Nr. 168.37.Jahrg.
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B
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Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands
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Mittwoch, den 31. März 1920.
Die dänische Krise.
Die Haltung der Konservativen.
Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 117 53-54.
Leibregimenter der Hohenzollern
Heinrich v. Treitschke , der sich nicht genug tun konnte in Gefühlsüberschwang für die Hohenzollern , wollte einmal den Die Krise, die der König von Dänemark durch seine Berliner Studenten auf einem Sommerse etwas ganz chauvinistischen Tendenzen entsprungene diktatorenhafte Ver- Die konservative Volkspartei beschloß einstimmig Schmeichelhaftes sagen, er nannte sie das Leibregiment der abschiedung des Rabinetts Bable vom Baum gebrochen hat, einen Aufruf an das dänische Bolt au richten, in dem es Hohenzollern . Heute gibt es nicht nur ein Leibregiment der besteht in voller Schärfe weiter. Ob die friedliche heißt: Der König hat fraft seines verfassungsmäßigen Rechts und Hohenzollern , das den Schläger führt, heute gibt es eine Lösung, die in Vorschlag gebracht worden ist, Gnade vor in voller Uebereinstimmung mit dem parlamentarischen Staatsge- studentische Leib armee der Hohenzollern , die mit Handden Augen des Dänenfönigs finden wird, erscheint mehr als brauch an sein Volt appelliert. Er hat die Minister entfernt, die granaten und Flammenwerfern, mit leichten und schweren zweifelhaft. Danach würde das neue Rabinett mit dem däni- fich zwischen ihn und das Bolt stellten und die eigenmächtig die Maschinengewehren begeistert, stets bereit ist, gegen die Arschen Reichstag in Verhandlung treten, ehe die Auflösung des Krone daran hinderten, den Willen des Voltes zu erfahren. Das beiterschaft zu Felde zu ziehen. Universitäten und andere Parlaments ausgesprochen wird. Die Haltung des Parla- Schicksal des Landes ist wieder in die Hand des Boltes gelegt. Die Hochschulen wetteifern im Haß gegen die Republik , ihre Verments fönnte allerdings nach seinen bisherigen Beschlüssen tonservative Boltspartei richtet die eindringliche Aufforderung an faffung und ihre Träger. In jugendlicher Unkenntnis der nicht zweifelhaft sein. Es wäre genötigt, der neuen Stegie- alle besonnenen und patriotischen Bürger, fich zusammenzuschließen tatsächlichen Verhältnisse jagen fie der Utopie einer Wiederrung sein Mißtrauen auszusprechen, ein sich auf die zum Schuß gegen die staatsgefährlichen und zer. fehr der deutschen Monarchien, einer Wiederherstellung der Mehrheitsparteien stigendes Ministerium feßenden Bewegungen in unserem Lande, damit die betor. verfassungsmäßigen Zustände von 1914 nach. würde an ihre Stelle treten und dieses hätte dann die Neu stehenden Folketingswahlen durchgeführt werden können. In parwahlen auszuschreiben. Eine wesentliche Aenderung wäre teipolitischem Interesse wird der Staat von demokratischer Seite bamit aber taum geschaffen, höchstens die Krise vertagt. Im mit einer Lähmung aller Bebensfunktionen bedroht. Wir weisen einzelnen liegen uns folgende Meldungen vor: diese Getralthandlung zurück.
B
Die Republik als Wahlparole. Kopenhagen , 30. März.( W. T. B.) Zur Beratung ber gegenwärtigen politischen Lage hielten heute die Reichstagsfraktionen Sizungen ab.
Die sozialdemokratische Partei beröffentlichte einen Aufruf, in dem es heißt: In naher Zukunft fönnen wir Wahlen erhalten. Wir fordern, daß die arbeitende und demokratisch fühlende Wählerberölferung auch bis zum letzten Mann stimmt und die reaktionären Pläne zu vernichten fucht. Losung bei den Wahlen ift Durchführung der Demokratisierung der Verfassung. Einführung der Republik und des Einkammerfystems und Herabjegung des Wahlalters auf das 21. Lebensjahr. Es muß in der Berfassung eine Einheitlichkeit geschaffen werden, damit feine fönigliche Baume die ruhige parlamentarische Entwidlung ftören kann.
