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Nr.625.36.Jahrg.

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Sozialdemokrat Berlin ".

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Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Ferniprecher: Amt Moriavias, Nr. 15190-15197.

Sonntag, den 7. Dezember 1919.

Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferniprecher: Amt Moritplas, Nr. 117 53-54.

Die Metallarbeiter am Abgrund. Rede des Reichskanzlers.

Die zurzeit in der Berliner Verwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes maßgebenden Leute scheinen ihr Krümchen Verstand und jede ruhige Ueberlegung vollständig berloren zu haben. Nachdem der Verlauf des Berliner Metallarbeiterstreiks den Beweis für ihre krasse Unfähigkeit geliefert hat, die den Arbeitern sehr teuer zu stehen kommt, mußten sie für ihre Person und für ihre Partei um den Ein­fluß in der gewerkschaftlichen Organisation zittern. Sie be­mühen sich daher nach dem bekannten Rezept, den Metall­arbeitern einzureden, daß sie erſteris feine Niederlage erlitten haben, und daß zweitens die erlittene Niederlage durch den Berrat" der Rechtssozialisten herbeigeführt ist. Daß die Herren Rusch und Genossen dabei die weitestgehende Unter­stützung der ihnen in der Wahrheitsliebe gleichstehenden " Freiheit" finden, ist ganz selbstverständlich. Mit Entsetzen muß man jedoch sehen, daß diese Beute selbst vor der Zer­störung der Organisation nicht zurückschreden, nur um sich an der Herrschaft zu erhalten.

Der Metallarbeiterstreit wurde damit begründet, daß er sich gegen eine beabsichtigte weitgehende Verschlechterung der Metallarbeiterlöhne richte und daß die gefällten Schieds- I sprüche nicht genügen. Dagegen schreibt die Berliner Leitung des Metallarbeiterverbandes in der Freiheit" vom 13. November: nefu

Die Note an Deutschland fertiggestellt. lägerli! Dagegen muß sich die Annahme stärken, daß in Frankreich und England der Gedanke eines loyalen Friedens mit Einer Pariser Meldung zufolge hat der Oberste Rat, Deutschland nicht mehr mitsprechen darf. nachdem er sich mit den zu ergreifenden militärischen Maßnah­men gegen Deutschland beschäftigt hatte, am Sonnabend den Text der an Deutschland zu richtenden Note fertiggestellt. Ob die Note ultimativen Charakters ist, ist noch nicht bekannt.

Frankreich und England für Gewalt.

Deutschland will verhandeln.

