lebens blühen und daß die breite Masse in immer steigendem Maße wirtschaftlich Not leidet.
hausung. Man bergegenwärtige fich nur die Wirkungen, die die Intimitäten des Ehelebens mehrerer Paare in den kleinen Arbeiterwohnungen auf die heranwachsende Jugend ausübt!
Vor Wochen bereits ging die Nachricht durch die Presse. daß das Arbeitsministerium in den verschieden gelagerten Ernährungsbezirken ständige Erhebungen anstellen will, um zu ermitteln, in welchem Verhältnis die Arbeitslöhne zu den Lebenskosten stehen. Nur so ist es möglich, die nötigen ficheren Unterlagen für die Schlichtungsausschüsse zu finden, um bei den bevorstehenden Bewegungen den Horberungen der Arbeiter und ihrer gewerkschaftlichen Vertretungen einigermaßen gerecht werden zu können. Es ist hohe einen Anzug für fich und feine Familienangehörigen faufen Wenn in den nächsten Monaten ein starkes Anschwellen Beit, daß hinter die geplante Einrichtung ständiger Feststelzu können. Man blide nur einmal hinein in die Saushal- gewerkschaftlicher Bohnbewegungen zu verzeichnen sein wird, lung der Lebensfoften Dampf gemacht wird, damit die komtungen der Arbeiter, der Angestellten bis hinüber zu dem fo ist das eine Folgewirkung des Mißverhältnisses von Lohn menden Zeiten uns nicht unvorbereitet finden. früheren bürgerlichen Mittelstand. Geflicte und immer mie- und Lebenshaltung. Wie stark die Spannung zwischen beiden Vorsorgen, nicht hinterher hinten, wenn der geflicte Bett- und Leibwäsche, zerschliffene Ober- und wirtschaftlichen Faktoren geworden ist, zeigen uns statistische die Ereignisse uns überrascht haben! Das ist Unterkleidung, mit einem Wort: nichts Richtiges am und im Berechnungen, die die Samburger Gewe rfidhafts- nicht nur eine volkswirtschaftliche, sondern auch eine eminent Reibe! Das find die herrlichen Betten, denen wir nach einem Eommission in der letzten Zeit angestellt hat. Danach politische Aufgabe für unsere Vertreter in den Regierungswilhelminischen Wort entgegengeführt worden sind. braucht eine fünfföpfige Familie- nicht etwa nach Schleich ftellen. Lohn und Lebenshaltung müssen in UebereinDazu kommt noch ein Anderes: In Tausenden und handelspreisen zurzeit 717,40 mart monatlich fir ftimmung gebracht werden, wenn unsere Wirtschaft gefunden aber Laufenden Fällen baben die jungen Leute, deren männ - ihre Erhaltung. Nach einer anderen Berechnung, die auf foll. Hans Weber. licher Teil vier Jahre lang allen Schrecken des Krieges Troy Beranlassung der französischen Machthaber im besetzten bieten mußte, während der weibliche Teil daheim in schnverer Rheingebiet aufgemacht wurde, kam man fogar auf monatgeistiger oder förperlicher Arbeit die Stellen der Männer lich über 1200 mart für eine vierföpfige& a- übernahm, und sich daneben in Sehnsucht nach dem Geliebten milie. Damit vergleiche man einmal die durchschnittlichen Aus dem Reichswehrministerium wird den B. P. N. geberzehrte, nunmehr den Bund fürs Leben schließen fönnen. Arbeitslöhne und Gehälter, wie sie zurzeit gezahlt werden. fchrieben: Der Vorwärts" beschäftigt sich in seiner Nr. 619 Nicht einmal ein eigenes Seim können sie sich schaffen. In der Mehrzahl der Arbeiterfamilien kann nicht einmal der vom 4. 6. M. mit der Beitung Offene Worte", die ein die Selbst wenn sie trop der wahnsinnigen Möbelpreise den not. Mann, gefdyweige denn Frau und Kinder an Nahrungsstoffen baltischen Soldaten verherrlichendes Gedicht gebracht hat. dürftigsten Hausrat zusammengefragt haben, müssen sie in- das erhalten, was der Störper braucht. Die immer höhe: Trotzdem von hier aus dem Vorwärts" schon vor Wochen mitfolge der Wohnungsnot noch monatelang mit Gltern steigende Rurbe der Tuberkulofeerfrankungen geteilt worden ist, daß bie Offenen Worte" fein amtoder Verwandten die enge Behausung teilen. zeigt uns den Weg. ben wir dadurch beschritten haben. liches Organ sind und nicht aus amtlichen Mituns ist ein Fall bekannt, wo dieser Tage in einer Arbeiter- Die nächsten Wochen und Monate werden uns also um- teln unterstügt werden, wird jetzt wieder behauptet, das familie Sohn und Tochter an einem Tage beirateten. Und fangreiche Lohnbewegungen bringen. Im Intereffe unserer Blatt wäre vom ste ich swehrgruppenkommando I beide jungen Ehepaare müssen vorerst bei den Eltern fam- Boffswirtschaft müssen wir dafür forgen, daß beizeiten Vor-( Büttwit) herausgegeben. Erneut wird festgestellt, daß das gepieren, weil kein Raum ist in der kleinsten Sütte". War forge getroffen wird, damit diese Bewegungen sich nicht in nannte Kommando die Offenen Worte" nicht herausgibt und das Sinken der Moral schon eine der übelsten Begleiterfchei- verzweifelten Streits Ruft machen, um dann nach Tagen oder darauf auch feit geraumer Zeit einen Einfluß mehr ausnungen des Krieges, so erwachien neue fittliche Gefahren aus Wochen der Arbeitsruhe mehr oder minder erfolgreich zu üben fann. Das Blatt erscheint jetzt in privatem Verlag als dem Zusammenpferdhen mehrerer Ehepaare in eine enge Be' enben. Wegweiser für das deutsche Bolt in Stadt und Band". Bom
Was wir heute in unserem Wirtschaftsleben sehen, ist au einem großen Teile unverhüllter Raubbau am Bolte. Wo ist heute noch dem Arbeiter nach dem oben er- An diese in großen Umrissen sfizzierten widerfinnigen mähnten ökonomischen Gesez es möglich, einen Bohn fein eigen wirtschaftlichen Erscheinungen nehmen einem großen Teil des zu nennen, der ihm die Reproduktion feiner Arbeitsfraft ge- arbeitenden Volkes die Freudigkeit, tatkräftig mitzuarbeiten währleistet? In den allermeisten Fällen ist er nicht einmal in am Wiederaufbau unseres daniederliegenden Wirtschaftsder Lage, von seinem hohen" Lohn ein Semd, geschweige denn lebens.
Die Offenen Worte".