Aufruf der neuen Regierung. Kopenhagen , 30. März. In dem gestern von der neuen Regierung erlassenen Aufruf an das Bolt heißt es u. a., die Minifter feien einig in der Ueberzeugung, daß der König mit vollem Recht daran gezweifelt hat, daß das Folkething in der gegen. wärtigen Lage ein zuverlässiger Ausdruck des Willens des Boltes sei; daher würden sie als Geschäftsministerium durch Wahlen zum Follething die Sicherheit schaffen, daß die Volksvertretung ein zu verlässiger Ausdruck des Volkswillens werde, und dann zur id. treten
Beratungen des neuen Kabinetts. Ropenhagen, 31. März. Gestern abens hielt bas neue Ministerium beim König die erste Sigung ab und unter. schrieb das Finanzgefet und andere vom Reichstag angenommene Gesegesvorlagen. Heute vormittag wird das Ministerium wiever
beraten.
Streifbrecher.
Kopenhagen , 31. März. Die Arbeiterfchaftber Schiff& werft Burmeister n. 23ain hat befchloffen, sich dem General
Schwedische Stimmen.
Einheitsfront der Sozialisten und Gewerkschaften. Kopenhagen , 31. März.( W. T. B) Der Hauptborstand der dänischen Sozialdemokratie bat gestern abend nach einem Bericht des bisherigen Arbeitsministers Stauning über die Lage die Ausschließung des Abgeordneten Matott, ftreit nicht anzuschließen. der in der nordschleswigschen Frage sich den Chauvinisten angeschlos sen hatte, beschlossen, und in einer Entschließung erklärt, er stimme der Haltung der Parteileitung anläßlich des Staatsstreichs und dem Aufruf der Reichstagsfraktion zu und verspreche Unterstützung ber, bom Parteivorstand zu fassenden Beschlüsse. Der Hauptborstand fordere die Barteigenossen und organisierten Arbeiter auf, mit allen Kräften die Beschlüsse zu unterstützen, die die Generalversammlung der Gewerkschaften am 31. März vormittags faffen wird.
schiedene reaktionäre Triebfräfte zum intensivsten Hasse alles In der heutigen Studentenschaft vereinigen sich gar berdessen, was heute in Deutschland rechtens ist und die Hoffmung der breiten Masse des deutschen Volkes ausmacht. Die Studentenschaft stammt zu reichlich neun Behnteln aus den Familien der Wohlhabenden, der Beamten und der Offiziere. Ihre Erziehung, von der oft mur äußerlich fauberen Kinderſtube über die Schulen der Bevorrechteten, die Vorschulen und über die Gymnasien, führt zu einer ganz einseitigen Geistes. richtung der jungen Leute. Mit der Muttermilch, noch häufiger mit der Ammenmilch, saugen fie den lassen. gegenfag ein, von frühester Jugend geschieden von den Altersgenoffen, die der arbeitenden Kaffe angehören, fühlen fie fich trotz aller deutschynationalen Worte tatsächlich nicht als Deutsche , sondern als Angehörige einer Nation i'm deutschen Volke. Das Wort des jungen Disraeli bon den amei Nationen galt nicht stärker für den englischen Roblenarbeiter bor 75 Jahren, als für den deutschen Shi benten, ja schon den deutschen Gymmafiasten amserer Tage. Diese Gegensätzlichkeit der deutschen Studentenschaft zum großen Volksganzen ist nach dem Kriege schärfer geworden als jemals zuvor.
fuchenden stand im Felde, und von diesen waren die meisten Ein ganz erheblicher Teil der jett bie Universitäten BeStriegsleutnants oder es war ihr höchstes Sehnen, dies zu werden. Daß wir den Krieg nicht zuletzt auch deshalb berAriftiania, 31. März. Die schwedische Bresse verurteilt ein foren haben, weil die zwei Nationen verständnislos nebenbeitlich das Vorgehen des Königs von Dänemark , das, wie sich das ist nur zu fehr bekannt. Meit allem Hochmut des jungen Offieinander ober, besser gesagt, untereinander im Felde standen, Dagbladet" ausbrüdt, ein chauvinistischer Hebergriff siers, mit allem Streben, sich zu einer recht eigenartigen auf deutsche Landesteile sei. Selbst das Regierungs- Spezies des„ Edelmenschen" zu züchten, kehrten diese Offiblatt Intelligenzsedler" wendet sich mit aller Schärfe gegen den ziere und Offizierskandidaten in die Hochschulen zurück. Weit Uebergriff des Königs.