Breffe im Berliner Rathaus hat der Reichskanzler am

Das

Bei dem Empfangsabend des Vereins Berliner Sonnabend eine Hochbedeutsame politische Rede gehalten. Heil des ganzen Boltes und damit auch der Landwirtschaft, der er jede Förderung zufagte, liege in der Stärkung der Arbeitslust und Zwischen Paris und London findet ein lebhafter Gedanken: des Arbeitswillens der Industriearbeiter, denn für alle gelte als austausch wegen der in Kürze eventuell gegenüber Deutschland an- Wahlspruch: nicht biskutieren, sondern produzieren. zuwendenden Zwangsmittel statt. Man kann fich des Ein­Uebergehend zu den Fragen der äußeren Politik führte der Kanzler aus: drucks ciner starken Nervosität in den diplomatischen uns mili tärischen Stellen der Entente nicht erwehren. Frankreich und Eng­" Es ist verschiedentlich die Behauptung aufgetaucht, die Ver­land sind bis zum Halfe mit Mißtrauen gegen Deutsch- handlungen über das Schlußprotokoll und vor allem and angefüllt, von dem sie die phantastischsten Märchen über dessen über die neuen, im Friedensvertrage nicht enthaltenen Forde­triegerische Rüftungen glauben. rungen seien von uns verzögert oder gar unterbrochen worden. Wenn die ententistischen Missionen in Berlin Deutschland mit Lassen Sie mich an die Tatsachen erinnern, aus ihnen wird die Un­offenen Augen betrachten und darüber fachlich berichten, so ist diese richtigkeit all dieser Behauptungen hervorgehen. Am 24. November Die bürgerlichen Zeitungen versuchen jetzt, den Metall- Saltung unfaßbar. Jedermann weiß, daß Deutschland voll ist der eine der zwei zu diesen Verhandlungen Bevollmächtigten, arbeiterstreit als völlig erfolglos abgebrochen darzustellen. Das kommen wehrlos ist und daß es sehr ernste Gegenwarts- und Herr von Simson, nach Berlin zurückgekehrt, um neue Instruk entspricht durchaus nicht den Tatsachen. Der von den Unter- Bukunftssorgen so stark erfüllen, daß nur der eine Wunsch in der tionen einzuholen. Das Verharren der Entente auf nehmern mit aller Energie geführte Kampf um den Abbau der Regierung und im Volke lebendig ist: Ruhe von außen zu ibren Strafforderungen machte diese Rüd­Söhne ist restlos zurückgeschlagen. Darüber hinaus finden die haben, was in Paris jest vorgeht, namentlich die geheimnis- reise und eine neue Stellungnahme der Reichs- jezigen Verdienste der Berliner Metallarbeiter ihre Regelung vollen militärischen Unterredungen zwischen dem regierung notwendig. Am 25. bereits ergingen durch den Schiedsspruch vom 2. November 1919. Wir empfehlen französischen und dem englischen Oberkommandierenden, ist absolut dieſe neuen Instruktionen an den in Paris gebliebenen den Berliner Metallarbeitern, diese Schiedssprüche zu studiere, verrückt und nur geeignet, die Verwirrung in Europa noch mehr zu bevollmächtigten Unterhändler, den Herrn von Lersner, der darauf, und einen Vergleich mit den bisherigen Verdiensten vorzu- steigern. Auch der Oberste Rat hat sich mit den militärischen Sach hin sofort die Besprechungen fortjet Am selben Tag lam die verständigen beraten und ein vollkommenes Einverständnis mit franzöfifche Note, in der der Oberste Rat sich mit der Abreise des Das soll doch also wohl heißen, daß mindestens für einen diesen erzielt. Die militärischen Machtmittel Frankreich 3 und Herrn von Simion beschäftigt und Auskunft über die Absichten der Teil der Metallarbeiter durch die Schiedssprüche, die anfangs England& stehen bereit. Von Straßburg aus finden seit vier deutschen Regierung verlangt. Am 28. empfing Herr von Lerner für unannehmbar erklärt wurden, noch eine Aufbesserung Tagen starke Verschiebungen von Artillerie nach dem auch darüber die eingebendsten Inftruktionen, die er am Montag, ihrer bisherigen Löhne erzielt wurde, denn eine wesentliche rechten Rheinufer statt. Die Rheinbrüde bei Rehl ist von zahl- dem 1. Dezember, in ausführlicher Unterhaltung Herrn Dutafta Aenderung der ursprünglichen Schiedssprüche ist nicht erreichen Geschüßen schweren Kalibers passiert worden. vortrug. Darin war unser Schiedsgerichtsvorschlag an folgt. Und als am 18. Oftober die ins Stoden geratenen Es handelt sich bei dem jest vorbereiteten militärischen Auf- erster Stelle enthalten und Herr Dutasta versprach, uns möglichst Verhandlungen mit den Arbeitgebern wieder aufgenommen marsch gegen Deutschland um eine ausschließlich franzö= bald die Antwort zukommen zu laffen, damit wir unterhändler und wurden und beide Parteien die Verpflichtung übernahmen, fisch englische Aktion. Sachverständige zu den dann notwendig werdenden weiteren Ber­sich dem neuen Schiedsspruch unbedingt zu unterwerfen, da Amerika ist, wie es scheint, daran in keiner Weise behandlungen entfenden können. Die Antwort steht beute farieb die Freiheit " folgendes: teiligt. Es kann keine Abficht haben, die ihm im Senat erwachse- noch aus, was wahrlich keine Verzögerung von unserer Seite nen Schwierigkeiten für den Friedensvertrag noch mehr zu stärken. genannt werden kann. Wie sehr uns an der schleunigen Ratifikation Außerdem ist es mit der merikanischen Frage, die sehr ernste Kon- und einer Errichtung des Protokolls gelegen ist, das mögen einige fequenzen nach fich ziehen kann, außenpolitisch vollkommen be- Stellen aus der Instruktion beweisen, die am 28. November schäftigt. nach Paris gegangen ist. Darin hieß es:

nehmen."