Jm revolutionären Elon hat die Arbeiterschaft des Industrie gebiets die Reaktion niedergeworfen. Restlos ist das Kohlenbecken Wolff meldet: Die Reichsregierung hat ans Duisbon Nostiden befreit. Auf Grund dieses gewaltigen Erfolges hat burg das nachstehende Telegramm bekommen: Die Lage in die Verhandlungskommission eine Basis gefunden, auf der sie in Duisburg hat sich so zugefpist, daß die Ordnung nur durch un- Bielefeld mit Erfolg arbeiten konnte. Die Bielefelder Ab. verzügliches Eingreifen der Reichswehr wieder her machungen stellen einen gewaltigen Erfolg bar und gestellt werden kann. Rückflutende bewaffnete Maffen haben die Ausgänge der Stadt befeht und zwingen mit Gewalt die Werke zum Stillstand. In der Stadt herrscht nach wie vor die Witür einiger linkskommunistischer Elemente. Die Hoffnung, in der Stadt beim Zusammenbruch der roten Front mit Bolizei und Ortswehr die Ordnung selbst wieder herzustellen, muß auf. Oberbürgermeister, Sentrumspartei, Sozialdemokratische Partei ,
gegeben werden.
Deutschdemokratische Partei.
Unser Duisburger Parteiorgan schreibt: Der Wahnsinn der Berliner Butschisten bahnte in unserer Stadt
werden von einsichtigen Arbeitern auch als solcher gewürdigt. Die Durchführung der Beschlüsse würde garantieren, daß die Realtion nie wieder gegen bie Arbeiterklasse losgehen könnte. Leiber wird aber von einer bestimmten Seite gegen die Beschlüsse Sturm gelaufen und alles versucht, die Erfolge als nichts hinzustellen. Diese Bewegung geht von Leuten aus, die politisch durchaus un flare Köpfe haben oder ganz im Fahrwaffer von Spartakiften und Anarchisten schwimmen. Bei Beginn bes Rampfes waren fie teilweise nicht zu finden; jest maßen fie fich an, entscheidend einan greifen. Die ganze Bewegung ist ihnen nicht radikal genug. Leider nüßen die schönsten Worte nichts, wenn keine Taten
einem Zustand der Unhaltbarkeit, der Frivolität, der vom Egoismus folgen können. Und die Ausrufung der Diktatur des Proletariats cinzelner herrschsüchtiger Fanatiker getragen ist, den ist finnlos, wenn sie nicht durchführbar erscheint. Es muß ausBeg. Die Idee der Diftatur, die durch räuberische Requi - gesprochen werden, selbst auf die Gefahr, als Stetzer auf den fitionen und sonstige fahrlässige, an das Indianerhafte grenzende Scheiterhaufen zu kommen. So unmöglich wie im heutigen Deutsch Handlungen zum Ausdrud gebracht wurde, wird sich bald als ein land eine Rapp- Regierung ist, so unmöglich ist zurzeit die Errich Produkt politischer Unreife erweisen. Was jene Leute einst tung einer Räteherrschaft. Der Versuch, durch Gewaltmaßnahmen bekämpftea und betrittelten, machen fie heute zur Tat, besudeln das die Arbeiterschaft in ein Fahrwasser zu treiben, welches in der ideale Programm ihrer großen Führer und erniedrigen die Arbeit Diktatur des Proletariats mündet, birgt unzweifelhaft die Gefahr der großen Männer, die mit der Arbeiterbewegung, dem Sozialismus in fich, der Reaktion und dem weißen Schreden in straff verwachsen waren. Nicht Führer sollten sich diese Menschen den Sattel zu helfen. Es ist reine Ludendorfferet, wenn nennen, sondern als Verführer werden die Saboteure der Bevölke- Genossen sagen, die Kampftruppen und ihre militärischen Führer Wild und Koch gebrandmarkt werden, wenn in diesen entscheiben allein über die Biele des Kampfes. Genau so war es Zagen ein durch sie verschuldeter und bis aufs äußerste verseuchter im Weltkriege. Wohin das führte, spürt das deutsche Bolt heute Goll es in diesem Kampfe genau so gehen? Sollen Apparat zusammenbricht. Nicht dem Kommunismus galt ihr San. täglich. Soll es in diesem Kampfe genau fo gehen? beln, sondern ihren eigenen Interessen, die dem aus dem Fanatismus politische Rindstöpfe nur deshalb, weil sie mit der Stnarre um gehen tönnen, entscheidenden Einfluß haben? Wenn es nach den geborenen elenden Räubertum entsprechen. Wünschen der Mülheimer Extremiften ginge, würde es so enden, Die Unabhängigen gegen die„ Ludendorffe von links" wie Ludendorffden Weltkrieg beenbete. Bei richtiger In einem unabhängigen Parteiorgan äußert sich der gerade Durchführung der Bielefelder Beschlüsse ist das Proletariat einen nicht mäßige Führer der Sagener unabhängigen gewaltigen Schritt weiter auf dem Wege zu seiner Befreiung. Josef Ernst, in dessen Händen die Aufmarsch bewegung allerdings muß eine Voraussetzung vorhanden sein: Die Regie des Proletariats gegen die Reaktion hauptsächlich mitgelegen hat, rung muß die reaktionären Truppen unter keinen Umständen ins twie folgt: Ruhrgebiet marschieren zu lassen!"
rung
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mehr als von wissenschaftlichen Trieben find fie vom militärischen Geiste erfüllt. Wirft es auch über alle Maßen fomisch, wenn sie fingen:„ Siegreich wollen wir Frankreich fchlagen", so berauschen sie sich doch an dem Gedanken des Revanchefrieges nicht nur auf der Kneipe und auf dem Kommers, felbst in den Vorlesungen vieler Professoren, deren politische Hochziele mur gar zu oft nicht über den Gesichtsfreis unreifer und politisch ungeschulter Studenten gehen. Der Geist der Studentenschaft hat weit tiefere Gründe als die politische Unbildung nicht boltstümlich erzogener tatsächlich den Ausschlag für die tiefe Unzufriedenheit der Bourgeoissöhnchen. Wirtschaftliche Gründe geben tatsächlich den Ausschlag für die tiefe unzufriedenheit der bewußt sein wollen. Wer sich, wie der Verfasser dieser DarStudentenschaft, wenn sich auch die jungen Leute dessen nicht legungen, die Gelegenheit nicht entgehen ließ, die Lage der Studenten zu prüfen und mit ihnen über ihre Hoffnungen und Aussichten zu sprechen, fommt zu gona nüchternen Betrachtungen, die von den hochgemuten, phrafenhaft nationalistischen Bierreden start abweichen.
Die Studenten empfinden die angebeurre often
höhe des Studiums, eine Wirkung der Geldentwertung, der feinerlei Einschränkungen der studentischen Korborationen und ihrer gesellschaftlichen Forderungen an die Studenten entspricht. Die Studentenschaft ist heute wohl noch mehr verschuldet, als sie früher war. Die Aussichten, die Schulden nach Beendigung des Studiums abzutragen, sind sehr gering.
Für fast alle Berufe, die akademische Bildung bisher bonausgelegt haben, besteht ein unheimlich großes Ueberangebot gegenüber einer der nicht unbegründeten Vermutung der Studenten rasch finfender Nachfrage. Die Universitäten waren niemals fo start besetzt wie gegenwärtig, obgleich die zahlreichen Ausländer, die früher unsere Universitäten befuchten, zu einem kleinen Säuflein zusammengeschmolzen find. Den start steigenben Zubrang ber Studenten zu den Universitäten mußten fie instinktiv als eine Gefahr stark fteigenden Angebots auf ihrem fünftigen Arbeitsmarkt empfinden.
Dazu kommt noch eine für die Stimmung der Studenten am meisten Ausschlag gebende Erwägung. Die Studenten fürchten, daß die Demokratisierung unseres Staatswesens 6ie Vorrechte, die das alte System den aus den Univerfitäten kommenden gesichert hat, verloren gehen könnten.