" Das neue Schiedsgericht wird am Sonnabend zusammen­treten. Wir hoffen, daß es unter dem Eindruck der großen, kräf­tigen Bewegung zu einer Zöfung der Streitfragen kommen wird, die es den Arbeitern möglich machen wird, sich der Entscheidung des Schiedsgerichts zu beugen, ohne daß bei ihnen das Gefühl der Vergewaltigung zurüdbleibt.

Die Korrektur am Schiedsspruch vom 21. August wird vor allem darin bestehen, daß die zu gewährenden Lohnzuschläge auch in der 5. Lohnklasse von 5 auf 10 Pf. erhöht werden.

Vollkommen ausgeschlossen ist, daß Italien mit diesen Dingen irgend etwas zu tun hat. Dort ist, wie wir wissen, eine allgemeine, unverkennbar willensstarke Strömung für die Aende. rung des Friedensvertrages im Sinne einer Das, was hier als das Hauptzugeständnis der Arbeit- ilderung für die Unterlegenen vorhanden und für geber bezeichnet wurde, welches die Annahme des Schieds- die politische Haltung Italiens in der Friedensfrage bestimmend. spruchs den Arbeitern möglich macht, war aber bereits auf ber Brüffeler Bölkerbundskonferenz hat Ferrero auf die dem acht Tage vorher von den Arbeitgebern auf Bersailler Gewaltfrieden entfeimenden Gefahren hingewiesen und die in Italien wie anderswo herrschende Gärung einen Vorschlag des Reichsarbeitsministers als Folge der von der Bersailler Konferenz be= zugestanden worden. und dürften unmöglich Best and haben. Die italienische De­gangenen Fehler bezeichnet. Diese Entscheidungen könnten putation tritt, nach einem Bericht des Secolo", entschieden für die Revision des Versailler Friedens ein.

Genau so widerspruchsvoll war die Haltung der unab­hängigen Streifleitung in der Frage des Generalstreiks. Nach dem auch die Gewerkschaftskommission, genau wie die große Mehrheit der Arbeiterschaft, den Generalstreit abgelehnt hatte, erließ die Streifleitung zusammen mit der U. S. P. einen Aufruf, in dem es heißt:

ftreit aufzurufen.

Die berechtigten Soffnungen der kämpfenden Metallarbeiter auf Verkündung des Generalstreiks sind durch die Berliner Ge­werkschaftskommission zunichte gemacht worden. Die Gewert­schaftskommission hat es abgelehnt, zum allgemeinen General Das verräterische Treiben der Rechtssozialisten hat bis in die Reihen der Gewerkschaftskommission hinein seine Wirkung getan. Vertreter der für das Gelingen der Aktion entscheidenden Berufe stimmten gegen die Beteiligung am Generalftreit.

Wie sie nunmehr den Kampf um die bisherigen Arbeiter­rechte in den Betrieben führen wollen, das bleibt der Verant­wortung der Mehrheit der Gewerkschaftskommission und ihren politischen Drahtziehern überlassen."

Am nächsten Tage aber schreibt dieselbe Freiheit" in einem Reitartikel:

Die Gewerkschaftskommission hat nach ruhiger, fachlicher Prüfung der Lage und der Erfolgsmöglichkeit des Kampfes die Berantwortung für den Generalftreit nicht übernehmen können und sich gegen ihn entscheiden müssen."

Die ausgesprochenen 3 weifel an der aufrichtigen Absicht Deutschlands , die Bestimmungen des Waffenstilstandes und des Friedensvertrages zu erfüllen, sind unbegründet. Die deutsche Regierung verwahrt sich gegen den Vorwurf, für die Verzögerung des Infrafttretens des Friedensvertrages berant­wortlich zu sein. Bereits am 16. Juli haben wir ratifiziert, feit­dem warteten wir darauf, daß die zur Errichtung des ersten Ratifitationsprotokolls erforderliche Zahl ratifizierender Haupt­mächte zufammentäme. Der deutsche Vertreter in Paris war feit langem mit Vollmacht zur Unterzeichnung des Ranfilations­protokolls versehen. Erst am 2. November wurde uns davon Kenntnis gegeben, daß England, Frankreich und Italien die Ratifilation vollzogen haben. Diese drei Mächte haben aber nicht ihre Bereitwilligkeit erklärt, den Frieden durch Errichtung des Natifikationsprotokolls ohne weiteres in Kraft zu setzen, sondern haben hierfür neue schwere Bedingungen ge stellt, die in feiner Beziehung zum Friedensvertrag stehen.

Die deutsche Regierung wünscht nach wie vor eine schleu nige Herstellung des Friedenszustandes durch Infraftsegung des Versailler Vertrages."

Regierung fest entschloffen sind, alles aufzubieten, um die vom Es bedarf wohl keines Hinweises, daß Deutschland und seine Westen kommenden neuen militärischen Gefahren durch Ver= handlungen zu beseitigen und England und Frankreich von dem loyalen Friedenswillen des deutschen Bolles zu überzeugen. Der Reichskanzler schloß mit einem starken Appell, auf Die Entente soll aber alles tun, um die gütliche Aufklärung der diefer Grundlage, auf der auch die übergroße Mehrheit von Differenspunkte zu ermöglichen. Der Gebante, daß wir in hinter. Volk und Boltsvertretung stehe, zusammenzuhalten in Einigkeit und bältiger Weise den Friedensvertrag fabotieren wollen, ist einfach Recht.

ist das eine grobe rreführung gewesen. Das sei nicht er wird es doch auch nicht mit einer Handbewegung abtun das Verdienst der Rechtsofzialisten gewesen, sondern der können, daß der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Mitglieder der u. S. P. Es sei ein Verrat der Angestellten, der ebenfalls unabhängige Friz Schmidt ihm eigenen Parteigenossen gewesen."

in öffentlicher Versammlung den Vorwurf gemacht hat, daß er Der Arbeiter ,, führer" und Stratege Rusch hat am in 48 Stunden dreimal seinen Standpunkt Sonntag in der Generalversammlung des Metallarbeiterver- zum Generalstreit gewechselt habe. Und wie will bandes erklärt, noch kein Streit der alten S.- P.- D.- Leitung Rusch seinem Parteigenossen Schmidt widerlegen, der habe mit einem vollen Erfolge für die Arbeiter geendet, und ferner erklärte, daß ein Teil der Fünfzehnerkommission die er glaubte sich damit gegen die Kritik der von ihm und seinen personifizierte Unfähigkeit gewesen sei, und daß Freunden während des Streifs befolgten Taktik zu schützen, die ganzen Schwierigkeiten bezüglich der Wiedereinstellung auf die der Mißerfolg des Streiks zurückzuführen ist. Es der Arbeitervertreter daher gekommen seien, daß die Streif­fommt aber nicht darauf an, ob ein Streit Erfolg hat, son- leitung 14 Tage Zeit brauchte, um darüber zu entscheiden, In der Vollversammlung der unabhängig- fommunisti dern darauf, ob man alles tut, um einen Erfolg zu erzielen. ob die Arbeiterräte im Betriebe bleiben sollen oder nicht. Als schen Arbeiterräte Groß- Berlins vom 12. November erklärt Wie wenig gerade R us ch seine Taktik als die allein richtige dann nach 14 Tagen dieser Beschluß gefaßt wurde, waren sie dann sogar der unabhängige Arbeiterrat Bah Is in einer, hinzustellen berechtigt ist, ergibt sich ja schon allein aus der bereits aus den Betrieben heraus und es war zu spät. Und Besprechung des Metallarbeiterstreiks: Tatsache, daß er bei den Verhandlungen über die Wiederein- wie will man es rechtfertigen, daß die Fünfzehnerkommission Die Gewerkschaftskommission hat bewiesen, daß sie die stellungsbedingungen einen Generalftreit für unmöglich er- als Leitung dieser großen Bewegung in ihrer Zusammen­Intereffen der Arbeiter zu vertreten nicht mehr imftande ift. flärte, aber din nächsten Tage wie ein Beseffener dafür ein fegung fortwährend wechselte, und daß verantwortliche Per­Wenn die Freiheit" schrieb: Verrat der Rechtssozialisten", so I trat und alle Andersdenkenden für Verräter erklärte. Und sonen schließlich nicht mehr vorhanden waren.